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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-26 · 17 (26.4.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 820 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 17 Hause streng, a bissel stolz und a bissel neidisch, was ihn bringt in Streit und Processe, aber der Streit geht gut aus für ihn, unter zehnmal, einmal " „Wie wahr", murmelte Frau Beer. „Geboren seid Ihr den Nennundzwanzigsten, was?" Beer begnügte sich, zustimmend zu nicken. „Ihr könnt reden auch, wenn ihr wollt" sagte Meschulam, mich genirt das nicht. Der Nennundzwanzigste ist ein guter Tag, die Juden sind gekommen zu gehen an diesem Tag in das gelobte Land. Alle Eure Unternehmungen werden gelingen." Er faßte hierauf Gellas Hand, obwohl sie dieselbe unter den Tisch zu retten versuchte. „Was fürchten Sie sich, bin ich ein reißendes Thier?" fuhr er fort und begann dann den Kopf hin und her zu wiegen, „sind sie doch geboren zur glückliche» Stund', der Tag ist gut und der Monat ist gut." „Moses hat geführt die Inden durch das rothe Meer an diesem Tage. Ein Weib, geboren im Mai, ist gut zur Liebe und Ehe, des Mannes und ihrer ganzen Verwandtschaft Zierde." Und nun begann er das Lied vom braven Weibe anzustimmen: „Ach ein braves Weib, wer findet es? Höher denn Perlen ist ihr Werth. Bei ihr vertraut des Gatten Herz Und an Gewinn fehlt es nicht. Doch alle ihre Lebenstage Thut sie ihm Gutes, Böses nie." „Was lest Ihr etwa in meiner Hand?" fragte Marmelstein neugierig. „Ihr wollt morgen machen ein Geschäft, das ist kein Tag dazu. Den Zehnten brachte Moses die Gesetztafeln und zerbrach sie, wartet bis zum Vierzehnten." Meschulam blickte jetzt in Korngold's Hand. Dieser lächelte gebildet und überlegen. Aber er hörte bald auf zu lächeln. „Sind Sie ein Ochs oder sind Sie ein Mensch?" sagte der Schnorrer. „Ziemt es einem Menschen zu gehen im Joch? Ist es schicklich, daß ein Mensch sich abplagt wie ein Vieh für seinen Herrn? Ist es in der Ordnung, wenn das Weib sagt zum Manne geh' hin und geh' her, thu' dies und thu' das und laß jenes bleiben?" „Schweig' doch!" „Hat mir Gott gegeben eine Zunge zu reden, werden Sie doch nicht im Stande sein, mir zu nehmen die Sprach'", entgegnete Jeidels Meschulam und zog zugleich die volle weiße Hand der schönen Frau Korngold unter dem Tischtuch hervor. „Ich will nicht hören," sagte diese, „habt Ihr nicht schon genug Unsinn gesprochen?" „Unsinn, wie heißt Unsinn?" sagte der Pole. „Ich sage, was ich sehe; was ich nicht sehe, kann ich nicht sagen. Aber ich bin schon still, nur Eines will ich Ihnen rathen, nehmen Sie sich in Acht am ersten December, weil da die Erde verschlungen hat Sodom und Gomorrha. Ein Weib, das das Licht der Welt erblickt hat im Monate Juni, ist in der Liebe wie ein Vögelchen, das fliegt von einem Baum zum andern. — Ich schweige schon still. — Am zweiten Tage des Monats hat Kain erschlagen seinen Bruder Abel. Soll ein Weib, an diesem Tage geboren, nicht rabiat sein und zornig und ihren Mann plagen?" „Genug", sagte Frau Korngold, die purpurroth geworden war, „macht daß Ihr fort kommt!" „Also genug", entgegnete der Schnorrer lächelnd, „wenn Ihr Mann damit zufrieden ist, bin ich es auch." Er nahm Stock und Bettelsack und ging hinaus, ohne sich zu bedanken. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. I. M., Westbapuhol Derlei Fragen sind an den Rabbiner P o l l a k, II., Vereinsgasse 15, zu richten. Jvfstz. I. F—st. Ihr Gedicht ist stellenweise wirklich schwungvoll und gedankenreich. Doch bringen wir nur ganz ausnahmsweise Beiträge in gebundener Rede. Eine Strophe sei jedoch gerne citirt: „Sie wollen uns des Wisieus Licht verhängen, So wie sie uns das Bürgerrecht geraubt, Den Weg zur Bildung boshaft uns verengen, Wie sie den Baum des Rechtes uns entlaubt." Wien, IT. Adolf I Sie machen uns auf die vielen mißglückten „Sprachreinigungen" der Antisemiten aufmerksam. Eine der drastischesten ist das neugebackene Wort „Zeitweiser". Da glaubt man doch an eine Uhr denken zu müssen. Weit gefehlt — die „Unverfälschten" verstehen einen — Kalender darunter. Floridsdorf. „Eifriger Leser." Wenn sich das sogenannte „Witzblatt" selber Schand- und Schmutzblatt titulirt, so sehen wir darin nichts Anderes, als einen Act einsichtsvoller Selbstkritik, d'e wir nur vollinhaltlich unterschreiben können. Meran. Dr. B. Br. Spitzer-Weimar (!), der edle Täufling, der jedem jüdisch klingenden Namen ein blitzblödes „(!/' anhängt, weshalb wir auch den seinen mit demselben Ornament zieren zu müssen uns verpflichtet erachten — also Spitzer-Weimar (!) entsetzt sich über d'e „geöffneten Altäre", von denen ein Wiener Blatt schrieb, daß die Laibacher zu ihnen sich drängten. Hat der gute Mann noch nicht ein Altarbild mit drei Flügeln gesehen? Die kann man dach öffnen und schließen und das war offenbar gemeint. „Er ist so ein Christ, wie er ein Jude war." Gänserndorf. „Treuer Freund des Blattes". Sie verweisen uns auf Nr. 105 der lieben „Ostdeutschen", die sich ein wenig gedreht hat. Mit der gänzlichen Uut-.rschlagung der Schlußstellen der Bismarck-Rede an die Steirer hatte es doch sein Häkchen. Daher wurde von der ursprünglichen Absicht der gänzlichen Unterschlagung Umgang genommen und das Verfahren der hämischen Glossirung eingeleitet. Man kennt die antisemitische Jnterpretirungskunst. Also nach K. H. Wolf ist die von Bismark den Oesterreichern empfohlene Liebe zur Dynastie blos „e i n G e b o t der politischen Klugheit". Sehr roh undunpatriotisch spricht das' Blatt „von der Dynastie — so lange sie eben besteht" und läßt es der geheiligten Person Sr. Majestät gegenüber an aller schuldigen Ehrfurcht fehlen, wenn sie kurzweg vom „gegenwärtigen Kaiser von Oesterreich und den Spuren seiner deutschen Abkunft spricht". Baden. „Z. Z 312." Für die unseren Betrachtungen über die „Riedliuz-Bank" freundlichst gespendete Anerkennung dankend, fügen wir der Liste arischer Ausbeuter - ihrem Wunsche gern entsprechend —den Schönerianer-Berein „Ostmark" hinzu, welcher Geld zu l1verleiht, wenn entsprechende Bürgschaft geleistet wird. Die übrigen begleitenden Umstände, unter welchen dieser edle Verein Darlehen gewährt, fallen mit jenen der „unredlichen Credttgeschäfte" zusammen, wie sie das W ucherg e s e tz kennzeichnet. Leipzig. St. B. Sie fragen uns, welche Stellung denn die anständige Wiener Presse gegenüber der sogar im Auslande allgemein als antisemitisch verschrienen Leitung der Wiener Hosoper einnimmt? Wir antworten Ihnen daraus kurz und bündig: die eines Claqueurs, der mit Allem zufrieden ist. Leipziger und Hamburger Blätter sprechen von dem Antisemit'smus des Directors Jahn als einer feststehenden Thatsache. Nur Christen lverden zürn Probesingen zugelassen, Künstler israelitischen Bekenntnisses aus dem Institut hinausintriguirt, wie Lola Beeth. Daß die Philharmoniker total antisemitisch verseucht sind, ist noch nicht genügend bekannt, verdient es aber zu werden. Die Abonnenten ihrer Mittagsconzerte sind aber mindestens 75 % Juden. Vielleicht denken diese jn der nächsten Saison ein wenig über die Sache nach. Wien. III. Dr. Leop. D—r. Wie das Verhältniß zwischen Vergani und Schönerer sich „zugespitzt" hat, ersehen Sie am deutlichsten aus nachstehender Briefkastennotiz der „U. D. W": „U. D. W."-Leser. Landesausschuß Dr. Kopp theilt uns soeben mit, daß sämmtliche Gemeindeacten (Vergani betreffend) gerichtlich eingefordert wurden. Näheres in der nächsten Nr. U. d. Gr. Ji — V e r g a n i, der „E h r e n b ü r g e r" v o n M ü h ld o r f. Das „Wiener Programm" des „Bolkswirthschaftlichen Vereines" in Wien, dessen Obmann Vergani ist, war in der Nummer des „Deutschen Volksblattcs" vom 11.. März 1894 veröffentlicht und war dem Abdruck dieses Programmes der nachstehende Wahlspruch vorangestcllt: „Wir wollen deutsch sein und deutsch bleiben, Zucht und Ehre hoch halten und das öffentliche, sowie unser privates Leben durch sittliche Erziehung verbessern und veredel n." Wie sich Vergani diese Verbesserung und Veredlung des privaten Lebens vorstellt, mag aus der Nichtbezahlung von Ehrenschulden und auS der bekannten sonderbaren Verwaltung öffentlicher Gelder entnommen werden. Und dies Alles erfreut sich der stillschweigenden Zustimmung der Wiener „Vergani-Partei", früher auch „Christlich-Sociale" genannt. — Und da gibt es noch Leute, die sich wundern> daß wir in das sieghafte Geschrei der „Wurstkeßler" anläßlich der jüngsten Gemeinderath; wählen nicht laut cingestimmt haben! Unsere Ehrbegriffs-Vorstellungen sind eben durchaus andere. II d. Gr. I. Blinden-Sparkörbchen. Das Curatorium des Blinden-Jnftitutes Hohe Warte spricht die höfliche Bitte aus, daß diejenigen Körbchenbesitzer, deren Spenden in Folge Mangels richtiger Adressen nicht eincassirt werden konnten, ihre. Körbchen gefälligst bis 1. Mai zwischen 2—8 Uhr an die Curatprin Frau Cäcilie Adler, IX., Wasagasse 8, übermitteln mögen, da der Spendenbericht am 2. Mai in Druck kommt. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Aeichstathsabgrordneter Ar. Aofef S. Zftoch. — Druck von Stern & Steiner, Wien, II., Floßgasse 12.

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