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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-18 · 20 (18.5.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wien. 18. Mai 1894, Jahrgang XI Nr. 20 Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudrnthums. -^- rrausgebrr: Rerchsraths-Avgeordneler vr. Kloch. -—*^*-*H—- Erscheint jeden Freitag. -- Man abonnirt bei allen Postanstaltrn des In- und Auslandes. Inhalt: Leitartikel : Pfarrer Deckert unter dem Schutze der Coalition. — Memorandum. — Der rumänische Domänenminister Peter Carp über die rumänische Judenfrage. — Vom Jahrmärkte des Lebens. — lieber Synagogen-Bauten. — Correspondenzen: Wien, Wi.-Neustadt, Jaroslau. Berlin, Jassy. — Vermischtes: Wien, Jglau, Neu-Sandez. — Feui llet on: Blümchen. Literatur. — Briefkasten. — Inserate. R. K. Postspsrrslstn-Amt Clearingverkehr Ar. 810.976. Aedsrtion und Administration: Wien Franr Iostfs-Nusi Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. H - —£ vrrugsprri» für Srstrrrrieh: Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare 26 fr. Mr's Ausland: halbjährig 5 fl. 10 Ar. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die 4mnl geffjaltete] Petitzeile 12 fr. i Pfarrer Deckert unter dem Schutze I dep Coalition. Bon einem hervorragenden Mitgliede der Wiener israelit. Cultusgemeinde erhalten wir nachstehende Zuschrift: Die Wiener Tagesblätter melden übereinstimmend: „In einer am Pfingstmontag beim Dreher abgehalteneu Arbeiterversammlung, in welcher die bevorstehende Schulgesetzfeier erörtert wurde, kam das Vorgehen des Weinhauser Pfarrers Deckert zur Sprache. Arbeiter Schrammel sagte diesbezüglich> die liberale Parte; müsse den Ansprüchen der Clericalen energischer entgegentreten. Einen Beweis hiefür liefere die Deckert-Affaire. Dieser Mann habe es mit der Würde eines Priesters für vereinbar gehalten, solch traurige Agitationsmittel von der Kanzel herab zu benützen. (Unterbrechung seitens des Regierungsvertreters.) Schrammel sortfahrend : Diesen Herrn hätte man anders auf die Zehe treten sollen, allein man lies; ihn ruhig gewähren. Das kann den Arbeitern nicht gleichgiltig s:in, daß Pfarrer Deckert Schulkinder zum Colportiren seiner Schmier- und Schandschristen verwendete, da möge sich Pfarrer Deckert selbst hinstellen und sein „Vaterunser" selbst feilbieten und nicht unerfahrene Schulkinder hiezu verleiten. (Stürmischer Beifall.) Diese Mittheilung wirft ein merkwürdiges Schlaglicht auf die gesammte politische Lage. Wenn in den Antisemitenversammlungen gegen die Juden die schlimmsten Drohungen ausgestoßen und zur brutalen Vergewaltigung aufgereizt wurde, wenn man von „Schußgeld" sprach oder von „Hängen und Köpfen", so hat sich noch nie ein Regierungsvertreter gefunden, der den Redner unterbrochen hätte. Alle jene wüsten Hetzversammlungen, welche unsere Residenz vor dem In- und Ausland compromittirt haben, blieben von der Polizei geschont. Pfarrer Deckert durfte sogar von der Kanzel herab zu Haß und Brutalität gegen die Juden aufreizen. Nirgends findet sich ein Regierungsorgan veranlaßt, dem Gesetze Achtung zu verschaffen, wenn es dem Schutze der Juden gilt. Wenn aber in der Versammlung ein Redner dieses schmachvolle Treiben solcher Geistlicher einer Kritik unterzieht, so beeilt sich der Regierungsvertreter den Pfarrer von Weinhaus in Schutz zu nehmen, den Redner zu unterbrechen und zur Mäßigung zu mahnen. Herr Josef Deckert steht somit unter besonderer Obhut. Man hat sich vielfach gewundert, woher dieser Mann die Kühnheit schöpft zu seinem unerhörten Auftreten. Es zeigt sich aber, daß er die politische Situation, wie sie sich unter der Coalitionsregierung heraus gebildet hat, richtiger als wir taxirt. Die liberale Partei bezahlt den Preis für ihre Regierungsfähigkeit, indem sie die Juden ihrem Schicksale überläßt. Die liberalen Parteimänner auf der Ministerbank befolgen die Politik des verstorbenen Bürgermeisters Prix und seines gegenwärtigen Nachfolgers, als ob das traurige Bild der Wiener Gemeinderathsmajorität zur Nachahmung verlocken würde. Die Juden haben das Ministerium T a a f f e 15 Jahre erbittert bekämpft und der liberalen Partei in ihrer schwerer Lage unentwegt Helotendienste geleistet. Nun ist die Coalitionsregierung etablirt, wir empfangen unseren Lohn. Ich war ein treuer Anhänger der „liberalen Partei", darum auch erfreut, als die „paradoxale" Coalitionsmajorität zusammengeleimt worden, nun zeigt es sich leider, daß wir — die „geleimten" sind! Genehmigen Sie u. s. w. Memorandum") des „Allgemeinen Verbandes der eingebornen Israeliten Rumäniens." Dem Könige, der Regierung und den gesetzgebenden Körpern mr April 1898 überreicht. Im Namen des „Allgemeinen Verbandes der eingebornen Israeliten", welcher ausschließlich aus solchen im Lande geborenen und erzogenen Männern besieht, die ihre Militärdienstpflicht erfüllt haben, wenden wir uns an Sie mit der Bitte, sich mit der Klärung unserer gesetzlichen Stellung befassen zu wollen. *) Der Memorandum-Proeeß in Klausenburg hat, wie wir bereits in voriger Nummer berichtet haben, zu großen antimagyarischen Demonstrationen in Bukarest geführt. Die rumänische Preffe aller Parteien ergeht sich in wüsten Drohungen gegen das barbarische Ungarn und wendet fich an alle europäischen Völker um Intervention zum Schutz der angeblich unterdrückten Rumänen in Siebenbürgen. Dies veranlaßte die ,,Oefterr. Wochenschrift", sowohl in der letzten als in der vorliegenden Nummer zur Lage der Juden in Rumänien einige amtliche Arten vorzulegen. Europa soll nrtheilen, wo die Civilifation und wo die Barbarei das Scepter führt: in Ungarn oder in Rumänien.

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