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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-15 · 24 (15.6.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 478 VekerredMche WochenfchrM 4ir. 24 Gleich das erste Stück der Sammlung, von dem sie den Namen führt: „Dämmern" ist ein Stimmungsbild in tiefem, warmem Braun. Die Conturen verschwimmen im Zwielicht. Um die ist es hier nicht zu thun, sondern um den Ton, und der hat, wie es in den Ateliers heißt — Qualität. Das letzte Stück „Warum", dem ersten verwandt, beschließt den Ring. An schmerzlichen Dissonanzen sind beide reich, die fremd und herb klingen, wie in den Nocturnen von Chopin. Die Wollust des Schmerzes, wer sie je empfunden, wird sie hier wiedererkennen. Echtes, weibliches Gefühl, tiefaufquellend, weitab von zerfließender Sentimentalität zeichnet die Art der Verfasserin. Der Humor kommt zu Wort jn dem liebevoll ausgeführten Genrebildcheu „Der alte Baron" und dem „Diner bei S a ch er". Ein weiblicher Torresani hat das letztere fesch und flott skizzirt. Es prickelt von nervösem Leben, an Pikant aufgesetzten Lichterchen ist es reich, und modern bis in den letzten Beistrich hinein. Der Sprechton ist getroffen, der Fremdworte-Mischmasch gibt dem Ding sein eigen Colorit. Es ist parfumirt mit allen aristokratischen Odeurs der Welt. Der feinen und schürfen Beobachtung hier und ganz besonders im „alten Baron" unser Compliment. Das wirkt Alles mit momentphotographischer Unmittelbarkeit. Da wird weder posirt, noch arrangirt, so wie die Leute sind, müssen sie vor die Mündung des Objectivs. Köstlich ist der Hagestolz von Major, der dem alten Baron mit seinen verspäteten Vorwürfen kommt, daß er — vor vierzig Jahren geheiratet hat! Und der Baron selbst, ganz gute, alte Zeit — der ist zum Greifen lebendig. Wir möchten wetten, daß er das „Fremdenblatt" abonnirt. Die beste der sieben Erzählungen, das reifste Kunstwerk, ist ohne Zweifel die „Hofdame". Ein Seelengemälde, das in seiner Schlichtheit von ergreifender Wirkung ist und sich zur Tragik erhebt — des Duldens und des Entsagens. „Jella", so treffliche Partien sie auch enthält, scheint uns doch ein wenig zu breit angelegt und dürfte durch verständige Kürzung gewinnen. Drollig ist die Scene, wo das Comteßchen der Mutter den Band „Tauchnitz" zurückgibt, den sie erst bis zur Hälfte durchgelesen, weil die Helden lauter — Protestanten sind. Das Gespräch springt dann auf die Juden über. „Also alle Menschen sind gleich — also auch-" fragte die Kleine: „Jella, Du exasperirst mich!" „Also auch die Juden, Mama?" — Das Wort droht der Gräfin in der Kehle stecken zu bleiben, doch in Gottes Namen: „Auch die Juden!" Jella macht ein sehr verblüfftes Gesicht. „Die Botschafter werde ich vielleicht in Wien kennen lernen, aber die Juden, Mama?!" Sie zögert ungläubig, die Gräfin läßt sich in keine weiteren Erörterungen ein, wenn sie ihr auch erzählt, daß bei Rothschild Feste sind, wo Comtesfen tanzen, so würde das die consessionelle Frage in dem armen, kleinen Kopfe nur noch mehr verwirren..." Mit dem Schluß von „Jella" können wir uns nicht so ganz zufrieden geben. Gewiß schließen die Modernen anders wie man vormals schloß, aber dieser Schluß scheint uns doch allzu „offen" und Jbsen's berühmte zugeschlagene Thür — auch ein „offener" Schluß — in der letzten Scene der „Nora" dagegen von nicht mißzuverstehender Deutlichkeit. Alles in Allem genommen, begrüßen wir in Marie von Glaser ein zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigendes, frisch aufstrebendes Talent, welches, wenn nicht Alles trügt, sich rasch einen Platz in der ersten Reihe erobern muß. „Dämmern" wird ohne Zweifel viel und mit Vergnügen gelesen werden, namentlich von den Frauen. Der Bürgersta'nd kennt ja die Aristokratie doch nur meist vom Hörensagen. Er hat nun Gelegenheit, sie wirklich kennen zu lernen, von einer feinen Beobachterin interessant und fesselnd geschildert. Jn ihren nächsten Büchern, welche eben so viele Erfolge bedeuten mögen, wird sie gewiß noch sorgfältigere, stylistischeToilette machen und ganz ä quatre epingles auftreten. Wer ihr Erstlingswerk „Zittergras" gelesen, der wird gewiß mit Vergnügen nach „Dämmern" greifen, und umgekehrt der Leser des Letzteren den Wunsch hegen, ein früheres Buch aus derselben Feder kennen zu lernen. Beide Werke hat die Verfasserin ihrer Mutter gewidmet — in tief empfundenen, beredten Worten. Und auch durch die meisten ihrer Erzählungen klingt eine Saite voll und stark: Mutterliebe! Ein Grund mehr, diese junge, begabte Schriftstellerin hochzuschätzen. F. P. Briefkasten. S. Pick, Goltsch-Jenikau. Wir haben das betreffende Inserat dem Chef des gegenwärtigen Hauses Königswarter brieflich vorgelegt. S. in Reichenberg. Baron Gundaccar und Baronin Bertha von Suttner sind rein arischer Abstammung. Sie sollten doch' sofort dies als Lüge erkannt haben, stand es doch in der „Deutschen Volksztg." O. in Nürnberg. Die Buchhandlung A. D e w a l d u. C v. in Berlin ist von dem Geschick der Firma L e s k in Wien ereilt worden. Priester, Agram. Ihre Anregung wurde in maßgebenden jüdischen Kreisen berathen, indessen wurde davor gewarnt. Der Einfluß der Geistlichkeit ist dermalen entscheidend in der Leitung Oesterreichs. R. v. M. in Prag. Sie verkennen die Sachlage. Wissen Sie was Goethe in seinen „geselligen Liedern" sagt: „Du mußt Herrschen und gewinnen, Oder dienen und verlieren, Leiden oder triumphiren, Hammer oder Amboß sein." Und nicht Jedermanns Sache ist es, Amboß zu sein. Herrn Mor. Ldsb. n. „Selbsterkenntniß." Das ..Deutsche Volksblatt" in seinem samstägigen Abendblatt gefällt sich im „Börsenwochenbericht" in der Selbsterkenntniß, daß „in der Regel gewöhnlich Jene über alle Kritik sich erhaben dünken, die unter aller Kritik — (wie z. V. Ehren-Vergani) — sind." Hoffen wir, daß dies auch der erste Schritt zur Besserung sei. — Nous verrons! Herrn Wolf, hier. Was wir zu der jüngst von der „hl. Einfalt" Gregorig im Gemeinderath eingebrachten Interpellation sagen? „Herr, verzeih' ihm seine Dummheit!" — Sie wissen ja, gegen die Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens und der Fluch ist ja nur, daß Blödsinn sie redet. Par nobile fratrum. Ja, auch wir haben diese Beobachtung bereits gemacht, daß das „Deutschs V o l ksblatt" lueus a non lucendo — am Ende seines Witzes ist und Zuflucht beim „Kikeriki" nimmt, um dortselbst Anlehrn an Geschmacklosigkeiten zu machen. Frau S. Wlf., Wieden. Auch Ihnen sei mit Goethe's Worten mutatis xoutandis geantwortet: „Durch Heftigkeit ersetzt der Antisemitismus, WaS ihm an Wahrheit und an Kläffen fehlt." Braunau. Sieht diesem durch seinen Judenhaß verblendeten Hohlkopf gleich. Jn einer Zeit, als die Teutonen noch Troglodyten waren und kaum noch gelernt hatten, den Feuerstein zu Werkzeugen zu bearbeiten, hatten die Juden schon epische Dichtungen und kunstreiche Paläste. Felix K. Gott bewahre! In der Levante und an der kleinasiatischen Küste heißt es: Ein Grieche überlistet zwei Juden, während zwei Griechen auf einen Armeuier kommen. Herrn F. v. F., k. k. Oberlieutenant. Herzlichen Dank für Ihre gütige Anerkennung. — Es ist dies in der Geschichte der Menschheit sehr deutlich zu ersehen. Ebenso wie nach der Lehre der Ballistik das Geschoß einen aufsteigenden Ast, einen Culminationspunkt. und einen absteigenden Ast besitzt, ebenso zeigen auch die Völker und Staaten eine solche Analogie. — Den Culminationspunkt der Papstmacht bezeichnet Inuoo6N2 III (1198—1216). Frau Ch. Kr. in W. Es ist insoferne richtig, daß ein Jude auf dem päpstl. Stuhl saß, als Papst Anaclet II. (1130—1138) ein Sohn des getauften röm. Juden Pierre Leoni war. Robert Vogel, Weinberge. „Jn tiefem Dunkel lag ich einst erwecket Durch einen bösen Traum aus meiner Ruh', Das Bild, das mir deu Schlaf vom Aug' geschrecket, Drückt mir mit Grau'n die Lider eilig zu!" Mehr wäre zu viel. Hermann in Tarnow. Der 18. Adar 5636 war der 14. März 1876. Tob. Gast, Krakau. Er lebte zuletzt in Stanislau. C., Berlin. Sie haben Recht: Der Aerger des Prof. Wagner ist begreiflich. Die Protestanten verlieren Prinzessinen und kriegen im Tausch dafür Aron Brimann und Paulus Meyer. Dr. S. Sie dürfen unbedenklich nach Wunsch die Documente zeichnen. Herrn Rudolf W. Was fällt Ihnen ein! Mit der abgethanen, bereits der Vergessenheit anheimgefallenen Gottheit der Ultra-Teutonen, in dessen Augen selbst Kirchenfürsten strengerer Observanz „Judenknechte" sind, noch zu polemisiren, dünkt uns unsere Feder viel zu gut. — Nicht sein Wirken, wohl aber die Interessen seiner, von seinem Vater als Bauunternehmer mit Hilfe jüdischen Capitales ererbten Million, gibt ihm noch ein gewisses Relief bei christlichen Schnorrern. „Ntter von" Schönerer hat sich selbst überlebt! „Ehrlirbend." Das ist nichts Neues, daß „Ehren"—Vergani (mit einem?zc:chen in Parenthese hinter dem Worte „Ehre") eine gegen Hieb, Stoß und Schlag unempfindliche Noshornhaut besitzt. Dies geht z. B. so recht deutlich wieder aus dem von ihm dem „Vaterland" gegebenen Refus hervor, als dieses ihm nahelegte, den Herausgeber I der „Ostdeutschen Rundschau" wegen Verleumdung gerichtlich zu bebelangen. „Wer Butter am Kopfe hat, geht eben nicht gerne in die Sonne."

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