Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021007-3021045--03860-3028017- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 726 Vefterreichftche Wochenschrift Nr. 37 Rosenheim hatte das ganze Dorf zur Verfolgung der Flüchtlinge vergebens aufgeboten; sie waren spurlos verschwunden, und wie es schien für immer. Nun wurde ihm der Ort und die Gegend, in der ihm so viel Unglück widerfahren, verhaßt. Er verkaufte sein Gut und übersiedelte nach Podolien, wo er dieses erwarb. Aber trotzdem er in seinem Sohne ein zärtliches und liebevolles Kind besaß, schien doch mit Paierl das Glück aus seinem Hause gewichen; man sah seither Rosenheim nie mehr fröhlich.- (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. I. W. in Agram: Bravo! Hinaus mit dem Schmierblatt. - Ai. A. in Csakathurn: Der 24. Teweth 5615 war Sonntag am 14. Januar 1855. F. 9!. in M O.: Bestätigen dankend den Empfang des Abonnementsbetrages bis 31. December 1894. C., Berlin: Die deutsche Uebersetzung von dem Universal des Königs Stephan Batory finden Sie in der „Oesterr. Wochenschrift" 1886, Nr. 28. S. L. in Klattau. Für diesmal unmöglich. Bei einer anderen Gelegenheit wollen wir Ihnen gerne entgegenkommen. - Herrn Josef List. Sie dürfen andererseits nicht außer Acht lasten, daß wir uns hier in einer äußerst difficilen Lage befinden, die uns nach jeder Richtung hin die Hände bindet und uns hindert, unsere Gegner aus Grundlage von unanfechtbaren historischen Wahrheiten zu bekämpfen. Herrn Alois Glltftand in T. Auch wir sind davon überzeugt, daß dieser Priester des Herrn früher oder später den Weg seines Amtsbruders wandeln wird. Herrn« Fr. 9tin W- Nein; weder der Schotte L a w. noch Bontoux und auch der Zweimillionen-Defraudant Kendler waren Juden. Plagiator. Das wundert uns um so weniger, als schon Carl Hron, ein gewesener Redacteur des .Volksblatt", offen eingestand, daß Vergani keine fünf Zeilen orthographisch und grammaticalisch correct zu schreiben vermag. An die Nedaetio« der „Deutsch-socialen Nachrichten" in Leipzig. Hinsichtlich der besagten Anwürfe und Verdächtigungen, die stets mit Bienenfleiß gesucht und gesammelt werden, könnten wir dieselben leicht, nur zu leicht tausendfältig damit übertrumpfen, als wir nur irgend welches Blatt der Geschichte des Mittelalters aufzuschlagen brauchm. Einstweilen genüge Ihnen der Hinweis auf die Geschichte der Päpste Alexander VI., Si xtus V. und Pius V. Aufruf! Seit mehr als drei Monate grastirt im Z a l e s z czy k e r Bezirke ein unheimlicher grausamer Gast, das ist, die Choleraepidemie (ebolera asiatica). Zuerst in Zaleszczyki an den Ufern d-.s Dniesters ausgebrochen, verbreitete sich die Cholera immer weiter und wurde durch die Unachtsamkeit der Bevölkerung immer mehr verschleppt. Die Cholera fand hier leider einen allzugnnstigen Boden, indem bekanntlich galizische Städtchen sich nicht einer allzugroßen Reinlichkeit rühmen können und weil die Bevölkerung auch sonst arm und schwach genährt, wenig widerstandsfähig war, so kam der ungebetene Gast auch in unser Städtchen T l u st e und suchte sich und fand hier zahlreiche Opfer. Mangels der anfänglichen Schutzvorkehrungen und der nölhigen strengen Aufsicht seitens der Gemeinde-Inwohner, sowie aus dem Grunde der nur leider zu oft geschehenen Verheimlichung der anfänglich schwach aufgetretenen Krankheit nahm die Epidemie einen ungemein rapiden Verlauf und gewann einen immensen Umfang. Täglich, ja sogar stündlich, fielen immer mehr Opfer und bange Furcht, grenzenlose Bestürzung und ein tödtlicher Schrecken bemächtigte sich der armen ungebildeten Einwohnerschaft von Tluste. Die Gefahr gewann mit jedem Augenblicke eine immer größere und schrecklichere Ausdehnung, so daß die hohe Regierung sich veranlaßt fand, unseren Bezirk, sowie speciell unser Städtchen T l u st e als Seuchenherd zu erklären, die umfassendsten und strengsten Ein- und Ausfuhrverbote anzuordnen, und deren Durchführung eigens zu diesem Zwecke delegiicken Choleracommistären anzuvertrauen. Diese gewiß nur zu billigenden weisen Schutzvorkehrungen der hohen Regierung hatten aber leider für unser armes, unglückliches und arg heimgeluchtes Städtchen Tluste die unglücklichsten schwerwiegendsten Folgen. In Consequenz obiger Anordnungen und zur Verhütung der Verschleppung wurden nämlich die Wochenmärkte auf unbestimmte Zeit sistirt, das bisherige Schlachthaus gesperrt, ja sogar einige Werkstätten und Läden geschlossen. Unser armes Städtchen Tluste mit einer vorwiegend jüdischen Bevölkerung von über 3000 Personen, sah sich nun durch diese gewiß nur zu lobenden prophylaktischen Anordnungen und Präservativen Vorkehrungen der löblichen Sanitäts-Organe der größten Roth, dem bittersten Elend und der schrecklichsteil Verzweiflung anheimgegeben!!! Mit der Sistirung der Wochenmärkte versiegte nämlich die einzige und ausschließliche Nahrungsquelle unseres Städtchens, das ist der Zwischenhandel mit Rohprodukten, und durch die Sperrung des Schlachthauses war der kranken schreckerfüllteu Einwohnerschaft die Möglichkeit entzogen, sich eine billige dringend nöthige Fleischnahrung zn verschaffen. Die unheimliche Kunde von stündlichen rapiden Erkrankungen und Todesfällen, der ängstliche Anblick von durch die Gendarmerie in Contumaz gehaltenen Häusern, das gräßliche Bild von durch in weiße Choleramäntel gehüllte Sanitätsorgane rasch davongetragenen Leichen und die schaudervolle Scenerie und der betäubende Geruch von desinficirten Wohnungen und endlich der gräuliche Schein von verbrannten desinficirten Betten und sonstigen Utensilien wirkte äußerst lähmend auf die ungebildete, sowie abergläubische Bevölkerung, die zu ihrem Unglücke in den heilbringenden rettenden Aerzten in ihrem blinden Wahne Mordengel erblickte, die ausgeschickt wären, sie zu verjßiftenü! Diese unheimliche Angst, dieser peinliche Schrecken, diese allgemeine Panik und dieser schauerliche Wahn, sowie diese grauenerregende Verblendung potencirte sich ins Unendliche, Schreckliche, als die Einwohnerschaft nunmehr sah, dap auch die vermögenderen Inwohner auf die sonst die Blicke Aller gerichtet waren, die Stadt verließen. In Haufen sah man nun gebrochene Gestalten mit rvth geweinten Augen, leichenblassen Gesichtern und eingefallenen Wangen sich matt und krank herumschleppen und die schmachtende, trockene und brennende Zunge nach irgend einer Erquickung und Erfrischung Herausstrecken, denn Ach! Ihnen war sogar das Wassertrinken wegen Verunreinigung der wenigen öffentlichen Brunnen verleidet und versagt. In dieser allgemeinen Noth, und diesem markerschütternden Jammer rafften sich die wenigen intelligenten Inwohner unseres Städtchens auf und organisirten sich zu einem provisorischen Unterstützungs- und Rettungscomits — durch Sammlungen, theils aus seiner eigenen Mitte hervorgegangen, theils durch versandte gedruckte Aufrufe an weltbekannte Pbilantropen und jüdische Zeitungsorgane suchte das Comite die nöthigen Geldmittel auszutreiben, um viele Hunderte von Familien vor dem sicheren Hnngertode und dem unausbleiblichen Krästeversall zu schützen und zu verhindern, daß unsere arme Einwohnerschaft von der Choleraepidemie decimirt werde. D.mkdeuBemühuugen dieses Comitss und der herzlichen Anerkennung der vielen jüdischen Zeitungsorgane, die dem Himmelsschrei unseres Comites willig die Spalten ihres Blattes öffneten und Dank den-, bisherigen eingegangencn Spenden, war unser Comite in der Lage, diesen herzbrechenden Jammer durch einige Zeit ein wenig zu stillen und diese immer mehr um sich nehmende Noth ein wenig zu lindern. Für die leider nur allzu lange Dauer der Epidemie jedoch erweisen sich die eingegangencn hochherzigen Spenden als gering und wenig geeignet, das besagte, schreckliche Elend der hiesigen Einwohnerschaft ganz zu unterdrücken. Die Choleraepidemie ist nämlich leider noch hier und in der Umgebung im Zunehmen, auch früher bemittelte Einwohner sehen sich gezwungen, die zitternde Hand, wenn auch versteckt, nach Hilfe auszustreckcn, endlich ist leider nicht abzusehen, wann die hiesigen Wochenmärkte wieder geöffnet, unsere einstige Einnahmsquelle der ausgehungerten und stark geschwächten hiesigen armen Bevölkerung wiederum Nahrung, Linderung bringen wird?! Das ehrfurchtsvoll gefertigte Comitö. sieht sich nun abermals gezwungen, an die öffentliche Wohlthätigkeit zu appelliren und ihre schwache Stimme in die Fremde um Einleitung einer umfassenderen Hilfsaction auszuschicken. Hunderte von Personen sind nun als Opfer gefallen, und eine ebenso große Anzahl von Familien sendet, ihres einzigen Ernährers beraubt, ihren Jammer und Hilfgeschrei gegen den Himmel! Das ehrfurchtsvoll gefertigte Comite erwartet nun zahlreich eingehende Spenden zu Händen seines Präsidenten Dr. Marek K r o n i k, Landes- und Gerichtsadvocaten in T lu st e (Galizien-Oesterreich) und ruft deshalb im Vorhinein allen Wohlthätern für ihre eingeiendeten milden Gaben seinen ergebensten Dank und ein aufrichtiges „Vergelt's-Gott" zu. Tluste, (Galizien» Oesterreich l. O. C z o r t k o w) den 20. August 1894. Für das Comite: Dr. Marek K ronik, Landes- und Gerichtsadvokat, Abraham Wolf Brecher, Präsidenten; Chaim Langholz, Cassier; Nathan Samuel Wolfram, Elo Platz ker, Controlore; Jsak Platz! er senior, Chaim Fiderer, Ausschußmänner; Elias Biener, Steueramtsadjunct, Schriftführer. Der Inhalt und die Dringlichkeit des obigen Aufrufes wird seitens des hiesigen Gemeindeamtes vollinhaltlich bestätigt. Wird von Seiten des israelitischen Cultus-Vorstandes in T l ust e vollinhaltlich bestätigt und um rasche Abhilfe gebeten. Verantwort!. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIEL, Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)