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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Seite 762 Oesterreichifche Wochenschrift Ni 39 Mrrskur. Herr Dr. Samuel Back, Rabbiner zu P r a g —Sm i ch o w, hat sein in Nummer 18 der „Qesterreichischen.Wochenschrift" vom 5. Mai 1893 gegebenes Versprechen zur Freude der jüdischen Literaturkreise ehrenvoll eingclöst. Soeben erschien von ihm bei I. Kaufsm a n n in Frankfurt a. M.: ,Leben, Wirken und Schicksale des R. Me! r ben Baruch aus Rothenburg. Gedenkschrift zur sechshundertften Jahreswende seines Todes". Die Schrift behandelt zum erstenmale die interessante Lebensgeschichte dieses gefeiertsten Rabbiners des XIII. Jahrhunderts, die unter Rudolf von Habsburg eine so tragische Wendung genommen hat, mit erschöpfender Ausführlichkeit und der an unserenr Autor gewohnten Akribie. Eine Recension dieser neuesten bedeutenden Schrift des gelehrten Verfassers bringt eine der nächsten Nummern unseres Blattes. Briefkasten. F. K. in N. (Böhmen). In den Streit zwischen czechische und deutsche Juden einzutreten, ist fLrdie „Oesterr. Wochenschrift" kein Anlaß. I. F. F. Wir constatiren gerne, daß die Mittheilung über den antisemitischen Armenrath Holzbauer nicht, wie irrthümlich angegeben wurde, der '„Währinger Bürgerwehr", sondern der „Bezirks- Post" entnommen war. K. M., Znaim. Sie müssen leider trotz des Neujahrsfestes einrücken. K. in Prag. Jeder sucht sich den Juden aus, der seinen Charakter nnd seiner Natur nach ihm am Besten paßt. Der Prinz Liechtenstein, Dr Lueger und Geßmann haben sich den Josef Gras erwählt. N. in Wien. Keineswegs! Josef Graf ist nicht getauft. L. in Wien. Nichtein „Gewehrs"-Mann, sondern der Revolvermann der Antisemiten. Herrn Elias Edel in Z. Wir verweisen Sie diesfalls auf e-ne Enunciation der „Nordd. Allg. Zeitung" aus den fünften Tagen: „Wir würden umgekehrt der „Kreuzzeitung" empfehlen, sich den Gang verschiedener Entwicklungen, die mit der „christlich-socialen" Partei Berührungspunkte haben, zu vergegenwärtigen und sich die Frage vorzulegen, ob man nicht sehr stark in der Verwendung von Bibelworten sein und doch als ein sehr problematischer Vertreter der Sache der „Ordnung" dastehen kann." — Sapienti sat! Für die unglücklichen Glaubensgenossen in T l u s t e sind uns von Hermann N eitel inMislitz fl. 5 zugekommen. Dmuchalski, Stanislau. Uns unbekannt. Herrn Scharf in Brünn. Glücklicherweise gibt es noch mehr solche weiße Raben. Z. B. wird der „N. Fr. Pr." berichtet, daß der Bischof von Blo is, Msgr. Lab orde, gleich dem Bischof von Bannes seinen Geistlichen das Lesen der antisemitischen „Libre Parole" Drumont's und der imperialistischen „Autorite" Cass a g n a c's verboten hat. . Es wäre übrigens traurig um den katholischen Clerus bestellt, zählte ex, lauter Deckert's und Cousorten in seinen Reihen. „Arier von echt deutschem Schrot und Korn." In Anonymität sich zu hüllen, ist sonst nicht des Deutschen Art. Im Uebrigen faseln Sie blühenden Unsinn. Machen Sie uns nur einen Inden nahmhaft, welcher ein Thier aus bloßer Lust maltraitirt oder ein Pferd, welches einen schwerbeladenen Wagen bergan nicht zu ziehen vermag, mit unbarmherzigen Schlägen mißhandelt. — Kennen Sie einen solchen Kutscher jüdischer Confession? — Wir nicht. Herrn Oberl. L. Z Daß Berg an i Autoren bestiehlt, ja bestehlen muß, will er unter seinem Namen etwas schreiben, ist freilich unverzeihlich, aber leicht daraus zu erklären, als er eben nichts gelernt hat. — Woher also nehmen, wenn nicht stehlen? Frau Wolf in W. Das ist ein läppischer Vorwurf seitens dieses Herrn. Gerade der Aufwand und der Luxus der Damen macht gar manche fleißige Hand der. Christlich-Socialen reich und ernährt mehr Arme, als die spärlichen Almosen der christlich-socialen Parteihäupter. — Uebrigens, wer schmäht denn darüber? Ein Spitzer- Weimar, ein G r e g o r i g, ein Schneider rc., also durchwegs nur sehr anrüchige Personen. Herrn Karl Lup.... Dieser Vorwurf kennzeichnet so recht die Ignoranz dieser Herren. Knobloch und Zwiebel, im Uebrigen sehr nahrhafte Pflanzengewächse, lieben die Spanier und Portugiesen noch mehr als die Juden und werden als Nationalgericht derselben angesehen. Frau Charl. Kr. in W. Traurig genug, daß Macaulay's Worte auch heute noch Geltung haben: Es ist besser, illiberale Gesetze zu haben, die in einem freisinnigen Geiste vollzogen werden, als liberale Gesetze, die man in einem, jedem Fortschritte feindlichen Sinne handhabt. — Und dem Fortschritte feindlich ist es, eine Classe Menschen ihrer Stammesangehörigkeit wegen zu verfolgen und zu schmähen! . „Warum" — gewisse, gerade zumeist den niedersten Schichten angehörende Classen die Juden so anfeinden, fragen Sie? — „Unter allen Ursachen des Nationalhasses" sagt Buckle, „ist die Unwissenheit die mächtigste; je mehr das Wissen zurimmt, umso mehr vermindert sich der Haß und erlaubt, die Menschen als Menschen zu achten und zu schätzen". Fräulein Elsa. Das ist doch allgemein bekannt, daß gerade unsere Kaiserin eine ungemein begeisterte Verehrerin der Muse des Lieblings der Frauen und der Grazien — (übrigens dies eine Tautologie). Ueberhaupt sieht ein gebildeter Mensch in Heine niemals den Juden, sondern den Dichter und die Frauen, diese Blumen des Lebens, nicht den losen Spötter, sondern den Lyriker. — Lassen sie daher die Leute schmähen wie sie wollen. Heine lebt im Gedächtnisse von Millionen, — Spitzer-Weimar — mir in jenem der Leser seiner „Schmähpost". Herrn Alex. L, hier. Pah! Glauben Sie denn ernstlich, daß dieses cipcdische Geschöpf, „Hu-mohr" genannt, . soviel Phosphor in seinen Gehirnwindungen besitzt, um ein Verständniß für diese Frage zu haben? — Wer eben s a ch l i ch nichts zu erwidern weiß, der wird stets persönlich. „Ein Feind aller Extreme". Euripides in den „Schutzflehenden" erkannte schon die Wichtigkeit nnd die Bedeutung des Mittelstandes: „Was die Reichen anbetrifft, Sie nützen Niemand', trachten nur nach immer mehr. Die Armen, deren Lebensunterhalt nicht reicht, Sind furchtbar; meistens richten sie, von Neid erfüllt, Gar schlimme Pfeile gegen die Besitzenden, Von arger Führer giftiger Zunge irrgesührt. Der Mittelstand nur ist es, der den Staat bewahrt, Auf Zucht und Ordnung haltend, wie's der Staat gebeut." Herrn Oberlehrer in K. Wir würden den Fürsten Liechtenstein eher mit Catilina in eine Parallele setzen, als mit Mirabean oder mit Philipp Egalile. — Um seinem Ehrgeize genüge zu thun, würde auch Liechtenstein Nicht davor zurückschrecken, gleich Philipp Egalitß in Opposition zum Hofe zu treten, oder gleich Catilina.die Massen zu revoltire-. Danksagung. Wir fühlen uns verpflichtet, dem Herrn Med.-Dr. Auffaerber in Straßnitz, welcher die Schützlinge des Vereines „Ferienheim" iy Straßnitz und Petrau während ihres Ferienaufenthaltes ärztlich behandelte und in edelmüthiger Auffassung seines Berufes keinerlei Honorar hiefür annahm, auf diesem Wege unseren innigsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Ferner sagen wir herzlichen Dank der edlen Frau Therese Deutsch in Hötzelsdorf a. d. Franz Josefsbahn, welche in thatkräftiger Unterstützung unseres humanen Werkes durch zwei Monate einen Schützling unseres Vereines unentgeltlich in gänzliche Verpflegung nahm und das Kind gekräftigt und wohl aussehend wieder seinen Eltern zuführte. Wien, 25. Sepl. 1894. Her Vorland des „Ferienheim". Zur Verbreitung und Vertretung der Oesterreich! sehen Wochenschrift“ fr w in Russland sucht die Administration einen tüchtigen verlässlichen O- B1TTE Offerte nebst Referenzen an die „Oesterreichische Wochenschrift“ 3 Wien, I., Franz Josefs-Quai Nr. 3. Veranttvortl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, Vm., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)

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