Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 50 (14.12.1894)
- Date
- 1894-12-14
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 982 Vesterreichifrtze Wmtzenptzrtft Nr. 80 Nähe die größte Ruhe, die tiefste Stille her-rschen. Es durfte Niemand vorüberreiten oder fahren; wenn ein Vorübergehender laut sprach, wurde ihm sofort von der Wache Schweigen auferlegt; namentlich aber war ihm das Gebell der Hunde unerträglich und diese wurden, wenn sie die geringste Störung verursachten, niedergeschossen. Wallenstein's Gehaben war ein höchst ungleichmäßiges. Wenn er sich in guter Laune befand, war er gütig und herablassend, war er aber in gereizter Stimmung, war er furchtbar und strafte das unbedeutendste Vergehen mit grausamer Strenge. Heute hatte Wallenstein seinen bösen Tag und hatte guten Grund dazu. Er hielt strenge Mannszucht, aber der Soldat ließ sich Vieles gefallen, so lange er seine Löhnung pünktlich erhielt. Nun aber war das Geld, das der Herzog in der Kriegskaffe mitführte, versiegt, und die aus Prag erwartete Geldsendung blieb über Gebühr lange aus, so daß er schon befürchtete, der Silbertransport sei von den Schweden aufgefangen worden. In den späten Nachmittagsstunden saßen in dem Cabinete des Herzogs drei Personen um einen Tisch. Obenan der Herzog von Friedland, rechts und links neben ihm zwei seiner vornehmsten Kriegs obersten, General von Holck und Graf Gottlieb Pappenheim. Briefkasten. Herrn A. H. in S. Correspondenzen in gehässig-polemischem Tone zu bringen, hatten wir nicht für passend. Uns genügen die Thatsachen. „Mehrere christliche Handeltreibende" in Innsbruck. Wir theilen in der Frage der Sonntagsruhe mit Ihnen denselben Standpunkt. Ein Gesetz, welches gänzlichen Schluß der Geschäfte an Sonntagen verlangt, wird hoffentlich ni-mals zu Stande kommen. Es gcht dem österreichischen Handelsstande nicht glänzend genug, daß derlei gefährliche Experimente ungestraft gewagt werden könnten. Auch würde der Steuerfiscus ihren schädlichen Einfluß zu allererst empfindlich verspüren und aus diesem Grunde glauben wir Ihre Besorgnisse als unbegründet zu bezeichnen zu dürfen. Herrn Jos. N. Praterstraste. Also Herr Eisenbach, der Regisseur der Budapester Orpheum-Gesellschaft, stellt die Juden nicht in der widerlich übertriebenen Weise, wie die übrigen Volkssänge, dar, sondern befleißigt sich einer künstlerischen Mäßigung? Das ist ja recht schön und freut uns, doch steht er mit seiner Auffassung nicht so ganz vereinzelt da, als Sie glauben. Wir erinnern nur an die trefflichen Typen des Komikers A. Hirsch. Herrn Ed. K. in W. Für diese mehr als einfältigen und zudem in gewohntem rüden Tone gehaltenen Explicationen des berüchtigten Pfarrers, bezw. „Humohiisten" der „Denuncianten-Post", haben wir keine andere Antwort, als die bekannten Worte Friedrich d. Gr. nach der Schlacht bei Zorndorf. Christlicher Handwerker. Nichts unwahrer, als die Behauptung, daß das „Judenthum" die „Ethik" aus dem wirthschaftlichen Leben vertrieben. Die Ausbeutung der Arbeitskraft seitens der „zünftigen Meister" zeigt sich schon zu Ende des 15. Jahrhunderts, wie Sie dies aus Janssen's Geschichtswerk, der doch bekanntlich ein ultramontaner Geschichtsprofessor ist, ersehen können. In dieser Zeit hatte aber der Jude gar keinen Einfluß! Herrn Dr. Leopold M. in —sitz. Sie fragen — doch nicht int Ernste? — wen Schönerer's Blatt mit den letzten Zeilen meint: „Wir geben die Hoffnung nicht auf, denn es zeigen" sich bereits die gelinden Ansätze eines noch gebundenen Antisemitismus und früher kann noch aus den radicalen Rothen eine brauchbare Resormpartei werden, als wie aus den muthlosen kriechenden schwarzen Christlich-Socialen, die zwar auch einen Antisemitismus auf ihre Fahne geschrieben haben, und zwar jenen, der den Juden den Boden seiner corruptiven Thätigkeit entziehen will, (?!) um diesen Boden als Beuteplatz für die antisemitische Corruption im Sinne des v er lottert st en Journalisten Oesterreichs, des literarischen Diebes und politischen Gauklers ausSollenz zu gewinnen". «Unv. D. SB." vom 1. Julmond (Dec.). Herrn F. S., Paris. Sie sind mit Recht darüber erstaunt, wie der 200. Geburtstag Voltaire's in der antisemitischen Presse behandelt wurde. Die Herren stimmten unisono in ein Wuthgeheul ein und vergaßen — oder wußten vielleicht gar nicht — daß besagter Voltaire ein enragirter Judenfeind war! Daß ihn das halbblödsinnige Federvieh zum Atheisten stempelt, der er ebenfalls nicht war, sei nur nebenher bemerkt. Dr. S. P. „Israel, sagt ein großer Forscher, ist das Gesäß gewesen, in welchen die Wässer des Lebens gefaßt, in welchem sie frisch gehalten wurde-, und kühl, um fortan die Welt zu erquicken; dieser seiner Bevorzugung wegen kümmern wir uns um seine Geschichte, die da lehren wird, wie theuer das Volk diesen Vorzug bezahlt hat — die Perle in sich zu tragen, ist ja der Muschel Krankheit." Henri Krasnapolski, Galizien. Bestätigen 10 fl. als Abonnement bis 30. October 1895. Herrn Oberlieutenant Ritter v. H. derzeit Klagenfurt. Ihrem Wunsche, dieser sauberen hoch- und landesverrätherischen Sippe eine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, wurde, wie sie sehen, schon in dieser Nummer entsprochen. Wenn wir allen antisemitischen Spitzbuben zu gleicher Zeit ins Gesicht leuchten wollten, müßten wir statt einer Nummer jede Woche einen Folioband drucken. Für freundliches Interesse danken wir verbindlichst. Abonmnt in Gistritz. Hier haben Sie gleich noch einen Beitrag zur sonderbaren Ethik des Spitzer-Weimar: „Man sieht dem Alles nach, von dem man keine Besserung mehr erwartet. So macht es Gott auch oft mit dem Sünder — er sucht ihn nicht mehr heim." (Sonntagsbeilage. „Jllustrirtes Unterhaltungsblatt der Reichspost" vom 9. December 1894.) Wenn man also nicht heimgesucht zu werden wünscht, beliebe man nur aus einem gewöhnlichen ein sehr großer Sünder zu werden, krobatum 68t! Was meinen die Herren Theologen dazu?? Frau Hermine R., hier. Sie senden uns einen Ausschnitt aus dem „Deutschen Volksblatt" vom 8. December: „(Eine Thal der Ehrlichkeit.) Wie uns mitgetheilt wird, erhielt der Schwiegervater des Möbeltischlers Zinterhofer, XIV., Reindorfgasse 31, auf der Post eine Anweisung von 500 fl. anstatt 15 fl. Er stellte das Geld noch am selben Tage dem betreffenden Postamte zurück." Daran findet also Vergani etwas Besonderes — allerdings nur Vergani! — In derselben Nummer ist auch der merkwürdig liebenswürdige Satz enthalten, den wir dem „Deutschen Volksblatt" gar nicht zugetraut hätten: „Wenn die liberale Partei und die jüdische Presse verlangen, daß die Bühne von Allem freigehalten werde, was sie unangenehm berühren und verletzen könnte, so ist das ihr gutes Recht." Bravo!! Leseeirkel in M-berg. Herzlichen Dank für Ihre Zeilen. Man muß es mit dem Dichter halten: „Wenn Wahrheit ruft nach Zeugen, Doch, bang kein Mund das Schweigen Zu brechen wagt, Beschäme Du die Feigen, Sprich unverzagt." M. B. K. Sie haben das Richtige errathen. Lehnen Sie ab. Methode Schulz, encyklopädisches Original-Sprachbuch zur gründlichen Erlernung der französischen Sprache in Grammatik, Schrift und Conversation aus 3 Theilen, von Friedr. Aug. Schulz. Im Selbstverläge des Verfassers. Reichenberg (Böhmen). Wenn wir dieses überaus umfangreichen» über 1200 Seiten zählenden, ausgezeichneten Buches, das sich sowohl zum Massen-, wie auch zum Einzeln- und Selbstunterrichte eignet, in diesem Blatte Erwähnung thun, so geschieht es ganz besonders aus dem Grunde, um die Aufmerksamkeit der T h e o l o g e n auf das genannte Werk zu lenken. Dasselbe enthält nämlich die französischest exacten Bezeichnungen unserer Feste, Feiertage, überhaupt religiöser Gebräuche und terwiui beekwiei. Was sich sonst zerstreut in Wörterbüchern und Lexicis findet, ist in dem Schulischen Buche sorgfältig gesammelt und übersichtlich zusammengefaßt. Dieser Umstand erleichtert wesentlich das Studium von französischen Sermonen und Fachwerken. Das Buch ist direct vom Verfasser in Reicheuberg, aber auch durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Dr. H. XalCXaC3C3iC3CaiCaC3)CaCaiOCaiC3CaCaCaC3Cy General-Agentur für die 4« 4< 4f 4 4 i M M 4k M M 4 4 4 4 M 4k tu Oesterr. Wochenschrift“ in Russland. Zum Generalagenten der „Oesterr. Wochenschrift“ im russischen Reiche haben wir dsn Schriftsteller Herrn J. Ch. Tawjew in Riga Parkstrasse Nr. 6 bestellt. Die Administration der „Ocsterreichischen Wochenschrift“. ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ Lermüwortl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch.— Druck von L. Beck * Sohn, Wien, Vm.f Lerchmselderstraße 46. (Telephon 8288.)