Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-06-15 · 24 (15.6.1894) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021007-3021032--03584-3027728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 24. Wien, 15. Juni 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudrnthums. «- m &, k. Postsp arcal^en-Amt Clearingv erkrhr Nr. 810.976. ArdacUon und Administration: wie« Franz Josrfs-Nuai Nr. 3. Tel9phon*Nr. 6535 *= Herausgeber: Uerchsralhs-Abgeordneter vr. Kisch. Erscheint jeden Freitag. «H1 «■}»' M Man abonnirt bei allen Pollanstalten des In- und Auslandes. $ Bejugaprria für Srstrrrrirh: Halbjährig 4 fl. — S Ar. Einzelexemplare SS kr. Mr's Ausland: halbjährig L fl. — IO Ar. ganzjährig tO „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 19 kr. Inhalt: Leitartikel : Confection und Consession. — Vergani-Moral. — Die Stellung der Juden in der Criminalstatistik. — Vom Jahrmärkte des Lebens. — Die Zuckungen Rußlands. — Gedanken über Tolstoi's Werk. — Die Pflicht der Selbstvertheidigung. — Correspond enz en: Wien. Gumpoldskirchen, Zniesienie, Tarnow, Kaaden, Posen, Berlin, Bukarest, Sofia, Jerusalem. — Vermischtes: Wien, Krakau, Stanislau, Erlangen, Breslau, Kattowitz, Beuthen, Dresden, Constantinopel. — Schammai und Hillel. — »Kol nidre«. — Dämmern. — Briefkasten. — Inserate. Confection und Confesston. Confection und Consession sind zwei Dinge, welche dem normalen Verstand ganz entfernt von einander zu liegen scheinen. Scheere und Elle, Nadel und Zwirn haben keine Religion, jedes civilisirte Menschenkind, ob dieses oder jenes Glaubens, braucht Rock wie Hose. Unserem guten Oesterreich, dem Reiche der Unwahrscheinlichkeiten, ist es Vorbehalten gewesen, auch zwischen diesen beiden obigen Factoren einen sogar des politischen Beigeschmackes nicht entbehrenden Zusammenhang herzustellen. Wir werden zu dieser Betrachtung durch eine publicistische Discufsion angeregt, welche sich in den jüngsten Tagen in den Spalten der „Reuen Freien Presse" abgewickelt hat. Drage, der Secretär der Royal Commission on labour, hat ein Buch über die österreichischen Arbeiterverhältnifse veröffentlicht und Herr Professor Eugen von Philippovi ch in der „Neuen Freien Presse" in zwei Leitartikeln aus demselben ein ziemlich ausführliches Resume mitgetheilt. Die Publication des Herrn Drage selbst theilt nebst manchen ihr eigenthümlichen Vorzügen mit den meisten solcher von Nichtfachleuten herrührenden Bemühungen den Fehler, daß der Verfasser selbst jenes Maß wirklicher praktischer Kenntnisse und Erfahrungen aus dem gewerblichen Leben entbehrt, die nöthig sind, um auch nur die von den eigentlichen Berufskreisen herstammenden Daten bezüglich der Unbefangenheit ihrer Geber zu controliren und auf ihre Richtigkeit hin prüfen zu können. Die betreffs der Wiener Confection durch Herrn Drage angegebenen Ausführungen haben nun von Seiten des „Orient", des Vereines der Export-Confectionäre in Wien, eine Entgegnung hervorgerufen, die wir zum Berständniß des vorliegenden Conflictes hier folgen lassen: „Herr Professor Dr. Eugen v. Philippovich theilt den Lesern Ihres geehrten Blattes in den Nummern vom 6. und 7. Juni aus dem Berichte Geoffrey Drage's, des Secretärs der „Royal Commission on labour“, Angaben mit, welche wir im Interesse der österreichischen Industrie richtigstellen müssen. „Wir haben nicht den Beruf, die Glaubwürdigkeit und! Verläßlichkeit der Mittheilungen des Herrn Drage bezüglich anderer Branchen zu untersuchen, aber wir stellen ohneweiters fest, daß die speciell über unseren Exportzweig gemachten Angaben den Thatsachen vollständig widersprechen. Herr Drage stützt sich auf Daten, die er von der Wiener Schneidergenossenfchaft erhalten hätte. Nach dieser seiner Quelle hätte eine Abnahme der Nachfrage nach österreichischen Kleidern in Egypten und in der Levante stattgefunden und zögen es jetzt die Importeure vor, ihre Aufträge nach Frankreich und England zu senden. Die Unkenntniß des Gegenstandes, welche der Herr Secretär der Royal Commission durch die Aufnahme dieser merkwürdigen Behauptung bekundet, kann completer gar nicht gedacht werden und ist bei einem Engländer, dessen Landsleute und Regierung heute Egypten verwalten, geradezu auffallend, Ein einziger Blick in die dortigen, Jedwedem zugänglichen Jmporttabellen hätte ihm zeigen müssen, nicht nur daß der Herrenkleiderimport aus Oesterreich nach dort stetig wächst, sondern daß ein anderer solcher Import als aus Oesterreich überhaupt gar nicht besteht. Das Kleidergeschäft in ganz Egypten liegt in den Händen der österreichischen Kaufleute, welche ihre Waaren in Wien erzeugen lassen und dort in deren Magazinen selbst verkaufen. Von nichtösterreichischen Etablissements der Art hat bis vor Kurzem nur noch ein französisches Magazin bestanden, welches jüngst liquidirt hat, und es bestehen nur noch einige kleinere griechische Firmen, welche aber gleichfalls nur österreichische, von Wiener Groffisten herrührende Waare führen." Der Werth der Untersuchungen des Herrn Drage auch bezüglich der Leistungsfähigkeit österreichischer Confection wird wohl am deutlichsten durch die Thatsache illustrirt, daß selbst die englische Civilverwaltung Egyptens ihren ganzen eigenen Bedarf an Uniformsorten für die verschiedensten Zweige in den letzten Jahren zumeist an eine österreichische Firma vergeben hat, ja vielfach die Confectionirung selbst jener Uniformen, zu denen sie sich die Verwendung englischer Stoffe bedingte. Ebenso hat auch schon die geringe Erleichterung, welche der jüngst mit Rumänien ab geschloffene Handelsvertrag bietet, unserer Confection genügt, um den mit dort ganz abgerissenen Faden wieder neu zu knüpfen. Wir fordern übrigens den Herrn Drage direct auf, auch nur ein einziges nichtösterreichisches Haus zu nennen, welches in Commerzkleiderwaare nach dort einen regelniäßigen Import betreibt oder dies gegen die österreichische Concurrenz zu thun im Stande wäre. Ebenso ausschließlich österreichisch ist der gesummte Kleiderhandel in der Levante und in der Türkei." Herr Drage hatte als seine Quelle die Wiener Schneiderinnung angeführt. Hierüber bemerkt nun weiter der „Orient" in seiner Entgegnung: „Die Schneidergenossenschaft Wiens steht traditionell der Wiener Exportconfection feindselig gegenüber. Letztere exportirt, wie von dem Delegirten des „Orient", Herrn Sigmund Mayer, in der Gewerbeenquete des Abgeordnetenhauses dargelegt worden ist, nahezu, wenn nicht ganz, so viel an Kleidern, als die gesummte männliche Bevölkerung Wiens selbst consumirt. Nichtsdestoweniger scheint die Genossenschaft offenbar von der Beschränkung, ja Aufhebung dieses Exportes maeBamm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.