Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 14 (5.4.1895)
- Date
- 1895-04-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 2ö8 D r. Bloch's Oestrrrrichische Wochenschrift. Nr 14 zusammengepfercht und die dadurch entstandene ungeheuere . Concurrenz rcbucirtc die Möglichkeit, die Existenz zu fristen, ' bis auf's Aeußerste. Acit Hintansetzung verbriefter Rechte wurden die zahlreichen Handwerker und Gewerbetreibenden ausgetrieben und die heilige Stadt von den ketzerischen Juden destnitiv gesäubert. Selbst auf dem Gebiete der Actienunternehmungen wurden die Rechte der Juden beschränkt, obwohl dem Anscheine nach in dieser Sphäre von Einfchränkungenkeine Rede sein könnte und eine jegliche Behinderung der individuellen Freiheit eine schädliche Einwirkung auf die Gefammtheit ausüben müßte. Doch der blinde, fanatische Haß raisonnirt nicht, er schneidet in's eigene Fleisch, wenn er wähnt, dem Verhaßten wehe zu thun, vollzieht an sich selbst den Harikari, wenn auch nur der Jude darunter leidet.... In den Lehranstalten und Actiengesellschaften ward eine Percentnorm festgesetzt, die nicht überschritten werden durste. Dieselbe Percentnorm ward auch für jüdische Acrzte im Militärdienst sestgestellt, in der: Civildienst, wie in den Hospitälern wurden sie überhaupt gar nicht mehr zugelassen. Aus dem Gebiete der Advocatur fand ein entschiedener Schlag statt, der alle Hoffnungen im Keime erstickte. 1889 wurden ganz besondere Regeln festgesetzt, auf Grund welcher der Eintritt der Juden in die Advocatur von der Genehmigung des Justizministers abhängig gemacht wurde. Eine dem Anscheine nach ganz harmlose Maßregel, die jedoch einem absoluten Verbot gleichkam, denn seit jenem Erlasse hat kein einziger Jude die ministerielle Genehmigung erhalten. Selbst auf die zahnärztliche, die Hebammen- und Feldscheerschule erstreckte sich die Sorgfalt der Regierung, um den Juden den Zutritt in diese Anstalten zu erschweren, wenn nicht ganz unmöglich zu machen. Kurz, es gibt keine Sphäre des menschlichen Wissens und Könnens, der Wissenschaft und des Gewerbes, wo den Juden nicht Schranken errichtet wurden oder ihnen der Eintritt ganz und gar verboten ward. ■ Die Willkür suchte sogar nicht mehr nach einem Feigenblatt, uni ihre Handlungen zu entschuldigen. Man machte aus seinem crassen Egoismus gar kein Hehl. Wozu die Umschweife — der Jude wird verbrannt! So z. B. ward in Ssitomir die seit einem Vierteljahrhundert auf Kosten der örtlichen, jüdischen Gemeinde bestehende Handwerker- und Gewerbeschule, die eine ersprießliche, segensreiche Thätigkeit bekundet hatte, auf Grund Beschlusses des Ministercouseils geschloffen. Als Motiv dieser Maßregel ward angeführt, daß, da die Juden in den Städten und Ortschaften Westrußlands die Majorität von Handwerkern liefern und dadurch der Entwicklung des Gewerbes in der Mitte der von ihnen ausgebeuteten christlichen Bevölkerung hindernd im Wege stehen, die Existenz einer speciell jüdischen Handwerkerschule als ein neues Werkzeug in den Händen der Juden erscheint, um die Bevölkerung zu exploitiren, besonders da ähnliche Lehranstalten bei den Christen nicht existiren. Das heißt doch wenigstens unverfroren: Weil also ihr Juden aus eigenen Mitteln Lehranstalten unterhaltet, die wir Christen nicht besitzen, so müssen diese eure Schulen geschlossen werden. Auch in der Communalverwaltung wurden die Juden in ihren Rechten beschränkt. Sie wurden des activen und passiven Wahlrechtes beraubt, durften weder Stadtverordnete wählen,noch wurden sie als solche erwählt; dieJuden durften nur ‘/io Percent der Communalverwaltung bilden und nicht erwählt, sondern von der Regierung ernannt werden. Dadurch wurden die vitalsten Interessen der jüdischen Bevölkerung geradezu geschädigt. Da in vielen Städten das Ghetto der jüdischen Bevölkerung oft 3/4 der Gesammteinwohner ausmacht, während sie in der Communalverwaltung durch blos */,„ repräsentirt ist, so wurden die Juden von chren christlichen Collegen erbarmungslos mit Steuern belegt und erbarmungslos ausgebeutet. Brauche ich noch zu erwähnen, daß auch in Bezug auf die Wehrpflicht die jüdische Bevölkerung zum Sündenbock ward! Während sie effectiv mehr Soldaten lieferte, als sie verpflichtet war (wie es durch unumstößliche statistische, officielle Daten wiederholt nachgewiesen), wurde es ihr stets zum Vorwurf gemacht, daß die Juden sich mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln der Militärpflicht entziehen. Die Listen werden absichtlich gefälscht, um ihnen weit. mehr Militärpflichtige zu octroyiren, als in der That vorhanden sind, und dann schreit man über Feigheit oder Mangel an Patriotismus, als ob bei so stiefmütterlicher Behandlung der Mannesmuth und die Vaterlandsliebe sich entwickeln könne!... Und dann erhebt man von den Familien der angeblich nicht ihre Militärpflicht absolvirt habenden Juden (die überhaupt gar nicht existiren, so eine Art von „Tobten Seelen", wie sie Gogel in seinem berühmten Roman geschildert) je 300 Rubel und zählen diese Rückstände nach vielen Millionen, während sie in der That gleich Null sind und im Gegentheil die Juden noch von der Regierung Entschädigung zu fordern berechtigt wären für die Recruten, die sie mehr gestellt, als sie zu liefern verpflichtet sind. Jüdische Industrielle. Auf der in Wien derzeit stattfindenden Modeausstellung sind die jüdischen Industriellen in der hervorragendsten Weise vertreten. Der Kaiser hat auch bei dem Besuche, den er der Ausstellung am 23. März abstattete, in huldvoller Weise seine Anerkennung ihrer Leistungen ausgedrückt. Bei der sehenswerthen Exposition von Fächern und Sonnenschirmen der Firma Moriz Weisz, „zum Magnet", Kärntnerstraße Nr. 16, fiel dem Kaiser ein Prachtexemplar eines echten Spitzenfächers auf und er befragte den Chef der Firma, ob auch noch Federnfächer modern seien, worauf Herr Weisz dies bejahte. Bei der Firma Klein n. Frankl hatte Herr Frankl die Ehre, dem Monarchen die exponirten Objecte zu erklären. Als der Monarch zu den von Leo Brandt, I., Rabenplatz Nr. 2, ausgestellten Objecten gelangte, frug er Herrn Brandt mit Bezug auf die a jour und gestickten Betten, ob diese Arbeiten auch in den Schulen gelehrt und gemacht werden. Als dsr Gefragte dies bezüglich des a-jour-Theegedecks bejahte, sagte der Kaiser: „Aber die gestickten Defregger-Bilder wohl nicht, die erfordern schon eine geschulte Hand; das sind schwierige Arbeiten, die sind prachtvoll, sehr schön." — Der Kaiser hielt sich längere Zeit auch bei dem Schuhmacher Joseph Presser, II., Praterstraße Nr. 16, auf und sprach sich sehr lobend über die besonders elegante und schöne Fa^on der Erzeugnisse desselben aus. Herrn Löwy, den Chef des Miederateliers Löwy u. Herzl, 6. Bez., Mariahilserstraße 45, fragte der Kaiser: „Sind das Ihre Erzeugnisse?" „Jawohl, Majestät", lautete die Antwort. Der Kaiser bemerkte darauf: „Es freut mich, daß die Wiener Mieder so weit versendet werden." Unter den zahlreichen Ausstellern, welche der Kaiser noch weiter mit einer Ansprache beehrte, befand sich auch Herr Herm. Brandt, Gesellschafter der bekannten Wäschefirma Weldler u. Budie, I. Bez., Tuchlauben. Der Kaiser fand das Arrangement der Exposition geschmackvoll unv machte bezüglich der ausgestellten Seidenwäsche die Bemerkung: „daß selbe wohl nur für die reichen Leute bestimmt sei." Mit Interesse prüfte der Kaiser die Exposition der Firma Ludwig Herzfeld, I. Bez., Bauernmarkt 5, und fragte ob die daselbst ausgestellten Spitzenconfectionen nach eigenen Angaben angefertigt seien, worauf Herr Herzfeld erwiderte: „Majestät, sämmtliche Modelle sind nach meinen Angaben von Wiener Arbeiterinnen ausgeführt." Als der Kaiser zu den Interieurs des Hoflieferanten Ignaz Bittmann (I. Bezirk, Kärntnerstraße) gelangte, sagte er beim Anblicke der in Steirertracht gekleideten Knaben lächelnd: „Das sind ja unsere Steirer!" Bei der Vitrine der Modistin Frau Grünwald-Weiner verweilte der Monarch gleichfalls. Bei dem Rundgange wurde auch Herr Alfred Gerngroß, Mitchef der Firma A. Gerngroß, dem Kaiser vorgestellt, und nabm der Monarch die Erläuterungen über die von dieser Firma ausgestellten Modeartikel auf das Huldvollste entgegen. Gegenüber Herrn Gerstl jun. (Fünfhaus) drückte der Kaiser sein Erstaunen über das Gewicht des von dieser Firma ausgestellten completen Anzuges (71 Deka!) aus und bemerkte: „Das muß doch wirklich ein angenehmes Tragen sein. Die Aufmerksamkeit des Kaisers erregte auch der Doppelpavillon der Wäschefirma C. Braun u. Comp., deren Chef Herr C. Braun zweimal vom Kaiser durch Ansprachen ausgezeichnet wurde. Der Haupttreffer der Wiener Mode-Lotterie — eine Wäsche- Brautausstattung, von derselben Firma geliefert — interessirte den Kaiser, welcher scherzend sagte: „Der Gewinnerin dieses Treffers ist besonders zu gratuliren." Herausgeber u.v»e»lw.Rer>aciemn Neichsrathsabgeordneter Tr. Josef E. Bloch. — Druckt». L.Beck» Sohn.Bien.VUL, Lerchmfeldersir. 46.