Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-26 · 30 (26.7.1895) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
30 (26.7.1895)
Date
1895-07-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021092--04761-3028963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 560 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 30 Judenthums" von demselben Verfasser, auf welche wir noch zurückkommen, auch in einem Separat-Abdrucke erschienen ist. Daß die „Predigt", der „gottesdienstliche Vortrag", die lebendige Erläuterung des Gotteswortes uralt bei den Juden ist, ist allbekannt. Freilich ist ein weiter Weg von dem gottbegeisterten Worte der Propheten bis zur lehrhaften Darstellung des Gotteswortes durch die Midraschim, und von hier bis zum Rabbi Jakob Dubno (Dubnoer Magid gest. 1815). Aber soviel steht fest, wir Juden hatten es nicht nothwendig zu Predigern anderer Confessionen in die Schule zu gehen, und es ist gewiß geschichtlich unrichtig, wenn von manchem Juden oder Richtenden die heutige Predigt als eine bewußte oder unbewußte Nachahmung, besonders protestantischer Predigten, hingestellt zu werden pflegt. Was der jüdischen Predigt immer ihr eigenthümliches Gepräge gab, war die freie Darstellung und Auslegung des Bibelwortes, der sogenannte Berusch, er gab unseren Predigten ihren Geist und ihre Würze. Was wäre eine Jellinek'sche Predigt ohne Midrasch und wer könnte diesen duftigen Reiz, diesen Esprit des Midrasch, bei den sonst gewiß höchst hervorragenden Kanzelreden anderer Confessionen Nachweisen? Ohne Midrasch fehlt der jüdischen Predigt gleichsam das Salz, welches ihr das pikante Wesen verleiht. Es wäre erwünscht gewesen, wenn Dr Bäck auch die hervorragenden Prediger des 19. Jahrhunderts in den Bereich seiner Darstellung gezogen hätte, freilich wäre seino Arbeit um das Doppelte gewachsen. Im Uebrigen hat diesen <-Kay serlin g ein vorzügliches Werk gewidmet, das zur Ergänzung der Bäck'schen Arbeit dienen mag. Männer, wie Jonathan Eibeschütz und Salomo Ephraim Lenczyz werden immer mit Ehren genannt werden, wenn man von der Geschichte der jüdischen Predigt spricht. Der dritt e Band unseres Werkes führt uns zunächst die poetische Literatur der Juden vor, bearbeitet von Dr. A. S u l z b a ch (Frankfurt a. M.), die weltliche und die dem Judenthum eigenthümliche synag o gale Poesie. Ich brauche wohl da nicht auf Heine zu verweisen, welcher in seiner Manier den jüdischen Töchtern ihre Unkenntniß auf diesem Gebiete vorhält, ihre Unkenntniß von Jehuda Halevi's und Gabirol's Dichtungen. Wie viele jüdische Söhne kennen sie? Die Uebersetzungen von S. H eller (die echten hebräischen Melodien), das Buch „Die Zionsharfe" von K a r p e l e s, das altere „Libanon" von L. A. F r a n k l, G e i g e r's „Salomon Gabirol und seine Werke", haben wohl da auch Wandlung zum Besseren geschaffen, aber leider sehen wir auch auf diesem, doch ganz allgemein menschlichen Gebiete ein gewisses, fast möchte ich sagen, absichtliches Abschließen von Seite unserer eigenen Glaubensgenossen, die sich damit eines Schatzes von Poesie berauben, den ihnen kaum irgend ein anderes Volk ersetzen kann. Mit der Poesie in gewissem Zusammenhänge steht der synag o gale Gesang, dem Dr. A. Ackermann eine höchst belehrende Studie widmet. Die jüdische Mystik und Kabbala von Dr. PH. Bloch, die Leistungen der Juden auf dem Gebiete „der Geschichte, Geographie und Reiseliteratur", bearbeitet von Dr. Ad. Lew in in Freiburg, die jüdisch-deutsche Literatur, bearbeitet von Dr. M. Grünbaun: (München) sind andere Capitel in diesem besonders reichen Bande. Höchst lehrreich ist der Abschnitt über die „Apologeten vom 14. bis Ende des 18. Jahrhunderts von Dr. Bäck. Der geistvolle Duran und der gelehrte Manaffe ben Israel, der so viel für seine Glaubensgenossen gethan, treten uns hier entgegen im Kampfe gegen blinde, eingewurzelte Vorurtheile, für die Wahrheit und Unerschütterlichkeit ihres Glaubens. Des Letzteren »vindiciae Judaeorum«, „die Rettung der Juden", das er Cromwell überreichte, ein Werk, das Herz ins Deutsche übers.tzte und Mendelssohn mit Noten versah, geleitet zur neueren jüdischen Literatur hinüber, deren Bearbeitung und Darstellung bis zur Gegenwart Dr.M.Kayserling übernahm und glänzend durchführte. Und nun ein Wort an unsere Glaubensgenossen. Ich habe das soeben besprochene Werk genannt: ein „Buch des Wissens und der Wehr"; wir können uns unserer Feinde gewiß nicht erwehren, wenn wir selbst von unserer Geschichte und Literatur ckichts wissen. Laßt uns deshalb in unseren Bibliotheken, in welchen die nie gelesenen Classiker aller Nationen ihren Platz gefunden haben, durch Anschaffung dieses Werkes, das dazu bestimmt ist, uns einen Begriff zu geben von der Bedeutung und Größe unserer nachbiblischen Literatur, eine sicherlich bestehende Lücke ausfüllen. Zeigen wir, daß wir auch Geld haben für die Förderung und Unterstützung unserer Literatur. Dieses Werk wird gewiß anregend wirken auf die Erweiterung und Vertiefung unseres Wissens des jüdischen Schriftthums, und nur wenn wir dieses kennen, wird in uns jene Selbstachtung erzeugt werden, die uns leider heute oft fehlt und deren Mangel so sehr zur Schädigung des Judenthums beiträgt. Wir werden dann gewiß nicht jeden Versifex und jedes Romanschreiberlein einen Juda Halevi oder Charisi vorziehen. In wie vielen jüdischen Bibliotheken findet sich das Bilderbuch von König, genannt „Deutsche Literaturgeschichte", das jeden Juden begeifert, während man für ein vortreffliches jüdisches Werk keinen Platz hat! Darum gewinnt mehr Achtung vor euch selbst, indem ihr euere Literatur achtet, trachtet in ihr ein bedeutendes Wissen zu erlangen, auf daß es euch sei zur Ehr' und gegen euere Widersacher zur Wehr. Dr. Max Grünfeld. Briefkasten. Josef Kohn, Prag 353 I. Die Herren Abgeordneten Dr. Kurz und Adamek haben es übernommen, die Angelegenheit zu ordnen. Brünn, Alfred Kn. Wir theilen Ihre Anschauungen betreffs des sogenannten „wissenschaftlichen" Antisemitismus, der seine moralischen Blößen mit den abgerissenen Fetzen einer Pseudo-Gelehrsamkeit nothdürttig bekleidet. Man sollte schon des Principes halb'er derlei Anschauungen entgegentreten. Ob es auch von praktischem Werthe wäre, bleibt sehr zu bezweifeln, „Denn sie sind wie die Weiber, Die stets zurück nur kommen aus ihr erstes Wort Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang". Berlin, Dr. C. O wie.recht haben Sie doch, lieber Freund! Eine Ehrenerklärung von dieser Seite ist weit eher eine Beleidigung, denn etwas anderes. Ein anständiger Mann verzichtet auf die Achtung dieser Sorte Leute gerne und leicht. Wien, II. .Konrad L—y. Sie machen uns auf das in einem „Wiener Tagblatt" erschienene Inserat aufmerksam, welches lautet: „K. k. Stellung! findet bei Empfehlung gcbildeter Mann, unter Gegengesälligkeit Nr. 2313, an die Expedition". Auch den Tintenfischen des Ehrenbürgers von Mühldorf ist dieser fette Bissen nicht enigangen. Nur vermuthen sie einen „jüdischen Geldagente n" dahinter. („D. V." 21. Juli 1895). Wir ueigen vielmehr der Ansicht zu, daß eine Art Stammes- und Gesinnungs- (?) Genosse des Veronesers ans Sollenz dahinter sein unsauberes Spiel treibt. Haben denn die Juden Einfluß ans Staatsanstellungen? Da würden sie sich doch vor Allem selber anstellen. Das sieht sogar der Mindergebildete ein. Antisemitisches Feder-Vieh natürlich nicht. Alte Geschichte und — Schwamm drüber. Wien, 8tud. jur. N. Sl—n. Die „Ostdeutsche" ist um eine Nuance anständiger als der Moniteur Vergani, welcher dem scheidenden Rector Laurenz Müllner etliche Hohnrnfe ans bekannten Gründen nachsendet. „Noch selten hat sich ein Rector derartiger allgemeiner Sympathien erfreut". („Ostdeutsche Rundschau" Nr. 194). Aus Haß gegen Vergani sagen sie jetzt gar die Wahrheit. Ein schöner Grund zwar — Vergani hat doch sein Gutes. Wien, IV. Jgelgasse L. M. Da können wir schon mit einem drastischeren Citate auswarten, nämlich: „Was aus dem inneren Menschen wird, ist herzlich gleichgilrig, wenn nur der äußere möglichst tadellos nniformirt wird". Sie halten das vielleicht für ironisch gemeint, wir neigen dagegen der Ansicht zu, daß dieser Satz das geheimste Glaubensbekenntniß des Vergani in sich schließt. („D. V." Nr. 2350.) Agram. „Ein Freund der Bescheidenheit". Gerne gewähren wir der von Ihnen angegebenen Stelle aus einem Briefe an Schönerer, den er in seinem eigenen Blatte veröffentlichte, Aufnahme: „Sie haben recht, gehen Sie in's Exil. Dorthin gehört der wirklich große Mann. (!) Er hat auf der politischen Gaunerbühne nichts zu suchen. Sokrates nahm den Giftbecher, der Nazarener starb am Kreuze, Columbns trug die Ketten, Bismarck trauert im Sachsenwalde und so fort in's Endlose. Darum lassen Sie sie hernmtoben die Gaukler :md Gauner, wie die um ihre Nasenspitze sich schwingenden Derwisches!!!). Also Sokrates, Christus, Columbns, Bismarck, und — Schönerer! Wer lacht da — n i ch t?! Wien, „Citatenjäger". Sie meinen im Ernste, daß Schiller Lueger vorgeahnt hat, als er die Zeilen niederschrieb: »Ich fühle mich. Was Ihre Alba Jet) cn, das kann auch Carl, und Carl kann mehr." Sie haben beinahe recht, namentlich wenn man sich an das „Hängen und Köpfen" erinnert. Breslau, „Treuer Leser". Ob der Mann ein Narr oder ein Schuft ist? Sagen wir — „und". Herausgeberu. verantw. Redacteur: ReichsrathsabgeordneterDr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck LSohn, Wien, VHI., Lerchenfelderstr. 46

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.