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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-08-03 · 31 (3.8.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 606 Oestrrreiltzifche Wochenfchrist Nr. 31 „Eine schöne Nacht!" sagte der Cantor, als sie auf die Straße kamen. „Schön, sehr schön!" stimmte Chaim Beer bei, blickte zum Himmel und glättete seinen Bart. „Angenehme Luft! der Kalender schreibt, daß in den nächsten Tagen immer schönes Wetter sein wird. Ist denn die Astronomie ein Unsinn? Den Kalender haben nicht Knaben zusammengestellt." Cantor und Diener sahen sich mit dem Ausdruck der Verwunderung über Chaim Beer's Gelehrsamkeit an — und Ersterer schüttelte den Kopf ... „Reb Schloime, werden Sie uns morgen etwas predigen? fragte der Cantor. Schloime nickte, ohne seinen leisen Gesang zu unterbrechen. Am nächsten Tag ging ich um vier Uhr Nachmittags wieder in die Synagoge. Um diese Zeit versammeln sich hier die Juden, lesen Psalmen und besprechen, in Gruppen vertheilt, irgend etwas Interessantes — Göttliches, verschiedene Wunder und Rabbinerweisheit. In einem Winkel saß Chaim Beer von Zuhörern umgeben und las laut: „Die Stimme Jakobs." Der Synagogendiener hörte stehend der „süßen Lehre" zu. „So ist es!" rief Chaim Beer, das Buch schließend. „Dieser Talmud ist kein Spaß —* Bor nicht langer Zeit lebte ein Rabbiner, der niemals die Wissenschaften der „Andern" studirt hatte und doch konnte er sie alle auswendig. „Wirklich Alles, wirklich?" fragte einer der Herumstehenden. „Nu was ist dabei! Wirklich Alles! Warum ereiferst Du Dich so sehr? Wenn Du nicht so viel Verstand hast, der Katze den Schweif anzubinden, mußt D u überhaupt ganz still sein. Heißt sich ereifert! Weshalb hast Du Dich so ereifert? Du glaubst, daß der Rabbiner seine Zeit mit Dummheiten vergeudet hat?" (Fortsetzung folgt.) Literatur. Minkor Israel. Biographien der hervorragenden deutschen Schriftsteller jüdischer Abstammung Heine und Börne 2. Theil: Ludwig Börne, von L. Schulmann, B e r d i t s ch e w 1894. Biographien von historischem und literarischem Werthe zugleich gibt es sogar in "den Weltliteraturen in nur geringer Anzahl, und nur wenige Namen ragen auf dem Gebiete der Biographie hervor. Ganz besonders dürfte es die hebräischen Leser nicht Wunder nehmen, wenn unsere Literatur nur wenig Gutes auf diesem Gebiete aufzuweisen hat und wenn viele hier gemachte Versuche geringen Erfolghatten. Es ist allerdings etwas sehr leichtes, Nekrologe zu schreiben, Männern, die in der Oeffentlichkeit gewirkt haben, Gutes oder Nachtheiliges nochzusagen; viel schwieriger ist es aber, uns große Männer, in ihrer wahren Größe vorzusühren, sie uns in ihrem ganzen Wesen zu zeigen, die Eigenart ihres geistigen Lebens, ihre Vorzüge und Gebrechen, sowie die innersten Geheimnisse ihres Herzens und Gemüthes zu erschließen. Sehr schwer dürfte es dem Biographen fallen, seinen Helden so darzustellen, daß wir aus seiner Beschreibung auch den Einfluß der Abstammung, der Erziehung, der Umgebung ic. erkennen und aus diesen auch dessen Leben und Wirken uns zu erklären vermögen. Einer solchen Aufgabe unterzog sich der Verfasser des uns vorliegenden Buches, die er richtig und ganz löst. Gar viele Schriftsteller haben in verschiedenen Sprachen über Heine und Börne geschrieben, doch waren es zumeist Lobredner oder Ankläger, die sich mit dem Leben dieser Männer befaßten; es war ihnen nur wenig darum zu thun, den Zusammenhang zwischen dem Leben Hein e's, Börne's und dem ihrer Glaubensgenossen nachzuweifen, ihre Beziehungen zum Judenthum und ihr Verhältniß zu den damals beginnenden Culturbewegungen unter den Juden aufzufinden. Die meisten Biographen Hein e's und B ö rn e's haben je nach ihrer apologetischen oder feindlichen Absicht unberechtigte und unbegründete Muthmaßungen ausgestellt und io manche Thatsache in ihrem Leben entstellt. Mit Genugthuung nehmen wir aus der Arbeit Schulmann's wahr, wie wenig dieser in die Fußtapsen seiner Vorgänger getreten, daß er weder die Gebrechen seiner Helden bemäntelt, noch ihre Vorzüge verschwiegen und ihren Verdiensten Eintrag gethan hat. Mit philosophischer Einsicht und Talent führt uns Herr Schulmann ein treues Gemälde jener Zeit vor, in der Heine und Börne gelebt haben, und zeichnet uns dieselben in den allerfeinftcn Schattirungen ihrer Charakter. Er zeigt dabei eine staunenswerthe Belesenheit und unermüdlichen Fleiß im Sammeln alles dessen, was zum Gegenstände seiner Beschreibung gehört. Bei der Lectüre dieses Buches gewinnen wir ein klares Bild der Zeit, wie der Generation, in welcher Heine und Börne gelebt, gewirkt und gekämpft haben; wir sehen die Sehnsucht des Ersteren nach seinem Volke, sein leidendes Gemüth, seine feinfühlende, mit Ichuda Halevy verwandte Seele. Wir sehen klar und deutlich den traurigen Einfluß der Assimilation auf die Erziehung Börue's keimen, der zwar das Leid seines Stammes mitempfunden und für dessen Ehre und Freiheit gekämpft hat, der aber sein Volk so wenig kannte und verstand. Aus Schulmann's Darstellung gewinnen wir die Ueberzeugung, daß auch Heroen des Geistes, eigenartige geniale Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte, wie Heine und Börne mit dem Austritt aus ihrem Stammesverbande ihien Boden verlieren, nur elende, unglückliche Wanderer ohne Heim sind und ihr lebenlang bleiben, daß sie dem Los des Schiffbrüchigen verfallen, wie sie ihrem Volke den Rücken gekehrt. Aus „Llimisraeb nmimaarabb". The Yalkut on Isaiah of Machir b. Abba Mari (Saec. XII), edited for the first time from a unique M. 8. of the library of Leyden and annotated by J. S p i r a, Berlin, printed by H. Itzkowski, VII. u. 258 8. Die vorliegende Ausgabe des Jalkut des M. b. A. M. zum Jesaias beruht auf der einzigen Leydener Handschrift, die aber leider nicht mehr ganz vollständig ist. Sie ist auch nur ein Theil eines umtangreicheren Werkes desselben Verfassers, andere Bruchstücke sind handschriftlich in verschiedenen Bibliotheken vorhanden. Die literarische Wichtigkeit des Midrasch erhellt zunächst aus dem Umstande, daß 'der Jalkut Schimroni vielfach aus ihm geschöpft hat. Laut seiner Vorrede ist M. b. A. M. der Erste, der für seine aus beiden Tammden, Tosifta, Sifre, Sisra und älteren Midraschim zusammengestellten Sammlung den Ausdruck „Jalkut" gebraucht hat. An der Spitze des Werkes hat der Herausgeber einen ebenso übersichtlichen als nützlichen Nachweis der citirtenTalmud-und Midraschstellen gesetzt. Die Ausgabe ist durch sorgfältige und sachkundige Behandlung ausgezeichnet und auch sehr gut ausgestattet. Hoffentlich setzt ein ausreichender Vertrieb Herrn Spira in den Stand, allmälig auch die'anderen vorhandenen Theile des interessanten Werkes zu veröffentlichen. Die mosaische Moral- und Rechtsphilosophie. Unter diesem Titel befindet sich eine vom Rabbiner I. Baum in Steyr verfaßte, höchst inter.ssante und zeitgemäße, populär-wissenschaftliche Abhandlung unter der Presse und wird demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden. Wir machen im Interesse der guten Sache schon heute aus diese nützliche Publication aufmerksam. Briefkasten. „Rasiel". Sie schreiben: „Habe mir Ihre jüngste Lection gemerkt und schreibe beifolgendes Gedicht nicht bei 35° sondern der 28°." Es ist auch in der That um 7 Grad besser als das erste. Wir drucken es jedoch noch nicht ab, sondern warten lieber — bis zum Winter. „Student hier". General Saussier ist kein Jude — auch Bismarck nicht — auch Glad stoue und Crispi nicht — S ch ö n ere r's Kinder dagegen sind Enkeln von Juden. Hazofeh l'bes Jisroe : Ist uns unbekannt. K. Die Nachkommen S e ru b a b e l's oder Davids sind nach der Genealogie des Neuen Testamentes blutsverwandt mit dem „heiligen Josef." I. S. Kuty: Ihre Zuschrift hat uns interessirt. Doch ist der „Freimllthige" und seine Nummer 58 vom 20. Juli 1894 lange nicht das Blatt, dem wir die Ehre einer Entgegnung oder Widerlegung zu Theil werden lassen. Frau Charl. Kr. Sie meinen offenbar das Poem Bodenstedt's.- „Ein jealiches Herz, das die Liebe verklärt, Gleichviel, welcher Glaube sie nährt, Hat die Leuchte zum Ziele alles Höchsten gefunden. Hat den Himmel gefunden und die Höll' in sich überwunden." — Dasselbe ist aber nicht von ihm, sondern nur eine von ihm gemachte Uebersetzung aus den Dichtungen Omar Chajjams. L ider können wir nicht, wie wir wollen. Sie kennen ja das lateinische Sprichwort: »Duo quum faciunt idem, non est idem.« Herrn Alex. v. G. in Kanizsa. In einer Atmosphäre geistiger Knechtschaft hat es bisweilen wohl individuelle Denker gegeben und wird sie vielleicht wieder geben, aber ein geistig reges Volk hat es in einer solchen Atmospähre nie gegeben und kann es auch niemals geben. Herrn Oskar L. in W. Gott bewahre, Sie sehen zu schwarz. Trotz aller noch so krampfhaften Bestrebungen dieser tonangebenden Firma-Inhaber: Liechten st e!n-Lueger-Vergani wird sich ihr Plan nicht verwirklichen. Wissenschaftliche und culturelle Errungenschaften lassen sich für die Dauer nie zurückdämmen. Herrn Alex. B. in Prag. Clement, der Mörder Heinrich HI. von Frankreich, gehörte dem Orden der Dominikaner an; R a v a i l l a c, der Mörder H e i n x i ch IV. von Frankreich, gehörte ebenfalls eine Zeitlang dem Orden der Feuillants, einer Congregation der Cistercienser; L o u v e l. der Mörder des Herzogs von Berry (1820) war Sattler in den königlichen Stallungen zu Versailles. — Im fiebrigen kennen wir keinen einzigen Königsmörder, der dem Judenthume angehörte. Rudolf Z.. Wien. „A b n e h m e r" titulirt das „Deutsche Volksblatt" seine Abonnenten. Das ist ein sehr bezeichnender Titel,- weil sie in der That a b n e h m e n. Berantwortl. Redacteur: Albert Kohn. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien. VUI., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)

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