Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 29 (19.7.1895)
- Date
- 1895-07-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 544 Dr Bloch's Wochrnfchrrfi. Nr. 29 „Ich würde reden eine ganze Woche und wäre noch immer nicht fertig mit Allem, was ich Ew. Gnaden könnte erzählen von dieser Uhr. Aber eine Sache will ich noch sagen, und ich bitte, daß Ew. Gnaden mir sollen zuhören geduldig." Und er erzählte, wie seine liebste Tochter Malke nach Amerika verreiste, hatte er sie nicht zum Bahnhof gebracht, denn er fühlte, daß er nicht würde können unterdrücken das Weinen, und er wollte nicht, daß die Leute sollen bemitleiden seine alten Augen, daß sie müssen noch vergießen so bittere Thränen. So nahm er denn Abschied von seiner Tochter und ihren Kindern hier in diesem Zimmer und dann setzte er sich auf den Boden, dort in jene Ecke, und griff mit beiden Händen an seinen Kopf und wiegte sich hin und her und weinte und jammerte laut zu Gott, daß er solch schweres Unglück über ihn verhängt. Plötzlich fiel ihm ein, daß er hier das Pfeifen der Locomotive hören könne, den letzten schrillen Pfiff, mit dem die Bahnzüge die Stadt zu verlaffen pflegen. „Ich will ihn hören," dachte er, ich will wissen, wann meine Malke und ihre Kinder verlassen das Land, wann sie aufhören zu leben für mich." So saß er denn auf der Erde und blickte unverwandt auf die Uhr, auf die Uhr mit dem Bogel. Und da er kannte die Stunde des Zugabganges, verfolgte er die Zeit und dachte: „Noch eine Viertelstunde, noch zehn Minuten, noch fünf, noch drei." Plötzlich erscholl der langaezogene, schrille Pfiff, der ihm geradewegs durch's Herz fuhr. Jetzt ist sie fort, seine Malke, und obgleich sie lebt, für ihn ist sie gestorben.... (Schluß folgt.) Briefkasten. Wie«. L. S. Im Fremdenbuche des Gasthofes Engleitner im Naßwald fanden Sie ein mit „Goethe" (sic) gezeichnetes antisemitisches Schmäh-Pocm niedrigster Sorte, das also vielversprechend anhebt: „Mensch, willst Du los werden des Juden Plage, So hör', was ich Dir hier-besage: Schimpfen und klagen nutzt Dir nix Denn der Jude fürchtet blos die Wix, Drum mußt Du ihn zum Teufel jagen Oder besser gleich todtsch lagen". . . . Der edle Arier will die von ihm aufgerollte Judenfrage jedoch nur zur Hälfte in dieser radicalen Weise lösen. Gegen die Jüdinnen schlägt die dichtende Bestie ein anderes Mittel vor, welches jedoch, da es rein pornographischer Natur ist, sich an dieser Stelle der Erörterung entzieht. Prag (Bredauergaffe4) Herr» K. Roubitfchek, Antiquitätenhändler. Wir danken Ihnen sehr für die freundliche Uebersendung des alten Manuscriptes vom Jahre 1790: „Das Edict Josephs II., die Juden in Galizien betreffend." Wir haben in dieses interessante Document Einsicht genommen und dasselbe an Sie zurückgesendet. Wien. Heinrich O. Wir haben über den köstlichen Scherz herzlich gelacht. Die „Reichsschmähpost" des Spitzer-Weimar (!) betitelt ihren Bericht über den braven Suchovaty sonderbar genug: Mit 70 Jahren noch Lustmorder!" und ist offenbar der Ansicht, daß man in diesem ehrwürdigen Alter nicht mehr Lustmörder sein sollte. Ansichtssache. Wien. Otto R. Sie machen uns aus die jammervollen Poesien besonders aufmerksam, welche unserer Aufmerksamkeit ohnehin nicht entgangen wären. Das „Vaterland" widmet der „Reichspost" folgende entsetzlichen Reime in das Stammbuch: „Den lieben Freunden von der „Reichspost" als Stoff zu einer Morgenbetrachtung gewidmet. Ein zahmes Hündlein stand Bei Tag und Nacht die Wache, Damit kein Feind, kein Brand Sich nah' dem theuern Dache. Kaum drohte wo Gefahr, Da Hub es an zu bellen, Sonst konnte sorgenbar Sich jeder ihm gesellen. Da kommt im blinden Stoß Ein Nilpferd quer die Wege Und bricht, der Rücksicht bloß, Sich Bresche durchs Gehege.- Und in dieser Tonart noch lange weiter. Der Reichspostillon Spitzer-Weimar (!) läßt sich aber nicht spotten und „dichtet" schlagfertig zurück: „Das „Nilpferd" aber geht langsam Den Weg am heiligen Fluß Es betrachtet ein Preßkrokodilum, Das Thränen weinen muß. Das weint commandirte Thränen Ob des Hündlein's Kümmernissen, Und stochert noch in den,Zähnen Nach den letztverschlungenen Bissen. Hat's dich auch einmal getreten, Magst lieber darüber lachen, Muß dich vielleicht noch einmal retten Aus des Krokodilums Rachen." . Wenn die Herrschaften fortfahren, sich in den Hundstagen weiter zu bedichten, kann man sich auf das Aergste in dieser Art gefaßt nrachen. Prag. S. F. Von der Veröffentlichung müssen wir in Folge Raummangels absehen. Herzlichen Gruß. L. B., Wien. Aus derlei anonyme Anfragen ertheilen wir keine Antwort. Seeretär Melzer in Rohatyn. Versicherungs - Gesellschaf »Riunione« ist ein gutes Institut. Frau Pauline Jonas, Wien. Wir bestätigen die Spende von 5 fl. für das israelitische Ferienheim. Moritz Braun, Netschetin. Das Palais Königswarter befindet sich Wien, I., Kärntnerring. Leitmeritz, N. Anschließerrd an den Artikel Leitmeritz (Bund der Deutschen in Böhmen) in Nr. 27 Ihrer Zeitschrift, vermissen Sie den Vermerk, daß Graf Montecucoli — Beamter der Bezirkshauptmannschaft Leitmeritz —Festordner war. — Sind Sie nun zufriedengestellt? Millin, I. R. Ihnen und mehreren Anderen sei bestimmtest versichert, daß der Herausgeber dieses Blattes weder bei Baron Rothschild, noch bei Baron Hirsch irgend welchen Einfluß in Bezug auf deren Spenden und Unterstützungen hat. „New-Aork", Lebensversicherungs-Gesellschaft. Der soeben veröffentlichte Rechenschaftsbericht der „New-Iork" markirt ein Jubiläum. Er ist der fünfzigste fest dem Bestände des Unternehmens. Welche Fülle von Thätigkeit und Arbeit in diesen fünfzig Jahren liegt, ersieht man ans den Einnahmen an Prämienzinsen und Miethen während dieser Zeit im Betrage von über 2.2 Milliarden Kronen und aus den Ausgaben (Auszahlungen an die Versicherten oder deren Rechtsnachfolger rc.) im Betrage von circa 1.4 Milliarden Kronen. Die Differenz dieser zwei Posten in der Höhe von 810 Mill. Kronen repräsentirt den Vermögensstand der Gesellschaft Per 31. December 1894, welche sich gegenüber dem am Schluffe des ersten Geschäftsjahres ausgewiesenen Vermögen von 87.500 Kronen wie 1 : 925 verhält. Dieses Vermögen besteht nach den detaillirten Bilanzausweisen hauptsächlich aus Immobilien, pupillarsicheren Hypotheken und erstclassigen Wertheffecten und repräsentirt der Marktwerth dieser Effecten gegenüber dem Buchwerthe ein Plus von über 23 Mill. Kronen. Dem nach dem Principe der reinen Wechselseitigkeit ausschließlich den Versicherten gehörigen Vermögen stehen als Passiva die diversen Reservefonds gegenüber und verfügt die Gesellschaft nach freiwilliger Schaffung einer über die nach den gesetzlichen Rechnungsgrundlagen vom Staate New- Uork geforderte Reserve hinausreichenden Specialreserve von 5 Mill. Kronen, nach freiwilliger Bildung eines Amortisationsfonds für die Immobilien im Betrage von 1 Mill. Kronen, nach Abzug aller Agentenausstände und aller irgendwie zweifelhaften Posten noch immer über einen reinen Ueberschuß von 101 Mill. Kronen. Die „New-Z)ork" hat im Jahre 1894 unter allen Lebensversicherungs- Gesellschaften der Welt die größte Production an neuen regulären Lebensversicherungsgeschäften erzielt, indem sie 81.324 Polizzen überein versichertes Capital von mehr als einer Milliarde Kronen zun Ausstellung brachte. Der Versichkrnngsstand hat sich im Jahre 1894 nach Abzug der Todesfälle, der abgelaufenen Versicherungen und Storni rc. auf 277.600 Polizzen mit einem versicherten Capital von 4066 Mill. Kronen gehoben und war die Einnahme an Prämien auf neue Versicherungen bei der „New-Iork" weitaus größer als bei irgend einer anderen Lebensversicherungs-Gesellschaft der Welt. Die Sterblichkeitsverhältnisse waren im verflossenen Jahre sehr günstige, so daß die „New-Iork" um 912 Todesfälle weniger hatte, als nach der rechnungsmäßigen Grundlage zu erwarten waren und sich unter diesem Titel allein eine Ersparniß »von über 11 Mill. Kronen ergab. Der Rechnungsabschluß weist für das Jahr 1894 eine Prämieneinnahme von 147 Mill. Kronen, als Zinsen- und Mietheneinnahme 35 Mill. Kronen, demnach eine Gesammteinnahme von 182 Mill. Kronen auf; die an die Versicherten geleisteten Auszahlungen beliefen sich insgesammt aus 78 Mill. Kronen, worunter auch die an die Versicherten gezahlten Dividenden von 8.4 Mill. Kronen enthalten sind. Wie aus dem Rechnungsabschlüsse des österreichischen Geschäftes hervorgeht, hat die „New-Uork" auch in Oesterreich ein ansehnliches Geschäft erzielt. Sie besitzt hierzulande bereits einen Versicherungsstock von über 66 Mill. Kronen mit einer jährlichen Prämieneinnahme von circa 3, Mill. Kronen. Die „New-Iork" hat in Depositen bei den verschiedenen Negierungen und an Realitäten in Wien, Berlin, Budapest, Paris, Amsterdam und Belgrad eine Specialgarantie für ihre europäischen Versicherten von 33 Mill. Kronen geschaffen. Herausgebern. verantw.Redacteur: Reichsrathsabgeordneter Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck L Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.