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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-09 · 32 (9.8.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 596 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 32 Ich sagte schon, Resel hätte auch eine Bibliothek zeri lesener Romane besessen. Diese wanderten von Hand zu Hand. Natürlich sind hier weibliche Hände gemeint. Von der seligen Louise Mühlbach wurde schon gesprochen. Aber auch Spindler, Clauren und Tromlitz waren sehr beliebt. Besserem Geschmacke diente auch der vjelgelesene Hauff. Schade, daß die Marlitt damals noch nicht bekannt war. Um einen solchen Roman von Fräulein Resel zu erhalten, dazu gehörte besondere Protection. Geld oder Geldwerth nahm sie natürlich nicht. Dazu war sie viel zu stolz. Nicht um schnöden Mammon verkaufte sie ihre Schätze, obgleich sie nichts weniger als Reichthum vom Vater geerbt, und ihr Gewürzladen sie auch nicht im Ueberfluß schwimmen ließ. Dafür war sie Schmeicheleien zugänglich, denn welcher Mensch hätte nicht eine Schwäche? Die Schmeicheleien bezogen sich aber nicht auf vergängliche Schönheit, denn diese hatte Mutter Natur diesem ihren Stieskinde versagt; und sie wurde von ihr wenig geschätzt, auch ihre Toilette, wie wir schon bemerkten, ein Gemisch von Rococo und Empire, war nicht im Stande das zu verbessern, was die Natur verdorben. Wohl aber hörte sie es gerne, wenn man das hohe Lied ihrer Bildung anstimmte, sich bei ihr Rath's holte, ihre Worte citirte, oder sie gar um eine Entscheidung in der Streitfrage anrief, ob ein strittiges Citat oder Wort von Schiller oder Goethe gesagt worden sei. Da glühte sie, wenn sie im Streite der Meinungen das entscheidende Wort sprechen konnte; und wenn man von Bewunderung über ihre Bildung erfüllt, diese lebhaft zum Ausdrucke brachte, dann konnte man es wagen, an sie die Bitte zu richten: „Fräulein Resel, seien Sie nicht böse, aber leihen Sie mir „Kaiser Ferdinand und sein Hof"- von Louise Mühlbach"! „Den Kaiser Ferdinand habe ich jetzt nicht zur Hand, mein theuerstes Kind", sagte sie dann wohl, „aber den „Juden" von Spindler sollst Du haben; — Hauff's „Liechtenstein" ist auch nicht zu verachten, aber ich weiß, ihr jüngeres Geschlecht seid nicht Freund den Classikern". Was die jüngere Männerwelt anlangt, so interessirte sie sich für deren Studien außerordentlich. Wie viele von diesen jungen Männern hat sie emporwachsen, Doctoren werden, oder auch verderben gesehen! Mit Vorliebe sprach sie mit diesen jungen Männern, wenn sie von der'Universität in die Heimat kamen, französisch. Denn Fräulein Resel sprach auch die Sprache Voltaire's und in ihrer Bibliothek fand sich auch ein alterthümliches, stark nach Tabak duftendes Exemplar des „Obarles douze", dieses vielgelesenen Werkes des witzigen Franzosen, das den excentrischen Schwedenkönig gleich einem Romanhelden behandelt. Kritische Personen, wie es ja solche geben soll, hätten freilich Manches auszusetzen gehabt an der Aussprache Fräulein Resels; Manchmal verwechselte sie auch die Hilfszeitwörter etre und avoir, aber so viel steht fest, sie sprach die Sprache der Gallier oft besser, als Mancker, dem ihr Erlernen viel Geld gekostet hatte, und die Bewunderung, die Fräulein Resels Bildung erregte, wurde durch das Parliren in's Unendliche gesteigert. — Nur die moderne Landplage, welche freilich damals ' noch nicht so epidemisch wüthete, wie heute, das Clavierspiel, war ihr fremd und sie hat auch das „Klimpern" nicht sehr gut leiden mögen. Gerne wurde sie zu Rathe gezogen, wenn es galt, zwei Kinder der Gaffe, Männlein und Weiblein, in das süße Joch der Ehe zu spannen. Sie ließ sich dann wohl den „Zukünftigen" vorstellen, spielte mit ihm eine Partie lllariage oder eine Partie „ä la guerre". „Im Spiele", so sagte sie, erkennt man den Mann ebenso, wie die Dienstmagd an den Semmeln, die sie sich beim Bäcker „anhängen" läßt. Wer im Spiel immer Ruhe bewahrt und weiß, daß es doch nur ein Spiel ist, der ist gewiß dem vorzuziehen, der aus dem Spiel Ernst macht und sich in Zorn und Eifer bringen läßt." Und dann fügte sie gerne ein Citat hinzu, etwa: „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst". — Das war ihre Schwäche. Auch sonst waren ihre Aussprüche viel begehrt und wurden auch viel citirt; z. B. „Der Schiddech (die eheliche Partie) macht sich erst nach der Chaffene (nach der Hochzeit); „das Wort, „es schickt sich nicht", kostet uns viel Geld" u. A., die von feiner Lebensklugheit und richtiger Beobachtung der Dinge und Personen Zeugniß gaben. Sie ist bis an die Grenze des Alters gelangt, das der Psalmist als das Menschliche bezeichnet. Als sie ihre Seele aushauchte, standen die „frommen Weiber" um sie und sprachen mit inniger Andacht das Glaubensbekenntniß. Noch einmal leuchtete es auf in dem verwitterten Gesichte, ein Strahl der Freude zuckte darüber hin und sie lispelte die Worte: „Der Rest ist Schweigen"; sie ist mit einem Citate auf den Lippen gestorben, die Gebildete der Gasse. Die „frommen Weiber" kannten es natürlich nicht, denn der Name Shakespeare war ihnen wenig geläufig. Unter dem Kopfkissen der „Gebildeten" fand man aber eine kleine Summe Geldes, welche nach ihrer, letzten Bestimmung unter die Armen sollte vertheilt werden. Louise Mühlbach aber und Clauren und Tromlitz und Hauff und die anderen Vertreter unserer Literatur, die sich in Resels Bücherkasten fanden, sollten nach eben dieser letztwilligen Bestimmung veräußert werden. Die Interessen des Erlöses aus der verkauften Literatur und dem versteigerten Gewürzladen wurden von ihr dazu bestimmt, alljährlich am Todestage Resels einen Abschnitt der Mischna lesen, den Kaddisch für ihr Seelenheil sagen und ein Licht für sie anzünden zu lassen. Und so gedenkt man noch jetzt in der Gasse Resels und was sie gethan zur Hebung der literarischen Bildung der weiblichen Jugend. Sie war eine „Gebildete^. Briefkasten. Anonymus. Obgleich Sie Ihre seltsame Kapuzinade nur mit zwei unleserlichen Initialen unterfertigen, wollen wir doch, die gute Absicht voraussetzend, dieselbe nicht unbeantwortet lassen. Der citirte Vers ist eine Variation eines alten Studentenliedes, und jeder vernünftige Mensch kann aus dem Contexte entnehmen, daß hier unter „Deutschen" die deutschnationalen Antisemiten gemeint sind. Wir wollen Ihr deutsches Nationalgefühl keineswegs antasten, ob, leich wir der Ansicht sind, daß kein Jude aus die jüngste Culturerrungenschaft des deutschen Volkes — den Antisemitismus — stolz zu sein braucht, und daß unsere Glaubensgenossen, durch die Erfahrung belehrt, besser daran thäten, ihr jüdisches Natioualgefühl hervorzukehren. Nichts berechtigt Sie jedoch, verächtlich von der Moral der polnischen Juden zu sprechen und zu sagen, daß diese an allem.Unheil schuld sind. Viel größere Schuld an dem Antisemitismus haben jene Juden, welche gleich Ihnen sich ihrer armen, mühselig um's Dasein ringenden Glaubensgenossen aus Galizien schämen und in den Hohn und Spott der Antisemiten über dieselben einstimmen. Herrn Em. T—g. Die Mittheilung, daß in dem C u rorte RoLnau die jüdischen Curgäste durch ein Mitglied der Curcapelle beleidigt wurden und der Bürgermeister ihnen die verlangte Genugthuung verweigerte, ist ja recht interessant, und hoffentlich werden unsere Glaubensgenossen fortab diese gastliche Stätte meiden. F. F. Kanitz. Wir warnen Sie und Andere vor besagtem Herrn Hayek, der nie Mitarbeiter oder Agent der „Oesterreichischen Wochenschrift" war und von uns auch keinerlei Empfehlungskarten erhielt. Herrn M. K—n aus Brüx. Herzlichen Dank für die freundliche Gesinnung, die Sie unserem Herausgeber entgegenbringen. Das letzte Pulver ist noch keineswegs verschossen. „Handwerker 44." Wenden Sie sich persönlich an Herrn Baurath S t i a ß n y. Herrn N. M—k—r Wien. Besten Dank, jedoch verspätet; Das Manuscript steht zu Ihrer Verfügung. Samuel Spitzer, Jägerudorf. Herzlichen Dank für das herrliche Poem. Bruder Studio. Sie fragen, welchen Zweck eine Wallfahrt nach Mariazell hat? Lese> Sie dach gefälligst den Bericht über die letzte Männerfahrl, den der Täufling Spitzer-Weimar höchsteigenhändig in der „Schmähpost" geschrieben hat. Da heißt es wörtlich: „Schließlich sei noch eines Elementes in der Theilnehmerschaft gedacht: der männlichen Jugend. Sie ist ja unsere Hoffnung und unsere Gewähr der Zukunft. Sie fehlte auch nicht in Mariazell. Und die Anwesenheit dieser liebenswürdigen jugewdlichen Gestalten, ihr mit echter Frömmigkeit, fern von aller Duckmäuserei, gepaarter Frohsinn, ihre Sangesfreudigkeit, ihr in allerlei Muthwillen und Schelmerei, zur rechten Zeit sich äußernder Jugendmuth, sie verliehen der Männerfahrt jenes ei genthümlich e frohe Gepräge, welches dem Katholicismus eigen ist. Man sah nur frohe Gesichter, freudige Mienen, und war ein Ave gebetet, so folgte wohl ein froher Sang von Waldessreud' und Jugendlust, und eine fro m m fro h e Stimmung erfüllte die rüstig schreitenden Reihen des Zuges. Die „Austria" hatte Theilnehmer entsendet, der Jünglingsverein Wien-Alsergrund war in stattlicher Zahl erschienen, aber auch von den anderen Jünglingsvereinen waren junge Leute gekommen, einiger herziger Kalksburger nicht zu vergessen. Diese reizende Jugend gab dem Zuge eine Nuance, die ihm besonders zur Ehre gereichte". „Muthwille", „Schelmerei", „frohe Gesichter", „fromm-frohe Stimmung". — Die „herzigen Kalksburger" wie überhaupt die „reizende Jugend" scheint eine neue Aufgabe übernommen zu haben. Wir sind darauf gefaßt, daß Herr Spitzer-Weimar nächstens eine Wallfahrt, verbunden mit einem Festcommers und einer zwanglosen Exkneipe arrangiren wird. Die Bierbrauereien können sich freuen! Herausgeber».verantw.Redacteur:ReichsrathsabgeordueterDr.JosefS.Bloch. —Druckv.L. BeckLSohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr.46

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