Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 248 *ti. 18 Dr. Bloch's Oesterrrrchifchr Wochenschrift. und werthvollere Gedenkbuch der Lemberger Gemeinde vor ungefähr zwei Decennien in Verlust gerathen ist, konnte der Verfasser nur das jüngere Gedenkbuch. welches den Zeitraum von 162G—1778 umspannt, zu Ratbe ziehen, mußte vielmehr die dort fehlenden Daten aus anderen Quellen schöpfen und auch die Epitaphien vergleichen, die in dem Buche „Mazebeth Kodesch", allerdings mit vielen Jrrthümern, zusammengestellt sind, jedes Datum aber vorerst auf seinen kalendarischen Werth prüfen. So ist, um nur ein Beispiel anzuführen, die Vermuthung des Verfassers richtig, daß der Sterbetag des Rabbiners Jsak ben Jechiel (Seite 113) auf dem Grabsteine nicht Montag, 9. Tischri, sondern Montag, 19. Tischri, gelautet haben muß. Wenn der Verfasser aber seine Berichtigung damit motivirt, daß in dem Jahre (5) 359 der 9. Tischri nicht auf euren Montag fiel, so ist dies ungenau, da nach der kalendarischen Regel: TTK H*? der 9. Tischri nie auf einen Montag fallen kann. Der Verfasser bietet in seinem Buche nicht weniger als 564 Biographien, und zwar in bündiger Kürze. In dem vor sieben Jahren ebenfalls in Krakau erschienenen Werke: „Klilath Jofi" von CH. N. Dembitzer haben wohl die Lemberger Rabbiner eine umfassendere biographische Würdigung erfahren; allein abgesehen von dem bekannten Worte: „Duo quum faciunt idem, non est idem", ist die Tendenz und Oeconomie des vorliegenden Buches eine andere, erstreckt sich Letzteres auch auf Lehrhausvorsteher, Religionsweiser, Rabbinatsassefforen und Gemeindevorsteher, und erweist sich außerdem durch die alphabetische Reihenfolge, sowie durch die Gedrungenheit des Stiles sehr bequem und handlich. Im Anhänge bringt der Verfasser 24 Originalauszüge aus dem erwähnten Gedenkbuche, die von hohem Interesse sind. Das Gcsammtcrträgniß des sehr schön ausgestatteten Buches widmet der generöse Verfasser dem pietätvollen Zwecke, jene Denksteine hervorragender Männer, die sich unter Schult und Gerölle befinden, an's Licht zu fördern, um deren Inschriften zu renoviren, eventuell durch neue zu ersetzen. Möge dieses fromme Vorhaben im ganzen Umfange gelingen. I g l a u. Rabb. Dr. I. I. U n g e r. Hagadah, für die zwei heiligen Seder-Abende zum Schulgebrauch bearbeitet und mit Erklärungen und Erläuterungen versehen von Leopold Buxbaum, Rabbiner und Religionslehrer. Auf dem Markte der jüd. Literatur ist ein neues Werkchen erschienen, und bemerken wir es gleich, billige und gute Waare. Auch die Peßach-Hagadah gehört in das Gebiet des jüd.Schrifithunis, ist aber einem brachliegenden Acker gleich unbearbeitet geblieben. Uns ist nur einehenorragende Peßach-Hagadah bekannt, jedoch ohne Namen des Verfassers, in Großformat, mit Illustrationen versehen: „Wien, gedruckt beijAnton Schund 1823, mit hebräischen Commentarcn: Alschich, Gewuras Adonai, Ollelos Efrajim unb Abarbanel, das sind wohl Namen bekannter, berühmter Talmudgelehrter; jedoch nur wieder für Gelehrte nutzbar. Auch die wenigen übersetzten Partien, die darin Vorkommen, sind im Jargon verfaßt, im sogenannten Jüdisch-Deutsch, für die heutige Jugend, wie für das Alter ungenießbar. Ganz anders gestaltet sich die Hagadah des an der Spitze genannten Verfassers. Die rein deutsche Uebersetzung hat den mehrfachen Vorzug, daß sie in den Geist des Textes eindringt und durch die Deutung viele dunkle Stellen aufhellt, Widersprüche ausgleicht, Räthselhaftes auflöst. Wir verweisen nur auf einige Stellen: Seite 20 auf: „Bene Berak“ und darauf folgende Erzählung des R. Eliseser, auf bic vier verschieden genannte Kinder (arbooh Bonim), die pädagogischen Erläuterungen dazu, und so geht es fort, jede Seite bringt Neues, und die vielen geistreichen Anmerkungen überraschen förmlich. Schön nimmt sich gleich am Anfänge aus die Sederordnung in Persien und am Schluffe das TChad-Gadja“ im Vergleich zu Pfeffels „Stufenleiter", was sehr lehrreich ist. Dazu ist das Büchlein schön ausgestattet und kostet nur 20 Kreuzer, also billige und gute Waare, wonach Jeder greifen kann. Wir wünschen dem Verfasser, der auf so undankbarem Gebiete viel Zeit. Fleiß und Wissen verwendet hat, besten Erfolg. Rabbiner L. Wollner. Briefkasten. M. ut Karlsruhe. Halbjähriges Abonnement erhalten. Die Sentenzen nach Pirke Aboth sind für unser Blatt nicht geeignet. Luhatschowitz Bi. I. Sie fragen uns, warum die Antisemiten sich nicht an der Steuerreform-Debatte betheiligen? Da haben sie sich entschieden an die Unrechte Adresse gewendet. Wir sind doch keine Antisemiten. Wie sollen wir denn das wissen? Wien .,Antisemitisch cs Huhu". Das traurigste aller Witzblätter mmhet uns allen Ernstes zu, daß wir ihm den Namen eines unserer Correspondenten preisgeben sollen. Das wäre keine kleine Jndiscretion, mehr, sondern ein eclatanter Vertrauensmißbrauch, für den wir — im „Kikeriki" gelobt zu werden verdienten. — Zur Ehre unseres hochangesehenen Officiersstandes sei es gesagt, daß derselbe fast ausnahmslos die erhabenen Anschauungen Sr. Majestät in der Judenfrage zu den seinen gemacht hat. Vor Jahren schon schrieb ein hoher, adeliger Officier in der königlich ungarischen Leibgarde — auch diesen Namen liefern wir den Herren Hetzern nicht zur beliebten Verunglimpfung aus — an den Herausgeber: „Der Sieg Ihrer gerechten Sache kann nicht ausbleiben . . . Der sganze antisemitische Schwindel wird in kürzester Zeit oushören!" Gott geb's! Csakathurn. ,.M. A. treue Abonnent". Sie sind durchaus nicht für das zu begründende isr. Damenftift und wünschen lieber, daß es gar keine alten Jungfern gäbe. Gewiß thun die Juden viel und seit jeher für Heiratsversorgung armer Mädchen — aber deswegen bleibt die Sache doch immerhin erwägenswerth. Es kommt nämlich auch das numerische Verhältniß der Geschlechter in Frage. — Warum Böhmen mehr Abgeordnete im Reichsrathe hat, als Galizien, welches doch um 2 Millionen mehr Einwohner zählt? Das hat der selige Schmerling leider so eingerichtet. Der Gerechtigkeit und den thatsächlichen Verhältnissen entspricht es nicht. Herzlichen Gruß! Leipzig. Gymnasiallehrer Dr. P. L. Sie sammeln Beiträge zum Antisemiten-Latein, mit dem die Herren, wie Sie Nachweisen, bald zu Ende sind. Aber gleich einen Leitartikel über grammatikalische Schnitzer und lächerliche Ilebersetznngen — wir lehnen dankend ab. Wien—Währing. Sal. S. Deckert hat am 4. März 1995 zu dem übrigen Stiesel diesen Absatz gesprochen: „Zudem kommen aus dem fernen Osten immer mehr unverfälschte Talmudjuden nach und unter buttern das christliche Volk." „Unterbuttern" — ist gut! — Gegen Bismarck tritt der Herr Luflbaumeister aui, weil er seinerzeit der intimste Freund des Juden Bleichröder und des Juden Lassalle war. Jetzt kommt der Christlich-Sociale noch deutschnationaler daherg-stolzt als der Schönerer selbst! Zum Schluß bekannte er sich noch als entschiedener Gegner des Rassenantisemitismus. Wörtlich: „Jeder Mensch ist unser Nächster, also auch der Jude; daraus folgt allerdings nicht, daß uns unsere Stammes- und Glaubensgenossen vielleicht näher stehen als Fremde. Aber das christliche Gebot der Nächstenliebe verbietet, jemanden von der allgemeinen Menschenliebe anszuschließen, jemanden zu hassen, weil er einer anderen Rasse oder Confession angehört. Wir kommen darüber nicht hinaus, wollen wir Christen bleiben und vernünftige Menscken". Tableau! Schade, daß die Juden „unterbuttern", sonst wären sie ganz nette Leute! Wien, II., Al. M. Ncgerlegaffe. Sie kennen die Schmähpost nicht. Diese Leute nehmen das Maul voll Tugend, Moral und Sitte, entblöden sich aber nicht, in ihrer Sonntagsbeilage vom 24. d. unter „Humoristisches" (?) zu drucken: „Angenehme Erinnerung. Junge Frau: „Erinnerst Du Dich noch, wie Du mir auf der Hochzeitsreise das schöne Reisekleid muthwillig zerrissen hast?" — Gatte: „Ach ja, das war eine schöne Zeit. . . ." u. s. w. Wien. Ludwig M. W>r vermögen Ihre sanguinischen Hoffnungen bezüglich derWiener Gemeinderathswahlen nicht ganz zu theilen. Es wird noch viel schlechter werden müssen, ehe unsere Lauen und Flauen sich aufraffen werden zum zielbewußten, gemeinsamen Vorgehen. Prag. Richard T—es. Die im ruchlosen Sinne vorgebrachten Bibelcitate der Antisemiten erregen mit Recht Ihren lebhaften Abscheu. Der allzeit geistvolle Lichtenberg sagt: „Bei den meisten Menschen gründet sich der Unglaube in einer Sache auf blindem Glauben in einer andern." Stimmt's? Neutitscheiner Subabonnent. Ihnen antworten wir mit den beherziguugswürdigen Worten Virchow's: „Die Bestie im Menschen. der Cynismus, wird überall da ihr Haupt erheben, wo die natürlichen unb berechtigten Forderungen mit Gewalt unterdrückt werden." Eine große Wahrheit liegt diesem Ausspruche zu Grunde. Groß-Becskerek. Albert M. Ihrem Vernichtungsurtheil über den großstädtischen Luxus der Juden vermögen wir nur bedingungsweise zuzustimmen und verzichten deshalb auch auf den Abdruck ihres mit Wärme geschriebenen Aufsatzes. Der großstädtische Luxus macht manche fleißige Hand reich und ernährt mehr Arme als die almosenspendende Menschheit. Wien. Herrn O. v. S. Das Blatt verwundert sich großmächtig darüber, daß uns ein Oberlieutenant geschrieben hat. Was wird es erst dazu sagen, wenn es hiermit erfährt, das wir Rittmeister und Hauptleute zu unseren Abonnenten zählen, und zwar zu langjährigen und getreuen. Für die Familie des verstorbenen Dichters S acher-Masoch sind uns von Herrn Dr. Ed. Laz ans ky in Sadskafl. 2 zugekommen. Für die unglückliche Frau G oldsand von F.Rin dl in Mähr.- W e i ß k i r ch e n fl. 1.— L. Obstgarten in Staremiasto, Galizien. Otto Pick, Nachod. Die Ziehung hat noch nicht stattgefunden. Josef Mannaberg, G. Kowalow. Hebr. Buchhandlung Saul P. Nabbinowicz Warschau. Glavierlehrerin Schule Door, vorzügliche Referenzen, hat noch einige Stunden zu besetzen, & 50 Kreuzer. Vierhändigspiel in und ausser dem Hause. Alice Kohn, II., Lessinggasse Nr. 21, Thür 13. Eine arme 60-jährige, an Händen und Fussen ge. lähmte Frau, die ihr kränklicher, hochbetagter Mann heben und betten muss, bittet, um demselben die Last zu erleichtern, edle Menschenfreunde um einen ausser Dierst gestellten Rollstuhl. Nähere Auskunft ertheilt der TVohlthätigkeits-Verein „Frauenhoit“ IX. Bezirk, Mftllnergasse Nr. 21. Herausgeber u.vereww. Reichsrathsabgeordnetcr Dr. JosifE. Bloch. - Druck p. ß. Beck L Sohn. Meu.vm., Lercheufelderstr. 4