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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-07-20 · 29 (20.7.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 29. Wien, 20. Juli 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für dir gesammtrn Interessen des Iudrnthums. -- erausgebrr: Reichsralhs-Abgrordneter Dr. Kloch. -- Erscheint jeden Freitag. -^- Man abonnirt brr allen Postanstalten des In- und Auslandes. 5. k. Postspsrrsgrn-Mmt Clraringv erkrhr Ar. 810.976. Ardartion und Administration: Wien Franz Jostfs-Quai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. Srzugsprris für Oesterreirst: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare 25 kr. Mr's Ausland: halbjährig d fl. — 10 Kr. ganzjährig tv „ 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 kr. Inhalt Leitartikel : 15.000 Kronen der Kirche des „heiligen Josef" für vier Zeilen. — Universitäts-Justiz. — Morituri. — Vom Jahrmärkte des Lebens.— Eine gebildete Frau über den Antisemitismus. — Hoftien-Diebstahl. — Correspondenzen: Wien, Weidlingan, RoLnau i. M.. Saaz, Krakau, Gliniany, Gologory, Tarnopol, Berlin, Siegen, London. — Vermischtes: Wien, Prag, Karlsbad, Brüx, Groß-Kanizsa, Tarnow, Trebitsch. — Feuilleton: Im stillen Städtchen. — Briefkasten. — Inserate. 15.000 Kronen der Kirche des „heil- Josef" für vier Zeilen. Auf der Kanzel steht der Priester. Sein Auge schleudert Blitze, wie rollender Donner erdröhnen die Worte aus seinem Munde. Athemlos lauscht ihm die Menge und die Glulh * zorniger Entrüstung, die sein Antlitz rölhet, theilt sich den Hörern mit. Der Priester spricht von den Feinden des Christenthums, von jenem Volke, auf welchem der Fluch der Jahrtausende lastet. Er schildert den unversöhnlichen Haß der Juden gegen die Gojim, ihre Verfolgungswuth, ihren Aberglauben, ihre Thorheiten, ihre Habgier, ihren Blutdurst, ihre Sittenverderbniß, welche wie schwärendes Gift den reinen Sinn der abendländischen Völker zerfrißt. Wer wollte an der unantastbaren Wahrheit dieser Anklagen zweifeln? Tief hinein in den Schriftschatz des jüdischen Volkes versenkt sich der Geist des Redners und ehrfürchtiges Staunen ob solch' profunder Gelehrsamkeit erfaßt die Gläubigen. Er rühmt sich der Kenntniß der hebräischen Sprache, er hat den Talmud gründlich durchforscht, und man weiß ja, daß dieser verruchte Talmud nichts Anderes als eine Sammlung von Gesetzen und Vorschriften ist, welche den Verkebr der Juden mit Nichtjuden bestimmen, eine Sammlung von Schimpf und Unglimpf gegen das Christenthum, von frecher Verhöhnung all' dessen, was dem Christen heilig ist. Unerschöpflich ist der Redner in der Anführung von Textstellen aus diesem verruchten Buche, in welchem der blutgierige Christenhaß zum Ausdruck kommt, in welchen die erhabensten Ueberlieferungen der Christenlehre mit cynischer Rohheit verspottet, Gott und die Heiligen in den Koth gezerrt werden. Zum siebenten Male schon hat der Priester die Kanzel bestiegen und noch immer ist der Born seiner Beredsamkeit nicht erschöpft, noch immer sein heiliger Zorn nicht besänftigt, noch immer weiß er aus jenem geheimnißvollen Buche, das nur den gelehrtesten, christlichen Männern zugänglich ist, Beweis auf Beweis für den Aberglauben und den Christenhaß der Juden anzuführen. Tiefe Erregung hat sich der Menge bemächtigt, eine wilde Gier nach Rache, ein brennender Durst, Haß mit Haß zu vergelten, erfüllt die Gemüther. Es ist ja die reine Wahrheit, die der Mann Gottes verkündet hat, zu der er sich durchgerungen in zahllosen durchwachten Nächten durch das mühselige Studium des Talmud. Aber diese angebliche Wahrheit zerstiebt vor einem einzigen Worte, die scheinbare Gelehrsamkeit des Priesters verwandelt sich in böswillige Lüge! Der Pfarrer Dr. Josef D e ek e r t hat sich der Kenntniß des Talmud gerühmt, er hat sich' mit der Ueberfetzung eines Buches über den Talmud gebrüstet, und nun — welche Ueberraschung! der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" erbietet sich, 15.000 Kronen der Kirche des heiligen Josef zu spenden, wenn es dem Pfarrer gelänge, vor christlichen Sachverständigen auch nur vier Zeilen des Talmud, die der Zufall bestimmen möge, zu übersetzen. 15.000 Kronen jener Kirche, für deren Erbauung und Erhaltung Pfarrer Dr. Josef Deckert zu wiederholtenmalen seine priefterliche Würde auf's Spiel gesetzt, indem er sich mit Hilfe von Juden in die gewagtesten Speculationen einließ, jener Kirche, zu deren Baukosten die blutigen Kreuzer der Armen und Aermsten aufeinander gelegt wurden und für welche der „Sendbote des heiligen Josef" noch immer um milde Gaben bis zu den kleinsten Beträgen herab bittet. 15.000 Kronen für vier Zeilen! Wie leicht müßte cs doch dem Pfarrer Deckert bei seinerangeblichen Kenntniß der hebräischen Sprache und des Talmud sein, diesen lmmerhin bedeutenden Betrag für seinen heiligen Zweck zu gewinnen. Und siehe da —Pfarrer Deckert kneift aus, er vermag jene vier Zeilen nicht zu lesen, er ist gebrandmarkt! Nicht aus dem Talmud hat er seine schamlos erlogenen Citate geschöpft, sondern aus den Schriften deutscher Betrüger oder Spaßvögel, welche jene Sätze in den Talmud hineingedichtet haben. Er ist nicht im Stande, auch nur eine Zeile des Talmud richtig zu lesen und er setzt dem öffentlichen Angebot des Dr. Bloch ein beharrliches Stillschweigen entgegen. Dieses Angebot aber ist kein eitles Fechterkunststück, es ist kein bloßes journalistisches Manöver, sondern erscheint nunmehr öffentlich vor Gericht festgestellt. Das war der Zweck der Berichtigungsklage, welche der Abg. Dr. Bloch gegen das „Deutsche Volksblatt" angestrengt hatte. Nicht darum handelte es sich, die Lügen und persönlichen Jnvectiven, welche Herr Deckert in diesem Blatte gegen Dr. Bloch gerichtet hatte, zurückzuweisen. Was das Blatt eines Vergani, welches von den eigenen Parteigenossen als „ein scheußliches Bild journalistischer Verkommenheit und Corruption" „cynisch, gemein und charakterlos" gebrandmarkt wurde, gegen uns schreibt und

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