Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-17 · 33 (17.8.1894) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
33 (17.8.1894)
Date
1894-08-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021041--03776-3027929
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 646 Oesterrrichifche Wochenschrift Nr. 33 Stunden Billard, dann „Naschi-Waschi", dann kneipten sie die Caffierinnen in die Wangen und in die Arme, daß die Mädchen blaue Flecke davontrugen. Da nur zwei Damen da waren, ihrer aber drei, geriethen sie schließlich in Streit. Sie zerbrachen die Stühle und Tische und Fensterscheiben und wurden nur mit Müh und Noth vom Cafötier und seinem Schwager hinausgeworfen. Sie zogen weiter. Da meinte der Dcite: „Kinder, wißt's was? — Geh'n mir noch auf ein Viertel!" Die beiden Anderen waren dabei. Sie traten in die nächste Schenke und tranken noch zwei .. . drei.. . vier Liter. Als es zum Zahlen kam, hatte der Eine kein Geld mehr bei sich, der Zweite auch nicht und der Dritte ebenfalls nicht. Der Wirth und seine Hausknechte prügelten sie grün und blau und warfen sie hinaus. Sie hatten ihren ganzen Wochenlohn verjubelt, was sollten sie nun beginnen? Da meinte der Eine: „Kinder, wißt's was? — Passen wir den Bicyclisten auf!" Die beiden Anderen waren dabei. Sie bewarfen alle Bicyclisten, die des Weges kamen mit faustgroßen Steinen, sie nannten sie I u d e n b a g a g e, sie schlugen sie und demolirten die Fahrräder. Das war ein Spaß! Dann hielten sie ein kleines Mädchen an, das einen Topf mit Milch trug. Sie nahmen ihr den Topf weg, sie tranken die Milch aus und trieben allerhand Scherze mit der Kleinen. Einem alten Manne, der ihnen entgegenkam, versperrten sie den Weg, und fragten ihn, ob er ein Jude sei. Der Alte beschwor sie, ihn um Christi Willen ungeschoren zu laffen. Sie entwanden ihm den silberbeschlagenen Spazierstock und trieben ihm den Hut ein. Dann begegneten sie einem jüdischen Hausirer. Sie erbrachen seinen Kasten und streuten die armseligen Maaren in den Koth. Sie stießen ihn, sie schlugen ihn blutig und spieen ihm in's Gesicht. Die Sonne stand schon tief im Westen, als sie heimwärts torkelten. So gut hatten sie sich schon lange nicht unterhalten. Sie recapitulirten noch einmal die Erlebnisse des Tages und lachten und waren guter Dinge. Der Eine knüpfte sein Taschentuch an den erbeuteten Spazierstock, er marschirte voran und schwenkte triumphirend die improvisirte Fahne. ' Die beiden Anderen folgten ihm Arm in Arm. Und alle Drei gröhlten mit heiseren Stimmen in die sternenhelle Nacht hinaus: „Menschen, Menschen san mir Alle, Fehler hat a Jeder gnua . . ." Lloniamm. Briefkasten. An mehrere Einsender: Anonyme Zuschriften bleiben unberücksichtigt! „Kein Jude." Ihre uns zugesandten Glossen der Postbeamten und Briefträger des Postamtes Praterstraße über jede einen Juden verrathende Adresse der ihrer Manipulation unterworfenen Briefe können wir ohne genaue Kenntniß Ihrer Adresse nicht publiciren. B. Aschkenasy, Sniatyn. Die geistlose, langweilige Scribelei einer Helene Piotrowska der Widerlegung zu unterwerfen, ist ganz und gar überflüssig. Rudolf P. in Fünfhaus. Sie sind ganz richtig informirt. Die Schönerergasse existirt thatsächlich in Wien: XIII3, zwischen Hütteldorserstraße 10 u. 12 und Wiencrflraße 13 u. 15. Unglaublich und doch wahr! Gerade jetzt, wo Matzenauer auf Glossh's Vorschlag so viele Straßenumtaufungen vollzog, wäre die beste Gelegenheit gewesen, diese Ungehörigkeit, diese freche Demonstration, welche nicht nur jeden Juden, sondern auch jeden Oesterreicher und sein patriotisches Ge,iihl gröblich beleidigt, aus der Welt zu schassen. Ernst Schneider-Gasse haben wir noch keine — auch der angefragte Hugo S ch e n k-Platz kommt im officiellen Straßenverzeichniß nicht vor. L. M. Krakau. Sie wundern sich, daß nach dem Referate des Dr. Lueger die Stelle eines provisorischen Armenarztes m dem Bezirkstheile Kaisermüh len dem Doctor Samuel Engelsmann verliehen wurde? — Wir auch. S. M. in E. Diesmal ungeeignet. „Nasiel". Sie schreiben: „Als Anhang zu meinem letzten (?) Schreiben erlaube ich mir, da heute die Neaumur-Grade stark gesunken sind, folgendes Gedichtchen Ihnen zu unterbreiten: „Gedichte sind keine Witze, Die vertragen sich nicht mit der Hitze, Und meint der Herr Dr. Bloch, Sollten die Grade fallen noch, Dann kann man Gedichte drucken. (?) Bis dahin muß der Dichter (?) Alles verschlucken." „Lieber Freund Rasiel! Wir verzichten auf Ihr — Gefasiel". I. W, Wiznitz. Losnummern können wir nicht revidiren. Wir haben leider keine Zeit dazu. Lcov. Eisen—r, Karlsburg Danken für die Zusendung. Zur Veröffentlichung ungeeignet. Doctor R—g. Unter den vom Fürsten Johann Liechtenstein dem städtischen Museum gespendeten Bildern befindet sich also auch das Portrait eines polnischen Juden? Das ist ein Stich für Lueger, Greg orig e tutti quanti. Die Durchlaucht ist nicht nur nobel, sondern auäi geistreich. Arischer Couleur-Student. Zuschrift empfangen. Mit Ihren deutsch-nationalen Projecten verweistn wir Sie an Hofrath Krafft- Ebing, IX., Maximilianplatz 4, welcher sich gewiß lebhaft für dieselben interessiren wird. Sprechstunde von 1—3 Uhr. Herrn Gust. Kl. in P. Daß „die Früchte des socialen Cursns in erster Linie und hauptsächlich dem Nassen - Antisemitismus zugute kommen werden" — glauben wir dem „Bolksblatt" sehr gerne. Herrn A. K. in D. Opportnnitätsgründe hindern uns leider, diese Ges; m a n n'sche Behauptung des „angeblichen Reichlhnms der Klöster" ziffernmäßig als das hinzustellen, was sie ist, als leere Phrase für Hohlköpfe berechnet und von Dummköpfen geglaubt. Herrn Ludwig N. Lächerlich! Die Juden waren vor den Hauptcultnrvölkern des Alterthums und haben beide überdauert; sie schliefen den Winterschlaf des Mittelalters mit und vermochten es, aus demselben kräftiger denn je zu erwachen. — Und ein so kräftiges Volk sollte dem Anstürme unter Anführung eines Liechtensteins und Schneiders unterliegen. Herrn P—s in P. Ganz richtig. Liechtenstein möchte wohl ein Mirabeau sein. Leider fehlt ihm zu einem Solchen gerade das Richtigste: Geist. Den kann man sich nicht immer von seinem Lecretär ausleihen. Herrn Ludwig N. Linz. Warum sollte Geßmann nicht, Goethe variirend, sagen dürfen: „Selbst erfinden ist schön, doch von G a i d e r Erfundenes benützt, nennst Du dies weniger schön?" Herrn O. O. in Czernowitz. Nein, Sie thun damit Dr. Lueger entschieden Unrecht, wenn Sie glauben, daß er, Lueg er, selbst das glaubt, was er seinen gläubigen Zuhörern vorfaselt. Der Mann ist nicht so dumm. Herrn Alexius N. in (Poststempel unleserlich). Hinsichtlich der meisten, ja fast aller dieser Reden kann man sagen: Zuweilen läuft die schwere Kunst, Alles zu wissen, auf die leichte hinaus, nichts gelernt zu haben. L. O in Berlin. Wie die „Köln. Volksztg." meldet, ist der Herausgeber des „Antis. General-Anzeigers", Sedlatzek, aus der Abtheilung Ost des Berliner Verbandes Deutsch-socialer Antisemiten einstimmig ausgeschlossen worden. Warum? R. G. aus Breslau. Wie sehr die Juden eine Scheu vor Leibesübungen haben, beweist die Thatsache, daß die Herrn Rosenfeld- Wien, 2 Flatow-Berlin, Aronsohn-Nürnberg zu den Siegern beim VII. Deutschen Turnfeste in Breslau gehörten. L. K. in Karlsruhe.In derDelegirtenversammlung der Ritter des eisernen Kreuzes befand sich auch die mit dem eisernen Kreuze geschmückte ehemalige Krankenschwester A m a l i a Maier Levp aus Frankfurt a. M. Hardheim. Daß die jüdische Bevölkerung sich bei den Feierlichkeiten anläßlich des Besuchs des Weihbischofs von Freiburg betheiligt hat, ist anzuerkennen. Man ehrt seine eigene Religion, wenn man eine fremde ehrt. 8tuä. G. S. in Halle. Wie die „Burschenschaftl. Blätter" schreiben, befindet sich kein einziger activer Jude jetzt in den Burschenschaften. L. Wien. Wer sonst nichts ist, der fühlt sich als Arier und erlangt damit den Anspruch, auf ein paar Millionen Menschen herabzusehen. Am unverschämtesten sprach den Gedanken die „Ostdeutsche Rundschau" mit den Worten aus, daß selbst ein arischer Zuchthäusler auf die Inden herabseh'en dürfe. Es kein Wunder, daß dieser Ausspruch den Beifall aller Zuchthäusler findet. I. L. F., IX., Müllncrgaffe. Der bei den Erdaushebungen an der Stelle des Schwarzenbergpalastes im Jahre 1893 aufgefundene hochinteressante Stein befindet sich jetzt, wie Sie ganz richtig bemerken, auf dem alten Friedhofe in der Seegasse. Ueber die Zeit und die Bedeutung der Inschrift sind die Ansichten der Fachleute noch anseinandergehend. An dem Fundorte befand sich ein alter Frieühof'. A. K, Przemysl. Die Adresse der Gebrüder Gutmann, Wien? Gebrüder Gutmann, Wien. „Kno—bloch". Arrf Ihr Schreiben haben wir blos bte eine Antwort: „Pfui Teufel". Berautwortl. Redacteur: Albert Kohn. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VUL, Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.) OOB BSHB9B3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.