Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 246 Dr. Bloch's Oesterreichifche Wochenschrift. Nr. 13 Locale gewiesen wurde, wo ihm der Wirth sagte, er möge, wenn er schimpfen wolle, zu Hause seine Kundschaft beschimpfen und daß es ihm in anderen Wirthshäusern nicht besser erging. Thatsache ist blos, daß die Correspondenz aus Trebitsch nicht einmal das Local zu bezeichnen vermochte, in welchem dies geschehen sein sollte. Hochachtungsvoll Anton Jellinek u. Sohn. Neu-Rautzuitz, März 1895. (Cu ltus gemein dewähl.) Im Gegensätze zu früheren Wahlen ist die kürzlich stattgefundene unter überaus lebhafter Betheiligung und reger Agitation vor sich gegangen. Einen strittigen Punkt bildete die Frage der Cultusbeiräthe, bezüglich welcher die neue Partei auf einer Vertretung fest beharrte, welche Forderung endlich im Wege eines Compromisses zur Geltung gelangte. Das erst in Folge einer engeren Wahl erzielte Ergebniß ist folgendes: Cultusvorsteher: Herr Adolf Rosauer; Cultusbeiräthe: die Herren Eduard Gottlob und Richard L ö w; Ausschüsse: die Herren Emanuel Bauer, Alfred Frankl, Leopold M u k d n, Emanuel Steiner und Isidor W l a ch. Zuckmantel, den 21. März 1895. Herr Red acteur! Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung: „Die in der Correspondenz aus Brünn in Nummer 11 Ihres Blattes vom 15. März d. I. enthaltkne Mittheilung, wonach ich und meine Frau den Glauben gewechselt hätten, ist gänzlich unwahr." Dr. Ludwig Schweinburg, Anstaltsbesitzer in Zuckmantel (Oest.-Schlesien). Przemysl. Rabbinatscandidat Gedalje S ch m e l k e s wurde mit erdrückender Majorität vom Przemysler Cultusrath zum Rabbinatsverweser ernannt. Der neugewählte Rabbinatsverweser G. S ch me lk e s, ein Neffe des berühmten Oberrabbiners in Lemberg, ist dem jüdischen Publicum in Wien durch seine Vorträge im israel. Tempel ll., Leopoldsgaffe, vortheilhaft bekannt und die Nachricht von der Wahl werden seine hiesigen Freunde zweifellos mit Befriedigung aufnehmen. Klagenfurt. Ein geachtetes Gemeinde-Mitglied Herr DanielBonyhadiist von einem schweren Verlust betroffen worden. Seine Gattin Frau Clotilde Bonyhadi geborene Kronberger ist am 20. März im 32. Lebensjahre ihm entrissen worden. Der Trauerfall, erregt allgemeine Theilnahme. Eiberrschitz. Am 24. März l. I. hat sich der Oberlehrer, Herr Julius Waldmann mit Frau Amalie P o l l a k vermählt. Bei der Comtituirung des neugewählten Cultus-Ausschuffes wurden Herr David Sinaiberger zum Cultusvorsteher I. Steiner und S. I e l l i n e k zu Cultusräthen gewählt. Am 24. Februar inspicirte Herr Rabbiner Dr. Pollak aus Trebitsch den hebräischen und Religionsunterricht an der hiesigen Schule. Straßburg. Der Präsident des jüdischen Consistoriums für Unter-Elsaß Herr Leon B lu m-Asch er ist in Nizza gestorben. Das Leichenbegängniß fand unter großartiger Betheiligung in Straßburg statt. Unter den Trauergästen befanden sich viele hohe Staatsbeamte, Vertreter der katholisch en Geistlichkeit und der Präsident des Consistoriums Augsburger Confession. Feuilleton. Mein Freund Wodakoski. Novelle von Leopold v. Sachor-Masoch. (Fortsetzung.) Wir besuchten zusammen die Kunstausstellung, Wodakoski, ich und ein paar andere Collegen. Es war damals noch nicht Mode, daß die Jugend kritisirle oder gar, wie es heute zum guten Ton gehört, auf alles Alte mit Mitleid herab blickte und vor allem Neuen die Nase rümpfte. Wir gingen an dem Schlechten und Mittelmäßigen ruhig vorüber, gcnossen das Gute dankbar und freudig und begeisterten uns an den Meistern, ohne nach ihrem Todtenschein zu fragen. Wir blieben lange vor einem Bilde des belgischen Malers Gallait stehen, das eine Scene aus dem niederländischen Freiheltskampfe darstellte, da wurden uns alle, jene historischen Scenen, welche den Abfall der Niederlande herbeiführten, lebendig, die Gestalten des Schiller'schen Werkes begannen vor uns zu reden und zu handeln, die dichterischen Bilder des Egmont und Don Carlos gewannen eine neue Beleuchtung. Plötzlich sagte einer unserer Freunde halblaut: „Mein Gott, das ist ja Josepha. —" Wirklich sie war es. der Maler hatte Wort gehalten und sie als Adelheid auf die Leinwand gebannt. Es war die Schachspielsceue aus Götz von Berlichingen, welche er in halb lebensgroßen Figuren als Kniestück zur Darstellung gebracht hatte. Das Arrangement war sehr originell denn es war gerade die Hauptfigur, der zu lieb offenbar das Bild gemalt war, welche dem Beschauer den Rücken kehrte. Es war ergötzlich zu sehen, wie sich die Wirkung ihres letzten Zuges, welcher dcn Bischof von Bamberg matt setzte, auf dem Gesicht des Kirchenfürsten und in jener seiner Umgebung malte, während Adelheid im weißseidenen goldgestickten Gewände und und rothsammtener mit Hermelin besetzter Jacke gegen die Lehne des Stuhls zurückgelehnt, die Arme auf der Brust gekreuzt, das pikant schöne Profil dem Beschauer zugewendet, ihren ruhigen Blick ohne Spott, ohne die leiseste Regung von Triumph aus den Bischof heftete, den Blick des Jägers, der ein Wild erjagt hat. Und diese Adelheid mit den üppigen Formen, den weißen Armen, dem goldrothen Haar, war Josepha von Odenheim. Lange sprach keiner von uns ein Wort, dann sagte der eine: „Ein schönes Bild", ein Anderer bemerkte: „Sie scheint mir sehr gut getroffen, sie lebt geradezu." Wodakoski schwieg, ich bemerkte jedoch, daß er sich in großer Erregung befand, denn er war bleich geworden, zerrte nervös an seinem Schnurrbart und biß die Zähne zusammen Endlich murmelte er: „Komm', wir gehen." „Wohin fragte ich." „Zu ihr," gab er zur Antwort. Erst unten auf der Straße brach er los. „Wahrhaftig, ich bin diesem Maler dankbar, der wahrscheinlich ihr begünstigter Anbeter ist; er hat mir die Augen geöffnet." „Weshalb sollte sie nicht einem guten Künstler als Modell dienen?" erwiderte ich. „Es hat ihr einfach geschmeichelt." „Das ist es nicht", rief Wodakoski. Wenn nur ihre weibliche Eitelkeit im Spiele wäre, dann hätte sie mir davon Mittheilung gemacht." ,, Sie hat doch in meiner Gegenwart davon gesprochen." „Damals war es noch ein Project, ich hatte keine Ahnung seither, daß sie wirklich gemalt wurde, weshalb hat sie es mir verheimlicht? Weshalb hat sie sich nicht von mir zu den Sitzungen begleiten lassen?" In dieser Weise ging es fort, bis wir bei Josepha eintraten. Sie saß am Clavier und spielte eine Mazurka von Chopin. Zuerst nahm sie gar keine Notiz von uns, dann als sie fertig war, wendete sie den Kopf und sah Wodakoski ruhig an. Nun?" fragte sie. „Ich komme eben aus der Kunstausflellung, „entgegnete er, indem er aufgeregt auf und abschritt. „So — wie habe ich Dir als Adelheid gefallen?" „Ausgezeichnet", antwortete Wodakoski mit einem höhnischen Lächeln, „was mir jedoch gar nicht gefällt, das ist, daß Du mich offenbar zum Besten hast. Bon mir läßt Du Dich anschwärmen, während Du Dich heimlich von diesem Maler verherrlichen läßt und allein zu ihm läufst." „Bitte sehr, in Begleitung meiner Mutter." „Mag sein," fuhr Wodakoski fort, „daß Du es vor mir verheimlicht hast, beweist mir, daß Du Ursache hattest, etwas zu verbergen, daß Du gefürchtet hast —". „Ich fürchte mich nicht," sagte Josepha mit der Ueberlegenheit einer erfahrenen Frau, „und am wenigsten vor Dir." Sie hatte das Piano verlassen und saß jetzt halb liegend in einer Ecke des Divans. „Josepha! willst Du mich rasend machen?" rief Wodakoski, indem er sich vor ihr auf die Knie niederwars, seine Augen flammten und Alles bebte an ihm vor Erregung."