Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-08 · 10 (8.3.1895) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021072--04350-3028532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hi. 10 Wrsterrrtchtschr MochrnschrM Seite 171 Die beiden Institute hatten zusammen \ 1887 Einleger: 414.839 mit 183,553.363 fl. Guthaben 1888 ii 434.810 it 191,240.756 „ „ 1889 II 454.544 n 199,700.473 „ ,, 1890 II 459.133 n 199,007.369 „ 11 1891 u 456.708 ii 198,310.878 „ 11 1892 n 456.181 n 199,629.021 „ 11 Schon diese einfache Zusammenstellung fördert die traurige Thatsachs zutage, daß es mit dem „Sparen" in Wien seit 1890, also fett der starken Zunahme der antisemitisch e n E x c e s s e, abwärts geht, doch erschreckend müssen geradezu die Thatsachen wirken, welche man bei einer eingehenderen Betrachtung der bezüglichen Ausweise im „Statistischen Jahrbuch der Stadt Wien" entdeckt. Wir finden da zum Beispiel, daß im Jahre 1887 die beiden Sparinstilnte bei der Einlegerzahl einen Zuwachs von 12.273 zu verzeichnen hatten, daß aber im selben Jahre trotzdem um 3,540.664 st. Capital mehr entnommen als eingelegt wurde. Im Jahre 1890 betrug der Zuwachs bei den Einlegern nur mehr 4589, dafür aber wurde aus den Sparcassen um 7,761.644 fl. mehr herausgenommen, als eingelegt. Im Jahre 1892 schließlich hatte auch die Zahl der Einleger schon eine Abnahme von 557 zu verzeichnen, während aus den Cassen um 5,666.049 fl. mehr genommen, als eingelegt wurde. Auf je ein Sparcassebuch, beziehungsweise auf einen Einleger entfiel: Im Jahre 1887 375 fl. „ „ 1890 dagegen .... 360 „ „ „ 1892 gar nur .... 358 „ Der Widerspruch, der zwischen den vorstehend constatirten bedeutenden Mehrentnahmen gegen die entsprechenden Einlagssummen und den früher angeführten Hauptsummen der in den Sparcassen erliegenden Capitalien zu besteheir scheint, ist darauf zurückzuführen, daß in den Hauptsummen außer den Einlagsgeldern auch die Zinsen derselben u. s. w. enthalten sind. Der Schluß, der aus den vorstehenden Daterr zu ziehen ist, ist ein tief trauriger, denn dieselben besagen nicht weniger, als daß der Sparsinn sich in Wien seit Jahren gar nicht bethätigen läßt, nachdem die Wiener ihre Spargroschen von früher zusetzen müssen! Die directen Steuern Wiens. Die Steigerung der Erträge der directen Steuern von 29,653.054 fl. imJahre1887 auf44,726.936fl.imJahre 1892 ist ja nicht ungünstig, wenn sie auch nur fictiv ist, da der Steuerertrag im Jahre 1890 nur 29,458.363 fl. betrug, also um 194.691 fl. weniger als 1887, so daß der Mehret trag im Jahre 1692 gewiß nur auf das Conto der einverleibten Vororte zu setzen ist. Weniger erfreulich dürfte scheinen, daß die Steuerrückstände von 5,184.470 fl. im Jahre 1887 auf 7,523.683 fl.,, im Jahre 1892 anwuchsen und namentlich, daß die Zahl de* rückständigen Steuerträger von 98.210 auf 202.791 i gleicher Zeit angewachsen ist, das ist um mehr als hundert Percent zugenommen hat. Diese große Zunahme der säumigen Steuerträger veranschaulicht recht eindringlich die Schnelligkeit, mit welcher die Abnahme der Steuerkraft derselben vor sich geht. Noch instructiver sind die bezüglichen Zahlen bei den einzelnen Gattungen der directen Steuern. Die Gebäude- und Hauszinssteuer ergab per 1887 14,799.698 fl. per 1892 27,187.044 fl. Nun sollte man meinen, daß bei dem wohlhabendsten Theile der Bevölkerung, den Realitätenbesitzern, die Säumigkeit nicht so rasch einreißen werde, aber weit gefehlt. In dieser Classe gab es im Jahre 1887 nicht mehr als 1640 rückständige Steuerträger, im Jahre 1892 dagegen schon 9047, das heißt mehr alsfünfm a l so viel! s Noch einleuchtender wird der wirthschaftliche Rückgang bei der Erwerbsteuer. An Erwerbsteuer wurde im Jahre 1887 gezahlt 3,213.792 fl. von 51.953 Steuerträgern, es ,entfiel daher auf jeden 61 fl. 90 kr. Steuer; im Jahre 1890 — 3,459.775 fl. von 56.698 Steuerträgern mit dem Durchschnitt von 60 fl. 50 kr. und im Jahre 1892 — 4,369.141 fl. von 84.492 Steuerträgern mit dem Durchschnitt von 51 fl. 60 kr. gezahlt. Trotz dieser relativen Abnahme der Steuerlast wuchs aber die Summe der Rückstände vom Jahre 1887, wo sie 1,756.577 fl. oder 54 Percent betrug, bis 1893 aus 2,760.957 fl. oder 63 Percent der eingezahlten Steuer. Dabei stieg die Zahl der Säumigen von 5944 im Jahre 1887 auf 8499 im Jahre 1893. Und mit der Einkommensteuer geht es auch nicht besser. Dieselbe betrug im Jahre 1887 — 11,598.153 fl.; durchschnittlich 361 fl. „ „ 1890 — 12,363.567 „; „ 360 „ „ „ 1893 — 12,997.389 „; „ 276 „ Die Decadenz der Wiener Hochschulen. Das antisemitische „Deutsche Volksblatt" ist es,welchesden Nachweis führt, daß die Frequenz der ausländischen Hörer in markanter Weise abgenommen hat und die Wiener Hochschulen in Decadenz stnv. „Der sanguinischeste Localpatriot", sagt der Musterpatriot Vergani, „wird mit Betrübniß gestehen müssen, daß die Wiener Hochschulen in der Wertschätzung des Auslandes erheblich verloren haben", und das hat nur zu sehr seine Richtigkeit. Die Richtung, welcher sich unsere deutschnationale Studentenschaft zugewendet hat, die Gesinnungen eines guten Theiles unserer Hochschulprofessoren, die fortwährenden Randale und Hetzereien, welche den ruhigen Gang des Unterrichtes gefährden und wiederholt zur Sistirung einzelner Vorlesungen oder gar zur Schließung einer ganzen Facultät geführt haben» sind keine Reiz- und Lockmittel für lernbegierige Ausländer, die ja nicht zu dem Zwecke nach Wien kommen, um hier jüdische Studenten auf dem Kraut aufzuessen. An der Universität gab es Hörer im Wintersemester im Jahre: 1887 Inländer 4550, Ausländer 1794, zusammen 6344, 1890 „ 4630, 1600, 6220, 1892 n 4738, 1357. it 5995 an der Technik: 1887 Inländer 633, Ausländer 176, zusammen 809 1890 11 680, 156, 11 836, 1892 757, „ 172, It 939, an der Hochschule für Bodencultur: 1887 Inländer 221, Ausländer 60, zusammen 281, 1890 11 174, 50, n 224, 1892 11 190, 48, ii 238, an der Akademie der bildenden Künste: 1887 Inländer 247, Ausländer 47, zusammen 294, 1890 „ 234, 40, it 274, 1892 n 240, 38, it 378, und schließlich an der evangelischen theologischen Facultät: 1887 Inländer 53, Ausländer 9, zusammen 62, 1890 „ 31, „ 7, „ 38, 1893 „ 33, „ 8, „ 31. Gibt es angesichts dieser dem „Statistischen Jahrbuche der Stadt Wien" entnommenen Daten noch Jemanden, der in der allgemeinen Abnahme des Besuches der Wiener Hochschuten seitens ausländischer Hörer nur ein zufälliges, wenn auch bedauerliches Zusammentreffen ungünstiger Umstände sehen würde? Wer an diesen Zuständen die Schuld trägt, mag sich der von Patriotismus triefende Vergant selber sagen. Daß die nichtswürdige Beschimpfung, der beispielsweise im Vorjahre Hofrath Nothnagel ausgesetzt war, die „ Wertschätzung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.