Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-29 · 13 (29.3.1895) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
13 (29.3.1895)
Date
1895-03-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021075--04428-3028613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 244 Dr. Bloch's Vesterrrichifchr Wochenschrift. 'Kr. 13 Gewerbe-llebertretung zu verantworten. Er versicherte, daß er nicht ungerufen gekommen sei. Er habe vielmehr die dirccte Weisung erhalten und befolgt, wozu er auch berechtigt sei. Die drei Mark, die er angezahlt, habe er noch nicht zurückerstattet erhalten. Die letztere Behauptung wurde von S o u l t bestätigt und mit — Naivetät dadurch erklärt, daß die „Polizei das Geld habe nicht annehmen wollen". Erst im Gerichtssaal wurde dem Moses Bäcker sein Geld ausgehändigt. Der Fall Moses Bäcker ist bereits der dritte derartige Proceß, in dem Herr S o u l t als „Zeuge" zu erscheinen hatte. Moses Bäcker, wurde unter den obwaltenden Umständen natürlich freigesprochen. Hoffentlich hat die Sache noch ihr Nachspiel. Berlin, 24. Februar. Unter zahlreicher Betheiligung fand heute die feierliche Einweihung der neu gegründeten Jüdischen Lesehalle statt. In den Räumen derselben, Burgstraße 16, hatte sich eine stattliche Versammlung ein gefunden, die den Reden mit großer Aufmerksamkeit folgte. Professor Dr. Philippson eröffnete die Feier mit einer längeren formvollendeten Rede, in der er die Aufgabe des neu gegründeten Instituts präcisirte. Dasselbe habe in erster Linie eine geistige Aufgabe zu erfüllen, die Schätze des jüdischen Geistenstebens in Vergangenheit und Gegenwart den weitesten Kreisen zugängig zu machen. Außerdem sei eine sociale Aufgabe zu erfüllen, durch die Erlangung möglichst großer materieller Bortheile für die Besucher der Lesehalle und durch die Schaffung von Räumen, wo diese sich wirklich wohl fühlen könnten, allmählich die Organisation eines Jünglingsheims zu erstreben. Zur Zeit sei nach dieser Richtung hin schon ein Anfang gemacht, indem man unter Anderem eine Ünterrichtsvermittlung einrichte. Wir müssen es uns oes Raumes halber leider versagen, auf diese vorzügliche R;de, wie auf die folgenden näher einzugehen. Es .sprachen noch die Herren Dr. Karpeles für den Verband .der Literaturvereine, Eugen R o se nth al für die Bnei Brith- Logen, Adolf Friede mann für die jüdische Humanitätsgesellschaft und Dr. Löwe für den Verein Junc Israel, worauf Herr Dr. H. Hildesheimer in einem Schlußwort . die Hoffnung aussvrach, daß alle die guten Wünsche, die man heute dem neuen Institute gewissermaßen in die Wiege gelegt habe, sämmtlich in Erfüllung gehen möchten. Ein gemeinsames Festmahl hielt nach der würdigen Feier die Theilnehmer noch in zwangloser Form beisammen und auch dabei wurde manches gute Wort gesprochen. Uebrigens findet die Lesehalle in der That allgemeines Interesse, und der Besuch von durchschnittlich 30. manchmal 50 Personen an einem Tage zeigt am besten, daß fie ein wirklich vorhandenes Bedürfniß befriedigt. Bokhnra, im Februar. Wie ich in meiner letzten Correspondenz gemeldet, hat unser Herrscher, Emir Abdel Ahad Chan, beschlossen, zum Andenken an die Vermählung des Kaisers Nicolaus mit der Princeffin Alice von Hessen eine nach europäischer Art eingerichtete Bürgerschule mit russischer Unterrichtssprache hier zu errichten und dieselbe allen Confeflionen zugänglich zu machen. Die erste Claffe dieser Schule (Lusebckie) wurde auch richtig schon eröffnet, doch darf dieselbe einstweilen von jüdischen Knaben nicht besucht werden, da auch diese, gleich ihren Vätern, noch eine seidene Schnur als Erkennungszeichen ihrer Confession um. den Leib gebunden tragen müffen. und fürchtet man daher, daß es zwischen den mohammedanischen und jüdischen Schülern dieser Anstalt zu Ausschreitungen kommen werde. Uebrigens befindet sich diese Schule in einem mohammedanischen Viertel, das vom Judenviertel (lllebLllet El-Jehud) hier sehr entfernt liegt, und haben daher gleich von allem Anfänge her viele jüdische Eltern erklärt, daß sie ihre Kinder nicht so weit senden werden, damit sie nicht Angriffen und Schmähungen von Seite der fanatischen Bevölkerung ausgesetzt seien. Unsere Lehrhäuser für Talmud-Thora sind fast überfüllt, da auch aus den benachbarten ruffischen und persischen Provinzen Jünglinge hierher strömen, um hier die Jeschibah zu besuchen. Da aber unser verehrter Oberrabbiner (Mulai Azim) diese Menge von Bachurim nicht alle auf einmal unterrichten kann, so hat er dieselben jetzt in mehrere Claffen eingetheilt, die dann verschiedene Unterrichtsstunden haben. Seit der Eröffnung der Transkaspibahn hat auch die europäische Kleider-Mode, die man früher nicht kannte, hier sich einen großen Anhang, besonders unter den Frauen verschafft, und viele derselben haben längst die alte bokharische Weibcrtracht abgelegt, und kleiden sich ganz europäisch. Viele Israeliten hier schicken daher jetzt ihre Töchter nach Samarkand -oder Taschkend, damit sie dort das Modistinnen-Handwerk erlernen. So hören auch in B o k h a r a die alten Trachten und die alten Sitten auf! „Jsraelit".M VermMites. Wien. (Israelitische Cultusgemeinde Wien.) Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israel. Cultusgemeinde in Wien, Sonntag, den 31. März 1895, um 10 Uhr Vormittags . im Sitzungssaale der israel. Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock. Tagesordnung: Rechnungsabschluß pro 1894. Wien. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien, hat einstimmig beschlossen, Herrn Dr. Jonathan Wolf, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde, mit den Rabbinatsfunotionen für die Gemeindebezirke M. Meidling, Xlll. Hietzing, XIV. Rudolfsheim und XV. Fünfhaus zu betrauen. Rabbiner Dr. Wolf wird seine neue Thätigkeit am kommenden Osterfeste beginnen. Wien. Sonntag den 31. März 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Leopoldstadt die Trauung von Fräulein Johanna B e r d a ch mit Herrn Jaques R ei m a nn statt. Wien. (Ordensverleihung.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Obersten des Landwehr-Jnfanterie-Regimentes in Brünn Herrn Alexander Ritter v. Ei ß den Leopold.Orten verliehen. Wien. (Kaufmännischer Unter st ützungsverein „O st e n" in Wien.) Am 30. März 1895 findet im Hotel National, II., Taborstraße, die XVIII. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Erstattung des Verwaltungs- und Rechenschaftsberichtes für das Vereinsjahr 1895 und de^ Berichtes der Revisoren. 2. Ertheilung des Absolutoriums an das Comitß. 3. Wahl von 5 Comits-Mitgliedern mit 2jähriger Functionsdauer, 3 Caffa-Revisoren und 3 Schiedsrichter mit Ijähriger Functionsdauer. 4. Eventuelle Anträge. In der Comite-Sitzung am 5. März d. I. wurden folgende Herren des Comites ausgelost: Ferd. Berger, A.S.D i am a n t, I. I a c o l, M. Seif. Leon W i d r i ch. Wien. Sonntag den 17. l. M. fand im Vereine „Moria" ein literarischer Nachmittag statt. Vor einer stattlichen Anzahl von Gästen und Mitgliedern hielt Herr Prediger Dr. Lö wy einen überaus interessanten Bortrag über „die jüdischen Schöpfungssagen". Nachdem der Vortragende an der Hand von Beispielen die Bedeutung der Sagen für den Charakter der Volksseele zuerst im Allgemeinen auseinandergesetzt hatte, hob er aus dem bunten jüdischen Mythenkranze einige besonders charakt?ristische Schöpfungssagen hervor, deren tiefer, edler Gehalt als ein Maßstab der jüdischen Weltanschauung und Lebensauffassung gelten kann. Der lehrreiche Inhalt sowohl, wie auch die spannende, hie und da des feinen Humors nicht entbehrende Vortragsweise riefen bei allen Anwesenden großen Beifall hervor. Nachdem die Präsidentin, Fräulein Natalie P o l l a k dem Herrn Dr. Löwy den Dank für den überaus gelungenen Vortrag ausgedrückt hatte, hielt Stud. theol. und phil. Bernhard Fuchs einen Vortrag über den „Gottesbegriff im Judenthume". Er stellte den Monotheismus dem Polytheismus als eine Schule der Sittlichkeit entgegen- Aus dem jüdischen Begriff der Gotteseinheit folgt die Forderung nach harmonischer Sitteneinheit. Auch dieser Vortrag fand ungetheilten Beifall. Infolge des am 30. l. M. stattfindenden Costumkränzcheus findet der nächste literarische Nachmittag am 7. April statt und sind Gäste (Damen) herzlich willkommen. N. Wien. (A k a d e m i s ch er Ver e i n „Gamal a".) In der vergangenen Woche beherbergte der Verein in seiner Mitte zwei liebe Gäste, und zwar die bekannten Zionisten Dr. Abraham Salz aus Tarnow und Dr. Marcus Ehrenpreis aus Lemberg. Ersterer hielt Samstag den 23. d. M. einen Vortrag über das Thema „das Culturelle im Zionismus". Die Anwesenden, unter denen sich viele Vertreter der Brudervereine befanden, belohnten den Vortragenden für seine vorzüglichen Ausführungen mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen. Nach dem Vortrage ergriff noch Herr Dr. Ehrenpreis das Wort, um dem Vereine die Sympathien der galizischen Gesinnungsgenossen auszudrücken. Sodann begaben sich die Mitglieder der „Gamala" mit den Gästen in das Local der „Jüdischen akademischen Lesehalle", wo eine Discussion über „unsere Perspective in die Zukunft" stattfand. Nach der Discussion veranstaltete der Verein „Gamala" zu Ehren der beiden Gäste aus Galizien einen gemütlichen Abend, wo in angenehmer und anregender Unterhaltung einige S tunden verbracht wurden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.