Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 17 (26.4.1895)
- Date
- 1895-04-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 17 Seile 319 Dr. Bloch's Wochrüfitzrrst. J. H. Lemberg. Dieser Tage hat die hiesige Gemeinde durch das Hinscheiden eines ihrer achtbaren Mitglieder einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der in allen Kreisen der jüdischen (talmudischen und wissenschaftlichen) Gelehrten wohlbekannte Samuel Schönblum, ein Sprachenkenner, der in der deutschen, englischen, französischen Literatur heimisch war, hat die Augen zur ewigen Ruhe geschlossen. Der Verblichene, der ni seinen hinterlassenen Werken aus den Archiven Rom, Padua geschöpft hat, war ein edler und biederer Charakter, religiös im wahren Sinne des Wortes. Das Leichenbegängniß gestaltete sich auch zu einer imposanten Kundgebung. Auf dem Friedhofe hielt Rabbiner Herr Isaak S ch m e l k e s einen tief empfundenen Nachruf, welcher die zahlreiche Versammlung tief ergriff. Mögen die trauernden Hinterbliebenen des berühmten Gelehrten Trost und Erhebung darin finden, daß mit ihnen die ganze Gemeinde den Heimgang dieses wahrhaft edlen und frommen Mannes tief betrauert. Pizemysl. Am 11. d. M. fand in der von Herrn M ermelstein gegründeten vierclassigen hebräischen Schule „Tjkvas Isiael“ die erste öffentliche Prüfung statt. Fast sämmtliche Repräsentanten der Gemeinde und ein zahlreiches Publicum haben sich zu derselben eingefunden. Fünf Monate sind erst seit Gründung dieser Schule verflossen und schon hat selbe wirklich unglaubliche Erfolge aufzuweisen. Es war aber auch für die anwesenden Gäste herzerfreuend, die winzigen Schüler von 5—10 Jahren hebräisch fließend sprechen, declamiren und singen zu hören. Der Herr Gründer beabsichtigt noch eine Classe für Mädchen zu eröffnen, wir können ihm hiezu nur Glück wünschen. Am 14. d. M. haben die Ausschußwahlen des Vereines „Biktir . Cholim“ stattgesunden. Es wurden wiedergewählt die Herren: Dr. Baumfeld, David David, H. Gans, Zygmund Münz, Isidor Großfel d, Efraim Läufer und Samuel K r y s; neugewählt an Stelle der gottseligen Herren M a n e l e s und B l u m e n f el d die Herren Benjamin T u r n h e i m und Leon M e s u s e. Moloczko, 9. April 1895. Unter lebhafter Betheiligung fand gestern das Begrübniß unseres verewigten Bezirksrabbiners Dr. Heinrich P i s k o statt; die Leichenfeier war eine des großen Tobten würdige. An dem Sarge, der in dem stylvoll drapirten Tempel aufgebahrt wurde, hielten drei Rabbiner dem Dahingeschiedenen warme Nachrufe: Dr. P o l l ack aus Holics gedachte der mehr als dreiunvierzigjährigen Thätigkeit des Dr. P i s k o als Seelsorger, M. L. Engel aus Sassin verglich den plötzlichen Tod des Hochseligen mit der Abberufung Moses durch einen Kuß Gottes ans dem Leben, Al a r m o r st e i n aus Szenicz feierte den Verblichenen als Lehrer und Gelehrten in Israel. Die tief empfundenen Reden wurden von der zahlreichen Trauerversammlung mit Andacht angehört; keiner der Anwesenden, unter denen sich viele Schüler des theuren Tobten befanden, konnte sich der Thronen erwehren, als die Cultusgemeinde schmerzbewegt von ihrem gewesenen geistlichen Oberhirten Abschied nahm. Sämmtliche umliegenden Gemeinden hatten Deputationen zu dieser Trauerfeier entsendet, welcher auch die Gemeindevertretung, die Beamten des Bezirkes, mit dem Oberstuhlrichter v. N a g y an der Spitze, sowie der Dechant von Malaczka, Dr. Kovacs, beiwohnten. Die ergreifende Feier, deren schöner und würdiger Verlauf der vereinigten, aufopfernden Wirksamkeit des Cultusvorstandes und der „Chewra-Kadischa" zu verdanken ist, wurde mit einem vom Cantor R o s e n st e i n intonirten Trauerchorale eröffnet und beschlossen. Tarnow, am 22. April 1895. Am 10. April d. I. starb hier die wegen ihrer weiblichen Tugenden und ihrer Wohlthätigkeit allgemein hochgeachtete Frau Helene S ch n tz e r im hohen Aler von 88 Jahren. Diese edle Frau hat hier vor einem halben Jahrhundert eine Mädchenbildungsanstalt für drei Sprachen gegründet, welche sie bis zu ihrem Absterben mit Eifer, Aufopferung und Gewissenhaftigkeit gepflegt hat. Armen Kindern hat sie nicht nur unentgeltlich Unterricht ertheilt, sondern unterstützte sie auch ans eigenen Mitteln. Die zahlreiche Betheiligung seitens aller Bevölkernngsclassen an dem am 12. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse ist der beste Beweis der hohen Achtung, welche die edle Menschenfreundin hier genossen; die irdische Hülle wurde beigesetzt, doch bleibt ihr Name in ewigem ehrenden Andenken bei der ganzen Gemeinde! Fiume. Am 14. d. M. fand die Generalversammlung der israelitischen Cultusgemeinde statt. Der Herr Dr. M. Nichtm a n n hielt dem unvergeßlichen Präsidenten S. L. M o n d o l f o einen tiefergreifenden Nachruf. — Es wurde beschlossen, das Bild des Verstorbenen in dem Sitzungssaale anzubringen. — Bei den hierauf vorgenommenen Neuwahlen wurde zum Präsidenten gewählt: Herr H. Neu mann Edler von Linike, Mitchef der weitbekannten Firma Felix NenbergerLSohn; als erster Vice-Präsident Herr Dr. E. S a ch s, einer unserer hervorragendsten Rechtsanwälte; zum zweiten Vice-Präsidenten Herr E. Ehrlich, Director der hiesigen Creditbank, gleichfalls eine populäre Persönlichkeit. Zur Zusammensetzung des neuen Präsidiums ist die Gemeinde zu beglückwünschen. Belgrad. Mit königlichem Decret wurde auf Vorschlag der Regierung ein Jude zum Mitgliede der Skupschtina ernannt. Hiedurch hielt der erste Glaubensgenosse in die gesetzgebende Körperschaft Serbiens seinen Einzug und gibt man der Hoffnung Raum, daß dieser Act mildernd auf die konfessionellen Gegensätze in der Bevölkerung des Königreiches wirken wird. Würzburg. Hofbuchhändler Leo Woerl, Besitzer einer Kunstanstalt und Buchdruckeerei, sowie des „echt katholischen" St. Kiliansblattes, auch Verleger der bekannten Woerk'fchen Reisehandbücher, natürlich auch Commerzienrath :c., hat den Concurs angemeldet. Tie Passiva sollen 493.000 Mark betragen! L. Woerl besitzt das Ritterkreuz des k. griechischen Erlöser-Ordens, das Ritterkreuz des großh. toscanischen Verdienst-Orderrs, das Ritterkreuz des päpstlichen St. Sylvester-Ordens, das Ritterkreuz des Ordens vom hl. Grabe und andere hohe Orden. Als aber der Krach kam, soll er, wie das „Bair. Vaterl." angibt, ein in seinem Verlage erschienenes Reisehandbuch genonunen haben. Nizza. (Ein internationales israelitisches Spital.) Angeregt von der Hoffnung, die verlorene Erwerbsfähigkeit wieder zu erhalten, gedrängt von der Erstickungsgefahr, mit der das kalte Klima den Lungen- und Halsleidenden droht, sind sie gezwungen — ohne die materiellen Verhältnisse berücksichtigen zu dürfen - für die Wintermonate die französische Riviera aufzusuchen. Selbstredend konnten die Mittellosen keine Besserung ihres Zustandes erzielen und wurden von Noth und Entbehrungen der Vernichtung ausgeliefert. Von diesem Elend gerührt und von Mitleid ergriffen, wurde vor zwei Jahren auf Anregung des Nizzaer Grandrabbin M e i ß in Nizza (Cimiez) ein Hans, welches in der Mitte eines sehr schönen Gartens und in einer dem Zwecke entsprechenden Gegend liegt, angekauft und unter dem Namen ^Asile isrnelite international44 seiner Bestimmung übergeben. Dieses „international" jüdische Institut, welches kaum zwanzig Personen beherbergen kann, muß nun erweitert werden, was aber nur dann möglich ist, wenn unsere Glaubensgenossen dieses humane Unternehmen mit ihren milden Unterstützungen zu fördern geneigt sind. Das Comite des genannten „Asile israt'lite international44 betraute mit der Herbeischaffung von Mitteln für dieses Haus einen Mann, von dessen gutem Charakter es überzeugt ist und der gegenwärtig zu diesem Zwecke in Wien weilt. Hoffentlich wird dieses Krankenhaus, da es eine Humanität ersten Ranges ist, nach Möglichkeit unterstützt werden. A. N. Feuilleton. Mein Freund Wodakoski. Novelle von Leopold v. Sacher-Malsch. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. „Wie können Sie so grob sein", rief die schöne Frau Korngold. „Grob? Mein liebes Frauchen, grob?" entgegnete der Schnorrer lächelnd. „Wie meinen Sie das? Ich habe gesagt, die schöne, junge Frau hat einen Mund wie ein Elephunt, Hab' ich gesagt, weil er voll Elfenbein ist." „Hören Sie doch endlich auf mit ihren unartigen Späßen", sagte Frau Beer, die von Neuem in Zorn gerieth. „Was lassen Sie hängen die Nase", erwiderte Meschulam mit dem liebenswürdigsten Lächeln, „sie ist so lang genug ihre Nas'. Wenn Sie mir haben gegeben zu essen und zu trinken, so werd' ich Ihnen doch sagen die Wahrheit dafür, was nicht jeder im Stande ist, denn der arme Meschulam Jeidels kennt die Chochmath Jad, was alle reichen Leut' zusammen nicht kennen." „Ihr kennt die Chochmath Jad?" rief Beer überrascht. (Chochmath Jad, Wahrsagekuust, die bei den polnischen Juden stets nur von Männern geübt wird.) „Ihr sollt gleich sehen, ob ich sie kenne, oder ob ich sie nicht kenne." Meschulam stand auf, näherte sich Beer und blickte in seine Hand. „Ihr seid geboren im Zeichen des Stiers. Ein Mensch, was geboren ist in diesem Zeichen, ist klug und kräftig, im