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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-12 · 41 (12.10.1894) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
41 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 802 Veflrrreirtzische Wortzenschrifl Nr. 41 „Niemals, Henriette, ich kenne sie besser! Ich bin ihr Liebling, sagst Du, aber eben deshalb wird sie mir nie verzeihen, sie wird mich verstoßen, und es wird ihr das Herz brechen." „Eine Mutter kann ihr Kind nicht verstoßen, mag es fehlen und irren, sie wird es immer lieben", sagte die junge Frau mit einem leuchtenden Blick auf den Knaben, der sich still in die Fensternische zurückgezogen hatte, und sich zu dem Gatten niederbeugend fuhr sie leise fort: „Willst Du unseren Karl, diesen ungewöhnlich begabten Knaben, dazu verurtheilen, dereinst als Trödler von einem Jahrmarkt zum anderen zu ziehen, verhöhnt und verfolgt von der Hefe des Volkes? Nein, mein Karl soll ein Mann werden, auf den seine Eltern und seine Schwester mit Stolz und Freude blicken können, ihm soll die ganze Welt offen stehen, und er soll sich einen würdigen Platz darin erkämpfen, einen Platz, der der Begabung und dem edlen Charakter, die in dem Kinde schon zu erkennen sind, entspricht. Und dazu mußt Du dem Glauben unserer Völker entsagen, Hermann, — ein Opfer, das Dir übrigens nicht allzuschwer werden wird", fuhr sie mit einem leichten Lächeln fort, „da Du schon längst mit den alten Traditionen gebrochen hast, die unseren Glaubensgenossen so heilig sind." Er schüttelte traurig den Kopf: „Glaube nicht, Henriette, weil ich eingesehen, daß das Judenthum einer Reform dringend bedürftig ist und weil ich, unfähig, dieser Reform in weiteren Kreisen Eingang zu verschaffen, sie für mich allein annahm, daß ich deshalb mit meinem Glauben gebrochen. Nein, gerade weil er mir heilig ist, weil er für mich mehr bedeutet als bloße Wortklauberei und leeres Ceremoniell, habe ich den allerdings mißglückten Versuch gemacht, ihn von den Schlacken zu beffeien, die sich im Lauf der Jahrhunderte daran angesetzt und in denen er nun zu versteinern droht." „Aber, Hermann, was verlangt man denn eigentlich von Dir? Doch nur die Formalität, die Ceremonien des Uebertritts; Du kannst Deinem Glauben im Herzen treu bleiben, und ist es denn nicht schließlich ganz gleich, in welchem Hause wir dem Schöpfer unsere Gebete darbringen?" Ein schmerzliches. Lächeln glitt über seine Züge, während er antwortete: „Sophismen, liebes Weib, sind es, die Du da entwickelst, und noch dazu Sophismen der gefährlichsten Art. Wie, Du könntest mich wirklich zu einem Leben beständiger Heuchelei verdammen, zu dem qualvollsten Zwiespalt zwischen meiner innersten Gesinnung und deren äußerer Bethätigung? Bei einem solchen Leben muß ich zu Grunde gehen. Jedes sittlichen Haltes zu entbehren, die Selbstachtung zu verlieren, o, es ist die Hölle auf Erden; ein Leben wie dieses, und der Tod ist ihm tausendmal vorzuziehen. Aber ich fühle, daß ich nicht anders kann, daß ich Dir, daß ich meinem Kinde dies Opfer bringen muß, denn was sollte aus Euch, meinen Theuersten werden?"Er schloß die Gattin mit fast krampfhafter Heftigkeit in seine Arme, umfaßte dann den Knaben, der ein stummer, aber aufmerksamer Zuhörer gewesen, und küßte ihn mit fiebrischer Zärtlichkeit auf Mund und Augen. Plötzlich aber, wie von einem folternden Gedanken erfaßt, ließ er den Knaben los und sagte mit halblauter, von Schmerz fast erstickter Stimme, mehr zu sich selbst, als zu seiner Gattin: „Und Du, arme Mutter, die auch mir so unendliche, zahllose Opfer gebracht, die Du die größten Entbehrungen ertragen um meinetwillen, freudig gedarbt hast, um meinen Lebensweg zu ebnen, Dir muß ich diesen Schmerz zufügen! Das sollte der Lohn sein für all' Dein Mühen und Sorgen, für Deine treue, innige Liebe! Arme unglückliche Mutter." Er schlug die Hände vor das Antlitz, um die hervorquellenden heißen Thränen zu verbergen. Ergriffen stand seine Gattin neben ihm, die Arme um seinen Hals geschlungen und sein Haupt an ihren Busen lehnend. Lange stand sie so, bis er sich endlich aufrichtete und mit einem Tone, durch den die Wehmuth klang, der aber von Entschlossenheit zeigte, zu ihr sprach: „Es ist überstanden, ich werde der zwingenden Nothwendigkeit gehorchen." (Fortsetzung folgt.) In Folge des Ausrufes des Herrn Leop. Fried, gewesener Armenrath, in unserer letzten Nummer sind uns für den Unglücklichen von Herrn Tischlermeister Jacob Kulka, Wien, 60 kr. zngekommen. Fräulein Gusti. Außer einigen neuen Ehrentiteln für Berg an i wie z. B. „Pressjobber", „christlicher Jude", „politischer Gaukler" und sonstigen Kosenamen, läßt sich diesmal nichts Besonderes aus dem Moniteur des Allgewaltigen von Zwettl registriren. — Uebrigens kein Schade! Herrn Ludwig Graf. Sonderbar! Ans der einen Seite hetzt dieses Blatt der „patentirten Judenfresser" die Kleingewerbetreibenden gegen die Juden und auf der anderen jammert uns moquirt es sich wieder, daß die Inden bei den antisemitisch verseuchten Handwerkern keine Bestellungen machen. — Wie reimt sich das zusammen. Herrn Julius M . . . . r. Jede Partei spiegelt in ihren Führern eben ihr eigenes moralisches Sein wieder. Herrn Oberl. v. Stern. Der Hauptvorkämpfer der politischen Freiheiten und Rechte der Juden in der großen französischen Revolution war Gregoire, Bischof von Blais, der auch Verfasser des von der Akademie zu Metz 1789 preisgekrönten »Essai sur la regeneration des juifs» war. Correspondcnt in Constautiuopel: Gut versorgt. Samuel Schulz, Purgstall: ad I. Dürfen Siebei der Statthalterei mündlich Nachfragen, ad II und III. haben die Israeliten allerdings ein Anrecht auf einem Vertreter im Armenrathe und im Bezirksschulrathe, wenn sie eine Cullusgemeinde bilden. Herrn P. Wolf. Ganz richtig, eben so offen Luther gegen die Juden auftrat, ebenso ungescheut urtheilte er auch über die Christen, so heißt es z. B. in einer seiner Streitschriften wider die aufrührerischen Bauern: „Der Christ muß sich, ohne den geringsten Widerstand zu versuchen, geduldig schinden und drücken lassen; w e l t l i ch e Dinge gehen ihn nichts an, er läßt vielmehr rauben, nehmen, drücken, schinden, schaben, fressen und toben' wer will, denn er ist ein Märtyrer auf Erden.". Und in seiner Kirchenpostille lehrt er: „Die Obrigkeit müsse den Pöbel, Herrn Omnes, treiben, schlagen, würgen, henken, brennen, köpfen und radbrechen, daß man sich fürchte und das Volk also i in Zaume gehalten werd e." — Sie sehen also, nicht nur die Herren von des Zwettlers Gnaden, auch wir sind in den Schriften Luther's bewandert. Herrn Springanf. Der Antisemitismus ist ein Januskopf: Dem Bürgerthum zeigt er die nationale, der Arbeiterklasse die sociale Seite. Nur schade, daß sein Gesicht weder den vernünftig denkenden Bürgern, noch weniger selbst unvernünftig denkenden Arbeitern gefällt. Herrn Moriz G..l in Triest. Ja — wäre das Volk ein klein wenig unwissender, als es sactisch ist, so würde die Astrologie noch in Blüthe stehen; wäre es ein klein wenig aufgeklärter, so hätten wir keinen Neligionsunterschied, aber auch keine Antisemiten. — Ein Eingehen auf Ihr klebriges würde unser Journal der Stampfe zuführen. Herrn Prof, in A. Man muß sich eben in das Unvermeidliche fügen. — „Der Schriftsteller, der für die gelehrte Welt, aus jeden Fall aber für wissende Männer schreibt, ist Preßgesetzen unterworfen, die seine Richtung controliren; der — sagen wir Professor, aber, der die unerfahrene, widerstandslose Jugend vor sich hat, soll, verstärkt durch das Gewicht der Autorität und der Persönlichkeit, jede Verkehrtheit und jeden Unsinn in die dafür empfänglichen Gemüther schleudern können? Frau CH Kr. in- W. Dies erklärt sich daraus, als eben bei den meisten dieser Herren der Liberalismus allen Credit verloren, andererseits ihnen wieder der Muth fehlt, ihrer Unzufriedenheit mit den herrschenden Zuständen durch ihr Eintreten in die socialdemokratische Bewegung Ausdruck zu leihen. Und unleugbar ist es, daß Lueger, Geßmann u. Ä. es verstehen, den Wünschen der Unzufriedenen wenigstens Worte zu geben. Danksagung. Im Namen des Rettungscomites von Tluste erlaube icli mir aus Anlass des vollständigen Erlöschens der Cholera-Epidemie in unserer Gegend allen hochherzigen Spendern und Wohlthätern, welche uns mit einer Gabe für unsere Armen bedacht haben, den herzlichsten Dank auszusprechen. Dr. Marek Kronik Landes- und Gericlits-Advocat ln Tluste. Vom Vorstande des Briefkasten. N. Gehler, Zaleszczykr. Nr 12. 25 und 27 der „Oesterr. Wochenschrift sind vollständig vergriffen. Die anderen Nummern find zu haben. Für den Verein „Jad. Charuzim" in Lemberg ist uns von Herrn Gerson Wolf in Widach-Folgendorf fl. 1 zugekommeu. Talmud-Tliora-Bethaus-Vereines VI., Stumpergasse 42 wird liiemit bekannt gegeben, dass die Einschreibnng in die Talnmd- Thora-Schule am 17. und 18d. M. zwischen 6—8 Uhr Abends und am 21. d M. von 11—12 Uhr stattfinden wird. Wien, im October 1894. Der Vorstand. Verantwort!. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien» VIII., Lerchenselderftraße 46. (Telephon 3288.) > Li

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