Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 9 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021071--04346-3028527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 168 Veflerrrtttziptze Mochrnschrtfl AK. 9 „Ihr hier!" schrie Elke auf, welche sofort den Enkel ihrer Wohlthäterin Judith Geronim **) erkannt hatte, was führt Euch hieher, was bringt Ihr uns?" „Rettung!" beantwortete dieser zunächst die zweite Frage. „Euer Gatte ist frei. Bestätigt meine Worte, Herr Adjutant," wandte sich Treuenberg an diesen, der hinter ihm in die Zelle trat. „Seine Durchlaucht, der Herzog Generalissimus, hat besohlen, den unschuldig Verurtheilten sofort in Freiheit zu setzen", meldete er dem Profoßen und dem die Wache commandirenden Lieutenant, „auch", wandte er sich wieder an Towije Kohen, „bin ich beauftragt, Euch Seiner Durchlaucht herzliche Exkusen zu überbringen, Höchst Derselbe bedauert das Vorgefallene und ist hoch erfreut, daß die Ankunft des Herrn Ascher von Treuenberg — der keine Ahnung von Eurer Anwesenheit im Lager und der Gefahr, die Euch bedrohte, hatte — in merkwürdigster Weise Eure Unschuld erwies. Des Herrn Herzog-Generalissimus Durchlaucht hat auch Herrn Ascher von Treuenberg beauftragt, Euch, Herr Tobias Kohen, bei Eurer Ankunft in Prag für Höchst Dessen Rechnung fünftausend Silbergulden als Entschädigung für die schuldlos erlittene Unbill auszuzahlen. — Mein Auftrag ist erfüllt, meine Pflicht ruft mich nun ab." Der Rittmeister verneigte sich und eilte fort. Einige Minuten waren Towije und Elke Kohen von dem raschen Wechsel, der sich mit märchenhafter Plötzlichkeit vollzogen, so endlos tief erschüttert, daß sie nicht nur keines Wortes, sondern auch keines Gedankens fäbig waren, daß sie zu träumen glaubten. Endlich rief Elke: „O, Allerbarmender, Allmächtiger, wie vermag ich Dir zu danken .... und ich habe schon an Deiner Allhuld gezweiselt!" Towije aber sprach die Benediction: „Gelobt seiest Du, Allgütiger, Gnadenspendender!" Nun entwickelte sich eine Scene, die Menschenwort nicht zu schildern vermag. Elke flog an den Hals ihres Gatten, dann küßten beide die Kinder und weinten und lachten und lobten Gott den Herrn! Ascher von Tceuenberg fühlte sich von dieser Scene wundersam ergriffen. Ueber seine Wangen rollten Thronen; unwillkürlich faltete er die Hände und dankte Gott dem Herrn, der ihn gewürdigt, durch seine Ankunft einen unschuldigen Menschen von martervollem Tode zu erretten, ein edl"s Weib, dem er zu Dank verpflichtet war, den Gatten, ihren Kindern den Vater zu erhalten. „Und", sprach er lächelnd im Selbstgespräche, „ich danke dieses Glück nur dem Umstande, daß ich auch in fernem Lande ein religiöses Gebot genau in der Form zu erfüllen bemüht war, wie dies mein würdiger, frommer Vater zu thun pflegt. Hätte ich mir nicht selbst eine AroweJ) abschneiden wollen, ich wäre nicht verwundet worden, hätte nicht dieses Abenteuer erzählen können, der Herzog wäre nicht zur Erkenntniß gekommen, daß er Towije Kohen unschuldig verurtheilt hat. Mizwe goreces mizwe!" 2) Als sich endlich der wilde Freudentaumel der Geretteten gelegt hatte, erzählte Treuenberg ausführlich, in wie ungewöhnlicher. wunderbarer Weise sich Towije Kohens Rettung vollzogen. Er ludihn und seine Familie ein, die kurze Zeit, welche sie, der morgen Abend beginnenden letzten Festtage wegen, noch im Lager verweilen mußten, die geräumige Wohnung, die ihm der Herzog anweisen ließ, mit ihm zu theilen und an seinem Tische zu effen. Er habe nicht nur vom Hause aus koscheren 2) Mundvorrath in genügender Menge mit, sondern auch unter seinen Begleitern einen des rituellen Schlachtens Kundigen, so daß sie hier auch frisches Fleisch nach Gefallen genießen könnten. Unmittelbar nach den Feiertagen wollten sie gemeinschaftlich die Rückreise nach Prag antreten, da ein längeres Verweilen im Lager aus dem Grunde nicht räthlich erschien, weil demnächst hier die Entscheidungsschlacht geschlagen werden würde. Towije und Elke Kohen nahmen Treuenberg's Vorschlag dankend an und folgten ihm sofort in seine Wohnung. (Schluß folgt.) *) Ascher von Treuenberg war der dritte Sohn seines Vaters, aber der erste aus dessen zweiten Ehe. Seine Mutter war die Tochter Werl Geronim's. *) Weidenruthe. 2) Eine Gutthat führt die zweite im Gefolge Brüche der Väter, Abschn. 4. Mischna2. 8) rituell zubereiteten. Briefkasten. Traiskirchuer Abonnent 1012. Sie senden uns einen Ausschnitt aus der „Schmähpost" vom 23. Februar, um zu zeigen, welcher Art die „Kunstreferate" dieses würdigen Blattes sind: „Concert Unschuld. Gestern war der Bösendorfersaal ziemlich gut besucht. Marie Unschuld von Melasfeld trat als Pianistin vor das Wiener Publicum, und das will viel sagen. Sie befriedigte jedoch die nicht zu hohen Ansprüche ihres Auditoriums vollauf, umsomehr, als die unter den angenommenen Namen Suzanne Lavalle auftretende Sängerin wohl das zahlreich applaudirende jüdische Publicum, nicht aber einen parteilosen Sachverständigen zufriedenstellen konnte." Der „parteilose Sachverständige" ist gut. Wien. Poststempel Franz-Josefs-Quai. N. H. Daß Gre- . gorig bei Juden seine Waareu einkaust, ist bekannt. Weniger bekannt dürste sein, was die Antisemiten von ihm denken: „Den verhaftetere Arbeitern folgte auch der Landtagsabgeordnete des 7. Bezirkes und Wiener Gemeinderath Herr Josef G r e g 0 r i g auf das Jnspectionszimmer und sagte dort, indem er auf die Arbeiter hinwirs, wörtlich Folgendes: „Das sind einige von den Leuten, welche den Hut nicht abnehmen, wenn wir die Volkshymne singen." Ein anderer anwesender Patriot rief entrüstet aus: „Preußenseuchler." Im Landtage hat sich unlängst Herr Abgeordneter Gregorig mit Händen und Füßen gewehrt, als ihm vom Abgeordneten Haberl das Wort „Denunziant" zngerufen wurde. Wir glauben, ein Abgeordneter sollte es unter seiner Würde finden — wenn er noch so byzantinisch ist — der Polizei gegenüber freiwillig Angeberdienste zu verrichten." („Ostd. Rundsch. 17. Februar 1895.) Köln a. R«, „Freund des Blattes." Jürgen Bona-Meyer war kein Antisemit, denn er hat gesagt: „Der Antisemitismus ist ein Ärmuthszeugniß des christlichen Geistes unserer Zeit, zugleich ein Mangel an Bewußtsein christlicherKraft." Die Antisemiten möchten jeden Namen von Klang für sich in Anspruch nehmen. Man muß ihnen daher auf die Finger sehen. Wien. N. N. Die Schrift ist die einer Dame — die brutale Ausdrucksweise und der alberne Inhalt zeugen von erbärmlichster und gemeinster Gesinnung. Wer aus dem sicheren Hinterhalt der Anonymität seine Beschimpfungen losschnellt, richtet sich damit selbst. Er gesteht ein,, daß er etwas zu verbergen hat, daß er — Unrecht thut. Uebrigens kennen wir Ihren Namen. Wir ersuchen Sie, sich zu schämen. Krumau. L. L. 108. Ein ganz ähnlicher Ausspruch bei Moleschott: „Der Antisemitismus ist Undank, ist Neid, ist der rohe Ausbruch einer irregeleiteten communistischen Gesinnung, die sich mit Stammeshaß, mit Glaubenseifer, mit Vaterlandsliebe, bemäntelt. Seine Wuthausbrüche haben ihn geächtet und gerichtet." N-bach, L. M. Nicht verwendbar. Ueberholt. Das Geschichtchen ist zu bekannt. Derlei muß origineller behandelt werden. Herzlichen Gruß und Dank. W. B. Sie erweisen dem Menschen viel zu viel Ehre, wenn Sie ihn ernst nehmen. Mehr verlangt er ja gar nicht! Sogar seine Parteigenossen und engeren Freunde machen sich über ihn lustig. Das jüdische Crematorium ist einer seiner kleinen Scherze, weiter nichts, denn er ist außerordentlich schalkhaft. Regen Sie sich doch deswegen nicht auf. Ihr Aufsatz 'st nicht übel geschrieben und jedenfalls gut gemeint. Ihn abzudrucken, fehlt die Veranlassung. Wren, I!., «and. jur. L. B. Die beiden von Ihnen aus dem Russischen übersetzten Dichtungen passen nicht in den Rahmen unseres Blattes. Mit Dank abgelehnt. Kuttenberg, No. Der Abgeordnete Schneider hat nach einer Meldung des „Deutschen Volksblatt" vvm 24. sogar aus Tripolis in Nordafrika Kundgebungen der Sympathie zu seinem Vorgehen im Landtag empfangen. Jetzt werden bald die Cannibalen Central-Aftikas ihn zum Ehren-Judenfresser ernennen. Nur Geduld, es wird schon kommen. Was Sie sonst wünschen, wird gerne geschehen. Innsbruck» N. B-r. Wir machen Sie auf einen noch größeren Schnitzer aufmerksam, der die historische Bildung der Reichspost-Leute in ein grelles Licht setzt. Sie drucken eine Zuschrift ab, welche sich gegen ein hiesiges Blatt im rüdesten Tone wendet, weil es behauptet haben soll, „in England wären die meisten Lutheraner", während der Schreiber bisher der Meinung war, daß die Engländer C a l v i n'e r feien. Und die anglikanische Hochkirche! Die vergißt die gelehrte „Reichspost" vom 22. gänzlich. Und auf ihre Dummheit bildet sie sich extra was Großmächtiges ein und macht sich über diejenigen lustig, in ihrer bekannten geschmackvollen Weise natürlich, welche die Briten für Lutheraner halten. Purgstall. Der hiesige Herr Dr. B.Kohn der gesammten Heilkunde verdient in die Oeffentlichkeit zu kommen. Benannter Herr Doctor ist so liebenswürdig, den armen Kranken ohne Unterschied der Confession seine ärtzliche Hilfe, wie anch die Arzneimittel ans seiner Hausapotheke unentgeltlich znkommen zu lassen, ein recht semitisches Herz. Ich statte auch benannten Herrn Doctor meinen innigsten tiefgefühlten Dank ab für seine mir während meiner achttägigen Krankheit unentgeltliche, ärztliche Hilfe. Hochachtungsvoll Nanni Steiner. Herausgeber ruverantw. Red actev: Neichsrathsabgeordneter Dr. Joses S. Bloch. — Druck v. L. Beck * * Sohn, SBien, VHL, Lerchmfelderstr. 46.