Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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|! ' 1 ' . . l'ik:- *y v - ■■:'•! '■ ' Seite 512 Dr. Vloch's Wochenschrift ^r. 21 Literatur. Bericht der Lese- und Nedehalle der deutschen Studenten in Prag über das Jahr 1894. Wir wollen aus diesem als Broschüre uns vorliegenden Bericht nur die erfreuliche Thatsache constatiren, das; an der ältesten, deutschen Universität die Mehrheit der Studentenschaft, wie sie die Lesehalle mit ihren nahezu siebenhundcrt Mitgliedern unstreitig repräscntirt, den Antisemitismus vor; sich fern gehalten hat, obwohl die Versuchung zu einer Annäherung an sie herangetreten ist. Ist doch der Antisemitismus eine Modekrankheit an allen deutschen Universitäten, ferner sind die Deutschen Böhmens, aus welcher sich doch die Prager deutsche Studentenschaft recruürt, selbst nicht seuchefrei, und endlich lag die Gefahr nahe, das; man um der Einigkeit willen dem antisemiüschen Theile die Juden opfern könnte. Wir sind nicht so optimistisch, um zu glauben, das; sich die Rede- und Lesehalle nur darum so tapfer gegen den Antisemitismus gehalten hat, weil sie ganz durchdrungen von den Idealen der Freiheit ist. Wir meinen vielmehr, das; nur politische Klugheit ihr diese Immunität verlieh. Die deutsche Studentenschaft Prags steht aus einem exponirten Posten und zum Mitkämpfen verschmäht man niemals die Juden. Thöricht ist nur der antisemitische Theil der Prager Studenten, der vorgibt, noch mehr für's Deutschthum zu kämpfen und doch einen solchen Succurs, lute ihn die Juden wären, zurückstößt. Geben wir uns zufrieden mit dieser Liebe aus Interesse. Einmal wird es doch licht werden in den Herzen, wie in den Köpfen. Briefkasten. Wien. S. M. Der Ehrenbürger von Mühldorf bricht <29. Juni 1895) in einem Briefe aus Böslau eine Lanze für das Recht der — „freien Meinungsäußerung": „Es verkehrt nämlich seit beiläufig einem Monat von Baden herüber ein neues Fahrzeug, die „Elektrische" genannt, und bringt viele Fremde in unseren Curort. Doch welch Verbrechen wird da begangen? Höret und staunet — einer der Conducteure erftecht sich, bei der Endstation Vöslau den Pass agieren zuzurufen: „I u d c n st a d t V ö s l a u! A n s st e i g e n!" Der arme MannWüthend fällt nun der Berichterstatter des Montagsblattes über ihn her und wirft die Frage auf, ob der erwähnte Conductenr seine wohlverdiente Rüge erhalten hat. Ueberall die gleichen — wie in Wien, so in Vöslau — die gilben!" Pilsen. „Theilabonnent". Sie wollen dem Beispiele des Herrn S. H. . . folgen und Andere dazu bestimmen? Ganz recht! Nagy-Surauy. H. B. Das bedeutete nichts Anderes als: jenes Blatt hielt den Herrn für einen der Ihrigen, aber wir sind besser unterrichtet gewesen. Petersburg. Dr. M. E. Werke, auf welche man Redactionen aufmerksam macht, muß man ihnen — es ist dies so üblich — einsenden. Brünn. K. fl. 4'— Abonnementsbettag und fl. 2— für die überschwemmten Israeliten in Kobersdorf dankend erhalten. Pöltschach. „M. S." Wir danken für die beiden Ausschnitte. Wenn wir uns mit jedem Provinz-Schmierblättchen herumschlagen wollten, hätten wir viel zu thun. Kolomea. „F. D." Ihr Gedicht kann nicht in seiner Gänze gebracht werden. Ein paar Strophen an dieser Stelle aber als Kostpröbchen drucken wir gerne: ^Schlafend muß uns Hilfe kommen, Sagen diese schönen Frommen, Rühren dürfen wir uns nicht, Da das Gott nur widerspricht. Und nun kehren auf die Seite Sich die alten, klugen Leute, Schlafen, schnarchen hell und laut, Bis der jüngste Tag ergraut." Wien. Ludwig T. Sie stehen mit Ihrer Ansicht durchaus nicht vereinzelt da. Das Organ Spitzer-Weimar's (!) hat seine humoristische Krampfader: „Der miserable Bart. Sergeant (zum Recruten): „Schämen Sie sich nicht, mit einem Bart herumzulaufen, der so miserabel ist, daß man zwischen jedes Härchen einen Hornisten stellen und blasen lassen könnte, ohne daß einer den anderen hört'." (Sonntagsbeilage der „Reichspost" vom 30. Juni 1895.) Habe noch nie so gelacht. Herausgeber u. veranttv. Redacteur: Aeichsrathsabgeordneter Ar. Wien. „Walter Guido". Ihr Gedichtchen an die „weiße Nelke" ist nicht übel und hat eine ganz nette Pointe. „O Nelke, weißes Blümchen, Wie wirft Du degradirt; Nun bist Du. weiße Stolze, Besudelt und beschmiert. Du hast einst Ehrenmänner Erfreut mit Deinem Duft; Jetzt trägt Dich jeder Lümmel, Jetzt trägt Dich jeber Schuft. Nun, arme, weiße Blume, Es ist nicht Deine Schuld; Es kommen and're Zeiten, Harr' aus und Hab' Geduld. Hör', kleine, weiße Nelke, Dem Rath folg' in der Noch, Versuch's, vielleicht gelingt es: Schäm' dich und werde roth!" Wien. Dr. L. L. Die an: Dresdener Hoftheater mit großem Beifallc gegebene Oper „Der Apotheker" von Josef Haydn wurde von Dr. Robert Hirschseld wiedcrentdeckt und für die moderne Bühne bearbeitet. Vergani's Blatt schreibt (1. Juli 1895): „Es ist der Leitung des Dresdener Hoftheaters zu dieser eminent künstlerischen Thai zu gratnliren." — Daß Dr. Hirschfeld auch mit von der Partie war, paßt nicht in den Kram und wird einfach nach bewährter Praxis unterschlagen. Wien. „Alter Radfahrer". Die „Ostdeutsche Rundschau", welche den Sieg des Meisterfahrers Lurion zuerst begrüßte, macht nunmehr hämische Glossen, nachdem ihr berechtigte Zweifel an dessen racenreiner Abstammung aufgeftiegen sind. Die Wahrheitsliebe der Germanen ist sich zu aller Zeit gleich geblieben. F. in St. Der Posten nach dem Rabbinats-Assessor Pollak ist bereits besetzt. Rabbiner I. G. Wir bedauern, den Aufsatz ablehnen zu müssen. Wien. „Brief aus dem Olymp". Daß Prinz Liechtenstein in seiner Rede Heine weidlich ausbeutet, entspricht blos dem Programm seiner Partei, den Juden Alles abzunehmen. M.-Weisskirchen. A. Schäfer. Der Mann mit dem Ordensbändchen im Knopfloch, der sich Goldschmied nennt und für einen Mitarbeiter unseres Blattes ausgibt, ist, wie Sie richtig vermuthen, ein Schwindler. Unsere Mitarbeiter haben es nicht nöthig, Geldbeträge unter nichtigen Vorwänden herauszulocken. Wir warnen vor diesem Individuum, und bitten, es im Betretungsfalle anhalten zu lassen. Zur Ferienzeit. In einer scliönen Gebirgsgegend wohnend, suche ich für meinen 10jährigen Knaben einen jüdischen Studenten, welcher für Kost und Logis während der Ferienzeit sich mit dem Knaben ausschliesslich befasst. Adolf Lichtenstern, Freiwaldaii, Gesterr.- Sclilesien. Vertretungen, der „Oesterr. Wochenschrift“ in Russland. Generalagent: J. Ch. Tawjew, Riga, Parkstrasse Nr. 6. Weitere Vertretungen haben übernommen: In Lodz und Umgebung s Buchhandlung H. Perla, Zachodnia-Str. Nr. 54/275. In Moskaus Herr D. 8. Behrmann, Sofiskaja-Quai Haus Sytschew, Qu Nr. 5. In Odessas Herr E. Dawidowitsch, Hiebe lieu-Str. Nr. 53. In Wilna: Herr L. Eppe!, Trocker-Str. In Libau: Herr Heinrich Behrmann. In Warschaus Herr Ch. Eppelberg. In Bjalystok u.Grodno: Herr Isaak Lew. In Rostow a. Dons Herr M. L. Gordon. Josef S. Mach. — Druck von 8, Bergmann & Comp, in Wien.