Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 35 (31.8.1894)
- Date
- 1894-08-31
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 686 VestrrretchMre Wochensrtzrifl Nr. 35 „Rathen Sie, was ist zu thun?" „Was läßt sich da rathen! Hier bricht der Teufel sich! ein Bein! Ich selbst kann hier nicht klug werden. ... Es ist schrecklich . .. Das ist nichts für meine Nerven: Gewehr, Kreisrichter, Chaika, Schule, Auslieferung . . . Begreifen Sie doch! Ich selbst bin wie ein Hase von asten diesen Vorschriften und Papieren gehetzt und hier — ist ein Stück von meiner Seele, das in solchen Momenten zu reden beginnt — warten Sie, hier muß man handeln." Er ging aufgeregt im Zimmer umher. „Sehen Sie", sagte er, „vor Allem ist es unumgänglich nöthig, vom Gemeindearzt darüber ein Zeugniß zu erhalten, daß Schloime gefährlich krank sei — das ist eines — dann müßte Jemand eine Erklärung über das ungesetzliche Verlangen schreiben. Wir gewinnen dadurch an Zeit, und ich bin überzeugt wir werden die Wahrheit fest stellen." „Lawrenti Ardalionowitsch, zwei Worte!" „Nu?" „Jetzt erkenne ich Sie wieder..." „Sehr gut, das bin eben ich!" scherzte er und rief wieder grimmig: Andrej!" „Was befehlen?" „Was ist denn das! Muß ich.Thee trinken oder nicht? ... Was befehlen! . .. Ungewaschenes Maul, marsch fort!" „Ich gehe, Lawrenti Ardalionowitsch!" sagte ich. „Nun freuen Sie sich", erwiderte er erregt. „Kagailow! Sorgen Sie dafür, daß Schloime nach Hause gebracht werde ... er kann kaum mehr athmen." Im Vorzimmer fand ich Schloime, wie ich ihn verließ — mit hohlem Blick sah er vor sich hin und hustete heftig. Ich wandte mich zunächst an Chaim Beer mit der Bitte, er solle einen Advocaten aufsuchen und mit ihm zu Schloime gehen; dann ging ich zu Rosenfeld. Im Speisezimmer fand ich Niemanden — die Kinder liefen im Hof herum. Ich rief nach dem Hausherrn, aber statt desselben erschien die Gattin — mit einem Küchenmesser in der einen und einer Zwiebel in der andern Hand. Sie sah mich böse an und fragte: „Was brauchen Sie meinen Mann?" Ich bat sie, mir schnell zu sagen, wo er sei, weil ich seiner dringend bedürfe. „Und was ist es? Was für eine Nothwendigkeit? Schlachtet man Einen?" Man schlachtet, glaube ich, Niemanden!" „Man \d)lad)tet nicht, aber sagen Sie, wo ist er!" Sie sah mich argwöhnisch an. . „Ist es bekannt, wo er sich befindet?" „Entweder in der Mühle oder beim Ofenhei'.er oder in der Waldsäge.. . Gott sei Dank! Er hat w o zu sein, wenn er nur wollte. .. Brauchen Sie ihn sehr nöthig, so gehen Sie ihn suchen — ich brauch' ihn nicht." Ich nickte und ging in den Corridor hinaus. „Nu, warten Sie, ich. bitte Sie! rief sie mir etwas freundlicher nach. Ich blieb stehen — sie näherte sich mir und mit einschmeichelnder Stimme fragte sie: „Wissen Sie nicht : . . vielleicht haben Sie gehört . . . dort in Ihrer Gasse . . . verkauft man billig Osterfett?". . . „Das weiß ich nicht", erwiderte ich und stürzte fort. Ich fand Rosenfeld in seiner Waldsäge und diesmal zeigte er sich zu meiner Verwunderung sehr weich. . . . Zwei Stunden später befanden sich Zeugniß und „Erklärung" in meinen Händen. Ich wußte, welche Freude ich dem Synagogendiener mit meiner Mittheilung bereite und ging nach Hause. Er schnarchte süß auf dem Boden vor dem Ofen. „Reb Burich!" „Ha, nu, was?" fragte er, die Augen reibend, und erhob sich. „Reb Schloime ist schon längst zu Hause: gehen Sie zu ihm, er ist sehr krank!" Burich schlug die Hände zusammen. „Ach, ach mein Gott! ... Er ist, sagen Sie, zu Hause? Sehen Sie nur . . . des Morgens führte man ihn auf die Polizei und jetzt ist er schon zu Hause! Nu, nu .... gleich!" Er nahm die zerrissenen Handschuhe, band den Filzgürtel um, uud die Thürkliuke haltend, sagte er noch: „Nein, es ist nur so . . . was macht er, wenn er krank ist? ... Nicht werth einer Prise Tabaks .. . Gott ist ja unser Vater! .. . Sie glauben, er wird ewig Trank sein? Sie werden sehen! . .. Man muß hingehen, ich laufe ... wenn man muß, muß man ... ich verstehe selbst .. . Sie glauben, daß ich . . . ach, man muß!" Er ging hinaus und schlug heftig die Thür zu. (Schluß folgt.) Briefkasten. Dr. I. Tin W. bei Wien. Es ist richtig! In der Linzer „Theolog. praktische Quartalschrift" 1894, III. Heft, S. 686, kündigt Pros. Rohling ein Werk des „Hebraisten" Paulus Me yer an und bereitet die katholischen Theologen auf das E scheinen desselben vor. Paulus Meyer muß also noch immer mit seinen durstigen Kenntnissen diesen Herren anshelfen; er bildet derzeit ihre hoffnungsvolle Autorität. Dr. D e cke r t wird diesem Manne noch Abbitte leisten. L. S. Dux. Der 16. Isar 5582 fiel auf Dienstag, den 7. Mai 1822. Rabbiner Kot in Dang bei Oran (Rußland): Wir ersuchen, uns die Schrift eiuznsendeu. K. in Wien. In der Nummer vom 27. August bemeikt das „Deutsche Bolksblatt": „Bei den Fendaiclericalen mag es Sitte sein, corrupte Elemente im eigenen Lager zu dulden und deren Thateu zu vertuschen, bei den Antisemiten nicht." Nun ist das Blatt des Herrn Bergani von berufenen Parteigenossen als ein „scheußliches Bild journalistischer Verkommenheit und Cvrluption, cyuisch, gemein und charakterlos" gebrandmarkt worden uud trotzdem geschieht nichts, um diese Pestbeule auszuschneiden. Hu-Mohr. Der Abgeordnete Dr. B l o ch hat den Antisemiten im Reichsrath zugerufen: „Meine Herren, Seien Sie nicht so anspruchsvoll, es können nicht alle Spitzbuben Antisemiten sein." Herrn Friedrich Maurer in Prag. Nein, an Lontraire! Wie wir hier schon des Oefteren zu constatiren in der Lage waren, ist die christlich-sociale, antisemitische Parteibewegung nichts anderes, als ein auf Neid und Unwissenheit beruhender Haß von inferioren Volksschichten gegenüber den günstiger situirten Classen, gleichgiltig ob s.mitischer oder arischer Abstammung. Neid und Unwissenheit sind aber Laster, die sich nie versöhnen lassen. An die Redaktion der „Schmähalias Reichspost". Nach den statistischen Berichten des britischen Parlamentes von Sir John Trelawney im Jahre 1873 zusammen gestellt — also eine gewiß un.verdächtige Quelle — entfielen Verbrecher von je 100.000 der Bevölkerung Großbritanniens ans: Katholiken 2500, Englische Hochlirche 1400, Dissidenten 150, Freidenker und Inden — 5; in Oesterreich liefern Verbrecher: Die Katholiken 9l°/„, Griechen 2'2"/g, Evangelische 1'8"/„ und Juden 3'5%; in Deutschland entfallen ans 100.600 Bewohner gleichen Glaubensbekenntnisses: Katholiken 1238. Evangelische 1038, Juden 867. Dies die Antwort auf die Ausführungen im Leitartikel Ihres Blattes vom 22. d. M. — Empfehle midi! „9!: «gieriger". Sie sagen: 1. In Prag ist ein Canonicus Dr. Knobloch und fnngirt derselbe jedenfalls als Mitglied des Donicapitels. Ist nun die von der antisemitischen Presse vermeintliche Carricatur des Namens Bloch in „K n o b l o ch" eine Ehre für Dr. B l o ch oder eine Zurücksetzung für Canonicus Dr. Knobloch? 2. Könnte der Name „C n s e r i o" etymologisch nicht eher von „Ges e r e" als von „K o f ch e r" hergeleitet werden? Wollen Sie Ihre jedenfalls interessanten Anfragen an den k n o b l o ch duftenden Spitze r—W e i m a r von der „Reichspost" adressiren. Herrn Alois Gsch. in L. Es kommt bei dem von Ihnen erwähnten Blatte auch noch in Erwägung, daß Renegaten immer päpstlicher zu sein pflegen, als der Papst, um sich Vertrauen bei ihren neuen Glaubensgenossen zu erwerben. — Spitzer-Weimar spottet über die „Nachkommen der 12 Stämme" Israels; er schändet die Leiche seines Vaters — für den guten Zweck. Herrn Beruh. Kohn. Niemals gab es eine politische Partie, wo nicht die U n iv i s s e n d st e n auch zugleich die Heftigsten waren, und da glauben Sie, die „Schmähpost" und das „Pöbelblatt" machen eine Ausnahme?! — Leben Sie in China? „Wer deur Satan des Antisemitismus sich überläßt, ist verloren". Liechtenstein, V e r g a n i und Consorten — sie lassen sich eben nur zu gerne die Kastanien aus dem Feuer von Anderen holen. Herrn Bruckner in C Daß und warum die „jüdische Rasse" sich so rasch vermehrt und auch eine geringere Kindersterblichkeit besitzt, liegt nicht daran, als die Juden g e s ch w o r e n e F e i n d e des Nt a l t h e s i a n i s m u s sind, als auch daran, daß der Jude dem Weibe unter allen Umständen jenen Platz anzuweisen sucht, der ihr gebührt: das Haus. S. K. in Pirnitz. Sckächter und Vorbeter, die auch Religionsunterricht ertheilcn, müssen österreichische Staatsbürger sein. I. H. Lemberg. Ende nächster Woche wird Herr Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch ohnehin in Lemberg zum Besuche der galizischen Landesausstellung persönlich anwesend sein, bei welcher Gelegenheit das Gewünschte Erledigung finden kann. K. in B. Ihr Bericht über die Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers kam für diese Woche zu spät. In die nächste Nummer können wer derlei Berichte nicht mehr aufnehmen. Berantwortl. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VQL, Lerchenselderstraße 46. (Telephon 3288.)