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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-10-12 · 41 (12.10.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
41 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 41. Wien, 12. Orkober 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für dir gessmmten Interessen des Iudrnthums. mm- Ä. K. Postsp arcalstn-Amk Clraringverkrhr Nr. 810.976. > Leb artton und Admtnistratton: Wien Franr Josrfs-Nuai Nr. 3. Tolophon-Nr. 6535. Herausgeber: Reichsraths-Adgeordneter vr. Koch. -- Erscheint jeden Freitag. B Wan »donnirt bei allen Pofianstalten des In- und.Auslandes. M »rrugsgrei« für Sesterrrirh: Halbjährig 4 fl. — 8 Jtr. Einzelexemplare 35 kr. Mr'» Ausland: halbjährig » fl. 10 Jtz. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 13 kr. m Inhalt: Leitartikel : Die englische Regierung über die rassischen Inden in London. — Die Reception der Inden vor dem ungarischen Magnatenhause. -- Vom Jahrmarkt des Lebens. — Das Kinderfest des Vereines Ferienheim. — Correspond enzen: Wien, Pilsen, Brünn. Proßnitz, Groß - Kikinda, Sofia, Jassy. Vermischtes: Wien,-^Klosterneuburg, Budapest, Holleschau, Brody, Lemberg, Feuilleton: Ans alten Tagen. — Briefkasten. — Inserate. Die englische Regierung über die russischen Juden in London?) Die Einwanderung fremder, zumeist armer Arbeiter in England hatte schon im Jahre 1886 in den dortigen Arbeiter¬ und Handwerkerkreisen Beunruhigung hervorzmusen begonnen, die in dem Maße wuchs, als die Zahl solcher Einwandererin Folge der Judenverfolgungen und Austreibungen in Rußland immer mehr zunahm. Man befürchtete Herabdrückung der Arbeitslöhne durch die Concurrenz von Leuten, die an ein ärmlicheres oder bescheideneres Leben (lower Standard of comfort) gewohnt waren und als Flüchtlinge im fremden Lande froh waren, wenn sie überhaupt nur so viel erworben, um nothdürstig leben zu können. Man befürchtete auch die starke Inanspruchnahme der öffentlichen Armeninstitute durch die Fremden und begann die Möglichkeit und Nützlichkeit von Maßregeln gegen diese Einwanderung zu erwägen. Andererseits wurden aber auch Stimmen laut, welche diese Befürchtungen als ganz ungerechtfertigt, zum mindesten als sehr übertrieben erklärten. Ja man sah sogar in den einwandernden billigen Arbeitskräften ein Mittel zur Hebung des Exports mancher Jndustrieproducte durch erleichterte Concurrenz mit dem Auslande. Um in diesem Streit der Meinungen ihre Stimme auf Grund vollständiger Sachkenntniß abgeben zu können, beschloß die Regierung, eine genaue Untersuchung über die Einwanderer, ihre Verhältnisse und ihren Einfluß auf Gewerbe und Arbeitsmarkt durch verläßliche sachkundige Leute zu veranstalten. Das Resultat dieser Anfang des Jahres 1893 begonnenen Untersuchung wurde vor Kurzem im Aufträge der Regierung den beiden Häusern des Parlaments in einem schön gedruckten, mit einer Menge Tabellen ausgestatteten, stattlichen Bande vorgelegt. Er enthält einen statistischen Bericht von I. G. Willis, Beamten des statistischen Bureaus, und einen Bericht von H. Llewellyn Smith, Vorstand des Arbeiterbureaus (Commissioner for Labour) im Handelsministerium über den Einfluß der Einwanderer auf Gewerbe und Arbeitsmarkt, sowie einen besonderen Bericht von Fräulein C o l l e t über die Frauenarbeit. Erkennen wir schon in dieser Wahl einer Frau die rücksichtsvolle Sorgfalt der englischen Regierung, welche die Untersuchung über die Frauen durch eine Frau führen ließ, so *) Reports on the volume and effects of revent imigration ffom eastem Europe into the United Kingdom, Presented to both Houses of Parliament by command of Her Majesty. London 1894. müssen wir noch mehr die Umsicht und Sorgfalt, mit der di; ganze Untersuchung geführt wurde, die Gewissenhastigkelt, Wahrheitsliebe und Unparteilichkeit bei Bearbeitung der gewonnenen Daten bewundern. Wir gelangen nach dem Studium der Berichte zur Ueberzeugung, daß sie die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit enthalten, soweit sie sich eben bei so verwickelten Verhältnissen ermitteln läßt. Es ist selbstverständlich, daß den Leitern der Untersuchung alle amtlichen Daten von dem Volkszählungsamte, der Polizei den Consulaten, Zollämtern, Fabriksinspectoren, Gesundheitsämtern, Gefängnissen u. s. w. zur Verfügung gestellt wurden. Aber sie begnügten sich nicht damit; Erkundigungen wurden eingezogen bei allen jüdischen Wohlthätigkeitsinstituten, bei den Schifffahrtsgesellschasten, ja sogar bei der Singer'schen Nähmaschinenfabrik nach der Zahl der den jüdischen Einwanderern gelieferten Nähmaschinen. Fabriken, Werkstätten, Asylhäuser, Schulen, selbst Privatwohnungen wurden besucht und einzelne der Eingewanderten, oft mit Hilfe eines Dolmetschers, ausgesragt. So hat man nicht blos ein für den Statistiker werthvolles Buch geschaffen, sondern die sonst als langweilig verschrieene Statistik zu beleben gewußt. Selbst wer nicht Statist»ker von Fach ist und sich auch für die Judenfrage nicht speciell interessirt, kann die Berichte mit Genuß lesen. Der Industrielle wird manches für ihn Wichtige erfahren; auch Sociologen und Ethnologen können allerlei daraus lernen. Es ist selbstverständlich, daß wir hier keinen Auszug daraus geben können. Wir wollen uns daher begnügen, gewissermaßen das Reinergebniß der Untersuchung mitzutheilen und einige interessante Einzelheiten hervorzuheben. Was die Zahl der Einwanderer betrifft, so?wies die Volkszählung von 1881 kaum 15.000 Russen und, Polen'in England aus, unter denen sich selbstverständlich viele Nichtjuden befanden. Erst die späteren Einwanderer aus Rußland und Polen kann man als fast durchaus jüdisch betrachten, da die Zahl der geflüchteten katholischen Polen und der sogenannten Stundisten eine verschwindend geringe ist. Ebenso kommen Schottland und Irland nicht in Betracht, da die überwiegende Mehrzahl der Juden in England und hier wieder meistens in London bleibt. Die Gesammtzahl der Einwanderer, welche wirklich im Lande verblieben, betrug in den Jahren 1891 und 1892 je ungefähr 12.000, im Jahre 1893 kaum 6000; darunter waren russisch-polnische Juden im Jahre 1891 über 7000, in den Jahren 1892 und 1893 je circa 3000, während über-

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