Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021093--04782-3028985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 580 Dr. Blvch's Wochrnfchrist. Nr. 31 Sprache ist geschmeidig und ohne Schwulst, der Ton beschnden. Wir können dem jungen Gelehrten zu seinem literarischen Erfolg recht herzlich gratuliren. Dr. Jech eskel. Die zehn Märtyrer. Populär-wissenschaftliche Charatterskizzen. Unter Benützung der einschlägigen Talmud- und Midrasch-Literatur. Bon Anton Eisler, Galgöc (Ungarn). Verlag von Isidor Eisler. 1895. Die Schuld, daß bei unserer Jugend das jüdische Bewußtsein immer mehr und mehr abnimmt und die jüdischen Ideale ihr ganz und gar schwinden, so daß sie, weil denn doch das jugendliche Herz zur Begeisterung für alles Große und Erhabene in der Menschennatur angelegt ist, solche Bilder anderer Völker abgöttisch verehrt, für griechische und römische Helden, ja für die Herren unseres größten Feindes, für Edom's Größen schwärmt — diese Schuld liegt keineswegs an der Pietätlosigkeit unserer Jugend, sondern in einer Lücke in unserer modernen Literatur. Zur Belebung des deutschen Nationalgefühls schuf man, trotz Goethe's „Nur die Weltliteratur kann helfen", - eine eigene Literoturgattung — Jugendschriften, die in anziehenden Bildern die Hauptpersonen großer nationaler Geschichtsepochen vorführen. Franzosen, Engländer, Italiener, Alle haben mit derselben pädagogischen Tendenz diese Literaturgattung den Deutschen nachgebildet und die Jugendschriften dieser Art überschwemmen jedesJahr den Weihnachts-Büchermarkt. Nur unsere Schriftsteller haben kaum noch den Anfang zu dieser Literatur gemacht. Und welche dankbaren Stoffe fänden sich dafür in unserer Geschichte seit zweitausend Jahren! Eine der dramatisch bewegtesten Epochen dieser Periode ist die unseres letzten blutigen Kampfes mit Rom. Vorliegende Schist hat sich mit einen glücklichen Griff diese Epoche gewählt, um zehn ergreifende Bilder von Geistesgröße, Seelenadel und Todesverachtung, wie sie auf keinem anderen Gebiete anzutreffen sind, zu zeichnen. Das Buch ist geeignet, als Baustein zur Ausfüllung angedeuteter Lücke in unserer Literatur zu dienen, trotz der vielen Mängel, die ihm noch aithaften, deren größter die massenhaften Druckfehler sind. Möge der Verfasser nur fortfahren, sein profundes Wissen und sein warmes jüdisches Herz in den Dienst dieser Literaturgattung zu stellen, aber mit Sorgfalt darauf achten, daß für die Jugend das Beste eben gut genug ist. Briefkasten. M. Glanz, Lemberg. Die einzelnen Hefte des Werkes zur Geschichte der jüdischen Literatur erhallen Sie in Trier Buchhandlung Sieg. Mayer. Jüdische Volkszeitung, Zürich. Eine geeignete Persönlichkeit zum Betrieb von Brochuren in Oesterreich ist uns leider nicht bekannt. E. S. Diakovar. Ja wohl. Jos. H. Slitzker, Kolomea. Besten Dank. I. S. Bestätigen den Empfang von 5V Kreuzer in Marken für Brüx. Cilli. Auch uns ist die Anregung der Deutschen in Cilli nicht entgangen, aus dieser vielgenannten Stadt nunmehr einen Cur- oder Jndustcieort zu machen und zu diesem Zwecke einen Verein zu gründen. K. H. Wolf bemerkt dazu warnend: „Hoffentlich bleiben die Juden und jüdisches Geld hübsch aus dem Spiele, sonst vertreibt man am Ende den Teufel mit Beelzebub!" — Ja, denkt sich denn Herr Wolf die Umwandlung Cillis in eine Curstadt derart, daß daselbst nur eine Irrenanstalt für die vom turor lentonicns Besessenen errichtet werden soll? Neugieriger. Sie fragen uns, was man unter dem Ausdrucke „Lauterkeit der Einigkeit" zu verstehen hat, den die „Ostdeutsche Rundschau" in ihrer Sonntagsnummer gebraucht? Das gehört zu den Geheimnissen teutscher Sprachlichkeit, die wir bisher nicht ergründet haben. Herr Wolf spricht an jener Stelle von den „lauteren deutschen Elementen". Er selbst gehört zu den lautesten, aber die lautesten sind nicht immer die lautersten. Joachim Neiger, Kozlow. Wir sagen ihnen herzlichen Dank für Ihre Zusendung, es scheint uns aber nickt angezeigt, dieselbe zu veröffentlichen. Man hat es da offenbar mit einem Phantasiestück eines geistlichen Chronisten zu thun, vem jede thalsächliche Grundlage fehlt. Adolf Roth, Mähr.-Ostrau. Abonnement erhalten. Besten Dank. Aufmerksamer Zeituugsleser. Sie wundern sich über die Behauptung der „Ostdeutschen Rundschau", Chlumecky hat als wahren Grund des Zusammenbruches der Coalition die Wahlreform und den Umstand angegeben, daß die „kräftige Hand zur Abwehr des Antisemitismus" fehlte. Sie kennen doch die Geschichte mit dem Brief, den man in verschiedenen Tonarten lesen kann. Der biedere K. H. Wolf fälscht da wieder ein bischen den Wortlaut der Chlumecky'schen Rede. Er liest aus derselben eine warme Vertheidigung des Judenschutzes heraus, während wir die paar Worte über die Bekämpfung des Antisemitismus für — rein akademisch halten. Freund der Wahrheit. Zur Illustration der Lueger'schen Moral citiren wir folgende Sätze aus der Anklagerede des Deutschnationalen Engerth in der Margarethener Wählerversarnmlung. „Die christlich-sociale Partei ist mit Charakteren vermengt, welche die Corruption geschäftsmäßig betreiben." — Als Vergani gestohlen hat, war er wohl S ch ö n e r i a n e r, a b e r a l s m a n d a v o u erfuhr, würbe er ans fccr deutschnationalen Partei hinausg e w v r f e n. — Recht ergötzlich ist folgendes Geständnitz, welches zwar nicht die christlich-sociale Moral, aber die „teutsche Cultur" in das richtige Lichts stellt: „Wir hätten auch solchen christlich-socialen C a n d i d a t e n die Stimmen gegeben, welche nicht auf dem nothwendigen Bildungsniveau st e h e n". — Ein Pendant zu der Beuscheltheorie Lueger's ist folgender Satz, den er in dieser Versammlung leistete: „Wir sollen denBergani erschlagen; erschlagen Sie ihn doch selb st!" Herr Lueger ist nur Specialist in Beuschelreißcn, die gefährlicheren Operationen überläßt er Anderen. Auch ein Deutscher. Sie machen uns auf eine Stylblüthe des Deutschen Sprachvereines aufmerksam, der am Sonntag an Bismarck telegraphirte: „Die Festtafel der in Graz tagenden Hauptversammlung des Deutschen Sprachvereines bringt .... dem deutschen Recken Fürsten Bismarck Gruß und Heil", und fragen, ob es nicht richtig heißen sollte: „Die T h e i l n e h m e r an der Festtafel rc." Bitte, wenden sie sich mit Ihrer Anfrage an den Deutschen Sprachverein, der in solchen Dingen einzig competent ist. K. W. Wien. Herr K. H. Wolf erzählt in der „Ostdeutschen Rundschau" vom 23. Juli, daß der Herausgeber der „Deutschen Zeitung" bei Vergani eine „Entschuldigungsvisite gemacht Hube. Dr. Wähner erklärte allerdings, der Zweck des Besuches sei nicht d e r Art gewesen, wie Vergani dies in seinem Blatte mittheilt, läßt aber die Behauptung Vergani's, die,,Deutsche Zeitung" sei ihm (dem Vergani!) zu Dank verpflichtet, unwidersprochen. — Sollte Dr. Wähner vielleicht gar bei Vergani ein neues Recept zur Bekämpfung der Corruption geholt haben? Vergani ist darin b.kanntlich Fachmann! W. L. In der „Ostdeutschen Rundschau" vom 27. Juli, findet sich folgende hübsche Briefkastennotitz: Auf Grund uns zugekommener Nachrichten müssen wir unsere Empfehlung des Institutes Wolf zurückziehen. Wir werden weitere Erkundigungen über ein christliches Knabeu-Jnstitut einziehen". — Sollte Herr K. H. Wolf gar nachträglich die schreckliche Entdeckung gemacht haben, daß der Instituts-Inhaber Wolf sich an Reinheit der arischen Abstammung nicht mit ihm messen könne? Komorn, „Realschüler auf Ferien". Sie wünschen etwas für's Judenthum zu leisten — sehr löblicher Eifer' — und beginnen mit schlechten Gedichten? Wenn Sie sie noch einer antisemitischen Zeitung ein geschickt hätten! Wie gut muß eine Sache sein, die solche miserable Verse verträgt! Czernolv'ch, „Subabonnent S. R.". Sie wünschen von uns das genaue Datum der Wiener Gemeinderathswahlen zu erfahren? Sonst nichts? Wir haben schon mehrmals bedauert, nicht allwissend zu sein. Auch sind wir nicht in der Lage, Ihnen Serie und Nummer des demnächst zu ziehenden Haupttreffers der Creditlose bekannt zu geben. Nur nicht zu viel verlangen und nicht gleich böse werden. Concurs. Bei der israel. Cultusgemeinde in Ung.-Hradiseh (Mähren) ist die Stelle eines Cantors und Religionslehrers mit dem Jahresgehalte von 2400 Kronen (1200 fl. ö. W.) und den üblichen Nebenemolumenten zu besetzen. Musikalisch gebildete Bewerber, nur österreichische Staatsbürger, die einen Chor zu leiten im Stande sind, im Thoralesen verskt, als pim tönte* autorisirt und vorzüglich befähigt sind, die Volksschüler in der Religion und in den hebräischen Gegenständen zu unterrichten (geprüfte Religionslehrer bevorzugt), haben die mit dem Nachweise ihrer Befähigung, bisherigen Verwendung, Alters und Familienstandes versehenen Gesuche bis längstens 15. September 1895 bei dem gefertigten Cultusgemeiude-Vorstande einznreichen. Ung.-Hradisch, am 28. Juli 1895. _Der Cultusgemeinde-Vorstand. Concms. Bei der israelitischen Knaben- und Mädchen-Hauptschule in Brody (Galizien) ist die Stelle eines hebräischen Lehrers zu besetzen. Mit dieser Steile ist ein Jahresgehalt von fl. 4C0, 10% Quartierbeitrag und fünf Quinquennien ä fl. 50 verbunden. Die Besetzung ist provisorisch auf ein Jahr, worauf nach zufriedenstellender Dienstleistung die definitive Anstellung erfolgt. Diejenigen, welche den Gesangsunterricht ertheilen können, werden bevorzugt. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Befähigung, bisherigen Verwendung, ihres Alters und Familienstandes versehenen Gesuche bis längstens 15. August 1. J. bei der Inspection bezeichneter Schule einzureichen. Hiebei wird bemerkt, dass ein Probevortrag unerlässlich ist und werden die Reisespesen nur dem Acceptirten vergütet. Brody, am 33. Juli 1895. Die Inspection der israelit. Knaben- und Mädchenschule. Heraus-eberu. verantw. Redacteur: Reichsrathsabgeordueter Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck L Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.