Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 51 (21.12.1894)
- Date
- 1894-12-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 998 Vrflrrreichtphr »ochenschrtfl Nr. 51 Kujons gesehen, henken, erschießen, zu Tode laufen lassen, aber noch keinen, der sein gefährlich' Handwerk mit Weib und Kind betreibt, der müßte ja verrückt sein! Ich glaube, Pappenheim. Eure Küraffiere haben da einen Unrechten armen Teufel aufgefangen!" „Warum, weshalb?" rief der reizbare Reitergeneral. „Die Juden sind ein gar schlaues Volk; — um sein sauberes Handwerk zu maskiren, schleppt der Kerl seine ganze Lumpenbagage mit sich und glaubt, dadurch wird man seine wahren Intentionen nicht entdecken." Wallenstein war furchtbar anzusehen, er zitterte vor wilder Wuth am ganzen Körper. „Ein Spion", brüllte er, „ist das gräulichste Geschöpf, das Gott auf dieser schuftigen Welt erschaffen, für den ist jede Strafe zu gering, für eine Hand voll Gold liefert der Schurke eine ganze Armee an's Messer, durch ihn kann der feinste Plan eines Feldherrn durchkreuzt werden, er kann den besten General um Ehre und Reputation bringen! Den Kerl sollte man zu Tode martern, daß ihm dagegen die Qualen des Fegefeuers noch als Labsal erscheinen.Herauf mit der Hundeseele! Ich will ihn selbst verhören und vcrurtheilen!" „Zu Befehl, Euer Durchlaucht," erwiderte der Anführer des kleinen Trupps. Wallenstein trat zu dem Tisch in der Mitte des Zimmers zurück. Man hörte zunächst starke Tritte auf der Treppe, bald darauf öffnete sich die Thür und eine Gruppe von mehreren Personen trat in das Zimmer. Zuerst ein etwas älterer Wachtmeister mit einem wilden, lang herabhängendcn Schnurrbarte, dann zwischen zwei Kürassieren Towije Kotzen; hinter ihm, leichenblaß, mit vor Angst verzerrten Zügen, seine Frau Elke. Auf dem Arm trug sie ihr kleines Mädchen, in der Hand hielt sie verpackt einen stabförmigen Gegenstand, an ihrem Rocke hielt sich Elije fest. Der Wachtmeister trat an den General eu Chef und seinen Regiments- Commandeur heran, um vorschriftsmäßig seine Meldung zu erstatten. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Oberlehrer Simon Kin Bp Ihren prächtigen Effav über Rosegger tonnen wir zu unserem Bedauern nicht bringen. Es liegt keine Veranlagung vor, eine leidige Frage, für welche kein rechtes Interesse mehr vorhanden ist, neuerdings aufzurollen. Es genügt, daß der Mann, dem die Antisemiten als einen der ihren jetzt ebenso begeistert zufubeln, als sie ihn früher haßten, noch 1892 geschrieben hat: „Drei Richter verbieten mir, fremde Völker als solche zn hassen: Die Menschlichkeit, die Geschichte und das Christenthum." Das dreifache Verbot scheint inzwischen aufgehoben worden zu sein.... Dr. F. Ludmerer in Cz. Sie haben gewiß Recht! Für Streitigkeiten innerhalb des Judenthums erscheint der gegenwärtige Moment äußerst unglücklich gewählt. Unsere Anstrengungen haben aus die Abwehr eines blindwüthig einstürmmden Gegners gerichtet zu sein. Diese Taktik gebietet uns die eiserne Nothwendigkeit. Herrn Theodor M., Wien. Für Renegaten, wenn sie angegriffen werden, eine Lanze zu brechen, verspüren wir keinen Beruf. Es wäre Sache ihrer neuen Religionsgenoffen, sie zu schützen. Aber man läßt sich Zeit... Gymnasiast in L—berg. Ihr Gedicht „Die Schreckensbrautnacht" ist uns zu blutig. Versuchen Sie es mal mit einer halbenglisch abgebralenen Dichtung — aber nicht einsenden, bitte schön! Sie haben doch wohl zu Hause auch einen Papierkorb. Wozu Porto? Ehrw. Dr. S. S. in B. Der Ton der antisemitischen Sudel- Blätter wird von Tag zu Tag rüder und gemeiner. Diejenigen, welche sich vor wenigen Jahren noch an der bloßen Verspottung der Juden und an der Aufreizung zur Verachtung gegen sie genügen ließen, predigen heute ganz ungenirt Mord, Brand und Todtschlag. Die alten, abgestandenen Phrasen verfangen nicht mehr. Der Lesepöbel, dagegen abgestumpft, verlangt nach immer schärferem Pfeffer. Bei der gesprochenen Gemeinheit vollzieht sich derselbe Verrohungs- und Verpöbelungsproceß, wie bei der gedruckten. Wohin das führen soll?! Gestalten Sie uns das M o se n t h a I'sche Citat aus dem „Sonnwendhof": „Geht's noch höher hinauf? Rein, dann hört's aus." Abonnent in Graz. Gregor!g's „Jnsectenknabe" finden Sie schon als „geflügeltes Wort" in dem Buch „Tausend Geistesblitze" (Graz, in A. Schöffel's Selbstverlag) citirt, welches allen Jenen, die sich in der höheren Flegelei auszubilden wünschen, empfohlen sei. Noch ein anderer „Geistesblitz" ans den lieblichen Debatten des Wiener Gemeinderathes findet Erwähnung: „Das Körbchen, in welchem man seine eigenen Gebeine nach Hunse trägt." Es soll uns gar nicht wundern, wenn demnächst eine Broschüre erscheint: „Der kleine Pulttrommler in der Westentasche." Herrn B. Ma—s in Wien. Wir haben dem von Ihnen gerühmten, tüchtigen Darsteller bereits in einem früheren Jahrgange eine ausführlichere Würdigung gewidmet. — Das Nachrechnen vom fremden Privat-Vermögen ist zu aller mindestens >ehr taktlos. Die öffentliche Richtigstellung der Ziffern, welche doch auch nur auf approximativer Schätzung beruhen könnte, wäre um nicht Vieles feiner. Dem gegenüber ist es interessant, zu erfahren, welche Einnahmen 1894 die katholische Kirche in Cisleithanien hatte: Niederösterreich 4,763.189, Oberösterreich 1,621.912, Salzburg 1,114.417, Steiermark 1,747,078, Kärnten 740.838, Krain 743.473, Küstenland 895.346, Tirol und Vorarlberg 2,329.629, Böhmen 6.698.456, Mähren 2,229.789, Schlesien 701.194, Galizien 3,233.317, Bukowina 366.036, Dalmatien 607,751. Summe 28,089.427. Gulden Die „Reichspost" findet in lamentablem Tone, wie schrecklich wenig das ist. Wir meinen, es wäre gerade genug. .Dr. B. in I. Nachtrag verspätet, daher mit Dank abgelehnt. S. E. in Brood. Das Interessante aus Ihrer Zuschrift verwendet. — Rest belanglos für weitere Kreise. Kunstamateur in Wien. Spitzer-Weimar leistet sich in seiner jüngsten Nummer ein nettes Stückchen — sagen wir „Ehrenhaftigkeit". Er bringt ein Verzeichniß aller ihm jüdisch klingenden Namen von Wiener Antiquitätenhändlern, erzählt scheinbar arglos im Anschluß daran allerlei erlogene, unmögliche Betrugsfacten und zu guterletzt zieht er den Kopf aus der Schlinge und salvirt seine Haut: „w i r n e h m e n selbstverständlich e i n z e l n e F i rmen a u s". Gemeint sind Alle — ausgenommen ist aber immer der, der klagt. Pfiffig muß man sein. Ein 0 für Spitzer-Weimar, aber ein großes! Abonnent in Rotyneusiedel: Sie verlangen Consequenz und Logik von Antisemiten? Gehen Sie doch, Sie sind naiv. Hier haben Sie ein Kostpröbchen aus einem Musikfeuilleton der„Osid. Rundschau" vom 12. Dec.: „Gott bewahre uns davor, daß wir Herrn Duesberg zumutheten, mit seinem Quartett eine politische Stellung einzunehmen, wie es der bösartige.Musikkläffer der „Neuen Freien Presse", der ästhetische Hofrath Hanslick, neulich höhnend vermuthete: der moderne Künstler hat sich der antisemitischen Bewegung in Kunst und Leben deshalb anzuschließen, weil dieser vorzugsweise einethisches Moment innewohnt!" — Eine politische Stellung wird dem Künstler oben nicht zugemuthet — Gott bewahre — aber er hat sich der antisemitischen Bewegung in Kunst und Leben anzuschließen. Sapieati sat. Franz M., hier. Spitzer-Weimar ist unter die Dichte gegangen, und zwar veröffentlicht er seine Verse unter dem Pseudonym Rabbi Jehuda den Sackai: „Wartet, wartet, stolze Christen! Heimlich steigt ein Nebel aus Und umspinnt mit klugen Listen Still, doch sicher, euern Lauf. Wartet und die Riesenschwingen Wird er breiten hoch und weit, Und mein Juda wird verschlingen Siegreich eure Herrlichkeit." (Sonntagsbeilage der „Reichspost" vom 16. d. M.) Einen jüdischen Sänger Jehuda ben Halevy hat es wohl, gegeben, auch einen Rabbi Jochanan ben Sackai, der Hillel's Schüler und Zeitgenosse des römischen Feldherrn Vespasian war, dem er die Kaiserwürde weissagte. Mit diesen beiden ist jedoch unser emeritirter Gl.iubensbruder Spitzer-Weimar nicht zu verwechseln. Favoriten. Ja, der im Mai 1892 als Hehler einer Einbrecherbande in Haft genommene Johann Dostalek war nicht nur Armenrath in Ihrem Bezirke, sondern auch einer der eifrigsten Partisane der Partei Vergani — Liechtenstein — Schneider. Herrn Lev. v. G. Da haben Sie gleich einen Beweis. Die antisemitisch - großjunkerliche „Kreuzzeitung", die stets für die gänzliche Beseitigung der Kinderarbeit in Fabriken eintrat, erklärte in einer Juli-Nummer aus dem Jahre 1888 die Beschäftigung von Kinder« im landwirthschaftlichen Betriebe für etwas Unbedenkliches. K. S. Wir können doch nicht gegen jeden einzelnen Satz eines jeden Provinz-Antisemitenblättchens gleich mit Leitartikeln polemisiren, das geht nicht und wäre langweilig. Man schießt nicht mit Kanonen auf Spatzen. Norbert Gold, Lemberg, N. Katzner, Podwoloezyska. Abonnement erhalten. Jacob Kohn, Lemberg. Abonnement erhalten. 9t. G. in Z. So klug sind wir nicht. E. St. in Linz. Baron Wilhelm Königswarter ist nicht getauft. A. Werthner: Darüber erhallen Sie Auskunft in der Rabbinatskanzlei. Versicherung gegen Verlosungsverlust. Die Central- Depositencaffe und Wechselstube des Wiener Bankvereins, Wien, I., Herrengasse 8, hat den Prämientarif für die Versicherung von Werthpapieren gegen Verlosungsverlust für das ganze Jahr 1895 veröffentlicht. Auch im ablaufenden Jahre hat sich die von derselben eingeführte Festsetzung des Tarifes für den Zeitraum eines ganzen Jahres als wichtige Neuerung sehr bewährt. Die Besitzer verlosungsbedürftiger Werthpapiere haben von derselben in umfassender Weise Gebrauch gemacht, weil ihnen durch die Versicherung für ein ganzes Jahr eine bedeutende Ersparniß an Mühe, Zeit, Porto und Stempel ermöglicht wurde. Der für die Ziehungen am 2. Jänner giltige Abschnitt dieses Tarifes ist im Inserat unseres Blattes enthalten. Verantwort!. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch.— Druck von L. Beck * Sohn, Wien, VHL, Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)