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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 626 Oestrrreirhifche Wochenschrift Nr. 32 dabei ungezwungen, wußte der junge Rabbiner für Jeden das richtige Wort der Begrüßung zu finden und ohne irgend ein Zeichen von Verlegenheit zu bekunden, gelang es dem weltgewandten Manne, das immer etwas peinliche Ceremoniell . der ersten Begegnung zu überstehen. j Nur einmal, und auch da nur für den scharfen Beobachter i kenntlich, war eine Veränderung in seinen Zügen vorgegangen,! wie sein jähes Erbleichen, ein Aufleuchten der dunklen Augensterne, ein inniger Blick auf die Gestalt Adelens, deren Blicke wiederum, wie einer höheren Macht folgend, den seinigen begegneten, während glühendes Roth ihre Wangen übergoß; doch das Alles nur wie im Fluge, wie ein Schalten vorübereilend und schon hatte der Fremde sich selbst wieder gefunden. Harmlos plaudernd setzte man sich an den sabbathlich geschmückten Tisch, wo, nach dem üblichen Segensspruch über Weizenbrod und Wein, sofort die Abendmahlzeit begann, wie es der Brauch' war. Aber Euch will ich's verrathen, Ihr lieben Leser! Der scharfe Beobachter, er hatte nicht gefehlt. Das Auge des klugen, liebevollen Vaters hatte gesehen, erkannt und erfaßt und von beseligender Ahnung ergriffen, drängten sich dem frommen Manne die unbewußt geflüsterten Worte auf die Lippen: „Gott gebe es!" Was soll ich noch viel erzählen? Hat doch der Leser gewiß schon errathen, wie es nun gekommen ist. Trefflich gelungen war Alles, was Hausfrau und Töchter so kunstgerecht bereitet hatten. Doch wer achtete der leiblichen Speise bei einem Mahle, wo Geistesschärfe und Geisteshoheit das Wort führten! Wie Funken sprühen von dem belebenden Windhauch angefacht, so flössen, durch die scharfsinnigen Fragen des talmudkundigen Hausherrn angeregt, die gelehrten Deutungen und Erklärungen aus dem Munde des gelehrten Gastes. Immer weiter, immer höher nahm er seinen Geistesflug und die begeisterten Hörer hingen mit staunender Bewunderung an den Lippen des gottbegnadeten Sprechers. Wohl konnten viele der Anwesenden, und besonders der weibliche Theil derselben, nicht folgen auf jene Höhen, zu denen die Beredsamkeit des Gastes die Schriftkundigen hinangeführt, doch Alle fühlten die Bedeutsamkeit seines Wesens, seines Wissens, und hingerissen hatte er sie Alle. Wie durch Zauber gebannt saß Adele da, und als sie endlich aufschaute, da streifte sie ein unsagbar inniger Blick des Fremden. Er war aufgestanden, strich die Haare von der Stirn, und schien entschlossen, nunmehr sich ganz der Freude hinzugeben. Das Glas erhebend, in dem feuriger Wein perlte, trank er, in ebenso feurigen als gemüthvollen Worten aus das Wohl seiner Wirthe. Leicht und lebhgft floß nun das Gespräch dahin und zeigte, daß dem Gelehrten in seiner Vielseitigkeit auch gesellige Begabung in reichem Maße eigen war. Schnell, wie ein schöner Traum, war der Abend verflogen und als man sich in später Stunde trennte, da war der Gast schon lange heimisch geworden in dem traulichen Kreise und als er das Haus verließ, da war er sich dessen wohl bewußt. daß das Ueberschreiten dieser gastlichen Schwelle entscheidend für sein künftiges Leben geworden war. Der Sabbath brachte unzählige Glückwünschende, die das stattliche Brautpaar umringten. Der Kölner Bräutigam gefiel den Jungen wie den Alten und Alle wünschten dem Paare neidlos das Beste. In diesem Gewoge der Kommenden und Gehenden war leicht ein lauschiges Plätzchen zu entdecken, wo man unbeachtet bleiben konnte und ein solches Plätzchen war es denn auch, wo zwei edle, in wahrer Liebe für einander erglühende Menschen sich für's Leben fanden. Wo der erste Anblick den Liebesfunken entzündet, wo das Herz so laut und vernehnilich gesprochen wie bei diesen Zweien, da bedarf es nicht mehr vieler Worte. Auf die reichbesetzte Festtafel deutend, hatte der junge Rabbiner schlicht und kurz Adele gefragt, ob sie einwillige, daß in einigen Monaten eine gleiche Feier für sie Beide veranstaltet werde, und schüchtern erröthend, aber schnell bereit und fest hatte sie mit Ja geantwortet. Nach Jahresfrist führte er die Braut heim, beglückwünscht von unzähligen Freunden und Verehrern, die er sich im Fluge in seiner neuen Stellung gewonnen. Selbst die enttäuschten Väter, deren Pläne Amor so tückisch vereitelt, fühlten ihren Groll schwinden, als sie den Liebreiz Adelen's gewahrten. Ihr Vater vollzog die Trauung und als er voll Inbrunst seine Hände über das Paar breitete und Segen vom Allmächtigen für sie erflehte, da jubelte auch sein Herz in Dank gegen Gott, daß seine Tochter ihm einen solchen Sohn gewonnen. Literatur. lu Ihrem geschätzten Blatte Nr. 31, 8. 606, lese ich die Ankündigung des Werkes „Jalkut Machiri“ zum Jesaias. Vielleicht würde es die Leser Ihrer Zeitschrift interessiren, dass, wie ich höre, Herr Salomon B n b e r die. kritische Edition eines handschriftlichen Werkes von demselben Verfasser zu den Psalmen vorbereitet. R. Briefkasten. Hadykotvska. 1. Im Herbst. 2. Dr. Theodor Lieben. 3. Wird nicht gefeiert. 4. Die Ansiedelung wird nicht gestattet. „Aufrichtiger Feind." Nein, wir sind keineswegs ungehalten darüber, wenn Sie sich uns gegenüber als Gegner erklären. — Ihre Zuschrift, so scharf in dcr Sache sie auch gehalten, ist in anständiger Form geschrieben und verdient auch eine ebensolche Antwort. Sie vergesseic eben, daß es zu einem engherzigen Kastenwesen zurückkehren und politische Urzustände proclamiren heißt, wenn man Millionen Menschen, nur weil sie unter eine gewisse Kategorie fallen, unter Ausnahmsvorschrifien stellen will. — Die Beschütznng der Juden als s o 1 ch e i st B e s ch ü tz u n g d e r M i n o r i t ft t! — Das Gegentheil ist Barbarei. Herrn Otto M. in Temesvar. G aubeu Sie nur das nicht! Fürst Alois Liechtenstein ist, ungleich dem regierenden Fürsten, ein viel zu sparsamer Herr, als zu Gunsten der Allgeiuciiihcit seine Eiserne auszuschließen — Noblesse oblige“ gilt ihm rben nur beim Spieltisch und niemals Gesinnungsgenossen gegenüber, selbst wenn solchen mit nur einer Bagatelle von 5000 fl. geholfen werden könnte. — Pfarrer S Merz er gibt ihnen hiefür den entsprechenden Beleg. Franz PI. in Neichenberg. Daß diese Lügner und Ehrabschneider von Profession nicht einmal für ihre eigenen Zwecke etwas opfern wollen, hiefür möge Ihnen als Beweis nachstehender Schmerzensschrei der „Unversälschten dentschcu Worte" in ihrer Nummer vom 1 August einen Beleg bieten: „Biele Gesinnungsgenossen haben es unterlassen, am 1. Juli das fällige Bezuasgcld für die „Unverfälschten dentschm Worte" einzusenden.. es ist tief bedauerlich, daß es so viele Gesinnungsgenossen gibt, die es nicht dcr Mühe werth finden, jenes Blatt zu beziehen und zu lesen., daß Angehörige einer nationalen Partei das Parteiorgan nicht beziehen.Man geht freudiger au die Arbeit, wenn man weiß, daß die Arbeit von den Gesinnungsgenossen auch gewürdigt wird.". L K. B. Momentan unmöglich. F. A. Bei Schön er er's Geburtstagsfeier sprach der Festredner über B e r g a n i: „Der Hödur — der Bruderverräther — Sie errathen es, es ist der mit dem Schandmal des Woitbrnches und der gerichtsordnungsmäßig sestgestelttcu Ehrlosigkeit behaftete Pauschalienfr.sser Bergan i — und die Mistel, diese Schmarotzerpflanze, sie ist das Berganiblait, das sogenannte „Deutsche Bolksblatt", gegründet von demselben Berg au i mit den Preßfvndsgelderu der deutschnationalen Partei — sorterhalten durch nicht bezahlte Ehrenschulden, jüdische Texteinschallungen, Bank- und Assecuranzankündigungcu und fette Pauschalien von der Süd- und Nordbahn, Creditanstalt,'Länderbank, Phönix, Riunione adriatica u. s. w., u. s. w. K. lieber den arischen Eid leien Sie in der, „Unverfälschten Deutschen Worten" Nr. 15, Jahrgang 1894: „In dieser kürzlich erschienenen Druckschrift heißt es auf Seite 6 folgendermaßen: „In der Raine Hinterhaus, einer ehemaligen Burg der Kuenringe, hatte der Gründer B e r g a v i die Kühnheit, au den vor sechs Jahren auf der Nnine Aggsteiu von ihm geleiteten Schwur zu erinnern und ließ er unter Weglassung mehrerer Worte, welche er damals geschworen, aber nicht gehalten hat, die Anwesenden aufs Nene schwören. (Ein Richter fragte einst einen ihm vorgeführten Häftling, mit was er sich denn eigentlich seinen Lebensunterhalt erwer be, worauf Letzterer antwortete: ,91a, wissen Euer Gnaden, Herr Richter, ich schwöre halt so bei den Gerichten herum.") Und Bergaui? Na, der schwört halt so aus den Kuenring'scheu Ruinen herum. In dem oberen Theile des Waldviertels gebe es auch mehrere zu „Treuschwüren" geeignete Plätze. So der Schloßpark des Schlosses Rosenau, der Sommerturnplatz in Z w e t t 1, das Lederthal in W e i t r a u. s. w. Ob da der Herumschwörer B e r g a n i wohl heute noch den Muth hätte, dort noch einmal die Leute so anzulügen, als wie er es vor Jahren gethau. Später ging er, wie es weiter heißt, „zu dem treuen Freund Berga ni's", zum „W u r z e r - S e p p. Es ist dies derselbe >Wurzer-Sepp", welcher vor einigen Jahren, als er noch in Mühldorf lebte, Bergaui handgreiflich beibrachte, daß er in seinem Gasihause aus Herrn Schönerer nicht schimpfen lasse. Das war damals, als Bergaui als blutarmer Bergmann noch nicht ahnte, daß es seiner Schlauheit und Findigkeit einst gelingen würde, nach Ueberlistung Tausender von Menschen ein großer „Gründer" und „Unternehmer", welcher mit anderer Leute Geld auf Gnade und Ungnade herumspeculirt, zu werden." Dr. G.: Das Ministerium hat sich au das Curatoriltm und nicht au das Lehrercollegium gewendet. Berantwortl. Redacteur: Albert Kohn. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)

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