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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-10 · 32 (10.8.1894) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Jftt. 32 Vereines schon angenommen wurden, schritt man zur Wahl der Fuuctionäre, und zwar wurden : N. Ander man als Präsident, Dr. R. Jonas als Bicepräsident gewählt. Sonntag den 5. August fand die feierliche Eröffnung im eigenen Locale des Vereines statt. 8. K. Sereth. Der Landespräsivent Herr Hofrath GrafGoöß aus Czernowitz war unlängst hier und beehrte unsere Synagoge mit seinem hohen Besuche. Der Bezirksrabbiner und der Cultusvorsteher Herr Dr. Huczik gingen ihm entgegen mit der Thora in der Hand. Der Bezirksrabbiner Dr. Pürstyu richtete die folgenden Worte an den hohen Gast: „Willkommen im Namen des Ewigen, wir segnen Sie im Namen Gottes, willkommen im Gotteshause". Der hohe Gast erkundigte sich über die Thorarolle, in welcher Sprache sie geschrieben ist, wann man die Thora vorliest, ob sie geschrieben oder auch gedruckt sein kann, wieviele Thorarollen da sind und dergleichen. Dann erkundigte er sich über den Zustand der Gemeinde. Beim Verlassen der Synagoge dankte der Herr Gras für den Empfang und versicherte uns seii.es Wohlwollens. Er verweilte bei uns gegen 15 Minuten, während er in den Kirchen nicht länger als 5 Minuten verblieb. Goltsch Jenikau. 1. August. Heute beschloß die hiesige israelitische deutsche Volksschule das Schuljahr 1893/94. Erwähnenswerth erscheinen die Leistungen in ven hebräischen Gegenständen. Samstag den 29. d. M. veranstaltete der Leiter der Schule, Herr Rabbiner Dr. Thieberger, eine Prüfung aus diesen Fächern. Ueberraschend waren die erzielten Resultate sowohl ans der Rellgionslehre als auch aus der biblischen Geschichte und im Hebräischen selbst. Kinder im Alter von 10—11 Jahren finden sich in allen 5 Büchern Moses zurecht, ganze Absätze werden grammatikalisch zergliedert; alle Formen der Berba mit Sicherheit und Geläufigkeit gebildet und von jedem die Wurzel angegeben. -Wir sprechen H^rn Dr. Thieberger unsere vollste Anerkennung aus für die treffliche Leistung. Geschlossen wurde das Schuljahr mit einem festlichen Gottesdienst, dessen Kernpunkt eine an die Schüler gerichtete Ansprache des Schulleiters bildete. Unsere Schule war heuer von 76 Schülern, darunter;. 36 auswärtigen, besucht. Außer dem Leiter wirken noch drei Lehrkräfte. Wem daran gelegen, seine Kinder in jüdischem Geist erziehen zu lassen, der schicke sie nach Jenikau, wo sie in anständigen Familien gegen mäßiges Honorar gute Unterkunft finden. Eschwege, 24. Juli. Unser allverehrter Kreisrabbiner, Herr Gold mann, ist heute Früh plötzlich im 86. Lebensjahre verschieden. Der Verewigte nahm noch am Morgengottesdienste theil, fühlte sich aber während desselben unwohl und mußte nach seiner nahegelegenen Wohnung zurückkehren. Er erholte sich nach kurzer Zeit etwas, allein es war ohne Bestand, ein sanfter Tod machte seinem Dasein ein Ende. Die hiesige israelitische Gemeinde verliert, dem „C. T." zufolge, in ihm ihren pflichtgetreuen Seelsorger. 67 Jahre hat der Verewigte der Gemeinde angehört und wie viel Freud' und Leid hat er mit ihr in dieser langen Reihe von Jahren getheilt und getragen. Es war ihm vergönnt, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit mit seiner ihm vor 8 Monaten im Tode vorausgegangenen Gattin die goldene und die diamantene Hochzeitsfeier zu begehen, außerdem war es ihm beschieden, die Jubiläen des 50. und 60. Dienstjahres zu feiern und wurde ihm bei ersterem Anlasse von Sr. Majestät dem Kaiser der Rothe Adlerorden vierter Classe verliehen. Sowohl unsere Gemeinde, als auch die große Anzahl früherer Schüler des Dahingeschiedenen, welche in allen Welttheilen zerstreut wohnen, werden ihrem treuen Seelsorger und Lehrer ein gesegnetes Andenken bewahren. Feuilleton. Im stillen Städtchen. Ein russisches Sittenbild von N. Navrnolv. — 'Frei übersetzt von Louise Fokschaner. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Wie aber hat er doch Alles erlernt?" „Wie er Alles erlernt hat! Einfach so . . . erlernt!" Seite 633 „Das ist aber unmöglich", mengte sich jetzt auch der Cantor ein. „S i e sagen mir unmöglich!" ries Chaim Beer erzürnt — „Sie glauben etwa, Sie haben mit einem Kinde zu thun? Scherze ich mit Ihnen? Ich rede zu Ihnen, wie zu einem Menschen! . . . Wenn es so war, war es so . . . da gibt es keinen Betrug!" „Er wußte Alles, weil Sie im Talmud Alles haben." Chaim Beer drehte an seinem Bart und fuhr fort: „Was wollen Sie Besseres, ich werde Ihnen von Rambom erzählen. Rambom war blos Talmudist und konnte die Medicin. Und wie er sie konnte! Nicht jede Wissenschaft ist eine Wissenschaft! . . . Ein Kranker klagte über Kopfschmerzen . . . Hören Sie zu! Die Aerzte fanden, daß es unbedingt nothwendlg sei, den oberen Knochen des Schädels abznnehmen, weil sich im Gehirn ein Wurm befindet. So haben Sie es befunden. Gut . . . Rambom hörte davon und an dem Tage, da man an dem Kranken die Operation vornahm, stieg er aus den Boden des Hauses, in welchem sich das zugetragen hatte, bohrte eine Oeffnung in die Decke und schaute hinunter. Durch den Geist Gottes wußte er, daß die Aerzte dem Kranken nicht helfen werden . . . und es ist doch um einen Menschen schade! Der obere Theil des Schädels war endlich abgenommcn und man sah schon im Gehirn den Wurm . . . einen gewöhnlichen Wurm, einen Wurm, wie alle Würmer . . . Hören Sie? Aber wie zieht man ihn jetzt heraus? Mit Zangen wäre es gefährlich, weil er sich noch tiefer im Gehirn vergraben könnte und der Mensch wäre verloren gewesen. Man begann zu beschwören .... auch das half nichts. Was thun? . . . Hören Sie! Da ließ sich . . . vom Plafond Rambom vernehmen: „Legt ein Keautblatt auf das Gehirn, wird der Wurm vou selbst herauskommen." „Und so war es auch . . . und der Mann war gerettet. Nun, warum sind die „Andern" nicht darauf gekommen? Keine Talmudistenköpfe! Hm!" Er blMe siegesbewußt auf den Gegner, den er durch seine Kenntnisse besiegt hatte. In einer andern Gruppe sprach man von Wundern, Geheimnissen und Tagesfragen. Jemand hatte mitgetheilt, daß Rothschild jedem Juden einen Rubel anträgt, was man aber nicht annehmen könne. Der Synago-zendiener kam auch hier zum Vorschein und hörte aufmerksam dem Erzählenden zu, der jetzt die Rede aus den bevorstehenden Krieg zwischen den Russen und Türken brachte und behauptete, daß der Engländer — der Kerl mit den kräftigen Knochen — Beide überlisten wird. Ein Jude großen Wuchses mit braunem Gesicht, stützte den einen Fuß auf eine Bank und erklärte, daß alle vorhergegangenen Kriege in der Bibel vorausgesehen waren — wie in der Rede Jakobs vor dem Tode — man muß es nur verstehen, jeden einzelnen Buchstaben zu erklären, fast ein Jeder birgt ein Geheimniß. In der Synagoge wurde es stiller, nur hie und da hörte man den Gesang von Psalmen . . . Man erwartete mit Ungeduld die Predigt — Schloime erschien endlich. Er trug einen langen Kaftan aus schwarzem Atlas, der breite, umgebügelte Umlegkragen seines Hemdes war von blendender Weiße, auf dem Kopfe hatte er einen neuen Hut. Die Hände auf dem Rücken, stand Schloime von einem Gedanken absorbirt da. Er wußte, daß jetzt der heilige, so sehnsüchtig erwartete Augenblick kommt, da er auf die Zuhörer mit dem Worte Gottes, mit dem Worte der Weisheit wirken soll. Schloime stieg die Stufen der Kanzel hinan, wo für ihn Talles und Gebetbuch vorbereitet lagen. Man hörte von verschiedenen Seiten Husten, Rücken der Bänke und hundert Augen richteten sich auf die Kanzel. Der Synagogendiener mußte jetzt nicht „scha" rufen — das Schweigen verstand sich von selbst . . . Schloime, mit dem Talles bedeckt, hat selbst auf das Gebetbuch geschlagen; dann nahm er es in die linke Hand, blickte auf die Zuhörer und als er sich überzeugt hatte, daß sie die Aufmerksamkeit selbst waren, begann er Vrstrrrrichischr Wochenschrift

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