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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-01-18 · 3 (18.1.1895) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
3 (18.1.1895)
Date
1895-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wien, 18. ISnnrr 1895. Jahrgang XII. ♦ Nr. 3. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudrnthums. K. k. Poysp ark affen-Amt Tlrartngvrrkehr Nr. 810.976. Lrdartton und Administration: Wien Franj Josrfs-Nuai Nr. S. Telephon - Nr. 6535. -^- Herausgeber: Keichsraths-Abgeordneter vr. ZLoch. -- -Hi «<< - Erscheint jeden Freitag. - - Man abonnirt bei allen Postanstalten des In- und Auslandes. *=--. Bezugspreis für Sryrrrrich: I Halbjährig 4 ff. — S Kr. Einzelexemplare es kr. Für'» Auslandhalbjährig s fl. --- 1» Kr. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeig en: Die 4m al gespaltene Petitzeile IS kr. j U--.— -^=---=* Inhalt. Leitartikel: „Unsere Großen". — Antisemitismus bei der Nvrdbahn. — Adelige Verwallungsiäthe. — Inden auf dem Schlachtfelde. — Criminalstatistik der deutschen Juden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Juden in der Wissenschaft. Prof. Dr. N. von Wettsteiu. Goethe über die Bibel. Menschenopfer in Rußland. Zum Fall Leuß. Vom christlichen Wucher. Ein flüchtiger Ehren-Domherr. Ein Sittenbild aus unserer Zeit. Der Sohn des Hauptmanues Dreyius über seinen Vater. Jüdische Soldaten in Amerika. Eine historische Bemerkung zur Kol-nidre-Anklage. Die Schmähpost gegen den Rector Müllner. Feinde des Vaterlands. — C orresvondenzen: Wien, Budapest, Stanislau, Breslau, Strelitz, Alt-Brunn, Fürth, New-Uork, Bagdad. — Vermischtes: Wien, Lundenburg, Linz, Auscha, Olmütz, Proßnitz, Raab, Pozega, Prag. Breslau, Aus Oberschlesien, Dresden, Constantinopel, Bern. — Feuilleton: Der Vorbeter von Cham. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Unsere „Grossen". Ein trauriges Capitel von dem,,Ausnahmsjuden". Wer von uns kennt ihn nicht, diesen Typus, wer aber hat den Muth, ihn zu kennen? Wir bilden den dunkeln Hintergrund, von welchem er sich glanzvoll abhebt; er aber wirft nicht nur nicht den kleinsten, wohlthuenden Strahl auf uns zurück, uns trifft vielmehr nur sein Schatten, und dieser ist ebenso dick, als tief beschämend. Wir bilden ihm die Leiter, auf deren Spross n er fein bedächtig emporklimmt, und ist er hinaufgekommen, dann ist der Lohn: Fußtritte — wir verschwinden hinter ihm im wesenlosen Scheine. Er aber ist der „Ausnahmsjude", und als solchen fördern ihn gern unsere Feinde, um einerseits ihren „Liberalismus" documentiren und anderseits desto schärfer die uns angedichteten Fehler und Laster verurtheilen zu dürfen. Man protegirt eifrig den Einzelnen, der Einem Paßt, um die Massen, denen ungleich mehr Moral, Ehrlichkeit und Biederkeit innewohnt, ungestraft verdammen zu können. Dieser Einzelne aber läßt sich in seiner nackten Selbstsucht gern die Auszeichnung gefallen, sich mit Freuden zum „Ausnahmsjuden" promoviren und belohnt dafür seine Protectoren mit frommem Augenverdrehen, welches sagen will: wie tief beklage ich es, daß meine Glaubensgenossen nicht so brav sind, wie ich selbst! Was ein solcher „Einzelne" doch für ein bevorzugtes Wesen ist, und was wir kleinen Leute naiv und selbstlos sind! Wir freuen uns kindlich, ihn von Stufe zu Stufe emporsteigen zu sehen, begleiten seinen Aufstieg mit unseren aufrichtigsten Wünschen; dabei kommen wir selbst immer tiefer hinunter, und schon im Ghetto angelangt, fällt es uns noch immer nicht ein, ihn zu fragen, ob er sich jemals als Jude seiner Pflicht gegen die Glaubensgenossen erinnert habe, ob er fich deren jemals auch nur erinnern wollte. Und wer hätte mehr Gelegenheit, als er, der ja des Umgangs der Hochmögenden gewürdigt ist, ein wahres und kräftiges Wort für seine täglich und stündlich so unmenschlich angefeindeten und verleumdeten Glaubensgenossen einzulegen? Aber Gott bewahre, der Mann leistet ja schon genug, daß er Jude ist! Wir sonnen uns an seinem Glanze und wärmen uns an seinen Strahlen! . . . Wie schade nur, daß dieser Glanz nur Flecken auf uns wirft, diese Strahlen uns nur anfröstcln. — Dieser „Prachtjude" aber, dessen Bedeutung darin besteht, daß er Jude ist, möchte in seiner Unnahbarkeit noch dafür Anerkennung haben, daß er — im wohlverstandenen eigenen Jntereffe — Jude ist. — Und warum sollte er diese Anerkennung nicht beanspruchen wollen, wenn wir so-demüthig, fromm sind, sie ihm freiwillig zollen? .... Sehen wir doch einmal nach, wer die Abwehr gegen den bleidrückenden Antisemitismus führt, wo sind hier die oberen Zehntausend, um derentwillen eigentlich „der Wilde vor den Mauern tobt", zu finden? Stehen wohl in den vorderen Reihen der Kämpfenden die Spitzen der „weltbeherrschenden" jüdischen Haute finance? Etwa die bei den Herren Sections'Chefs und Ministern ein- und ausgehenden jüdischen Geldbarone, Hofräthe, Regierungsräthe rc.? Mit Nichten! Das sind lauter „Ausnahmsjuden", will sagen, die Tolerirten von anno dazumal, nur fehlt der innere Adel — Und was haben diese „Prachtjuden" mit der wisera plebs contribuens zu schaffen, die nur zu leisten und zu leiden hat! Es scheint, daß es ein angenehmes und gewissermaßen auch erhebendes Bewußtsein ist, bei einem stürmischen Wetter auf dem Jsolirschemel zu stehen und auf die verheerenden Wirkungen zu ihren Füßen in den unteren Schichten niederzuschauen, zumal diese zu dem „Ausnahmsjuden" wie zu einem Fetisch verehrungsvoll emporschauen und dieser von ihren Lippen die Worte: montan te salutamus herunter zu lesen glaubt. — Man blicke dagegen nach Paris, London, Berlin, oder auch nur nach dem benachbarten Budapest. Was die Judenschaften dieser Städte an Intelligenz, Stellung, Einfluß und Reichthum beherbergen, Alles steht im Dienste der schwer angefeindeten jüdischen Sache; die Spitzen der jüdischen Bevölkerung sitzen dort in den Vertretungen der jüdischen Gemeinde. Wie sieht es dagegen bei uns aus? . . . Hätte ein böses Geschick ein Tisza- Eszlarüber uns verhängt, die Verheerungen und Verwüstungen wären unberechenbare und irreparable gewesen; die ungarische Judenschaft hingegen hat diese Pest rasch und gründlich überwunden und sie schon nach wenigen Monden zu einem halbverklungenen Märchen gemacht — und warum? Weil sie alle wie ein Mann in den Kampf gegen die Schändung des jüdischen Namens eintraten.

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