Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 38 (21.9.1894)
- Date
- 1894-09-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 38. WirNj 21. September 1894. Jahrgang XI, Crntralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. '| ».ft. PostsparrsWen-Amt Clraringverkrhr Nr. 810.976. »rdarttvn und ALministrstion: | Wir« j Franr Jostfs-Nuai Nr. 3.! Tsiaphon-Nr. 6535. -^- Heraus gebrr: Reichsralhs-Avgeordneler Dr. HLoch. - >» M' *■<■«■—- Erscheint jeden Freitag. -.n. «»<-,- Man «bonnirt bei allen Postanstaltrn des In- und Auslandes. *= =m BB|ug«pc*t» für Sesterreirft: Halbjährig 4 fl. — 3 Ar. Einzelexemplare SS kr. Mr's Ausland: halbjährig S fl. — 10 Är. ganzjährig IO „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gef^jaTtetej; Petitzeile 12 kr. |i Inhalt. Leitartikel : Kaiserworte. — Der wohlthätige, eiserne Mann. — Der Kaiser in Lemberg. — Im Zeitalter des Antisemitismus. — Vom Jahrmarkt des Lebens. — Correspondenzen: Wien, Baden, Lemberg Gurahnmora, Berlin, Leipzig. — V e rmischtes: Wien, Budapest, Krems, Mährisch-Ostrau, Podersam, Triest, Suczawa,Libeznitz, München. — Feuilleton: Im Hinterhaus. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Kaisrrworte! „Di e Versicherung der Huldigung und unverbrüchlichen Treue der israelitischen Cultusgemeinden nehme Ich dankend entgegen. In Meinem Herzen bildet der Unterschied der Religion Meinen Völkern gegenüber keine Scheidewand. Auf Meine königliche Gnade und Meinen Schutz können daher auch Sie jederzeit rechnen!" Mit diesen herrlichen Wollen nalm unser erhabener Monarch in B a l a s s a - G y a r m a t, wo er anläßlich der ungarischen Manöver verweilte, die Huldigung der Israeliten entgegen. Die Deputation der Bekenner des jüdischen Glaubens war unter Führung Sr. Ehrw.Qberrabb.D eutsch der geheiligten Person des geliebten Herrschers ehrfurchtsvoll genaht, um demselben die erneuerte Versicherung der Hingebung und Treue zu Füßen zu legen. Sie wurden nicht mehr wie bisher in der Reihe der Vereine, sondern bereits als Repräsentanten einer staatlich anerkannten Confession empfangen. Wohl waren die Israeliten gewiß, daß der Kaiser sie gütig aufnehmen würde, aber auf dieses Uebermaß der Huld war Keiner von ihnen gefaßt, das wagte Niemand in seinen kühnsten Träumen zu erhoffen. Der Ausspruch des Kaisers trägt das Gepräge wahrhafter und echter Empfindung, einer Empfindung, welche auch in Lemberg gelegentlich der Eröffnung des israel. Waisenhauses in ergreifender Weise zutage trat. Die tiefreligiöse Natur des Monarchen äußert sich eben nicht nur in der treuen Anhänglichkeit an den eigenen Glauben, sondern auch in der Achtung vor dem Bekenntnisse Anderer. Die Zeugen jenes seltenen Festactes in Lemberg, bei welchem der Träger der obersten, staatlichen Gewalt einem Werke jüdischer Barmherzigkeit die Weihe ertheilte, schildern in begeisterten Ausdrücken die innige Rührung, mit welcher der Kaiser den Segensspruch der Rabbiner entgegeunahm, und den tiefen Eindruck, welchen das Gebet auf ihn machte. Es bekundete die Ergriffenheit des Kaisers, daß sein Herz jedem wahren Gefühle zugänglich ist und daß er echte Frömmigkeit zu schätzen weiß, mag sieihm in welchem Gewände immer entgegentreten. DieSprachedesHerzens, welcheunsereLemberger Glaubensgenossen zu ihm redeten, hat der Kaiser verstanden, wenn sieauchin den Klängen eines vor tausend Jahren lebendig gewesenenJdioms sein Ohr berührte, und als ein kostbares Vermächtniß werden die Lemberger Juden die Erinnerung daran bewahren, daß in jenem weihevollen Augenblicke das milde Auge des Monarchen in feuchtem Schimmer erglänzte. Und gewiß war es der Nachhall jener unvergeßlichen Stunde, der ihn in Balassa - Gyarmat die ewig denkwürdigen Worte finden ließ: „In meinem Herzen bildet der Unterschied der Religion Meinen Völkern gegenüber keine Scheidewand!" Durch zahlreiche Acte huldreicher Fürsorge und gerechter Anerkennung des Verdienstes hat Kaiser Franz Josef bewiesen, daß es ihm ernst ist mit diesem Worte. Zu wiederholten Malen hat er die aufopfernde Treue und den patriotischen Sinn seiner jüdischen Unterthanpn gepriesen und allen Verleumdungen zum Trotze hat er ihnen seine Gnade bewahrt und sie in seinen erhabenen Schutz genommen. Freudigen Widerhall werden die machtvollen Kaiserworte in allen jüdischen Herzen erwecken. Legen sie doch in -ihrer ergreifenden Schlichtheit ein beredtes Zeugniß dafür ab, daß der oberste Schirm- und Schutzherr des Rechtes wacht und darauf bedacht ist, es zu wahren; geben sie doch in großartig offener Weise — voll ausströmend, ohne kleinliche Rücksichtnahme auf die Etikette, die immer eine gewisse Reserve einschränkend fordert — Kunde von dem Schutze, welche der erhabene Friedensfürst den bedrängtesten und verfolgtesten seiner Unterthanen angedeihen zu lassen willens ist. Auch wir, die Bedrückten, die Vielgeschmähten, um unseres ehrwürdigen Glaubens willen Verachteten, stehen dem Herzen des Kaisers nahe! Auch uns umfaßt es in väterlicher Liebe. Der Unterschied der Religion bildet keine Scheidewand! dem Kaiser nicht! Im öffentlichen Leben scheidet und trennt er, ach! nur zu sehr, — in der Gesellschaft den Menschen vom Menschen, läßt den einen höhnisch auf den anderen blicken, weil der seinen Gott in der hellen Synagoge und der andere in dem Dämmer der gothischen Kirche verehrt. Von den albernen Verfolgungen aus Rassenfanatismus zu schweigen. Möge denn auch bald die Scheidewand fallen, welche verdienstvolle, jüdische Bewerber von Amt und Würde trennt und welche ihnen nur verweigert werden, weil sie — Juden sind! Möge der Weg zur Anstellung in Staat und Gemeinde nicht immer am Taufstein vorüberführen. Es ist so unendlich beschämend, ein Amt, das mit dem Bekenntniß so gar nichts zu schaffen hat, eben von dem Bekenntniß des Bewerbers abhängig machen zu wollen. Wir bedürfen leider des kaiserlichen Schutzes in hohem Maße. Man haßt und verfolgt uns, man feindet uns an und schleift unser Heiligstes durch den Koth der Gosse. In die zarten Herzen der Jugend senkt der antisemitische Lehrer den Keim der Verfolgung, des Hasses, der Zwietracht. Schon in der Schule beginmm