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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 492 Nr. 26 Dr. Bloch's Mochrnschrifk. Lebhaftigkeit, „auch mir steigt eine Erinnerung auf. Habe ich Euch in früheren Jahren nicht gekannt?" „Euer Gnaden sind der Gras Xaver aus Strumienica." „Nun, und Ihr? denn ich kann mich nicht entsinnen .. „Ich bin Berek, der Sohn von Schimschel, welcher hatte die Pacht in Strumienica . . „Berek! Du bist's! Kann das sein? Aber ganz vorzüglich erinnere ich mich Deiner! Du hast ja meiner Schwester als Modell zu einem Bilde gedient." Der Jude nickte und wiegte sein Haupt; dann stellte er, da seine Hände zu zittern begannen, die Lampe auf den Tisch, zog aus der Ecke einen gepolsterten Sessel hervor und lud den Gast ein, Platz zu nehmen. Er lachte, schnalzte mit den Lippen und seine von der Arbeit gerötheten Lider blinzelten, als blende seine Augen eine Uebersülle von Licht. Endlich ließ er sich auf seinen Schemel nieder, und den Blick auf den Grafen heftend, stieß er unartikulirte Laute aus, in denen jedoch deutlich Freude und Staunen hörbar waren. Aber auch der Graf betrachtete ihn voller Verwunderung. „Ist das möglich? Berek! Der Berek mit den goldenen Locken, mit den blühenden Wangen eines Mädchens, mit den vergißmeinnichtblauen Augen? Meine Schwester malte Dich und nachher kamst Du häufig in das Schloß . . . Berek! Du bist's also?“ „Ja, Euer Gnaden, ich bin's! Und Euer Gnaden find der muntere junge Herr, der nie anders hinausstieg die Treppen des Schlosses, als vier Stufen aus einmal. Wenn der junge Herr traten in das Zimmer, wo mich malte das gnädige Fräulein Schwester, glaubte man aufsteigen zu sehen die Sonne!. .. Ai, und denke ich denn nicht, wie der Herr Xaver pflegten zu reiten und zu tanzen! Beim Reiten, und da konnten sein noch so viele junge Herren, immer waren Euer Gnaden der Erste, und alle jungen Fräuleins wollten tanzen nur mit Euer Gnaden. Ich habe dies Alles gesehen, obgleich ich nur ftaub am Zaun oder unter den Fenstern des Schlosses.. ." „Eben, eben," unterbrach der Graf, „ich denke Dich ganz genau in dieser Stellung, und in den Augen, mit denen Du in die Welt blicktest, malte sich ein so naiver Ausdruck von Fröhlichkeit und Wißbegierde. .. Die Schwester und ich, wir sprachen gar häufig darüber. Du schienst Dich über die ganze Welt zu freuen und Dich nicht satt freuen zu können..." Der Jude lachte leise. „Und Euer Gnaden freuten sich damals nicht mit der ganzen Welt?" (Fortsetzung folgt.) Literatur. Luacli Erez Iisroel. Von dem hebräischen Schriftsteller und Herausgeber des Jahrbuches „Jernscholann", Herrn Abr. M. Lu n z in Jerusalem, ist unter obigem Titel ein Kalender für das Jahr 5656 erschienen, der als Beitrag zur Kenntniß des heiligen Landes die weiteste Verbreitung verdient. Der kalendarische Theil enthalt einen vollständigen Kalender für Israeliten, Mohamedaner, Griechen und Katholiken, die verschiedenen religiösen Bräuche des Tages bei Sephardine und Aschkenasim und.einen geschichtlichen Kalender; ferner die Namen der Consuln aller Staaten, die Wochenmärkte, Maße und Gewichte, Name und Werth der coursirenden Geldmünzen, Eisenbahn-, Post- und Telegraphen-Tarise und eine kurze politische Geographie Palästinas. Der literarische Theil enthält einen Auszug der tvichtigsten Steuer-, Agrar-, Zoll- und Heimatsgesetze; den nach dem Orginale übersetzten von Montefiore und Cremieux erwirkten Fernian des Sultans Abdul Medschid gegen die Blutbeschullngung in der Affaire von Damascus im Jahre 1840; eine historische Erzählung; Beschreibung der Colonien Petach, Tikwah und anderer: Gedichte, Novellen; die Production, Einuud Ausfuhr, Neuerungen und Veränderungen auf allen Gebieten im vergangenen Jahre; die Schule, Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine, und noch Vieles, was das Interesse für das Land der Pater weckt und belebt. Es sei dieser Kalender, schon als neuartige Erscheinung im geistigen Leben Palästinas, allen Freunden Zions bestens empfohlen. Der Universalismus der mosaischen Heilslehre in seiner ethischen, socialen und allgemein culturhistorischen Bedeutung. Eme pupulär-wissentschaftliche Abhandlung von Rabbiner I. Bau m. Frankfurt a. M.. I. Kaufmann, 1895. Das Buch ist actuell, gerichtet gegen den bornirten, deutsch-nationalen Antisemitismus, der Adonai Ar einen Nationalgott hält. Der Autor wendet viel Geist und Gelehrsamkeit auf, um den ersten Satz der Bibel der Welt verständlich zu machen, nach welchem die jüdische Religion nur einen Gott und daher nur ei ne Menschheit anerkennt, und wenn wir alle Kinder eines Gottes sind, die Verbrüderung aller Menschen das Ziel unseres Glaubens sein muß, bem wir zuzustrebcn haben, durch Wohlwollen und Liebe für jedes Menschenkind ohne Unterschied seiner Entwicklung aus Umständen, Verhältnissen' und Erziehung. Herr B a u m hat in der vorliegenden Abhandlung nicht nur Talmud und Midrasch, sondern auch Werke christlicher Gelehrter citirt, und Christen, wahrhafte Christen, sollten auch wieder dieses Buch lesen, um an der Hand desselben ihren eigenen Glauben gegen den inneren Feind, den Antisemitismus, zu vertheidigen, denn die Bibel ist doch die Grundlage des Christenthums, wie des Judenthums, und möge dieses Buch eine gemeinsame Action gegen den gemeinsamen Feind bewirken, der im Grunde genommen dem Jndenthume moralisch doch weniger gefährlich ist, als dem Christenthnme, weil der Jude mit dem zweimal täglich onsgesvrochene Bekenntnisse adonai echad gegen ihn stets gewappnet ist. Briefkasten. Krag. ,,Ad. F. M." In der Prager..Medicinischen Wochenschrift" vom 6. Juni 1895 gelangten 15 ärztliche Stellen (Gemeindearztstellen in Sanitätsgemeinden) zur Ausschreibung, bei welchen der Nachweis der Confession gefordert wird. Ein trauriges Zeichen der Zeit! Wien. »,O« F." Wir sind Ihrer Ansicht. Mit dieser Sorte Ge-. findet «sott man sich nie ausgleichen. Wenn schon — denn schon. Der Dank für Milde und Nachsicht wird in Form von erneuerten Beschimpfungen abgestattet. Das „Deutsche Volksblatt" (21. Juni) leugnet geradezu, daß „Abgeordneter" Vergani aus Furcht vor dem Gerichtssaale dem Juden Rolhberger eine Ehrenerklärung abgegeben habe. D.-Trrfta (Bosnien). Fräntri» H. W. Wir stimmen Ihnen bei; Fräulein Rosa Hochmann zählt zu den ersten Geigenkünstlermn en der Gegenwart und wir werden nächstens Gelegenheit finden, Ausführliches von ihren wohlverdienten Trimnphen zu berichten. Magraur. ,.Z. 223." Sie sind von Ihrem Gewährsmann ganz richtig informirt worden. Lueger hat mit 20. Juni in einer Wählerversammluug muinüyiinben erklärt, daß Alles Geld der reichen Juden — gestohlcn, dem Volke gestohlen sei! Und das will ernst genommen werden! Veit solchem Lueger müssen wir uns herumschlagen. Stanistau. „S.K. 199." Die von Ihnen geschilderte Scene zwischen dem Officier, dem,Juden und dem Christen werden wir nicht abdrucken. Sie nennen weder den Namen der Restauration noch den der Betheiligten. Ihren eigenen Namen verschweigen Sie gleichfalls. Was denken Sie sich denn eigentlich? Trient. Isrdor Fett. Ein armer jüdischer Hausirer hat sich, wie Sie mittheilen, dortselbst den Fuß gebrochen und wurde mittellos aus demSpitale entlassen. Eventuelle Spenden an Heinrich Latzer, Trient. Wien. «*|r. I. G." Ehrcn-Vergani beschäftigt sich am 21. d. M. drei Spalten lang mit einem uralten — Hofsmannbüchel: »Ein verkauftes Herz", und ärgert sich gewaltig darüber, daß es philosemitisch ist. Er weiß nicht, daß diese ausgezeichneten Jugendschristcn alle ohne Ausnahme Menschlichkeit und Nächstenliebe lehren, daher dem fluchwürdigen Antisemitismus diametral entgegengesetzt sind. Ko;e». „Ko;ener Tischgesellschaft." fl. 10 — für das liberale Wahlcomitö dankend empfangen. Guvastrrmora. Morix Mittelmann. Halbjährigen Abonnementsbetrag, fl. 4-—, dankend erhalten. (1. Juli bis 31. December 1895.) „S. L. 199." Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Emanuel Kohu, Ung.-Hradisch. Ein solches Inserat müssen wir zurückweisen. Aussig. „A. W." Wir sind darüber nicht untröstlich. „Jsak G." Wottitz. Die Adresse lautet: Betli Hamidrascli, Wien, II. Bez., Tempelgasse 3. ., . Herausgeber u. verantw. Ncdactcur: Aeichsrathsavgeordneter Ir. Aoftf S. ZSloch. — Druck von L. Bergmann & Comp, in Wien.

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