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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-12-28 · 52 (28.12.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
52 (28.12.1894)
Date
1894-12-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 52. Wien- 26. Derrrnbrr 1894. Jahrgang XL Crntralorgän für die gesammten Interessen des Iudenthums. -^-- Herausgeber: Rerchsraths-Avgeordneler Dp. Kloch. --—»)»». H1 —i» - Erscheint jeden Freitag. -»>» 'H' - Wan abonnirt bei allen Pofianstaltrn des In- und Auslandes. Bejugaprsta für Orstrrrrtch: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare 2L kr. Für'» Ausland: halbjährig L fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ 30 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile IS kr. R. lr. Postsparkassen-Amt Clearingverkehr Nr. 610.976. LrLsrtion und Administration: Wir» Franz Josrfs-Nnai Nr. S. Telephon>Nr. 6535. * — -- .-x In,,«»», as c 11 u t i i t c i : Sin unjere i*e|er, Freunoe uno Gönner. —^.Nikolai II. und die Inden. — Von den jüdischen Colonien in Argentinien. — Antisemitische Charakter-Köpfe. — Die ältesten^jüdischen Vertreter des Kaufmannstandes und der Börse in London. — Der Prophet Jeremias. —<■ Kaiser Wilhelm und Baronin Karl von Rothschild. — Reden der Abgeordneten Tr. Emil Byk^und Dr. Arnold v. Rapoport Porada. — Vom Jahrmarkt des Lebens. — C o r r e s p o n d enz en: Wien» Lemberg, Wilna, Paris. — Vermisch tes: Wien, Brünn, Koiin, Tyrnau, Kojetein, Prag, Sanok, Sassin, Sambor, Lemberg. — Feuilleton: Der Borbeter von Cham. — Briefkasten. — Eingesendet. — Inserate. An unsere Leser, Freunde und Gönner! Am 1. Jänner 1895 tritt die „Oesterreichische Wochenschrift" in das zwölfte Jahr ihres Bestandes. Dankbar müssen wir es anerkennen, daß in diesem Zeiträume die Theilnahme und Gunst unserer Glaubensgenossen uns in reichem Maße zutheil geworden ist. Jedes neue Jahr bezeichnte nicht nur ein physisches, sondern mehr noch ein moralisches Wachsthum der „Oesterreichischen Wochenschrift", eine Zunahme ihres Einstusses und Gewichtes. Aber diese Erfolge sind nur erreicht worden und konnten nur erreicht werden in unausgesetztem, hartem, schier aufreibendem Kampfe gegen die Feinde des Judenthums. Mehr als irgend ein anderes jüdisches Blatt darf die „Österreichische Wochenschrift" als ein Kampforgan bezeichnet werden, das auf dem vorgeschobensten Posten steht als Warner und Schirmer zugleich. Man wird uns nicht der Ruhmredigkeit zeihen, wenn wir behaupten, daß wir in diesen zwölf Jahren nicht blos manche heiße Schlacht zu siegreichem Ende geführt, sondern auch ein Kriegsmateriale gesammelt haben, welches unsere Gegner fürchten. Und diese Vorsorge war keine überflüssige. Wenn der Antisemitismus früher nur eine passive Duldung erfuhr, so wird ihm jetzt vielfach eine active Förderung und Ermunterung zutheil, welche zu verdoppelter Achtsamkeit und zu energischerer Abwehr zwingt. Die letztere wird umso schwieriger, je mehr die Angriffe auf das Judenthum gesetzliche Formen annehmen und durch die Machtmittel des Staates gestützt werden. Wir gehen neuen und gefahrvollen Kämpfen entgegen, und auch in der Folge wird es der „Oesterreichischen Wochenschrift" und ihrem Herausgeber an heftiger Anfeindung nicht fehlen. Wie bisher, so gedenken wir auch fernerhin treu unsere Psticht gegen unseren Glauben, unser Volk und uns selbst zu erfüllen; wie bisher, so werden wir auch fürderhin unsere Waffen schwingen für die Ehre des Judenthums! Aber wir rechnen dabei auch auf die fernere Unterstützung und werkthätige Mithilfe aller unserer Glaubensgenossen und wir richten an der Wende des Jahres die herzliche Bitte an alle unsere Leser, Freunde und Gönner, uns ihre Gunst und Förderung auch im neuen Jahrgange zutheil werden zu lassen. Den edlenGönnern in derNäheund in der Ferne, welche fürdi e^V erbreitung der „O e st e r r. Wo ch e n s ch r i f t" in Freundeskreisen thätig waren, und uns damit ihre Sympathie und Förderung in Erfüllung unserer schwersten Aufgaben gewidmet haben, sei der herzlichste Dank ausgesprochen. Die Oesterreichische Wochenschrift. Nikolai II. und die Juden. (Von einem russischen Correspondenten.) Petersburg, 7./19. December. Ein junger Czar hat den russischen Thron bestiegen, und Jugend, Licht und Hoffnung sind Begriffe, die untrennbar aneinander hängen. In die grauenvolle Nacht unserer russifcyen Glaubensgenossen ist ein Lichtstrahl gefallen, der heute noch vielleicht nichts anderes ist, als der flüchtige Reflex unserer eigenen Wünsche und Hoffnungen, der aber auch der Vorläufer und Verkünder der Morgenröthe sein kann. Die Freunde der Menschlichkeit und Gerechtigkeit erwarten von Nikolaus IL daß er den Druck und die Beschränkungen, das Elend und die Noch, unter welchen die russischen Juden noch seufzen, lindern werde. Für die Berechtigung solcher Zuversicht liegt kaum noch ein tatsächlicher Anhaltspunkt vor, wenn man nicht die Versicherung des jungen Monarchen an die polnische Deputation, dass er keinen Unterschied machen werde zwischen den Bekennern der verschiedenen Confeffionen, als einen solchen gelten lassen will. Freilich, dieses eine Wort allein ist wie ein Frühlingshauch, der über öde Fluren fährt und die krystallenen Fesseln des Winters sprengt, der die Herzen öffnet und die Brust sich weiten läßt im seligen Vorgenusse der Befreiung. Jugend ist Frühling und Licht und Hoffnung — und Kaiser Nikolai II. ist jung nicht nur an Jahren, sondern auch in der Wärme der Empsindung und im Hochflug der Gesinnung und Thatenfreude. Das ist es, was ihm heute die Herzen entgegenschlagen macht, zu ihm aufschauen läßt, als dem erhabenen Träger moderner und humaner Anschauungen. Seit dem Regierungsantritte Nikolaus II. ist noch kein gesetzlicher Act vollzogen worden, welcher das Schicksal unserer russischen Glaubensgenossen berührt hätte. Die Maigesetze des Grasen Jgnatiew sind noch in ihrem vollen Umfange in Kraft. Nur eine einzige Verordnung ist aus Petersburg er-

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