Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 30 (26.7.1895)
- Date
- 1895-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. BO. Dr■ BIOCH Jahrgang XII. Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthums. - II K. k. Postspsrkassen-Amt Clearingverkehr j Nr. 810.976. , ArdcrrUon und Administration: I Wien II., Untere Angaetenfirastr 1 a. | Telephon - Nr. 6535. - Wien, 26. Juli 1895. Erscheint jeden Freitag. Wan abonnirt bei allen j?e>sianstallen des In- und Auslandes. 1&~—------- - -- Skzugsvreis für Vesterretch: Halbjährig 4 fl. — 8 Jtr. Einzelexemplare 25 kr. lur’a Ausland: halbjährig » fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4»al gespöttene Pelitzeile 12 kr. ^- Inhalt: Seitartile I: Das Mandat des Abgeordneten Dr. Bloch. — Der Zahnstocher gegen die Scheere. — Der geopferte Iedliczka. — Jüdische Soldaten. — Der heidnische Ursprung der Ahasver-Sage. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Freiherr v. Ehlumeckp in Znaim. Das verächtliche Renegatenthum. Semiten und Arier. Nachahmenswerth' Wieder Einer. Ehristenhaß der Juden. Wie Ahlwardt geliehenes Geld znrückzahlt. Der Saatenmarkt. Das Kadischgebet nach seiner ethischen Bedeutung. Zwei Proselyten. E orr e spo nd en zen: Wien, Marienbad, Budapest, Wr.-Neustadt, Preßburg, Sambor, Berlin, Heidelberg, Bremerhaven, Warschau, Eharkow, Petersburg, Helsiugfors, Amsterdam. — Berniisch 1 es: Wien, Gliniany, Purgstall, Teschen. Feuilleton: Vereint. — Ein Buch des Wissens und der Wehr. — Briefkasten. — Inserate. Das Mandat des Abgeordneten Dr. Bloch. Das Abgeordnetenhaus ist auf Ferien gegangen, ohne daß der Legltimationsansschnß einen Bericht über die bestrittene Wahl des Abgeordneten Dr. Bloch erstattet hätte. Bier Jahre sind seit der Wahl vergangen, ein Zeitraum, lang genug, um die Wahlen aller Parlamente der Welt zu verificiren. Weder diese Vertagung, noch die bisherige Verzögerung überhaupt war nach dem Willen des genannten Abgeordneten, der im Gegentheile den Obmann des Legitimationsausschnsses, Grafen C z er nin, zu wiederholten Malen dringend um die Erledigung dieser Wahlangelegenheit bat. Das ist ja doch vollkommen natürlich und begreiflich, denn Niemand konnte die Unsicherheit, ja Unhaltbarkeit der Situation peinlicher empfinden, als Dr. Bloch selbst, der durch die jahrelang aufgeschobene Entscheidung über die Giltigkeit seiner Wahl zur Zielscheibe der heftigsten persönlichen Angriffe seitens der Antisemiten geworden war und dessen parlamentarische Wirksamkeit durch die Unklarheit seiner persönlichen Stellung naturgemäß leiden mußte. Auf eine neuerliche persönliche Urgenz des Abgeordneten Dr. Bloch hin hat Herr Gras Czernin den Berichterstatter telegraphisch zu einer Sitzung des Ausschusses für den 18. Juli d. I. eingeladen, in welcher mit Rücksicht ans die Erklärung des Referenten, daß er der polnischen Sprache, in welcher die Acten abgefaßt sind, nicht vollständig mächtig ist, zur Prüfung derselben ein besonderes Subcomitv eingesetzt wurde. Für diesen Beschluß plaidirte u. A. auch der Abgeordnete Dr. E b e n h o ch, dem man gewiß nicht die geringste Parteilichkeit zu Gunsten des Dr. Bloch zuschreiben kann und welcher ausdrücklich erklärte, es liege ihm sehr viel daran, daß die Originalacten erst unparteiisch und gründlich geprüft werden. Die Gewissenhaftigkeit Dr. Ebenhoch's hat jedoch seine antisemitischen Freunde nicht davon abgehalten, aus dem Vertagungsbeschluß eine neue Anklage gegen Dr. Bloch zu schmieden, und die Sache so darzustelleu, als ob es seinem Einflüsse gelungen wäre, die Entscheidung hinauszurückeu. Unmittelbar vor Schluß der Session wollten die Abgeordneten Liechtenstein und Lueger einen Dringlichkeitsantrag einbringen, in welchen! die sofortige Berichterstattung über die Wahl des Abgeordneten Dr. Bloch gefordert werden sollte. Dieser Antrag hätte selbstverständlich den antisemitischen Verleumdern die langst ersehnte Gelegenheit geboten, den seit Jahren gesammelten UnflathwiderspruchslosüberdieJuden auszugießen. Widerspruchslos — denn sie rechneten mit der Thatsache, daß Dr. Bloch in eigener Sache an der Verhandlung nicht theilnehmeu und daß sich außer ihm weder im Polenclub, noch in der liberalen Partei ein energischer Anwalt der Juden finden würde. Als Dr. Bloch diese Absicht erfuhr, erklärte er sofort mit aller Entschiedenheit, daß er sich eine solche Abschlachtung nicht ruhig gefallen lassen, sondern das Wort nehmen und der antisemitischen Hetzbande gebührend heimleuchten werde, um schließlich sein Mandat niederzulegen. Daraufhin nahmen die Herren Liechtenst ein und Lueger von der Einbringung des Dringlichkeitsantrages Abstand. Noch haben die Mitglieder des Subcomitäs in die Acten nicht Einblick genommen, und schon ist es klar, daß ein Antrag auf Agnoscirung der Wahl nicht gestellt werden wird. Einzelne Mitglieder des Ausschusses bedauern diese Thatsache auf das Lebhafteste. Nicht, als ob die Actenlage eine ungünstige wäre, die Ursache dieses Ausweichens vor einer Entscheidung liegt in dem Gefühle der Ausschußmitßlieder, daß sie vor unbesiegbaren Mächten stehen, sie liegt in der Furcht vor dem antisemitischen Terrorismus! Die Parteien des Hauses und ihre Führer stehen unter dem Banne der antisemitischen Schreckensherrschaft, die eine Agnoscirung dieser Wahl nicht zulassen will und für den Fall, als der Versuch hiezu doch unternommen werden sollte, mit unerhörten Skandalen droht. Und sagen wir es offen: Weder die Leitung des Hauses, noch die einzelnen Parteien haben den Muth, in diesen Kampf einzutreten und — wie es ihre Pflicht wäre — die angedrohten Skandale durch eine entschlossene Haltung zu vereiteln. Man will keine Judendebatte, nicht etwa aus Schonung für die Juden, sondern aus Schwäche. Die bisherige Verschleppung ist also thatsüchlich nur ein Erfolg der anti-