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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-26 · 43 (26.10.1894) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
43 (26.10.1894)
Date
1894-10-26
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 842 VeprrrLichtsltze Woitzensitzrlfl Nr. 43 Bemerkungen zur Geschichte Altabessiniens und zu einer Vertiagsinschrift von Dr. Eduard Glaser. Saaz 1894. Im Selbstvsrlag. Es ist ein dem allgemeinen Interesse fernabliegend°s Thema, das hier behandelt wird; entrückt wird der Gegenstand sogar dem gelehrten Publicum, da der behandelte Stoff nur einer kleinen, k^um nach Zehnen zählenden Schaar eingeweihter Specialforscher zugänglich ist. Ucberdies ist die 26 Seiten umfassende, gelehrte Broschüre rein polemisch und deshalb schon nur von dem mit d-m einschlägigen Materiale wohloertrauten Kenner benrtheilbar. Der Ort für Besprechung dieser Arbeit wäre eine streng wissenschaftliche Zeitschrift. Glaser, der rühmlich bekanirte Afrikareisende und Arabist, wendet sich gegen den berühmten Sabäisten, Arabisten und Kenner semitischer Sprache,! D. H. Müller. Beklagenswerth ist es, daß ein Streit um gelehrte Resultate persönlich ausgeanet ist. Das hehre Gebiet der Wissenschaft sollte unberührt bleiben von Zank und Hader; ehrfurchtgebietend ist ja schon die Forschung aus dem Felde des altersgrauen Orients, von dem ja das Licht kam. Warum soll es durch Streit verdunkelt werden. Es wäre doch ein Vergnügen, zwei so wohlgeschliffene Klingen, wie sie Müller und Glaser führen, kreuzen zu sehen; kein Theil müßte verwundet werden. Nach dem Inhalte der vorliegenden Glaser'schen Arbeit zu schließen, ist er in der Defensive und — wiederun, nach seiner Darstellung — zu einem Acr der Nothwehr gezwungen. Der Tenor der Broschüre ist schärfster Sarkasmus, welcher der gewiß objectiven, sachlichen Beweisführung bei dem voruriheilslosen Leser, schadet. Glaser weist M. arge Jrrthümer in der Lesung, Interpretation, chronologischen Fixirung und Uebersetzung äthiopisch-sabäischer Inschriften nach und macht ihm zum Vorwurf, lange festge>tellte Thatsachen unbeachtet zu lassen und beruft sich aus Dillmann's wichtige Zeugenschaft; insbesondere bezweiftlt Glaser die Stichhältigkeit und Richtigkeit der Müller'schen Jnschriften-Abklatsche. Es handelt sich in erster Linie um die beiden Könige Axums, Aizanas und Sazanas, zu deren Zeit ein fraglicher König.zena, Sohn des Ela Amida Beese Halen, König von Axum, Himjar, Raidan, Saba rc., gelebt habe, von welch'Letzterem M. Anderes behauptet. Ferner wird eine 29zeilige Königsinschrift in sabäischen Buchstaben besprochen. M. sindet daraus den Königsnamen Ela Amida, Vater des erwähnten fraglichen.zena, und setzt diesen viel später an als Aizanas u. zw. in die zweite Hälfte des fünften Jahrhunderts. Dagegen wendet sich Glaser entschieden; er versetzt diese Inschrift in's IV. Jahrhundert. Eine scharfe Controverse knüpft sich an das lllonumenkum Adulitanum, ebenso an die sogenannte „Vertragsinschrift", welche Glaser in Ueberketzung (S. 20 ff.) bringt. Auch hier weist Gl. M. nach, daß er fälschlich Alhan Nahfan als alleinigen Autor der Inschrift ansieht. Zum Schluffe behandelt Gl. die Frage, ob die in dieser Inschrift genannten Habaschat mit den Abasenern des Weihrauchlandes identisch sind; er unterscheidet zwei Habasch; ein älteres in der Zeit der Könige von Saba in Arabien und ein anderes um 300 n. Ehr. westlich vom axumitischen Reiche. Die Schlußworte des Verfassers betreffen wieder den traurigen Streit mit D. H. M. Möchten doch die beiden Gelehrten endlich die Waffen ruhen lassen und den Kamps einzig und allein, wenn noch so scharf, doch unpersönlich zum Segen ihrer herrlichen Wissenschaft weilerführen oder sich friedlich die Hände reichen. F. Studien zur Geschichte der Orthographie des Althebräischen von Dr. Leo Bardoviz. Frankfurt a. M. 1894. Verlag von I. Kaufmann, VIII., 112 S. Unter diesem Titel liefert Herr Dr. Bardoviz eine gründliche Abhandlung über die Anwendung der Vocalbuchstaben (maires leotionis — Lesemütter) im Texte der heiligen Schrift. Der Verfasser resumirt zunächst in zwei Capiteln die Anschauungen jüdischer und christlicher Gelehrter über Ursprung und Ge-, schichte der Lesemütter. Die hingebungsvolle Liebe, mit welcher der Verfasser an seinem Thema hing, manifestirt sich besonders in der wirklich großartig angelegten Sammlung von Varianten aus Talmud und Midrasch, welche die scriptio pleua et defectiva betreffen; wie mühsam eine solche Arbeit ist, weiß ein Jeder, der von dem Umfange des Talmud und Midrasch eine richtige Vorstellung hat. In dem Beweisverfahren des Verfassers ist jedoch bedauerlicherweise eine gewisse Befangenheit den Quellen gegenüber und eine Voreingenommenheit für das zu Beweisende wahrnehmbar; wie sehr es Noth thut. sich vor voreiligen Schlußfolgerungen zn hüten und auch an den Quellen Kritik zu üben, hat Verfasser bei einer Gelegenheit (S. 40, Anm. 3) selbst gezeigt. Im ferneren Verlause der Abhandlung liefert der Verfasser Beweise dafür, daß die alten Rabbinen bei ihren Lesungen des Schriftwortes der matre8 leetionis noch leicht entbehren konnten. Es dient uns zur Beftiedigung, diesen Nachweis als vollständig erbracht bezeichnen zu können. Daraus zieht der Verfasser die kühne aber wohlbegründete Consequenz» daß für die Schreibung solcher Gesetzesrollen, aus denen öffentliche Vorlesungen gehalten werden, in Bezug auf die Lesemütter im talmudischen Zeitalter noch keine bindende Norm existirt habe; die hierauf bezüglichen Vorschriften sind erst im späteren Mittelalter durchgedrungen infolge des Ansehens, welches die Masora auf Kosten des Talmuds genoß. Die Art und Weise, wie nun der Verfasser ein angebliches rabbinisches Verbot, wonach die Defectiva nicht Verantwort!. Redacteur: Dr. Joses S. Bloch. sollten xlene geschrieben werden dürfen, als nicht existirend nachweist, wie auch die Ermittelung derjenigen Factoren, welche das Eindringen der Lesemütter in den Bibeltext verursachten, zeigt vielen Scharfsinn und richtigen Takt in der Behandlung wissenschaftlicher Fragen, und wir können nicht umhin, dem Verfasser hiefür unser aufrichtiges Lob zu spenden. R. Meir ben Baruch aus Rothenburg. Bon Dr. Samuel Barck. Frankfurt a. M. 1895^ (antedatirt). VIII uno 112 S. Vorliegendes Werk, eine Gedenkschrift zur sechshundertsten Jahreswende des Todes R. M eir's, soll aus zwei Bänden bestehen, von welchen der erste, bereits erschienen, das Leben und Wirken R. Meir's schildert, während die Würdigung seiner Schriften für den zweiten Band vvrhehalten ist. Ist schon die Thatsache an und für sich, daß die sechshundertste Jahreswende des Todes eines Großen in Israel ein literarisches Denkmal zu Tage gefördert hat, recht erfreulich, so ist der warme Ton, welchen der Verfasser anschlägt, nicht minder wohlthuend. Trotz der ausgesprochenen Liebe für den Gegenstand bleibt aber der Verfasser in der biographischen Behandlung seines Helden dennoch rein objectiv und entwirft uns von dem Leben des großen deutschen Rabbinen rin geschichtlich treues Bild. Die herrschende Ansicht, als habe R. Meir seinem gelehrten Vater die demselben gebührende Achtung aus allzustarkem Selbstgefühl nicht gezollt, erweist sich nach der Darstellnng unseres gelehrten Verfassers als falsch, und wie es ihm gelang, das Verhältniß zwischen Vater und Sohn richtigzustellen, so ist es ihm auch geglückt, recht werthvolle und interessante Daten über die Familie R. Met r's, besonders über dessen Sohn, beizubringen. In seinen Untersuchungen befolgt der gelehrte Verfasser eine richtige Methode der Quellenforschung und gibt sich als einen gründlichen Kenner der mittelalterlichen Responsenliieratur zu erkennen. Diese seine Kenntnisse werden ihm besonders bei der Ausarbeitung des zweiten Theiles zu statien kommen und wir zweifeln nicht daran, daß ihm jener schwierigere Theil der Arbeit ebenfalls gelingen wird. In Anbetracht dessen, daß der zweite Theil noch nicht erschienen ist, glauben wir der Sache einen Dienst zu erweisen, wenn wir auch auf Säuberung des Textes von Druckfehlern aufmerksam machen. 8. X. Briefkasten. Herrn Lazar N. in Frankfurt. Der bekannte Volksreim: „Es ist ein Jud' in's Wasser g'fallen . . ." ist nicht auf die Juden gemünzt, sondern nur die Umformung eines viel älteren, der in Fischart's 1575 erschienenen „affenteurlichen Und ungeheuerlichen Geschichtsschrift", welcher lautet: „Es ist ein Mönch vom Baum gefallen, Ich Hab' ihn hören plumpen, Ach, daß ihm bring' kein Schab' das Knallen, Er könnt' sonst nicht mehr pumpen." Herrn Carl L. Nein, nur verachten; hassen kann man den Gegner nur, wenn man ihn euch achtet. Von Herrn M. I. Pack in Bombay sind uns für das isr. Hospital in Jaffa fl. 10 zugekommen. Frau Ch. K. in W. Nickt gar so unerklärlich. Eine Civilisation, welche darauf hinausgeht, Reichthum und Macht in den Händen einer kleinen Zahl Glücklicher zu vereinigen und aus den Anderen blos menschliche Maschinen zu machen, muß unvermeidlich Anarchie aus sich entwickeln und Zerstörung bringen. Nun ist es aber notorisch, daß die größten Fabriken und die umfangreichsten Latifundien sich nicht in semitischen, sondern gerade in den Händen der Arier befinden. Armenrath des «X. Wiener Bezirkes. Besten Dank für die freundliche Zuschrift. Herrn Ludwig G. Hm! — Schneider hat dieselbe Idee vom Erröthen, wie ein Blindgeborener vom Himmelblau oder Scharlach. Was die beiden anderen Herren beirifft, die beide als „Herausgeber" von Revolverblättern figuriren, so stehen diese mit Schneider auf ganz gleichem Niveau. Unparteiischer Zuschauer. Sie sind falsch informirt. Die Bulle Papst Nicolaus V. vom 8. Jänner 1454 erklärte es ausdrücklich für erlaubt, „alle Sarazenen, Heiden und andere Feinde Christi in ewige Sclaverei zu bringen", und Clemens V. (1523—1534) dehnte dies „Recht" auch auf die Ketzer aus. Und thatsächlich wurde noch im 14. Jahrhundert ziemlich schwunghaft der Sclavenhandel in Jtauen betrieben. So z. B. kostete in Genua im Jahre 1384 eine tatarische Sklavin, „frei von allen geheimen Krankheiten", 1049 Lire. S. M. Die Publicirung der Namen wäre nichts Anderes, als die Betreffenden dem Hasse der Antisemiten denuncireu. Dazu geben wir uns nicht her. Dr. Bin S. Ob er wirklich ein Enkel Eger's ist, wie er sich vor dem Preßburger Rabbiner gerühmt hat, möchten wir bezweifeln. — Ein Inserat ist uns nicht zugekommen. I. D. in Troppau: Nur im Ausschuß und nicht in der Plenarsitzung wurde die Angelegenheit verhandelt. Die Liberalen stimmten für die Auslieferung. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenselderstraße 46. (Telephon 3268.)

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