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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-17 · 20 (17.5.1895) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
20 (17.5.1895)
Date
1895-05-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sette 380 Nr. 26 Dr. Vkoch's Wvrtzrrrsrhrifi. bleiche, verstümmelte Wuhrhelt vcn bannen getragen, als die zwei anderen Preiclcwcrbcr ncch imrmr den Himmelkraum durchjagten. Da erbebte dieser von einem lauten, gellenden Schrei, der den erbleichenden Lippen der Liebe entfuhr. Sie war bei einem furchtbaren Hindernisse, beim „Abgrund des Verrathes" angelangt und der Blick, den sie in deffen Tiefen geworfen, hatte ihre Seele mit Entsetzen und Schaudern erfüllt. Ohnmächtig sank sie an dem Rande des Abgrundes nieder, während der einzige, noch übrig gebliebene Pre'sbewerber, rastlos, ohne rückwärts zu blicken, weiter stürmte. So war er fest bis an das Errde der Rennbahn gelangt. Ein unüberwindlich scheinendes Hindcrniß stand hier als Riesenfelsen aufgethürmt. Unzugänglich, steil und schlüpfrig stieg er zum Himmel empor und lief in einen Gipfel aus, der, in das Strahlenmeer der ausgehenden Sonne getaucht, den ganzen Horizont mit Purpur übergoß. „Ruhmesglühen" nannten die Seelen der Unsterblichen das Leuchten des Gipfels, zu welchem die Einen auf dornenvollen Pfaden mühsam emporgeklommen, die Anderen spielerrd aus den Schwingen ihres Geistes emporgeschwebt waren. Unschlüssig h'elt der Ruhm sein Roß vor. dem Felsen an. „Fürchte nichts!" — rief ihm eine leise, wohlbekannte Stimme zu — „die käuflichen Seelen im Innern des Felsens sind mir gewogen: an meiner Hand hast Du alle bisherigen Hindernisse überwunden, an meiner Hand wirst Du den Gipfel der Unsterblichkeit erreichen." Diese nur dem Ohre des Jünglings vernehmlichen Worte flößten ihm Muth und Vertrauen ein und zauberten das Lächeln der Siegesgewißheit auf seine Lippen zurück. Ruhig näherte er sich der Felsenwand und begann dieselbe zu erklimmen. Staunen ergriff die Himmlischen, als das Roß mit der größten Leichtigkeit, fast tänzelnd, den Abhang emporschritt und ehe man sich's versah, den Gipfel erstiegen hatte. Als der Ruhm von hier aus das ganze Reich Gottes zu seinen Füßen, die Gottheit selbst in ihrer strahlenden Majestät auf dem himmlischen Throne und dm Kran; der Unsterblichkeit in ihren Händen erblickte, ergriff ihn wilder Siegestaumel. Jauchzend stürnite der Jüngling dem Throne der Allmacht zu und streckte, vor demselben angelangt, in frecher Bermeffenhcit die Hand nach dem Kranze des unsterblichen Ruhmes aus. Aber wie gelähmt sank sie unter dem dräuenden Blicke des Ewigen herab. „Schlage den Mantel zurück," herrschte er zürnend den Jüngling an, der bleich und zitternd gehorchte. Da trat unter dem weiten, faltenreichen Gewände, welches der Blick des Allfehendcn durchdrungen hatte, ein nacktes Weib lächelnd hervor. „An der Hand einer feilen Dirne" — donnerte der Allwissende — „hast Du die Rennbahn des Himmels durchmessen, den Gipfel des Ruhmes erklommen und den irdischen Lorbeer errungen; doch den himmlischen — den Kranz des unsterblichen Ruhmes — hast Du für ewig verlvirkt!" So sprach der Ewige. Auf seinen göttlichen Wink kam der Tod herbei und entführte die Seele des irdischen Ruhmes in das Reich der Vergessenheit. Seine Buhlerin, die P r o t e c t i o n, ward mit Schimpf und Schande aus dem Jenseits getrieben .... Die Gottheit aber schwebte zum Zenith des Himmels und während sie an demselben den Kranz des unsterblichen Ruhmes befestigte, sang der Cher der Engel: „Des Ruhmes Götzen, Wir stürzen sie; Groß nur und herrlich Ist das Genie. Nur, wen die Gottheit D a; u c r k o r, Schwingt zum unsterblichen Kranz sich empor." _ Briefkasten. Abrah. Haas, Leipnik. Bestätigen fl. 5.— für die „Israelitische Allianz" in Wien. Adolf Orlik, Prag. Bestätigen fl. 1.— für den „Politischen Bolksverein" in Wien. Jaffa, M.-Schönberg. Wir danken für die freundlichen Worte, weche Sie unseren Bestrebungen zollen' und wollen über die weittragenden Anregungen Nachdenken. Wieliczka, P. Z. Der mitgethcilte Fall ist mehr von localem Interesse. Die Publcativn ist überdies nicht ohne preßgesetzliche Bedenken. Altenwörth. Anf mehrere Zuschriften. Wenn Sie uns eine kurz gefaßte Darstellung des Sachverhaltes einsenden wollen, werden wir dieselbe gerne aufnehmen und die empörende Notiz der „Neichspost", welche die jüdische Pietät dem Todten gegenüber lächerlich machen will und den Stempel lügenhafter Gehässigkeit an der Stirn trägt, schon gehörig brandmarken: „Curioser Jrrtbum. In der Woche nach Ostern ward in Altenwörth an der Donau ein Leichnam angefchwemmt. Die Commission vom k. k. Bezirksgerichte und der Arzt erkannten in dem Todten einen Juden. Also besorgt die Ji dcngcmeinde auch das Begräbniß auf ihrem Friedhofe bei Obcrstockstall. Nun stellt sich aber heraus, daß der Tobte gar kein Jude ist — also ausgegraben — aber der Friedhof ist nicht mehr rein — ob sich die Judengemeinde wohl einen neuen Friedhof anlegen wird?" Graz. „Leser und Freund des Blattes." Wir halten es für nicht zeitgemäß, jetzt schon einen solchen vehementen publicistischen Vorstoß gegen diesen Mann zu thun. Warten wir doch noch lieber ein wenig die weitere Entwicklung der Ereignisse ab. Wie heißt es doch in Schiller's „Iphigenie auf Aulis" (ll., 2): „Die alte Denkart tauscht kein-Ehrenmann Auf einem höheren Posten." Troppuu, F. S. P. Wir danken für die freundliche Zusendung. Wir werden die dortigen Vorgänge mit aufmerksamem Auge verfolgen. Wien, Nniversitütshörer. Die ebenso unverschämten als albernen Angriffe des clericaleu Sudler's auf eine wissenschaftliche Größe erster Ordnung, wie es der neuernaunte Professor der Philosophie Mach, weil er kein Betstuhlrutscher ist, zu widerlegen, halten wir für ganz überflüssig. Das hieße dem frechen Burschen doch zu viel Ehre anthun. Wien, II., Theodor Fr. Sie sind aber ein lustiger Herr! Solcher Optimismus ist wahrlich selten. Lassen Sie sich doch im Prater für Geld sehen. Der antisemitische Gemeinderath wird Ihrer Ansicht nach Tüchtiges und Ersprießliches leisten und bedeutet für die Juden in Wien nicht das Aergste. Das bringt und die Stelle aus „König Lear" in's Gedächtniß: „'s ist nicht das Schlimmste, So lang man sagen kann: dies ist das Schlimmste." Taruopol. „Ein Neu- und Wißbegieriger." Wann Mendelssohn gestorben ist? Fragen Sie doch Ihren Religionslehrer oder scheu Sie in einen Conversationslexikon nach. London. Rev. E. W. B. Wir glauben durchaus nicht an die Aufrichtigkeit der Reue dieses Berräthers. Er hat die Comödie schon zu oft aufgeführt. Wir warnen Sie, Ihrem guten Herzen diesmal zu folgen und dem Kerl, der zwischen Juden- und Christenthum nur so hin- und herpendelt, irgend Vertrauen zu schenken. „Man sieht, es bessert auch nicht Elend, Reu', noch Zeit; Einmal ein Lumpenhund, er bleibt's in Ewigkeit." (Goethe.) Budapest. Fr. Kl. Nicht für unser Blatt geeignet. Wir bringen — wie oft soll es denn noch wiederholt werden? — überhaupt nur ganz ausnahmsweise Poesien. Aber spannende Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben können Sie uns einsenden — vorausgesetzt, daß dieselben die Vorzüge einer schönen, natürlichen Sprache und künstlerischen Composition aufweisen. P. K. Nach einer Midrasch-Stelle war Simon Petrus Verfasser des Nischmas-Gebetes. 8. II. Für diese Woche leider zu spät. Budweis. S. B. Die „Neichsschmähschnorrpost" Spitzer- Weimar's (!) veröffentlicht in ihrem Feuilleton vom 15. d. M. ein Gedicht des tirolischenSängers Hermann von G i l in, welcher — die gelahrten Herren scheinen das nicht zu wissen — die katholische Kirche glühend gehaßt hat. Er ist auch der Sänger der in ihrer Art ganz ausgezeichneten „Jesuitcnlieder", welche wir der geehrten Schristleitung hiemit zum Studium unb zur Beherzigung empfohlen haben möchten. Preßbaum, O. B. L. Börne sagt schon . dasselbe, wie ihr Artikel, den wir dankend ablehnen, und kürzer und ein wenig eleganter: „Wie es entnervten Menschen eigen ist, daß sic in den Geberdungen des Zornes und des Hasses sich gefallen, weil sie solche Aeußerungen als Zeichen des Krastgefühles und eines selbständigen Daseins geltend machen möchten, so haben auch jene Schwächlinge, um Volksthümlichkeit und Vaterlandsliebe zu offenbaren, einen Haß gegen die Juden, der oft ihrem eigenen Herzen fremd war, den Bessern auszudringen versucht." Wien, IX., Konrad Ros—m. Schöirerer ist, wie Sie sehr richtig bemerken, ein angenehmer Herr. Jetzt balgt er sich ein wenig mit K. H. Wolff herum, und zwar aus Geschäftsrückstcht. Das Verfahren der „Ostdeutschen Rundschau", welche während der Gemeinderathswahlen vor Lueger Kratzfüße machte, erführt im Roscuauer Moniteur eine Zurechtweisung. Im „Briefkasten" werden „mehrere Anfragen" wie folgt beantwortet: „Für die Haltung'des genannten Blattes vor und-nach den Wiener Gemeinderathswahlen ist die deutschnationale Partei nicht verantwortlich. Das ist einfach die persönliche Meinung des Herausgebers. Das einzige erklärte Organ der Deutschnationalen unter Führung Schönerer's' sind die ,Unverfälschten Deutschen Worte'." ' Herausgeber u. verantw. Redacteur: Aeichsrathsa-geordncter Ar. Josef S. ZZloch. — Druck von Stern & Steiner, Wien, II., Floßgasse 12.

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