Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 36 (7.9.1894)
- Date
- 1894-09-07
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 706 Vesterrrtchffche WochenfchrM Nr. 36 werken. Plötzlich vernahm ich den bekannten, schrillen Ton der I Blechbüchse, in der schon einige Münzen lagen... Ich ging zum Fenster hin . . . Der Synagogendiener schritt ernst und traurig durch die Reihen der Vorbeigehenden, schüttelte die Büchse mit den Münzen und rief in hebräischer Sprache aus: „Wohlthätigkeit bewahrt vor Tod!" Es war ein Begräbniß. Eine einfache Bahre . . . man trug Schloime. Der Bahre folgte laut schluchzend seine Frau; auf dem Arm hielt sie den weinenden Knaben, der in den Mantel seines Vaters gehüllt war und dessen große Stiefel trug. Eine große Menge von Juden und Jüdinnen gab eilenden Schrittes dem Tobten das Geleite. „Wohlthätigkeit bewahrt vor Tod?. . „Also wirklich gestorben?" rief Lawrenti Ardalionowitsch und kam auch zum Fenster. „Wie Sie sehen!" Er drehte an seinem Schnurrbart, zog die Brauen zusammen und sagteärgerlich: „Wie bei Euch selbst das Sterben schlecht ist! Nur schnell transportirt, wie ein verendetes Thier . .. man beeilt sich, als ob man gejagt würde!! . . . Man beeilt sich, Lawrenti Ardalionowitsch, sie beeilen sich, weil sie fest glauben, daß es ihnen „drüben" besser ergehen wird — und deshalb können sie es nicht erwarten . . . nur rasch, rascher fort" .... Kagailow trat ein. Seine Stiefel waren geputzt, das Gesicht gewaschen und frisch. Er hielt ein Schriftstück in der Hand, nahm Stellung, legte die Hand an die Mütze und meldete stramm: „Euer Wohlgeboren! Im Städtchen Nikolajewska ist Alles in Ordnung!" _ Briefkasten. K. in Wien. Ihre Mittheilungen zur Entwicklungsgeschichte - des Hu-Mohr sind derzeit verfrüht. Der K.. . — gute Mann scheint vorläufig verduftet zu sein. K. in Wien. Pfarrer Decke rt muß seine Wnthshausreden jetzt wirklich im Wirthshaus hasten, seitdem durch die päpstlichen Weisungen derlel^Kanzelreden untersagt sind. D. in Linz. Das päpstliche Schreiben gegen die Hetzpredigten ist bis heute von den Antisemitenblättern den- Lesern nicht mitgetheilt worden. Und das nennt die Sippe wahrheitsgetreue Berichterstattung. A. Echm. Zloczotv. Daß der Kalender der „Fliegenden Blätter" für 1895 (Verlag Braun und Schneider in München) mit antisemitische Witzeleien augesüllt ist, wurde bereits csnstatirt. Juden werden diesen Kalender gewiß nicht mehr zur Hand nehmen. L. in K. Auf die noch nicht abgeschlossenen Arbeiten einer Jury irgendwelche Jngerenz zu üben, hallen wir für unpassend. Hermann H—s in S- P. Jawohl! Ein Sohn des verstorbenen Prinzen Alois Liechtenstein. Herrn A. von L. Nun, wenn die „Reichspost" in einem ihrer letzten Artikel meint, nur Fabriksherren züchten den Anarchismus, so mag sie nicht so Unrecht haben, zumalen ja die einträglichsten Fabriken, Hüttenwerke und Kohlengruben in den Händen der feudalen Großgrundbesitzer sich befinden. Frcku Agnes B. in K. Die Behauptung des „Loisl" von Hernals, „Wohlthätigkeitsacie größeren Styles' wurden bisher n u r Don Christen und Ariern ausgeübt," ist eine so dummdreiste Lüge, die man eben nur Leuten vorschwatzen kann, die den antisemitischen Fahnen folgen. — Sie zu widerlegen hieße Eulen nach Athen tragen. Herrn Lorenz Gl. in Komorn. Betreffs der die Nedaction so überaus kennzeichnenden, weil rohen Glosse der „Neichspost" über, den Selbstmord der Socialdemokratin in Berlin sagen wir weiter nichts als: „Pfui Teufel!" Herrn Isidor M.z. Nicht nur in den Ohren des betresienden Strafrichters, auch in jenen anderer, den gebildeten Ständen angehörigen Menschen klingt der Vorwurf, dem Antisemitismus zuzugehö.en, als eine Beleidigung, weil eben die Worte „antisemitisch" und „roh" synonym sind. M. in Wien« Sie fragen, warum die „Reichspost" nicht klazt? Die Nedacteure dieses Blattes haben es gelernt, noch ganz andere Dinge „einzustecken". Herrn Franz A. in G. Diesbezüglich schrieb das Parteiorgan der Arbeiter in einer ihrer letzten Nummern: „Und hat ein Antisemit den Jndisserenten von der Cnlturieindlichkeit des jüdischen «Kapitals überzeugt, so wird es dann den Socialdemokraten umso leichter sein, ihn auch von der Culturfeindlichkeit des christlichen, des interconfessionellen und internationalen Capitals zu überzeugen. D i e Antisemiten arbeiten uns also vor und schaufeln ihr e i g e n e s G r a b." Herrn Dr. B.... k in W. Sie thun uns Unrecht. Unser Grundsatz ist, nie zu beleidigen, - Denn Rohheit widerstrebt uns höchlich; Doch, wenn es gilt uns zu vertheidigen Eo rücksichtslos zu sein, wie möglich. L. in K. Es ist kein Witz, sondern buchstäbliche Wahrheit! Nach Absolvirung mehrerer Elasten des Zuchthauses kam er als Redacteur zu dem frommen Antisemitenblalt und predigt den Juden christliche Moral. Iran CH. Kr. in W. Sie fragen, wohin diese ganze Bewegung schließlich führen wird? — Das Organ" der österreichischen Arbeiterpartei gibt Ihnen hierüber eine präcise Antwort in Nachstehendem: „Der Gegensatz zwischen dem fürstlichen Einkommen mancher Bischöfe und dem Hungerlohn der Dorfcapläne war immer da. Aber seit einer dieser Bischöfe — Kohn heißt, ist er spruchreif geworden auch für die Mitglieder des Katholikentages. Und von der Bewegung, die heute im antisemitischen, christlichsocialen, k a t h o l i s ch - s o c i a l r e f o r m e r i s ch c n G e w a u d e überall weitere Kreise z i e t, t, kann man nichts Besseres sagen, als daß sie nirgends bei den Köhnen stehen bleiben kann, so sehr das auch die Herren wünschten, die den einzigen, aber unschätzbaren Vorzug haben, nicht K o h n zu heißen." Frau Elsa v. S. Das darf Sie, Gnädigste, doch nicht Wundern. So lange eben Leute, wie Spitzer—W eima r, ein Schneider, ein Fürst Liechtenstein und Berg an i einen Theil der öffentlichen Meinung beherrschen, insvlange wird auch die Rohheit und Brutalität ihre Orgien feiern. B. in L^ien. Seien Sie unbesorgt. Wir we>'den Mittel und Wege finden, der Angelegenheit die weiteste Pnblicität zu geben. Vielleicht im Wege einer Berichtigungsklage. Von der israelitischen ßullusgemeintle iw Mödling. Oeffentliche Danksagung. Herr Heinrich Benies, Grossindnstrieller in Wien, der alljährlich hier zur Sommerfrische weilt, hat unserer Cnltusgemeinde seit ihrem Bestehen, sowie der hier früher bestandenen Betgenossenschaft bei jeder Gelegenheit sein warmes Interesse entgegengebracht und ihre Institutionen in edelmüthis er Weise und grosser Hochherzigkeit bedacht. . Diese seine bekannte Hochherzigkeit hat er nun unserer Gemeinde gegenüber von Neuem in glänzender Woise bekundet, indem er gelegentlich der Erweiterung unseres Friedhofes zu eben diesem Zweck 500 Kronen gespendet hat. Der unterzechnete Vorstand fühlt sich darum gedrängt, Herrn Heinrich Benies für diesen neuen Beweis seines Wohlwollens den wärmsten, tiefempfundenen Dank auf diesem Wege auszusprechen und daran zugleich den innigsten Wunsch zu knüpfen, dass es ihm auch fernerhin vergönnt sein möge, dem edlen Drange seines Herzens, Gutes zu üben, in reicher ausgiebigster Weise Genüge leisten zu können. Mödling, im August 1894. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Mödling: Joel Singer. Für ein hochangesehenes, feines, jüdisches Haus in Rumänien, zur Erziehung eines 10-jährigen Mädchens und 3-jährigen Knabens, wird eine jüdische Erzieherin gesucht. Gründliche Kenntnisse der französischen Sprache und Musik unerlässlich. Offerte an die Adm. dieses Blattes unter „D. S.“ || Die in unserem Jahresberichte pro 1893 A fj auf Seite 30 angeführte Sammlung von fl. 1000.16 $$. || wurde durch Herrn Werner als Spenden aus jf I Russland gesammelt und abgeliefert. $ W M || Wien, im Juli 1894. |j§ || Verein |j | für Unterstützung armer kranker Israeliten ff D Kanzlei: H H Wien, II., Unt. Augartenstrasse 17. W Gründliche Erziehung, reinliche Pflege und gesunde Kost wird bei einer kinderlosen, intelligenten Familie in der Innern Stadt an Mittel- oder Handelsschüler ertheilt. Auch für Nachhilfe im Unterricht wird gesorgt. Zn erfragen bei: Max Deutsch, Wien, I., Fleischmarkt Nr. 9. BerMtlvortl. JRebacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)