Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021070--04306-3028486
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 8. Dr. Bloch’s Jahrgang XII. Centralorgan für die grfannnten Interrffrn des Iudrnthums. K. k. Postfxarkaflen-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien Iran; Josefs-Quai Nr. 9. Telephon-Nr. 6535. -X Wien, 22. Februar 1895. -- —«n» - Erscheint j eb en Freitag. -- ag Wan abonnirt bei allen Postanfialtrn des In- und Auslandes. W- 3K= Vexugsvrris für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — 3 Ar. Einzelexemplare 25 kr. Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ 20 .. Anzeig en: Die 4mal gespaltene Petitzeile iS kr. Inhalt: Leit art i ke l: Auch einer von unseren „Großen". —I. H. Weiß. — Menschen und Unmenschen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Das Gitterthor des Baron Rothschild. Der Schulchan-Aruch Verganev's. Nochmals die Thiernamen. Papst Pius IX. und natürliches Gemeinsamkeits-Gefühl. Berurtheilung eines Pfarrers wegen Meineid. Die Arbeiter-Zeitung über die Landtags- Antisemiten. Fremdenfeindliche Placate in Canton. — Teutobolv als Brandredner und Jubilar. — Zur Geschichte der russischen Juden. — New-Aorker Briefe. — Freiherr Hermann von Springer. — Betty Paoli. — Eine Episode aus dem Leben der polnischen Juden im achtzehnten Jahrhundert. — Verzeichniß der dem Lotterie-Comite für deri Tempelban im VIII. Bezirk zukommenden Spenden. — Corresponden zen: Wien, Wien-Mariahilf, Rzeszow, Brody, Paris, Rotterdam, Warschau, Odessa. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Podgorze, Braila, Kolomea, Galatz, Paris, Warschau. Feuilleton: Der Vorbeter von Cham. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Auch einer von unseren „Grossen". Unsere vorwöchentlichen, unter der Ueberschrift „H e r mit dem I u d e n g e l d" veröffentlichten Ausführungen haben in beiheiligten Kreisen zu ernsten Erörterungen Anlaß gegeben. „Her mit dem Judengel d!" rief der. antisemitische Redacteur W i l b e r g in einer Berliner' Antisemiten - Versammlung, „dadurch wird die antisemitische Bewegung unterst ü tz t." Wir haben auf einzelne Fälle hingewiesen, welche diese Behauptung des Berliner Hetzapostels rechtfertigen und beweisen, daß auch bei uns dem füllen und lauten Antisemitismus von jüdischer Seite Nahrung zngeführt wird. Wir haben dabei insbesondere einer namhaften Spende des Herrn Paul-Schiff an den „Ersten Wiener Ferien- Colonien-Verein" Erwähnung gethan, welche von dem Vorstande dieses Vereines mit der Abweisung jüdischer Kinder quittirt wurde. Der Schwiegersohn des verstorbenen Herrn Baron Moritz von Königswarter beehrt uns nun mit einer „Berichtigung", welche, von einzelnen unwesentlichen Details abgesehen, nur eine Bestäügung unserer Mittheilungen und der an dieselben geknüpften Schlußfolgerungen enthält. Die „Berichtigung" des Herrn Paul - S ch i f f lautet: An die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien. Auf Grund des §. 19 des Preßgesetzes ersuche ich um folgende Berichtigung der auf S. 119 in Nr. 7 der „Oesterreichischen Wochenschrift", ddto. 15. Februar 1895, enthaltenen Mittheilungen, betreffend meine Person im Zusammenhänge mit dem Ersten Wr. Feriencolonien-Verein: 1. ist es unwahr, daß der Feriencolonien-Verein durch mich, respective durch meine Frau, mit st. 20.000 betheilt wurde, sondern derselbe erhielt nur fl. 10.000. 2. ist es unwahr, daß einer meiner Freunde mich gebeten hätte, bei genanntem Vereine in irgend einer Beziehung mich für ihn zu verwenden. Ich bin aus diesem Grunde gar nicht in die Lage gekommen, an den Vereinsvorstand eine Empfehlungskarte zu geben, ebenso wie der genannte Vereinsvor- , stand nicht in die Lage kam, zu erklären, daß er keine jüdischen Kinder aufnehme. 3. ist es unwahr, daß man mich gefragt hat, weßhalb anläßlich der seinerzeitigen fl. 100.000 Spende meiner Frau, jüdische Institute leer ausgegangen seien, was an und für sich unrichtig gewesen wäre, da der israelitische Frauenverein mit fl. 20.000 bedacht wurde, sondern die Präsidentin des israelitischen Ferieneolonien-Bereines frug mich, gelegentlich eines Besuches, ob meine Frau nicht auch diesem Vereine leitreten wolle, was auch mittelst eines Jahresbeitrages von fl. 50 geschehen ist. Thatsache ist, daß ich der Präsidentin erklärte, daß ich principrell kein Freund von nach Consiffionen getrennten Ferieneolonien bin, nachdem, falls der Allgemeine Wiener Feriencolonien-Verein durch die Existenz des jüdischen Vereines dem Letzteren alle jüdischen Kinder zuweisen würde, dem Ersteren am ehesten Gelegenheit geboten ist, das Augenmerk fast ausschließlich auf christliche Kinder richten zu können. Auf diesem Standpunkte stehe ich auch heute noch, trotzdem der Allgemeine Wiener Feriencolonien-Verein auf mein wiederholtes Ersuchen, die Confefsion der Kinder im Jahresberichte auszuweisen, nicht eingegangen ist. Ich hatte' dieses Ersuchen gestellt, weil dadurch der Allgemeine Wiener Feriencolonien-Verein vollkommen in der Lage gewesen wäre, nachzuweisen, daß der Percentsatz der aufgenommenen israelitischen Kinder thatsächlich der israelitischen Bevölkerungsziffer entspricht und hiedurch nachweislich nie in den Ruf des Antisemitismus hätte kommen können; dies wäre umso nöthiger, als das Vermögen dieses Vereines zum allergrößten Theile von jüdischen Wohlthätern stammt. Ich überlasse es dem Urtheile aller Einsichtigen und vomGefühle der Gerechtigkeit Durchdrungenen, wie sie darüber denken, daß diebetreffende, auf liberaler Basis vorzugehen erklärende Bereinsleitung meinem oben erwähnten Wunsche nicht nachzukommen für gut befunden bat. Maximilian Paul-Schiff. Eine preßgesetzliche Nöthigung, der vorstehenden „Berichtigung" Raum zu geben, lag für uns nicht vor. _ Wir publiciren sie dessen imgeachtet, weit sie ein interessantes Doeument der Zeitgeschichte und einen überaus schützenswerthen Beitrag zur Kenutniß der Personen und Charaktere innerhalb gewisser Kreise des Wiener Judenthnms bietet. Herr Paul-Schiff „berichtigt" zunächst,daß er sich niemals für einen armen Judenknaben mit einer Empfehlung verwendet hätte; wir unserseits können nur bedauern, daß er dies unterließ; er hätte sich daun vielleicht nicht nur die „Berichtigung" erspart, sondern auch über die Nothwendigkeit einer eigenen, jüdischen Feriencolonie ein unbefangeneres Urtheil sich gebildet. Herr Paul-Schiff ist ein Gegner des am fessionellen Separatismus; wir finden das wohl begreiflich und verweisen chn in dieser Beziehung auf die Rede des Abgeordneten Dr. Bloch über „Assimilation und Toleranz" in der Nummer vom 30. November unseres Blattes. Allein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.