Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 11 (1894)
- Issue
- 19 (11.5.1894)
- Date
- 1894-05-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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mmem Seite 382 Oestrrrrichischr Wochenschrift Nr. 18 fanden ihn umherstreifende russische Soldaten. Der menschenfreundliche Anführer hatte mit dem jungen Mann Mitleid und ließ ihn auf das Schloß des Grafen von .... witsch bringen, wo er sich durch die Sorgfalt des gastfreundlichen Hausherrn in kurzer Zeit zu einem kräftigen blühenden Manne erholte. Der Graf erkannte bald, welchen Schatz von Kenntnissen und Wissenschaften der junge deutsche Soldat besaß, deshalb sprach er eines Tages zu ihm: „Sie sind zwar Kriegsgefangener, sollten der Regierung übergeben werden, welches Loos Ihrer da harret, wissen Sie wohl. Wollen Sie sich aber verbindlich machen, bei mir 10 Jahre zu dienen, so werde ich mich für Sie verwenden, daß man Sie nicht zurückverlangt." Der junge Mann erwiderte ohne Zaudern: „Herr, Sie haben mich als Fremdling in Ihrem Hause gepflegt, ich bin und bleibe Ihr Diener so lange Sie es wünschen." Ludwigs bescheidenes Wesen, sein liebenswürdiges Benehmen, seine schöne Gestalt gewannen ihm die Neigung seines Vorgesetzten, aber auch die Gräfin war nicht blind gegen alle diese Vorzüge. Sie faßte große Neigung für den jungen Fremdling. Ludwig, wenn auch nicht gleichgiltig gegen die Reize der schönen Frau, blieb stets in den von der Pflicht, der Dankbarkeit ihm gezogenen Grenzen. Angelika kämpfte auch viel, doch waren ihre Grundsätze zu schwach. Sobald der Graf gestorben war, waren wohl die gesetzlichen Schranken gefallen; allein noch bestand ein großes Hinderniß in dem Wortlaute des Testamentes des Grasen, der die schöne Gräfin von der Erbschaft ausschloß, falls sie sich wieder verehelichen sollte. Sie unternahm eine Badereise, um sich zu erholen und zu zerstreuen und nun hatte das wohlwollende Geschick sie auch des letzten Hindernisses entledigt, die kleine Comteffe starb, wie wir oben gelesen und die Mutter wurde jetzt die alleinige Besitzerin des gesammten Vermögens. Aus dem Unglücke unserer Nebenmenschen erwächst oft unser eigenes Glück. Aus dem Grabe unserer Mitmenschen wächst der Baum, der die Früchte unserer heißen Wünsche trägt. Trotz der vielen Anbeter bemächtigte sich der Gräfin die Langeweile und Sehnsucht zog sie nach der Heimat, wo der Gegenstand ihrer Liebe lebte und so finden wir sie, ehe der Herbst zu Ende war, auf ihrem Schlosse, unweit der Stadt Wilna. Noch in demselben Jahre ward Ludwig der Gemahl der schönen Gräfin .... witsch und Besitzer einer großen Herrschaft. _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. Von Samuel W. Paschelcs' Jllustrirtem israelitischen Volkskaleuder ist soeben der 42. Jahrgang für das Jahr der Welt 5655 (1894—95) erschienen. Inhalt und Ausstattung des Kalenders, der sich bereits in zahlreichen israelitischen Familien als willkommener und bewährter Hausfreund eingebürgert hat, reihen ihn würdig seinen Vorgängern an und eine Neueinführung wird gewiß von Vielen mit Befriedigung ausgenommen werden. Ritualvorschriften beim öffentlichen Gottesdienst erscheinen nicht blos wie bisher in der manchen: Leser nicht geläufigen hebräischen Cursivschrift, sondern auch in deutschen Schriftlettern veröffentlicht. Der Kalender enthält anßrrdenl nebst dem Kalendarium das Verzeichniß der vorzüglichsten Messen und Märkte, sowie der Märkte in den namhaften Orten der Grenzgegenden Böhmens, Mährens und Schlesiens, das vollständige Verzeichnis; der Jahrmärkte in Böhmen, Mähren und Schlesien, Ober- und'Niederösterreich, Salzburg, Galizien, Bukowina, Siebenbürgen und Ungarn, die Stempel- und Gebührensätze für einige der im Geschäftsleben am häufigsten vorkommenden Geschäftsgegenstände, einen Auszug aus dem Notariatstarif, die neuen Post- und Telegraphen-Bestimmungen u. A. In den literarischen Beigaben finden wir eine Würdigung des Oberrabbiner-Stellvertreters der Prager isr. Cubusgemeinde Dr. Moritz Tauber anläßlich der 25jährigen Amtswirksamkeit desselben, einen poetischen Nachruf für den verstorbenen Prediger Adolf Jellinek und eine spannende historische Erzählung aus dem Prager Ghetto „Vorhang-Purim" von Schriftsteller Mathias Kisch. Briefkasten. Robb. Dr. Simon Wolfsohn, Lomnitz: Herzlichen Dank. R. in M. Wir werden nächstens dem alten Sünder die gebührende Antwort wieder einmal ertheilen. Oesterreichisch-Alpine Montan- Gesellschaft. Die 12. ordentliche Generalversammlung der Actionäre der Oesterreichisch-Alpinen Montangesellschaft findet am 26. Mai 1894, um 11 Uhr Vormittags, im Saale des Oesterr. Ingenieur, uns Architekten-Vereines in Wien, I., Eschenbachgaffe 9, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Berwaltungsrathes über den Geschäftsbetrieb pro 1893. 2. Vorlage der Jahresbilanz pro 1893. 3. Bericht und Anträge des Revisionsausschusses. 4. Beschluß über die Verwendung des Gewinnvortrages. 5. Wahl von 4 Verwaltungsraths-Mitgliedern. 6. Wahl der Rechnungs-Revisoren für die Geschäftsperiode 1894. 7. Bestimmung des Werthes der Anwesenheitsmarken des Berwaltungsrathes pro 1894. Jene Herren Actionäre, welche bei dieser Versammlung zu erscheinen beabsichtigen, werden ersucht, die im Sinne der §§ 15 und 17 der Statuten festgesetzte Zahl von mindestens 25 Stück Actien sammt den dazu gehörigen Coupons bis längstens einschließlich 18. Mai d. I. entweder in Wien bei der Liquidatur der Oesterreichisch- Alpinen Montangesellschaft I., Maximilianstraße 2, oder bei der Liquidatur der k. k. priv. Oesterr. Länderbank, I., Hohenstaufengasse 3, in Paris bei der Lnccursale der k. k. priv. Oesterr. Länderbank, 12 rue du 4 Septembre, bei dem Comptoir National d’Escompte de Paris, in Lyon bei dem Societe Lyonnaise de Depots et de Comptes Courants et de Credit Industriel, bei dem Comptoir National d’Escompte de Paris agence de Lyon, bei den Herren Evesque & Co., in Genf bei den Herren Cheneviöre & Co., in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effecten- und Wechselbank, in München bei der Bayerischen Vereinsbank von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags zu erlegen und unter Einem die aüf ihre Namen lautenden Legitimationskarten dagegen in Empfang zu nehmen. Bei den Deponirungen ist nebst den Actien eine arithmetisch geordnete und von den Herren Deponenten Unterzeichnete Consignation beizubringen.—Jeder Actionär ist zu so viel Stimmen berechtigt, wie viel Mal er 25 Actien vertritt. Das Stimmrecht in der Generalversammlung kann vom Actionär sowohl persönlich, als durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Actionärs ausgeübt werden; jedoch darf kein Bevollmächtigter mehr als fünf Vollmachten in seiner Person vereinigen. Frauen können ihr Stimmrecht durch Bevollmächtigte, Minderjährige, Curanden und juristische Personen durch ihre gesetzlichen oder den von diesen bestellten Vertretern ausüben. Der Bevollmächtigte, respective Vertreter braucht in diesem Falle nicht selbst stimmberechtigter Actionär zu sein. Wien, am 3. Mai 1894. Der Verwaltungsrath. OONCURS. Bei der Israel. Cultusgemeinde in Hofic kommt mit dem 1. September 1894 die Stelle eines geschulten Cantor und Koreh der zugleich geprüfter Volksschullehrer sein muss (womöglichst Schochet, um im Bedarfsfälle ausüben zu können) zur Besetzung. Mit diesem Posten ist ein jährlicher Gehalt von Ü. 600 nebst freier Wohnung und üblichen Emolumenten verbunden. Bewerber, welche der böhmischen Sprache auch mächtig sein müssen, haben ihre Gesuche mit Nachweis der Befähigung, Alter und Familienstand bis 25. Mai 1894 an den Cultusvojstand zu richten. Reisespesen werden nur dem Acceptirteü vergütet. Hofic (Böhmen), am 4. Mai 1894. Der Üultusvorstand Josef Müller* Soeben ist erschienen und durch den Verfasser zu beziehen. rtronian ’iBDm w nnvi wf „Hebräische und chaldäische Abbreviaturen, welche in dem talmudischen „Schriftthume und in Werken der hebräischen Literatur Vorkommen. „Gesammelt, alphabetisch geordnet, ins Deutsche übersetzt und erläutert „von PH. Lrderrr, rm. Rabbiner. Preis 60 kr. mit porto- „freier Zusendung. Bon demselben wird auch eine kleine Bibliothek werth- „voller hebräischer und rabbinischer Werke zu sehr redncirten Preisen „abgegeben. Genaue Auskunft ertheilt PH. Lederer in Marienbad i. B. Icli suche für meinen Freund auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege eine Lebensgefährtin aus religiös-sittlicher Judenfamilie, hübscher Erscheinung, mit feiner Bildung und wenigstens 40.000 Gulden Mitgift. Mein Freund ist ein tüchtiger strebsamer und gebildeter Kaufmann mit einem jährlichen kleinsten Einkommen von 15.000 Gulden in einer Provinzstadt. Nicht anonyme Anträge unter „Orestes für Pylades O. S. 1297" zur Weiterbeförderung an Haasenstein & Vogler, Wien, l/l, Berantwortl. Redacteur: Albert Kohn. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)