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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-25 · 21 (25.5.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21. Wien, 25. Mai 1894. Jahrgang XI. Centralorgan für die gefammtrn Interessen des Iudenthums. MM K. k. PostsparraWen-Ami Clearingverkehr Nr. 810.976. Lrd artton und Administration: W i r« rrausgeber: Rrichsralhs-Avgrordnelrr vr.Kloch. Erscheint jeden Freitag. Franz Iostf«-Nuai Nr. 3. Telophon.Nr. 6535. -- Man abonnirt bei allen Pofianfiatten des In- und.Auslandes. Srrugsgreis für Vrstrrrrirh: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare 25 kr. Tür'» Ausland: halbjährig S fl. — lOÄr. ganzjährig 10 „ 20 Anzeigen: Die 4mal gefpattetej Petitzeile 12 ft.! Inhalt Leitartikel : Pfarrer Deckert und Dr. Max Löw. — Vom Jahrmarkts des Lebens. — Judenreine Länder. — Die Judenschaft im Londoner Armenviertel. — Das jüdische Reich der Chazaren. — Corres pondenzen: Wien, Kopreinitz. Berlin, Baiern, Sofia, Braila, Kiew, Marokko, Stockholm. — Vermischtes: Wien, Prag, Hall, Wesselly a. d. M., Budapest, Brünn, Pilsen, &p:<- Hamburg, Rom, Kopenhagen. — Feuilleton: Blümchen. — Literatur.— Briefkasten. — Inserate. , Pfarrer Deckert und Dr. Max Loew. Das Schicksal führt gar seltsame Menschentypen zusammen. Wir haben seinerzeit für die Verbindung des Pfarrers Josef Deckert von Weinhaus mit Paulus M a y e r die Bezeichnung: „Ein edles Brüderpaar" gehabt, und wir können dieselbe Bezeichnung angesichts der Verbindung des Pfarrers Deckert mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Max Loew nur wiederholen. In jener Bezirksgerichtsverhandlung, bei welcher sich Herr Dr. Deckert wegen der Colportage des „Inden-Vaterunsers" zu verantworten und während derselben er seine gemeinschaftlich mit Paulus Meyer erfahrene Verurteilung ganz vergessen hatte, nannte er Herrn Dr. Max Loew als seinen Rechtsvertreter. Sonderbar! Der Pfarrer Deckert hat fast ausschließlich mit getauften oder ungetansten Juden zu thun. Auch Dr. Max Loew ist ein getaufter Jude. Paulus Mayer, Johann Tannenzapf, Max Loew, das ist schon eine ganze Galerie. Und der befremdliche Eindruck dieser Vorliebe des Pfarrers Deckert für jüdische Vertrauenspersonen wird noch erheblich gesteigert, wenn man berücksichtigt, daß Se. Hochwürden in der vorjährigen Schwurgerrchtsverhandlung mit Entrüstung erklärt hatte, daß er die „übelsten Erfahrungen" machen mußte, so oft er noch mit einem Juden — sei es einem getauften oder nicht getauften — in nähere Verbindung trat. Besagte Juden — die getauften sowohl wie die ungetauften — haben zwar genau dasselbe .von Herrn Pfarrer Deckert behauptet, es scheint, daß der Eine des Andern Lehrmeister und gelehriger Schüler zugleich war. Die Natur der Geschäfte, welche Herr Pfarrer Deckert neben seinem Priesteramte noch betreibt, bedingt es, daß er einen — wie sagen wir doch gleich — einen tüchtig gesalbten Advocaten habe. Ob er einen solchen in Herrn Dr. Max Loew gefunden hat, muß er selbst wissen, wir aber wollen uns diesen Rechtsanwalt in bengalischer Beleuchtung anschauen. Lange Jahre bestand im H. Wiener Gemeindebezirke der „Spar- und Vorschuß-Verein St. Josef", eine Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung, welche ganz und gar unter hochseudaler und clericaler Patronanz stand. Der erste Direktor dieses Unternehmens war der Leopoldstädter Pfarrer Poppenberge r. An der Spitze des Verwaltungsrathes stand der Präsident des Severinus-Vereines Anton Graf Per gen. Die Genossenschafter waren, durchwegs wohlhabende Leute, Weltpriester, Kaufleute, Privatiers,. Gewerbetreibende, Hausbesitzer re., während die Spareinleger zumeist den ärmsten Gesellschaftsclassen, (Bedienerinnen, Näherinnen, Taglöhner, Pfründner u. s. w.) angehörten, welche der Name des heiligen Josef und der geistlichen Herren, die das Vereinsvermögen verwalteten, mit vollem Vertrauen erfüllte. Aber es scheint, als ob der heilige Josef den Mißbrauch seines Namens zu geschäftlichen Speculationen überall mit Unheil strafte. Das Kuppelungs-Geschäft, welches Herr Pfarrer Deckert ursprünglich mit den Geldern des Weinhauser Kirchenbau-Vereines unternahm, schlug fehl, und über den Leopoldstädter Spar- und Vorschußverein St. Josef brach im Jahre 1890 eine Katastrophe herein. Zu jener Zeit bestand der Vorstand ausschließlich aus clericalen Antisemiten reinsten Wassers. Als der Concurs eröffnet wurde, fand man im Portefeuille eine Anzahl werthloser Wechsel, die belehnt worden waren. Von der Wirtschaft, welche da getrieben wurde, mag die Thatsache einen Begriff geben, daß ein Graphitbergwerk in Voitsau, welches in der Cridamasse mit 5000 fl. geschätzt wurde, in die Bilanz mit einem Werthe von 234.000 fl. eingestellt war und daß ein Bauerngut in Feitsch, das aus der Cridamasse mit 30.000 fl. verkauft wurde, in der Bilanz mit 80.000 fl. bewerthet war. Man sieht — der alttestamentarifche Name des heiligen Josef war diesen Herren ebensowenig wie dem Pfarrer Deckert zu schlecht, um die gewagtesten Geschäfte zu decken. Im Augenblicke des Zusammenbruches des Spar- und Vorschußvereines St. Josef tritt nun Herr Dr. Max Loew auf den Plan. Er wurde vom Gerichte zum provisorischen Mafseverwalter bestellt und er dachte wohl wie König Heinrich IV. daß Paris eine Messe werth sei. Die Creditmasse war immerhin eine so bedeutende, daß es sich wohl der Mühe lohnte, die Bestellung zum desinitiven Masseverwalter anzustreben. Bis dahin Jude, ließ sich Herr Dr. Max Loew taufen und begann sich als wüthenden Antisemiten und fanatischen Clericalen zu geriren. Für die solidarisch haftenden Genossenschafter, unter welchen sich reiche Männer befanden, handelte es sich nun darum, sich ihrer Verpflichtungen gegenüber den armen Spareinlegern, welche die Höhe von rund 1,200.000 fl. erreichten, in möglichst billiger Weise zu entledigen. Es wurde zu diesem Zwecke unter den armen Spareinlegern eine Agitation eingeleitet, welche von den Herren Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. K r ü k l und Dr. P o r z e r unterstützt und von dem Concursmasse-VerwalterDr. Max Loew nicht gehindert wurde, und welche dahin ging, den Spareinsmsm

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