Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 25 (22.6.1894)
- Date
- 1894-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ac~ Nach der Confiscation s Zweite Auflage. Nr. 25. Wien- 22. Juni 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für die grfsmmten Interessen des Judenthums. «- K. k. PostsparrkiNrn-Nmi Clearingv erkrhr Nr. 610.976. DrLsclion und Administration: Wien Fran; Josefs-Quai Nr. 3. Telophoii'Nr. 6535. HersusgeLrr: Reichsralhs-Akgeordneter vr. Kloch. -—’M1 »■<" -- Erscheint jeden Freitag. U Man abonnirt bei allen Postanstalten des In- und Auslandes. BejugapreiH für Sestrrrrtrk»: Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare 25 kr. Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. lOJtr. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4nral gespaltete Petitzeile 12 kr. Inhalt. Leitartikel: Im Anfang war das Wart. — Wohin der Antisemitismus führen kann. — Deckertiana. — Vom Jahrmar des Lebens. — Teutobold, der Judenriecher. — „Judenreine und verjudete Sommerfrischen." — Berichtigung. — Correspoü denzen: Wien, Tarnopol, Roth-Janowitz, Krakau, Bxody, Prag, Gurahumora, Berlin, Köln. — Vermischtes: Wien, Budapest, Lemberg, Prag, Deutsch-Brod, Kuttenplan, Virovitica, Kolomea, Hildesheim, Hamburg, London, Rom, Constantinopel, Washington. — »Xol nicke«. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. ,,Im Anfang war das Wort".; Das „Vaterland" veröffentlichte in seiner Sonntagsnummer einen bemerkenswerthen Artikel: „Der Antisemitismus und seine Bekämpfung", welcher offenbar die Tendenz verfolgt, die jüdischen Gegner der Coalition zu versöhnen. Wenn man sich der noch nicht allzu fernen Zeit erinnert, wo der vom „Vaterland" gebrandmarkte brutale Antisemitismus auch in den Spalten dieses Blattes ab und zu seine Pflege fand, so kann die Wandlung, die da zum Ausdruck kommt, jedenfalls als ein bedeutender Fortschritt bezeichnet werden. Diese Wandlung in den Anschauungen des conservativen Blattes hängt zweifellos mit der Enunciation des Ministerpräsidenten Fürsten Windischgrätzzusammen. von welcherdas Organ des Hohenwart-Clubs zu berichten wußte. Das „Vaterland" theilte in derselben Nummer mit, daß der Ministerpräsident Fürst Windischgrätz einer Deputation des katholischen Lehrerbundes gegenüber den Wunsch ausgesprochen, auf die Erhaltung und Beförderung des confessionellen Friedens und die Pflege der christlichen Nächstenliebe bedacht zu sein und sich von antisemitischen Bestrebungen fernzuh alten. Der Ministerpräsident hat damit Millionen von Oesterreichern, die des künstlich in die Bevölkerung hineingetragenen Zankes erzmüde geworden sind, aus der Seele gesprochen — vorausgesetzt natürlich, daß dem Worte auch ein Inhalt gegeben wird. Durch leere Worte läßt sich heute Niemand mehr einschüchtern und eine anderthalb Jahrzehnte andauernde politische Arbeit hat den Glauben an die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit schwer erschüttert. Die antisemitische Hacke beeilt sich denn auch, in einem Leitartikel zu erklären: „Von authentischer Seite wird uns versichert, daß dieser Bericht des „Vaterland" nicht vom Lehrer- Kunde und auch durchaus nicht voll der Wahrheit entspricht." Der Fürst sprach blos von der Thätigkeit des Lehrers „innerhalb seines beruflichen Wirkungskreises"; der Lehrer, der außerhalb der Schule, in den Antisemitenvereinen und Versammlungen als Redner von der Verderbtheit der jüdischen Natur, von der Nothwendigkeit, die Juden auszurotten, seine Zuhörer zu überzeugen benöthigt ist, „soll sich in der Schule der antisemitischen Bewegung enthalten", womit der „Vereinigte Christ" des „Deutschen Volksblatt" sich sogar einverstanden erklärt. Se. Durchlaucht der Herr Ministerpräsident Fürst Windischgrätz wird noch wiederholt die Erfahrung machen, daß der verschmitzten Lügenbande mit Worten, mit bloßen Worten nicht beizukommen ist. Dem Worte muß ein Inhalt verliehen werden! Constsrirt Constsrirt. Constsrirt. Das „Vaterland" meint: „Anstatt sich mit dem Schutze zu genügen, den die bestehenden gesetzlichen Normen jedem Staatsbürger gewähren, fordern die Wortführer der Judenschaft besondere Maßnahmen zu ihrem Schutze und äußern die bitterste Unzufriedenheit, wenn blos der einzelne Fall einer Verletzung ihrer Rechte bestraft und nicht gleich auch die Möglichkeit einer solchen Verletzung beseitigt wird." Nun, wir haben nichts Anderes verlangt, als daß das Gesetz dem Juden gegenüber in derselben Weise gehandhabt wird, wie gegenüber den Angehörigen anderer Confessionen. Wir verlangen weder neue Gesetze zu unseren Gunsten, noch polizeiliche Maßregel zu unserem Schutze; wir verlangen blos die Anwendung der bestehenden Gesetze, u. zw. auch dann, wenn der Jude sie anrust. Das ist b i s j e tz t nicht geschehen, die Gesetze existirten blos gegen die Juden, niemals für sie.