Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021074--04411-3028595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sieKaSBt *L>*äaSSs 6tuc 228 Dr. Bloches Oesterrrichischr Wochenschrift. -tt. 12 Wodakoski zuckte die Achseln. „Ich weiß es nicht", gab er zur Antwort. „Im Grunde erscheint mir Alles nichtig, die Rechtswissenschaft, die Medicin ebenso gut wie die Theologie, ja jede Wissenschaft und jede Kunst. Wozu grübeln, da wir den Zusammenhang der Dinge und ihren Ursprung doch niemals ergründen werden! Wozu schaffen, da alles Geschaffene dahingerafft, wieder vernichtet wird." „Aehnliche Anschauungen finden sich in unseren heiligen Schriften", sagte Beer, „aber diese Welt, dieses Leben scheinen mir doch werth, daß man sich darin umthut, aber bleiben Sie nur immer mit den Füßen auf der Erde, lieber Herr, denn wer nach den Sternen greift, deffen Mühe wird allerdings eine vergebliche sein. So sagte auch Alexander der Große eines Tages zu seinen Helden: „Die Welt ist mir zu klein, auf Erden habe ich nichts mehr zu erobern, es bleibt mir nur noch übrig, die Thore des Paradieses zu sprengen." Unterwegs blieben alle seine Begleiter zurück, nur Alexander allein gelangt bis an das Ziel. Gebieterisch verlangt er Einlaß, da erscheint über der Pforte ein grinsender Todtenschädel und der Welteroberer kehrt gedemüthigt um. So erzählt die Hagada." In diesem Augenblick erschien zwischen den Bücherstößen ein Bild der Jugend und des Lebens, die schöne Gella, und heftete ihren ruhigen, milden Blick auf Wodakoski. Er richtete an diesen Abend nicht einmal das Wort an sie, aber ich bemerkte sofort, daß Gella einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte und daß ihre Blicke sich immer wieder begegneten. Auf dem Heimwege sagte er plötzlich zu mir: „Das muß ich sagen. Du hast einen guten Geschmack". „Unsinn! was bildest Du Dir ein?" „Gib' mir Deine Hand daraus, daß diese Jüdin nicht Deine Geliebte ist." „Mein Ehrenwort, Gella ist die Tugend selbst, ich glaube nicht einmal, daß sie für eine platonische Schwärmerei zu haben ist." Wodakoski pfiff leise die Melodie von „Noch ist Polen nicht verloren" vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Budapest. Frau K. A. Wir machen Sie ans die folgende Stelle aufmerksam: „Die Sorge der jüdischen Frau für alle häuslichen, ja auch geschäftlichen Angelegenheiten, welche zur Führung und zum Unterhalt des Hausstandes nothwendig waren, damit der Mann Mutze zum Studium behielt, ist eine durch fast alle Jahrhunderte dauernde Erscheinung " (Rämy, „Das jüdische Weib".) Wie«, IX. Drd. jur. Ludwig S. Ganz recht. „Der Antisemitismus ist der Socialismus in Kinderschuhen mit Hausknechtsfäusten." Banjaluka. Josef Z—ch. Für die freundliche Gesinnung, wenn sie aufrichtig gemeint ist, verbindlichen Dank. Doch werden uns noch so liebenswürdige Komplimente niemals veranlassen, schlechte Gedichte abzudrucken. Linz. Konrud B—r. Sie sind sehr im Jrrchum, wenn Sie glauben, daß unser Blatt nicht auch in christlichen Kreisen eifrig gelesen werde. I. K. Uns gänzlich unbekannt. / Eaunstudt. Fr. Fr. Den kleinen Betrag erhalten und dem wohlthätigen Zwecke zugeführt. „Ein Dreigroschenstück ist immer besser als eine Thräne" meint Lichtenberg. Wien, I. N. sc. N. Die Firma, welche den Hungerlohn von 60 Kreuzern für die Anfertigung eines Dutzend Hemden zahlte, war trotz des „(!)" der „Reichsp jt" eine arische und keine jüdische. M. Ä. Der 15. Siwan 5621 war der 24. Mai 1861 Stettin, Dr. Otto W. Das antisemitische Flugblatt Nr. 73 haben wir eingesehen. Es enthält Aussprüche von Goethe, Bismarck, Moltke. Herder, Kant, Kaiser Friedrich (!), Scheffel (ll), Marx u. A. gegen die Juden. Ihre Idee, in einem Gegenflugblatte die Aussprüche dieser Männer, welche zu Gunsten der Juden lauten, zu verbreiten, ist eine ganz gute. Laffen Sie es nur an der nöthigen Anzahl Exemplare nicht fehlen. Brünn, Angust Kl. Das angesragte Buch ist von Pfarrer Deckert herausgegeben, dem in weitesten Kresse» bekannten Luftvillen- Constructeur. Die „Reichspost" äußert sich darüber wie folgt: „Vademecum Lauretanum für das sechshundertjährige Loretto-Jubiläum von Dr. Jos Deckert. Wer sich auf kurzem Wege über die Uebertragung des heiligen Hauses nach Tersatto und Loretto vollkommen überzeugend unterrichten will, dem ist dies klar und geschickt geschriebene Büchlein als einziges in seiner Art auf das Beste zu empfehlen." Deckert ist auf diesem Gebiete unbestrittene Autorität. Wie« 111. Carl L., Salesianerg. Sie senden uns Stylblüthen aus der „Reichspost". Die dieswöchentlichen waren recht nett: Der „w i nke lb ö r s li ch e Verkehr" vom 14. und die Bezeichnung einer Trauerkneipe als „t i e f r e l i g i ö s e" Ceremonie (16. d.) waren außergewöhnlich „frisch" geschrieben. Dank! Paris. Louis L ne. Die Nachrichten des „Deutschen Volksblatt" sind niemals ernst zu nehmen. Mit einem Vergani polemisirt man nicht. Was er am 15. d über die Heirat des jungen Baron Rothschild lügt, richtet sich von selbst. Kein Einsichtiger wird das blöde Gewäsche glauben. Olmütz. P. Cz—a. Der Artikel gegen die Eisenbahnen, als dem deutschnationalen Geiste sehr abträgliche Einrichtungen, ist thatsächlich in den „Und. D. W." gestenden. Der große Buckle scheint ihn geahnt zu haben, als er schrieb: „Von allen Ursachen des Nationalhasses ist die Unwissenheit die mächtigste; wenn der Verkehr zunimmt, nimmt die Unwissenheit ab und so vermindert sich der Haß." Und Jahn, den die Schönerianer mit so besonderer Vorliebe zu ritireii pflegen, sagt: „Wo dieselben Menschen täglich ''ur einander sehen, hören und treiben, nur mit ihrer nächsten Nachbarschaft verkehren, muß Beschränktheit die nothwendige Folge sein." Begreifen Sir jetzt die Heftigkeit der Deutschnationalen?! Wr.-Neustadt. Adolf K—r. Nur nicht hhperempfindlich. E^ muß nicht jeder gleich ein Antisemit sein, der einen harmlosen Spaß erzählt, wo ein Jude die lächerliche Figur spielt. Denken Sie doch, wie man sich über Engländer, Böhmen, Schwiegermütter und alte Jungfern lustig macht. Danksagung. Es wurden uns von Nah' und Fern so viele Beweise herzlichster Theilnahme anläßlich unserer am 16. März d. I. stattgefundenen Silbrrhorrxzeit kundgegeben, daß es uns unmöglich ist, jeden Einzelnen zu danken, daher auf diesem Wege unseren innigsten besten Dank. Cantor I. Schiller und Frau. Wien, den 19. März 1895. Danksagung. Anläßlich meines siebzigsten Geburtstages empstng ich so. zahlreiche Beweise von Freundschaft, Liebe, Verehrung und Wohlwollen, daß ich völlig außer Lage bin, jedem Einzelnen fpeciell meinen Dank auszusprechen. Ich sehe mich daher veranlaßt, auf diesem Wege allen wohllöblichen Corporationen, Vereinen, Redactionen und hochverehrten Persönlichkeiten von Nah' und Fern, welche mir im Laufe dieser Tage ihre Glückwünsche zugesandt, mir in irgend einer Art ihre Theilname bewiesen, meinen höchsten, besten, wärmsten Dank auszusprechen. S. Kohn. P r a gz am 19. März 1895. Ein 200 Jahre alter Klee Kodesch im Original-Etui, 3550 Gramm schwer, ist um fl. 250 zu verkaufen. Zu sehen von 1—6 Uhr hei M._, WIEN, II. Bez, Blumauergasse Nr. 24,1. Stock. ysFzppqpqpappqpqpjpappjpp-jfr jfrjfr.fr Jfr Concurs. An der concessionirten einclassigen Privat-Volksschule in Teltsch (Mähren) ist mit 1. September 1. J. die Stelle eines geprüften Lehrers zu besetzen. Derselbe muss befähigt sein, den hebräischen und Religionsunterricht zu ertheilen und hat auch als Cantor und Eoreh zu fungiren. Derjenige, der in Gemässheit der Minersterial-Verordnung vom 27. December 1891 das Amt eines Rabbiners versehen kann, wird bevorzugt. Jahresgehalt 1400 Kronen nebst freier Wohnung und den üblichen Emolumenten. Derjenige, der das Rabbinat versehen kann, erhält einen Gehalt von 1600 Kronen. Diesfällige mit den erforderlichen Zeugnissen belegte Gesuche nebst Angabe des Alters und Standes sind an den Israel. Cultusvorstand Teltsch bis zum 15. Mai einzusenden. •Nur dem* Acceptirten werden die Reisespesen vergütet Der Cultusvorstand. Herausgeber «. ,-rantv. Redaüvr* Reichsrathsabgeordneter Dr. ZosefE. Bloch. — Druck v. L. Beck »Sohn, Me». VW.. Lerchmselderstr. 4L 4