Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 7 (15.2.1895)
- Date
- 1895-02-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 128 Vesterrrtchtsche ivochrnschrtfl m. 7 „Meinen ergebensten Dank, Durchlauchtigster Herzog," sprach Treuenberg, „ich werde stets mit Stolz auf diese Stunde meines Lebens zurückblicken." Es war eine kurze Pause im Gespräche eingetreten. Jetzt erst bemerkte Graf Colloredo, daß Treuenberg die linke Hand in einer Binde trug. „Ihr vergaßt wohl zu berichten," wandte Jener sich an Diesem, „daß Ihr bei dieser Asfaire verwundet wurdet?" „Herr Generallieutenant," lachte Ascher Trenenberg, „diese unbedeutende Verletzung trug ich nicht bei dem Gefechte mit den Schweden davon, diese rührt von einem Prellschuß her, den ich von einem Soldaten hier im Lager erhielt." „Wer wagt es, auf Euch zu schießen?" schrie der Herzog, zornig mit dem Krückenstock auf den Boden stoßend, „die Bestie soll man sofort an den ersten besten Baum henken!" fuhr er mit seiner viel gebrauchten Lieblingsphrase fort „Von welchem Regiments war die Canaille? .... Der Mann muß auf der Stelle eruirt werden . . . ." „Ich bitte Euer Durchlaucht," sprach Ascher Treuenberg lachend, „sich gnädigst zu beruhigen, der arme Teufel hat in gutem Glauben gehandelt, er glaubte nur seine Pflicht zu thun." „Erzählt den Vorfall ausführlich, ich bitt' Euch drum, bester Treuenberg," rief Wallenstein. „Vor einer Stunde etwa nahten wir uns von der Flußseite dem Lager. Wir waren in der heitersten Stimmung und dankerfüllt gegen Gott, und unser alter Factor Tije Chalsan machte mir einen Vorschlag. Mein Vater ist, wie Euer Durchlaucht bekannt ist, streng religiös und hat seine Kinder in seinem Sinne erzogen. In unserm Hause darf am Sabbath von geschäftlichen Dingen gar nicht gesprochen, und alle die zahlreichen Gebote unserer Religion müssen pünktlich beobachtet werden. Mein in jeder Beziehung fürsorglicher Vater hatte uns auch auf die Reise Alles mitge. geben, was ihm in dieser Beziehung nothwendig schien. Ge räuchertes Fleisch und Backwerk, damit wir weder zu hungern brauchten, noch gezwungen waren, aus der weiten Reise ver botene Speisen zu essen, überdies alle die zahlreichen Dinge, deren der Jude bei der Ausübung feiner religiösen Pflichten bedarf. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Die isr. Vereinsbibel (Aluf bonim), verfaßt von dem Religions- und Oberlehrer Herrn Samuel Königsberg, herausgegeben vom isr. Lanoeslehrerverein in Böhmen, welche im Verlage der Buchhandlung Samuel W. P a s ch e l e s in Prag bereits in vierter verbesserter und vermehrter Auflage erschienen ist, wurde mit Erlaß des Unterrichtsministeriums vom 2. Jänner d. I. für die allgemeinen Volksschulen zulässig erklärt und hat auch in ganz Oesterreich-Ungarn und Deutschland Eingang und Verbreitung gefunden. In die neue Auflage sind nebst anderen wesentlichen Verbesserungen die Responforlen bei dem öffentlichen Gottesdienste und der erste Brbelunterricht, letzterer in der Weise ausgenommen, daß den einzelnen Worten bezw. Absätzen des ersten und zweiten Capitels des Buches Genesis die deutsche Uebersetzung gegenübergestellt ist. Briefkasten. Ferdinand Rindl, M.-Weißkirchen. Nein. Leopold T. Sie verlangen, daß die hetzerischen Reden nicht veröffentlicht werden sollten. Das wäre wohl Vas allerungeeignetste Mittel der Bekämpfung. Das Bogcl-Strauß-Spielen hat der guten Sachschon unermeßlichen Schaden zugesügt. Was wir über die „Großen" geschrieben haben, finden Sie in der letzten Nummer und deckt sich im Wesentlichen mit Ihren Anschauungen. Herrn Sicgmund K.. Meran. Wir danken für die Zusendung des Schmierblättchens. Diese Art Leute hat nicht einmal die Fähigkeit, selber Niederträchtigkeiten zu erfinden und leistet ihrem angeborenen Triebe, Gemeinheit zum Ausdruck zu bringen, dadurch Genüge, daß sie fremde Niedertracht ausschneidet, ausklebt und abdruckt. Herzlichen Gruß! S. C. — c. Troppnu. Wenn Sie die treffende Correspondenz genauer lesen werden, so werden Sie finden, daß es sich vorläufig erst um eine Anregung eines Hilfscomites handelt, das sich über die Erwerbs-Verhältnisse zur Stunde informirt. Vielleicht ist dem von Ihnen Empfohlenen durch ein Inserat zu helfen. Langjähriger Abonnent, Liesing. Daß die alberne „Schmähpost" Waivhosen „Das Königreich Rothschild" nennt (Nr. 32) dürfen Sie den guten Herren nicht übel nehmen. Daraus eine Hochverraths-Auklage zu schmieden, wie Sie wünschen, geht denn doch nicht gut an. — A l l e Freitag-Morgend iätter brachten die Nachricht, daß Eichinger der Mörder Rothziegel's ist. Nur die wohlinsormirte „Schmähpost" erzählte, ,,daß es in diesem mysteriösen Fall bis jetzt noch nicht gelungen, einen positiven Erfolg zu erreichen?' Der Nachrichtendienst für die angeblichen 4000 Abonnenten functionirt in mustergiltiger Weise. A. F. L., Lilienbruugasse. Sie fragen, ob es wirklich kein Mittel gibt, um lJ/a Millionen Staatsbürger vor den infamen Insulten des Herrn Schneider zu schützen? Es gibt Mittel genug — nur werden sie leider nicht zur Anwendung gebacht. Eine^Mutter. Sie unterzeichnen Ihr Schreiben nicht. Auch unterlassen Sie Datirung und Ortsangabe. Der Poststempel lautet Przemysl. Run erscheint es uns ganz unglaublich, daß die Gemeinde in der dorügen Mädchenschule keinen Religionslchrer angestellt hat und daß daselbst der llnterricht im Hebräischen von einer jungen Dame ertheckt werden soll, die selbst kaum jüdisch lesen kann. I. s., Krakau. Jetzt noch einen Bericht übereilte Maceabäer- Fcier zu bringen, das geht venu doch beim besten Willen nicht an. S. G. aus D. Wenn wir über den doppelten Kindesmord, wegen dessen der Herr Pfarrer nach ihrer Mitthei'.uug in gerichtlicher Uiuersuchnng steht, jetzt schon berichten würden, so hieße dies den Ereignissen vorgreiscn. Warten wir ab! Herrn M. I. Hassan, Widdrn. Abonnementsbetrag bis 30. November 1895 erhalten. Herrn M. in Brody. Die Rücksendung eines ungeeigneten Manuskriptes ist eine reine Gesälligkeitssache der betreffenden Nedaction, für welche sich die Autoren gewöhnlich zu bedanken vflegen. L. K., Prag. Die dortigen christlichen Möbelhändler Fitzek und Maar haben sich ihr Vermögen an der jüdischen Kundschaft hauptsächlich erworben und Vermietyen doch nur an christliche Parteien? Das ist ja recht nett und verdient allgemein bekannt zu werden. Max §schw., hier. Dr. Lueger rühmte sich, seiner Gesinnung stets treu geblieben zu sein? Vielleicht dachte er dabei an Börne's tiefsinnigen Ausspruch: „Nichts ist beständig als der W e ch s e l". In diesem Sinne freilich war er der Beständigsten und Gesinnungstreuesten einer. Herrn A. M., Przemysl. Kann in dieser Form aus preßgesetzlichen Gründen nicht gebracht werden. Eine Polenrik gegen in Rechtskraft erwachsene Urtheile führen wir grundsätzlich nicht. A. H. Leipnik. Sie wollten Porto ersparen, das wir für Sie auslegen mußten, weil wir die Lose per Post zurückstellten. Robert Schl., I. Die „Ostdeutsche Rundschau" war wieder einmal patriotisch: Besorginst. Der Marschallslab Radetzky's gestohlen ward in Wien, Den Sporn des edlen Ritters vermißt man in Turin, Hie oder dort, ihr Helden der Zukunft noch auf Erden, Gebt Acht, ihr könnt' am Ende uns selbst gestohlen werden! Was sind auch Radetzky und Prinz Eugen gegen S ch ö n er er, Hauck und K.H.Wolf? Sie waren ja nur ö sterreich is-che Helden. Ehrw. Rabbiner Sam. K. in L—l. Hören Sie die rührende Stelle aus deni letzten Sonntags-Feuilleton: „Und oarum rühre ich mit Berufung ans den Segen des Heil. Vaters jetzt für die „Reichspost" mit verdoppelter Wucht die Werbetrommel. Wir sind jetzt verpflichtet, durch vermehrte Anstrengung den Wünschen des Heil. Vaters, der uns rüstiges Fortschreiten auf der beschrittenen Bahn so dringend ans Herz gelegt, nachzukommen. Dazu bedarf es — o Sie errathen schon, Verehrteste, den Tenor meines Syllogismus — was bedarf denn ein Blatt? Abonnenten, Abonnenten, Abonnenten! Inserenten, Inserenten, Inserenten! Also! Bitte ersparen Sie mir den Schluß davurch, daß Sie ihn praktisch sofort und mit erneuter Energie ins Werk setzen!" Das ist doch die Grenze der Schamlosigkeit! Den Heil. Vater zum Jnsecaten-Agenten und Abonnemen-Presser zu entwürdigen!! Dr hört sich doch Alles auf! Pfui Teufel! S. L., Sambor. Mit der „Gazeta Samborska" zu polemisiren, ist unter unserer Würde. Gruß und Dank. Isidor Goldblum, Frankfurt a. M. Der Ermordete war jüdischer Abstammung, jedoch confessionslos. T. Sp. Franzensbad. Sie schreiben, daß Franzensbad sich zu zwei Drittel von dem Geld jüdischer Curgäste nährt und doch den antisenlitischen Dr. Bareuther zu seinen Vertreter erwählt hat! Diese Erscheinung finden sie auch an vielen anderen Orten. Im Sommer sind die Leute philo- und im Winter antisemitisch. Sehen sie z. B. Baden bei Wien an. L. H., Bielitz. Ungeeignet, weil von zu geringem Interesse. Ignatz Gr., hier. Wie oft sollen wir denn sagen, daß Hubermann Jude ist?! S. Fr.. Znaim. Baron Albert Rothschild ist nicht Mitglied des niederösterreichischen Landtages, daher Ihr Vorwurf unberechtigt ist. In allem Anderen haben Sie leider nur zu recht. I. P., Lodz. Sie constatiren, daß Hub ermann nicht in Warschau sondern in Czenstochau geboren ist — schön! Verantwort!. Redactem: Dr. Joses S. Bloch.— Druck von L. Brck * Sohn, Wien. VIII., Lerchenselderstraße 46. (Telephon 3288;.