Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 26 (29.6.1894)
- Date
- 1894-06-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 518 Vestrrretchtfche Wochenschrift Nr. 26 Oontradletio in adjeeto. Jawohl, „ein Schauspiel für Götter" dieses Duett -wischen „Vaterland" und „Deutsches Volksblatt". Das Eine nennt das Andere dumm Und Beide wissen nichts — als wie dem Volk das Fell über die Ohren zu ziehen. Herrn Dr. N. K. in Czernowih. Vielleicht in einer der nächsten Nummern. Im Uebrigen können wir Ihrer Ansicht nicht voll und ganz beipflichten, die wahren Träger des wirklich „liberalen" Gedankens sind eben, so paradox dies Ihnen auch scheinen mag, die Juden und die Socialdemokraten, weil eben Beide nur bei einer fortschreitenden Entwicklung der Menschheit ihre Ziele: volle, unabhängige Anerkennung ihrer Principien erreichen können. Alles Uebrige ist — Talmiwaare. Opportunitätsgründe verhindern uns, dieses Paradoxon des Näheren zu begründen. Falls Sie thatsächlich hieher kommen, würde es uns freuen. Sie bei uns zu scheu. Herrn Lazar D.t in Lemberg. Sie irren sich; nicht Heine sagte es, sondern er citirte blos Thomas von Münzer, u. zw. in „Das Bürgerthum" (Beilage zu Art. VI).- „Siehe zu, die Grundsuppe des Wuchers, der Dieberei und der Räuberei sind unsere Großen und Herren, nehmen alle Kreaturen zum Eigenthmn, die Fische im Wasser, die Bögel in der Luft, das Gewächs aus Erden, Alles muß ihr sein. (Jes. V).die Herren machen das selber, daß ihnen der arme Mann feind wird." U. s. w. — Band 9 Seite 121 der Ausgabe von Hoffmann und Campe. Frau Ch. Kr. in W. „Da liegt eben der Has im Pfeffer!" Nicht das Predigen der Humanität, sondern nur das Thun hat Werth; desto schlimmer, wenn man, wie „Ehren"-Vergani, viel von Moral spricht, aber um jo weniger davon besitzt. Von dem, was Einer am Wenigsten hat, davon spricht er meist auch am Meisten; z. B. wie Vergani von Moral und Geist. Katholischer Arbeiter (?) „Oder was beißt mi" sagt der Wiener. Die „christlich-sociale" Partei,— dieser Schnittlauch auf allen Suppen — verficht in politischem Sinne die Interessen der Conservativen; kirchlich jene der Orthod—oxen; volkswirthschaftlich die der Agrarier, und wurde von Stöcker und Wagner 1878 gebraut aus 10 Gramm Unfall- und Krankenversicherung, 4 Gramm Abschaffung der K inderarbeit, 4 Gramm Einschränkung der Frauenarbeit, 2 Gramm Sonntagsruhe, 40 Gramm Christenthum, versetzt mit ebensoviel Gramm der Essenz Antisemitismus. Staatsbeamter. Zur Charakteristik der angeblichen Beamtenfreundlichkeit dieses antisemitischen Moniteurs Folgendes: Am Samstag, den 28. September 1889 brachte das „Deutsche Volksblatt' folgende Apostrophe eines Beamtensohnes an seinen Vater: „Vater! Wer ist drr größte Lump? Ich, der ich Dir das Geld stehle sü r's Zeche n, oderDu, derDu dem Staate dasGeld st i e h l st s ü r's Nichtsthun?" — Sapienti sat! Herrn E. Szeurnees in Budapest. Pah! Wie sagt doch nur der Pfarrer Hell zum Grasen Finsterling in Anzengruber's „Pfarrer von Kirchfeld"? „Man schleudert heutzutag den Bannstrahl nicht so leicht, man weiß es, der Verlor'ne lacht des Pieiles, der matt ihm von der Brust abprallt." Herrn Moxitz F. in Budtveis. Daß „Ritter von" Schönerer, der „Herrgott von Zwettl", in seinem ohnmächtigen Wüthen bereits zu einem verächtlichen Denuncianten wurde, macht Vergani Freude, indem zur „Vergani-Moral" sich auch eine „Schönerer-Moral" gesellt und „G.'eiche Kappen, gleiche Brüder". Herrn Walter in Linz. Das ist eben Ansichtssache, wie Ihnen nachstehendes Uriheil zeigt: Am 4. Mai l. I. wurde in die „Drei- Engel"-Säle eine allgemeine Versammlung der strikenden Tischlrrgehilfen einberufen, in welcher einer der Redner, Alois Krejczi, Redacteur einer czechlschen Arbeiterzeitung, in scharfen Redewendungen das Vorgehen des antst'emiirfchen Gemeinderathes und Tischlermeisters einer abfälligen Kritrk unterzog. Zum Schlüsse seiner Ausführungen sagte er, die Arbeiter wären, wenn sie sich Herrn Jedliczka und seinem antisemitischen Heerbann ux die Arme würfen, gerade so verloren, als wenn sie Hilfe bei der Polizei suchen möchten, wo sie gewiß nie etwas Ersprießliches zu hoffen haben. Wegen dieser Parallele zwischen Antisemitismus und Polizei wurde Krejczi vom Strafrichter des Bezirksgerichtes Wieden der Beleidigung der Polizeibehörde schuldig erkannt und zu acht Tagen strengen Arrests oerurtheilt. Herrn Dr. D.' in Lemverg. Hinsichtlich der von den Feinden der Civilehe und insbesonders den Antisemiten mit so großem Behagen citirten Worte Bisniarck's vom Jahre 1649: „Als ein wirkliches Bedürfnis kann ich die Civilehe nur für die Reformjuden anerkennen", antworten wir Ihnen, gleichfalls mit einem von Bismarck im Jahre 1893 gesprochenen Worte: Glaubt denndas Rindviehzeug, daß man an der Spitze eines großen Staates alle Jahre dasselbe thun kann? Der Staatsmann ist abhängig von den Zeitverhältnissen und der politischen Strömung." „Antisemit ist ein Ehrentitel." Ja, so stand es thatsächlich im „Volksblatt". Er ist es auch, aber nur in jenem Sinne, in welchem Falstaff, diese „zaubergewaltige" Lustspielerjcheinung Shakespearc's die Ehre desinirt: „Was ist Ehre? Ein Wort. Was steckt in diesem Worte Ehre? Was ist diese Ehre? — Luft! Eine feine Rechnung. Wer hat sie? Er, der am vergangenen Mittwoch starb? Fühlt er sie? Nein. Hört er sie? Nein. Sie ist also nicht fühlbar? Für den Todten nicht. Liebt er sie nicht etwa mit den Lebendigen? Nein. Warum nicht? Die Verleumdung läßt es nicht zu. I ch m a g s i e a l s o n i ch t. Ehre ist ein bloßes Leichenwappen; und so endigt mein Katechismus." — Und für heute auch der meine. Cultusvorstand Syborten: Wir bedauern aufrichtig, daß es uns unmöglich ist diese Angelegenheit zur öffentlichen Discussion zu bringen. Was werden unsere Feinde sagen? G in N. Der 10. September 1870 --- 14 Elul 5630. K. Dr. Kohn-Kovacz hat sich mit Dr. Zechmeister „solidarisch" erklärt. Wie weit die verleumdungswüthige Niedertracht sich hervorwagt, ersehen Sie aus der Angabe des „D. B." vom 27. Juni: „Wie mau uns mittheilt, hat Professor Nothnagel eine Versammlung der ausgetretenen Mitglieder der Rettungsgesellschaft seinerzeit einberufen und sie dort über die Fragestellung und deren Beantwortung in der Commission unterrichte t." Druckfehlerberichtigung. Wien, 24. Juni. Hochgeehrte Redaction! In meinem Aufsatze „Wohin der Antisemitismus führen kann" haben sich zwei sehr sinnstörende Druckfehler eingeschlichen, welche ich in der nächsten Nummer gefälligst zu berichtigen bitte: „Seite 482, Spalte 1, Zeile 35 soll es statt großen Taaffe heißen: Grafen T. — Seite 482, Spalte 2, Zeile 22 statt Nachahmer der Moral soll es heißen: Nachahmer der Marat. Hochachtungsvoll _ M. An unsere Glaubensgenossen! Seit 25 Jahren wurden wir durch die Reformirung der hiesigen Synagoge gezwungen, eine mittelst hohen Ministerialerlasses ddo. 21. November 1872 Z. 14978 separate Betversammlung zu bilden, um unsere Andacht in traditioneller Weise zu begehen. Wir leben jetzt mit unserer Gemeinde in Frieden, jedoch ist unser Betlocal als sanitätswidrig erklärt worden. Wir sehen uns daher genöthigt, schleunigst ein | passendes Betlocal zu erbauen.! Es fehlt uns an jeglichem Fonde zur Bestreitung unserer Cultusbedürfnisse, und wiewohl wir ausserdem an die Hauptgemeinde Cultussteuer entrichten müssen, ist selbe gesetzlich nicht verpflichtet, uns zu subventioniren. Wir können unsere Gebete nur in traditionell vorschviftsmässig erbautem Betlocale verrichten. Möge der Leser dieses Aufrufes mit Reformgelüsten noch so sehr ausgestattet sein, möge er sich noch so entfernt fühlen, muss die Nothwendigkeit der Erhaltung eines traditionellen Betlocales, verbunden mit einem Bet- Hamidrasch, wo täglich die jüdische Lehre gepflegt, Talmud geleint wird, dennoeh eingesehen und als Erinnerung an das Alte, ein solches Unternehmen unterstützt werden, denn bei dem heutigen Indifferentismus ginge die alte Lehre verloren. Wir wollen an Niemand wegen einer Spende heran-^, treten, wiewohl wir ausser Stande sind, die Kosten der Erbauung des Betlocales zu bestreiten, wir wollen nur wohltbätigen jüdischen Herzen Gelegenheit zu einer guten That geben. Wessen Herz noch für das wahre Judenthum schlägt, wird sein Schärflein, seinen Verhältnissen entsprechend, beitragen. Jede Summe, ob gross oder klein, wird dankend angenommen, jedoch wird Spendern von ff. 100 aufwärts, die Berechtigung ertheilt, sich diesen Betrag, ob dem neuerbauten Hause gründbücherlich sicherzustellen und können dafür Gebete für das Seelenheil, sogenannte gestiftet werden. Das Spendenverzeichniss wird veröffentlicht. Näheres beim Cassier Jakob H. Glück. Ung.-Brod, 24. Juni 1894. — 20. Siwan 5654. Markus Beck. Anton Beck. Moises Mayer. Jacob 8. Schön. Jacob H. Glück, Verantwort!. Redacteur: Albert Kohn. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)