Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 2 (11.1.1895)
- Date
- 1895-01-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 40 Vesterrektzlptze Mochenschrifi «r. 2 Pferdegewieher. Wagenrollen. Auch in dem Gefängnisse wurde es belebter. Patrouillen der Lagerwache lieferten Gefangene ein, Buttlersche Dragoner brachten einen Deserteur, Tiefeubachsche Arkebusiere einen Soldaten, der beim Würfelspiel im Streit feinen Crmeraden erstochen. Terzkische Karabiner einen jungen Bauernbürschen, der ein Pferd hatte stehlen wollen. Der Deserteur war ein wilder Geselle, der um sich schlug, wie ein verwundeter, wilder Stier brüllte und nur mit Mühe ins Gefangniß geschleppt werden konnte. Der Todtschläger mußte seine Thal in der Trunkenheit, in völlig unzurechnungsfähigem Zustande begangen haben, denn er war jetzt noch nickt ernüchtert, schien von dem, was ihm bevorstand, keine Ahnung zu haben, denn er sang lustige Schelmlieder und wollte durchaus mit der Wache ins Wirthshaus gehen, um dort mit ihr Brüderschaft zu trinken. Der Pferdedieb sah furchtbar blaß aus und sckritt gesenkten Hauptes her, er mochte es schon aus Erfahrung wiffen, daß ein Bauer, welcher der wilden Soldateska jener Zeit in die Hand fiel, nicht auf Nachsicht und Milde rechnen durfte. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Herrn Hirsch Wolf, Löw-Beer. hier. Die „Unv. D. ©.'■ Nr. 1 nehmen Ihnen Ihre Zuschrift gewaltig übel. Hören Sie nur: — „Hogen Wolfung. Die Wette ist gewonnen; das Judenthuw hat, wie es scheint, die Erklärung „Suttnerin" irrig bezogen. — Die arme „Schutz-Bertha." Sie war ja gar nicht gemeint. We^n der Hebräer ferner glaubt, daß jene gewissen thierischen Juden-Namen mir den Koseformen germanischer Personen-Namen (Siehe „U. D. W." Nr. 22 Seite 242 „Zur Person°n-Namenfl»rschung") Zusammenhängen, so zeigt dies von seiner Unwissenheit. — Wie immer: frech und dumm! — Die jüdischen Namen, die aus dem Thierreich stammen, sind ebenso aufzufassen, wie die botanischen oder mineralogischen. U. d. Gr. —" Ihre jüdischen, aus dem Thierreich stammenden Namen sind, somit — „ebenso" aufzufaffen, wie die botanischen oder mineralogischen. Wenn aber ein Urgermane Wolf heißt, so ist das etwas ganz anderes und vermuthlich — astronomisch aufzufassen. „Herrlich, etwas dunkel zwar — Doch es klingt recht wunderbar!" F M., Wien. „Geschichte der Juden von Braun" sei als treffliches Werk Ihnen anempfohlen. Es wird Ihren Zwecken entsprechen. H. A. III Alle Dummheiten Vergani's können wir nicht besprechen. Das ist aus Gründen der technischen Herstellung unseres Blattes unmöglich. ' P M. in Ostapie. Was Sie uns berichteten, ist noch gar nichts. Die bestialische Rohheit gewisser Antisemiten — alle sind nicht so grenzenlos gemein! — illustrire diese Notiz: „Unfall auf dem Eise. Die enragirtesten Sportsmen sind die Unartenlosen. Sie reiten auf wirkliche» und stählernen Rossen, erklimmen in voller Touristenkleidung den Kahlenberg und den Galyzinbera und tummeln sich zur entsprechenden Jahreszeit gerne auf dem Eise. Ein Sportsmen letzterer Sorte war der Techniker Leon Rosenzweig, der am Sylvesterlage das Unglück hatte, auf dem Eislausplatze in der Zoll^mtsstraße während des Schlittschuhkaufens niederzufallen und sich Verletzungen zuzuziehen. Er wurde in das Rudolf-Spital gebracht." „Reichspöst" vom 3. Jänner 1895! Wer einen Unglücksfall in dieser niederträchtigen Weise auszuschroten sich erfrecht, erweist sich wahrlich des' Ehren- Namens „Mensch" unwürdig! Caud. Med. Steruw. Krafft-Ebing's Worte im Briefkasten der letzten Nummer waren Ihnen also aus dem Herzen gesprochen? Dr. H. v. Hebra äußerte sich in ganz demselben Sinne: „Vom Hasse gezeugt, von der Dummheit geboren, von der Schlechtigkeit erzogen, stellt der Antisemitismus eine Mißgeburt des mens - lichen Geistes dar." Anonymer Einsender eines Zeitungsausschnittes aus der „Ostdeutschen Rnndschan." „Ein Plener, ein Ruß, ein Menger springen in's Wasser, > m die ertrinkenden Deutschnationalen zu retten! Weiter geht wohl auch die östlichste orientalische Phantasie nicht — da muß selbst Rabbi Bloch aus vollem Herzen gelacht baben." Unser Chef-Redacteur ist ein ernster Mann und nicht so leicht zum Lachen zu bringen — höchstens beim Lesen der antisemitischen Blätter, wenn er die gegen ihn persönlich gerichteten, albernen Jnvectiven zur Kenntniß nimmt. L. in Wien. Es ist wahr, daß der Lehrer Ferdinand Krautmann sogar mit Uebergehung eines dienstälteren Collegen vom Wiener Bezirksschulrathe zum provisorischen Leiter der Knabenbürqerschule. HI. Hörnesyasse 12, bestellt wurde. 50. ad I. Zwölfjährige Steuerfreiheit, wenn vollkommener Neubau nach dem Gesetze vom 25. März 1880. R.-G. Bl. Nr. 39. Die 5"/st'ge Einkommensteuer wird dagegen gezahlt werden mästen und wrrd tie Steuerbehörde die Wohnungen einschätzen, wenn der Zins nicht haar bezahlt wird. ad II. Ja. Einkommensteuer, denn ein Wochenlohn von fl. 15 bis fl. 20 wird schon an bessere Angestellte befahlt, während nach dem Mnkommensteuer-Patente nur Gesellen, Dienstboten, Taglöhner u. dgl. keine Einkommensteuer zu bezahlen haben. Zehnjähriger Abonnent, Graz. „Das „Grazer Extrablatt" hat bereits auf diese unschöne, die christlichen Geschäftsleute schädigende Reclame in scharfen Worten hing'wi-sen, ebenso Genieinderath Feichtiriger, welcher in de-, Gemeinderathssitzung vom 10. d. M. folgende Interpellation einbrachte: „Auf welchem gesetzlichen Wege ist es dem Juden Goldstein erlaubt, zum schaden der hiesigen Kaufmannschaft sein Waaren'.'ger, befindlich im „Hotel Triest", d rch Annoncenständer bei N> cht beleuchtet, am Hauptplatze und am Auersperg-Brunnen anfgesteÜI, anzupreisen?" — Das ist freilich stark! Die Freunde der Finsterniß werden die Juden noch hindern wollen, ihre Geschästslocale zu betrllchien. „Mehr Licht" ist gewiß nicht der Wahlspruch dieser Sorte Leute. Ferdin. Kl—r hier. „Da schrie und schrieb (die „Reichspöst") immer weiter und stocherte tüchtig mit dem Federkiel in dem Sumpf..." So urtherlen die Herren über sich selbst. Da haben wir weiter nichts hinzuzufügen. — Daß der getaufte Jure Spitzer-Weimar dem nicht minder gerauften Juden Dr. Marcus Abeles einen hämischen Nekrolog im Hepp-Hepp-Style uachruft, ist jedenfalls bemerkeuswerth. (.,Reichspost" vom. 4. Jänner 1894.) Frau Th. B., hier. Dankend abgelehnt. A. K. Die Ziehung wurde verschoben. Freund des Blattes in Bukarest. Wir sagen Ihnen Dank für die herzlichen Worte! Gewiß, der Jndifferentismus in unseren eigenen Reihen ist ein so gefährlicher Gegner, wie der Antisemitismus. E. B. 30. Wenden Sie sich mit einem ordnungsmäßig oelegten Gesuche an den Vorstand der Chewra-Kadischa, Wien. Abonnennt M, Chemnitz. Die Angelegenheit ist nicht der Red: werth. Solche Genossen können wir leicht entbehren. Emanuel Schulz, Purgstall. Die Ziehung wurde verschoben. Auf mehrere Anfragen. Wer der Herr Georg Ritter von Schönerer ist, dem in mehreren deutsch-nationalen Blättern zum Jahreswechsel „Heil und HeilS" (!) dargebracht wird, wissen wir nicht. Ein Herr dieses Namens ist uns gänzlich unbekannt Leopold M. in T. Gewiß! Geeignete Beiträge für die in Aussicht genommene Artikel-Serie „Vergessene jüdische Künstler" sind willkommen. — Wie gefällt Ihnen das Geständniß einer schönen Seele: „Wenn der Deutsche in der Ostmark wenigstens einmal Zähne bekäme, auf die Vernunft könnte man schließlich noch ein Weilchen warten." („Ostd.Rundschau" Nr. l) daß es die Herren nur selber einfehen. Frau Franziska T. VI. Wir constatiren in Folge Ihrer Mittheilung, daß der durchgebrannte Fabrikant Gustav Z e l t b a ch, den Vergani mit seinem hämischen „(!)" uns zuschieben möchte, sein Glaubensgenosse ist. Ob er auch aus Sollen; stammt, vermögen wir nicht zu sagen. Kleiner Lesezirkel in Czerno'vitz: „Ich weiß nicht, wie andere Christen darüoer denken, aber was mich betrifft, so kann ich wohl sagen, daß, seit ich zu Verstände gekommen bin, ich nie einem gebildeten Juden begegnete, ohne mich gewissermaßen vor ihm zu schämen, indem ich lebhaft fühlte, daß nicht wir zur Verachtung seiner Glaubensgenossen, wohl aber er zur Verachtung der u n s r i g e n e i n Recht habe." Fürst Hermann von Pückler-Muskua: Tutti Frutti Band I. Nein, mit dem letzten Satze können wir uns trotz Allem und Allem nicht einverstanden erklären. Wir dürfen nicht in den Fehler unserer Feinde verfallen und generalisiren. Einzelne verächtliche Individuen darf man verabscheuen, nimmermehr aber eine ganze Nationalität, Neligionsgenosstiischaft oder Raffe! Pückler-Muskan geht viel zu weit. Senden Sie uns nur ab und zu Lesefrüchte ein und seien Sie Alle herzlichst gegrüßt. „Emil Körner" in L—g. Gehen Sie, Sie kleiner Schäker! Auf den Leim gehen wir Ihnen nicht. Wir kennen Sie mit Ihrem wahren Namen trotz des arischen Pseudonym und trotz der verstellten Handlchrist. Wenn Sie nicht bald die Segel einziehen, wollen wir der Stadt eine Geschichte erzählen, wie man — Präsident eines Germanenbundes wird. Die Vorstudien dazu hoben Sie in der Jeschiba zu Preßburg gemacht. Schöne Maske, wir kennen Dich! Pension wird in einer leinen, gebildeten, religiös lebenden Israel. Familie für ein junges Mädchen gesucht, das ihren Studien daselbst obliegen kann, in der Mustezeit Familienanschluss findet. Eigenes Zimmer oder Cabinet Bedingung. Offerte mit Preisanganen sind bald zu richten an „E. B.- Wien, II., Vorgarteustrasse Nr. 189. Tn meinem Commissions-Verlag soeben erschienen: Heft *7 Commentar zu Jesajas Heft *7 von B. Goldenberg in Tarnopol, Drohobycz 1895. Preis 80 kr. Ch. D. Lippe’s Buchhandlung, Wien, II., Praterstrasse 13. «eamtmottl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch.— Druck von L. Beck * Sohn. Wien. VH1,, Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3286.)