Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 43 (26.10.1894)
- Date
- 1894-10-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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k-.MLLS8ML>iu\ SE- Hachider Confiscation: Zweite Auflage, -rm Br. 43. Wien, 26. Ortober 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für dir gesammten Interessen des Iudenthums. 8. k. Postspsrrslstm-Amr Clearingverkehr Nr. 810.976. Ardsrtton und Administration: Wien Franr Jostfs-Duai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. -X $ -^- Herausgeber: Reichsralhs-Abgeordneter Dr. Kloch. .m ——I Erscheint jeden Freitag. - '!»• >H' - Man «bonnirt bei allen Pofianstaltrn des In- und Auslandes. x— ■■■■. ■ ■■■■----=* 9spig»pnlB für Srstrrrrirh: Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare SS kr. Mr's Ausland: halbjährig ö fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete^ Petitzeile 12 kr. il Inhalt: Leitartikel: Bileam in Rumänien. — Professor <5uep über die politische Lage. — ^Holläneisches^Judenthum. — Die Receptionsvorlage zum zweiten Male im ungarischen Abgeordnetenhause. — Ludwig Mauthner. — Vom Jahrmarkt des Lebens. — Unitas. — Wolf Grünebaum. — Correspondenzen: Wien, Brünn. Sambor, Brody, Münster i. W. Bern. — Vermischtes: Wien, Eibenschütz, Klosterneuburg, Kimpolung, Breslau, Stuttgart. — Feuilleton: Aus alten Tagen. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. An unsere Leser! Die heutige Nummer der „Oesterr. Wochenschrift“ wurde wegen des Leitartikels: „Die Gottesoffenbarung in der Geschichte" mit dem Motto: Doch das Gespann erlahmt — die Pfade dunkeln Die ew'gen Lichter fangen an zu funkeln Die heiligen Gesetze werden sichtbar — Das Kainpfgeschrei verstummt — der Tag ist richtbar. von der k. k. Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegt. Wir haben mit Hinweglassung des die drei ersten Seiten umfassenden Artikels, welcher der Confiscation verfiel, eine zweite Auflage veranstaltet. Die Redaction der „Oesterr. Wochenschrift“. Bileam in Rumänien. (Original-Correspondenz der „Oesterr. Wochenschrift".) Bukarest, 23. October 1891. Nicht selten widerfährt unseren rumänischen Zeitungen in ihrem haßerfüllten Eifer, den rumänischen Juden alle möglichen und unmöglichen bösen Eigenschaften anzudichten, das Malheur, daß sie die Wahrheit über die Juden sagen, ohne daß dies in der Absicht der Redaction gelegen wäre. So hat sich jüngst das hiesige Blatt „Romanulu", welches sowohl in Antisemitismus, als auch in Jrredentismus macht, arg verplauscht". In der heutigen Nummer dieser Zeitung wird an erster Stelle in einem Leitartikel darüber geklagt und gejammert, daß die Fremden, beziehungsweise die Juden, einen verhältnißmäßig bedeutend stärkeren Nachwuchs haben, als die echten Rumänen. Auf Grund der officiellen Statistik über die Bevölkerungsbewegung in den rumänischen Städten vom 1. Januar bis 31. August a. c. berechnet „Romanulu", daß der Bevölkerungszuwachs bei den Rumänen ein Plus von 1*83%, bei den Juden aber 43'28% betrage. Sollen wir diese Berechnung auf ihre Richtigkeit hin prüfen? Nein, wir wollen so höflich sein, anzunehmen, daß „Romanulu" sich dabei weder absichtlich, noch ohne Absicht geirrt hat. Wir wollen auch auf die Tücke nicht reagiren, die darin liegt, daß dieses Blatt vorerst schreibt, es sei nicht so dumm, die Ausschließung fremder Elemente aus Rumänien zu begehren und sodann die heimischen Juden mit Schmähungen und Beleidigungen überhäuft. Heute interessirt uns nur das Eine, wie dieses Antisemitenblatt sich das Phänomen erklärt, daß die rumänische Bevölkerung der jüdisch-rumänischen in erwähnter Hinsicht nachsteht und welche Hilfsmittel es empfiehlt. Es heißt unter Anderem: „Die Negierung soll die Lehrer, statt aus ihnen politische Werkzeuge zu machen, die in Versammlungen Reden halten, verpflichten, jeden Sonntag eine Vorlesung zu halten, in welchen über Hygiene gesprochen und die Verlotterung bekämpft wird, in welcher die Bürger angeregt werden, sich in Gesellschaften zu gruppiren und im Falle de r N o t h einander b e i z u st e h e n, in der insbesondere auf schöne Beispiele hingewiesen wird und hauptsächlich die Gewohnheiten unserer Frauen in's Lächerliche gezogen werden, die, statt gute und ihrer Pflichten bewußte Hausfrauen zu sein, Puppen geworden sind. Die Unfruchtbarkeit bei den Rumänen entstammt vielen Ursachen, von denen wir nennen: Geschlechtskrankheiten, Nervenkrankheiten, Epcesse (hier werden einige Ausschweifungen u. A. angeführt, die wir mit Rücksicht auf unsere Leser weglassen. Anm. d. Red.) Kommen s o l ch e D i n g e bei den Juden vor? Nein! Denn wegen der Form ihrer Religion, an die sie blind glauben, sind sie zum größten Theile davor bewahrt, denselben Sünden zu verfallen, wie wir." In dem Artikel heißt es weiter, daß der geringe Nachwuchs bei den Rumänen auch zum Theil darauf zurückzuführen ist, daß die Rumänen auf Aerzte wenig halten nab meist in kritischen Krankheitsfällen zu den Wunder kräu lern und den Zauber sprächen der alten Weiber Zuflucht nehmen. Mit besonderer Befriedigung darf man vorstehende Aeußerungen des Antisemitenblattes zur Kenntniß nehmen. Sie bestätigen, daß die rumänischen Juden in ihrer Mehrheit die Vorschriften der Hygiene, wo es nur möglich ist, beachten, daß es bei ihnen keine verlotterten Verhältnisse gibt, daß sie im Falle der Roth einander beistehen, daß die jüdischen Frauen keine Zierpuppen sind, daß häßliche Krankheiten als Folge unsittlicher Lebensweise selten Vorkommen, daß sie in Krankheitsfällen statt alter Weiber den Arzt holen lassen u. s. w. — all das, wie das genannte rumänische Blatt selbst sagt, vielfach im Gegensätze 311 d e ir Rumänen. Löbliche Redaction des antisemitischen Blattes „Romanulu"! Namens meiner Glaubensgenossen danke ich ihnen dafür, daß