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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-19 · 42 (19.10.1894) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 832 Vestrrrelchlptzr Wochenschrtst Nr. 42 nach, dann sagte er ruhig: „Sie ist eingegangen zu ihren Vätern, Friede ihrer Asche!" wandte sich um und kehrte in das Zimmer zurück, die Thüre hinter sich schließend. Draußen aber, auf den Steinplatten des dunklen Corridors, lag ein Mann auf den Knieen, das Haupt in den Händen vergraben, während fein ganzer Körper in krampfhaftem, unterdrücktem Schluchzen erbebte. Erst das Geräusch von Stimmen vieler durch die vordere Thür aus- und eingehender Menschen weckte ihn aus der dumpfen Lethargie, die ihn umfangen gehalten. Leise erhob er sich, blickte noch einmal wie Abschied nehmend nach der Thür des Zimmers, das die sterbliche Hülle seiner Mutter barg, und während er langsam dem hinteren Ausgange zuschritt, klang es seufzend von seinen Lippen: „Grausame Unduldsamkeit, Wahn und Verblendung, hier wie dort! Wann, wann wirst du niedersteigen, erhabener Genius der Erkenntniß, die gefesselte Menschheit zu befreien von den Banden des Aberglaubens und des Irrwahns, sie zu erlösen aus Finsterniß und Sclaverei und sie einzuführen in das gelobte Land der Freiheit, der Wahrheit?" _ Fortsetzung folgt. Literatur. „Israel chez les nationes“ von Anatole Sero y Beaulieu ist nun auch in böhmischer Uebersetzung erschienen. Das uns vorliegende erste Heft zeigt, daß der Uebersetzer, Herr Emanuel Strausky, ein katholischer Geistlicher, mit Lust und Liebe, sowie mit einer vollständigen Beherrschung des Materiales und der französischen Sprache an die Uebersetzung dieses die Judenfrage vorurtheilslos behandelnden Werkes ging. Unsere der böhmischen Sprache mächtigen Glaubensgenoffen werden dieses Werk sicher in ihre Bibliothek einreihen. Die äußere Ausstattung ist eine sehr gefällige, und hat der Verleger, Buchdruckereibesitzer Herr L. Ballenberger in Smichov, sich sicherlich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er dieses vorurtheilslose Werk eines Christen über die Judenfrage auch den böhmischen Kreisen zugänglich machte. Möge es daselbst die verdiente Verbreitung erlangen. I. S. Kraus. Briefkasten. Frau Charl. Kr. in W. Welcher Werth dieser Phrase in der Dienstag-Nummer dieses Blattes beizumeffeu ist, mögen Sie gütigst aus Folgendem entnehmen: Hippokrates sagte 600 Jahre vor Chr.: der Pöbel glaubt, die Epilepsie sei eine Wirkung von Dämonen oder bösen Geistern, aber sie ist eine rein körperliche Krankheit/' 1626 nach Christi sagte Daniel Sennert, ein berühmter Professor der Heilkunde auf der Tübinger Hochschule: ,,der Pöbel pflegt die Epilepsie für eine Krankheit zu halten, aber sie ist eine Wirkung von Dämonen." Ein Commentar hiezu dürfte wohl überflüssig sein. Moses S. Vrzemysl. Daß ein Creditinstitut, bei welchem ein F. Merunovic; das große Wort führt, antisemitisch ist, bedarf keiner weiteren Erörterung. Bon einer Veröffentlichung Ihrer interessanten Zuschrift sehen wir vorläufig ab. Herrn Franz D. Ganz richtig: „Vernünftig zu denken, führt zu guten Thaten und Gerechtigkeitssinn im Geiste wird zum Rechtsgefühl im Herzen", aber — vide Abstimmung in der Receptionsfrage. Herrn Franz Bolgar in Lemb. Als ein sehr charakteristisches Moment für diese, Behauptung möge Ihnen unter vielem Anderen Folgendes dienen: Als der bekannte französische Historiker Dnruy, Minister des Unterrichtes unter dem Empire von 1863 bis 1869, in Frankreich den Schulzwang und die Unentgeltlichkeit des Volksschulunterrichtes einführen wollte, leisteten ihm die Clericalen den hartnäckigsten Widerstand, an welchem sein Plan auch scheiterte. S. L., Lemberg« Das Buch ist unter dem Pseudonym „Labor" erschienen. Den Namen seines Verfassers bekannt zu geben, hallen wir uns nicht für berechtigt. Hannibat Wozu diesen Vorwurf mittelst historischen Wahrheiten widerlegen. Drumont ist g-wiß kein Judenfreund. Nun, dieser Mann, der so gerne von diesen Leuten als Autorität betrachtet wird, sagt in seiner bekannten Broschüre: „Wenn reiche Männer mit Adelstiteln einer Regierung ergeben sind, die sie in jeder ihrer Erwartungen täuschte, können wir dem gegenüber Menschen ernsthaft feige nennen, die alles lieber ertragen haben, als ihren Glauben aufgeben?" Fräulein Sidonie H. „Kork schwimmt, ob das Wasser ruhig ist oder nicht" wurde von Prof. Ed. Sueß in der n.-ö. Landtagsrede am 20. Juni 1683 mit Bezug auf den Religions- und Gesinnungswechsel des Universitätsprofessors Maaßen gebraucht. klon ölet. Pah! Schon Möllere verspottete in seinen Komödien den alten Adel, der die junge Börse zugleich haßte und bei ihr schmarotzte. Sie kommen also mit Ihrer Satyre um zwei Jahrhunderte zu spät. M.—n— Mosciska. Das Wunder des Sonnenstillstandes in Gibeon in einer Briefkastennotiz zu erledigen, ist mehr als ein Redacteur sich leisten darf. In Folge des Aufrufes des gewesenen Armertrathes Herrn Leopold Fried sind uns für den unglücklichen Mann von Herrn S. Stein's Söhne in Zwittau fl. 3.— zugekommen. Herrn Osc. Pr. Nun, wir lassen es dahingestellt, ob nicht früher, als man glaubt, Dr. Lueger von der Sonnenhöhe seiner Popularität, gleich den ihm gesinnungsverwandten Dr. Böckel, in die Nacht der Vergessenheit sinkt und eben dasselbe Volk, welches dem Dr. Lueger letzten Sonntag rHossianah“ zurief, nicht morgen ihm schon „Kreuziget ihn!" zuschreit. Herrn Ad. C. in W. Dergleichen Denunciationeu finden Sie in jeder Nummer; sie lassen uns aber kalt. Im Uebrigen liebt aber kein anständiger Mensch dergleichen und mit Ekel wendet man sich von Leuten, die zu einem solchen schmählichen Gewerbe greifen. — Im Weiteren fragen Sie, ob der Herausgeber der „Denunciations- Post" die Worte sich zu Gemüthe führte: „Wer Gott nicht die Treue hält, hält sie auch nicht seinen Freunden?" Wir ersparen uns hierauf die Antwort. Geachtet wird dieser Mann sehr wenig. Glaubensgenossen! Das Hospital „Schaar Zion" in Jaffa ist eines der größten jüdischen Wohlthätigkeüsinstitute im Orient und für die in den Orient reisenden Glaubensgenossen eine dringende Rothwendigkeit. In Jaffa betritt der Landende zuerst heiligen Boden. Als Hafenstadt ist sie der Sammelpunkt von Neisenden aus aller Herren Länder, und ein großer Theil der russischen Emigranten geht über Jaffa nachP a lä st i na, um sich dort dem Ackerbau zu widmen. Erkrankt ein Reisender oder Emigrant am Schiff oder auf der Durchreise in I a f f a, so wäre er als Fremder rath- und hilflos, würde sich nicht das Hospital seiner annehmen. Es gewährt ihm Schutz und Obdach und ärztliche Hilfe; es hegt und pflegt ihn, bis er bei voller Gesundheit seine Reise wieder fortsetzen kann. Dem uns vorliegenden Berichte vom Jahre 1894 entnehmen wir, daß das Hospital im Verlaufe von drei Jahren ein Ausgaben-Etat von über 45.000 Francs hatte und daß von den 2061 internen Patienten, die dort Aufnahme fanden, nur 272 Inländer waren. Da das Hospital keine Fonds besitzt und bisher nur durch die Unterstützung einzelner edler Wohlthäter mehrere Krisen überstehen konnte, so kann der Bestand desselben nur dadurch gesichert werden, daß sich alle bemittelteren Glaubensgenossen nach Kräften an der Gründung eines Spitalsfondes betheiligen, und hat sich der Ausschuß des Krankenpflegevereines „Schaar Zion" in Jaffa durch einen Abgesandten an den gefertigten Verband gewendet, in Oesterreich-Ungarn für diesen Verein Mitglieder zu werben und Spenden zu sammeln. Wir Juden, die den Werth einer einem Kranken in der Fremde geleisteten Hilfe am besten zu schätzen wissen, können solch' ein hervorragendes humanes Institut nicht untergehen lassen. Ein Ausspruch unserer Weisen, den wir im täglichen Gebete wiederholen, sagt, daß Krankenpflege eine Wohlthat ist, die avf dieser Welt, wie im Jenseits reichlich belohnt wird. Wir hoffen daher, daß jeder Jude, der das Herz am rechten Fleck hat, zur Erhaltung des Hospitals durch Beitritt als Mitglied in den Krankenpstegeverein oder durch Spenden nach Kräften beitragen wird. Der Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 6 Mark jährlich, die Emtrittsgebühr 4 Mark. Beitrittsanmeldungen und Spenden werden in diesem Blatte ausgewiesen und sind an die Administration dieses Blattes oder an die Gefertigten zu richten. Für die Leitung des Verbandes „Zion" in Wien. Der Obmann: Der Obmann-Stellvertreter: Med. Dr. M. V. Schnirer L. P. Löbl XIX., Döblinger Hauptstr. 36. II., Asrikanergasse 9. Der Schriftführer: Dr. O. K o k e s ch, Hof- und Gerichts-Advocat I., Dorotheergasse 7. Verantwort!. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck vou L. Beck fc Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)

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