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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-05-04 · 18 (4.5.1894) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
18 (4.5.1894)
Date
1894-05-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 362 Orstrrreichifche Wochenschrift Nr. 18 dazu bekennt, ziehen wir es aus und dürfen es nicht verkümmern lassen, das wäre eine Todsünde!" Jetzt nahte sich Chajim dem schlummernden Kinde und hob das .Tuch, womit es bedeckt war, in die Höhe. Eiu wunderschönes Mädchen mit goldenen Locken, in ein Seidenröckchen gekleidet, lag da in tiefem Schlummer, einem schlafenden Engel ähnlich. Es mochte nicht ganz 3 Jahre alt sein, die schönen Formen des Gesichtchens, die seine zarte Haut ließen vermuthen, daß das Kind von vornehmen Eltern abstamme. Der Anblick ei^es schlafenden Kindes kann das härteste, gefühlloseste Herz rühren, umsomehr, wenn es wie dieses hier, verlassen ohne Schutz aus einer Haide, nicht ahnend der Gefahren, denen es ausqesetzt ist, sanft und ruhig schläft, als wäre es daheim in der Mutter Schoß gebettet. Die arme Hausirerfamilie stand tiefergriffen von einer unbekannten, unaussprechlichen Empfindung, sie lobten Gott, den weisen Lenker unserer Schritte, daß er sie hieher geführt zu dieser Stunde, sie wagten nicht, das Kind zu wecken, sondern bewunderten es im Stillen. Da brach der blinde Greis den Bann und sagte: „Nun uns Gott — gelobt sei er — zu seinen Werkzeugen erkoren, was zaudert ihr, was überlegt ihr noch, nehmt das Kind und kommt weiter!" „Aber Vater, lieber Vater, das Kind schläft, es ist gar so lieb, gar so schön, ich traue mich gar nicht es zu berühren und seinen süßen Schlummer zu stören." „Das wäre die Sanftmuth zu weit getrieben, wolltest Du, um den Schlummer des Kindes nicht zu stören, dasselbe hier liegen lassen, oder sollten wir hier so lange stehen, bis das Kind erwacht." Durch das etwas laute Gespräch erwachte das Kind endlich, langsam öffnete es seine Aeuglein, schaute mit seinen lieblichen blauen Augen verwundert die unbekannten Gesichter an und begann endlich ein ängstliches Geschrei und Worte auszusprechen, die den Hausirern völlig unbekannt waren. Die Weiber wandten alle Mittel an, das weinende Kind zu beruhigen; allein dieses verstand ihre Sprache nicht und wollte sich durchaus nicht beruhigen lassen, es weinte und schrie aus vollem Halse. Endlich zogen die Weiber einige Leckerbissen aus ihren Taschen, gaben sie dem weinenden Kinde und erreichten endlich das, daß das Kind nicht mehr so jämmerlich schrie. Dann wurde auf Chajims Gepäck ein Sitz bereitet und das Kind darauf gesetzt, mit Tüchern befestigt und raschen Schrittes ging es jetzt der Stadt T .... sch zu, wo eine große Judengemeinde war. Durch Schmeicheleien und Liebkosungen, durch gute Bissen und Spielereien hatte sich der arme Findling nach und nach an seine Finder gewöhnt. Es ward ruhiger und vertraulicher und die Hausirerfamilie hatte mit dem kleinen Schreihals große Freude, besonders da Chajim's Ehe nach zehnjähriger Dauer kinderlos war, sollte dies Mädchen das eigene Kind ersetzen. _(Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Aron: Arnold ist die übliche Uebcrsctzung von Aron. Ihre Befürchtung ist nicht begründet. Gustav Wohlheim, Neugradiska. Kränze ans den Särgen widerspricht dem jüdischem Geiste, der jüdischen Tradition und Sitte, widerspricht auch dem jüdischen Gesetze Die Kränze in der Synagoge zur Schau zu stellen, ist geradezu ein Scandat. N. D. Wir besitzen leider kein consiscirtes Exemplar. I. S. in Sf. Oesscntliche Spenden im Tempel tonnen gerichtlich cxequirt werden. (Notiz aus der Geschäftswelt.) Wir machen unsere Leser aufmerksam, daß die seit länger als zwanzig Jahren hier bestehende Firma D. Friedman», Juwelier, Wien, Nothenthurmstraße 9, in Liquidation tritt und einen vollständigen Ausverkauf ihres gesammten Waarenlagers zu sehr reducirten Preisen veranstaltet. Ein Theil desselben wird sogar unter dem Anschaffungswerthe abgegeben. Mit dem, was sich sonst „Ausverkauf" zu nennen pflegt und mit Recht keines allzu guten Rufes erfreut, hat der in Rede stehende nichts weiter gemein als den Namen. Mit dem Hause D. Friedmann wird im November dieses Jahres ein Geschäft von der Bildfläche verschwinden, welches sich sowohl in Wien wie in der Provinz — namentlich in Galizien und der Bukowina — in Folge seines streng soliden Gebahrens außerordentlicher Beliebtheit und uneingeschränkten Vertrauens erfreute. Daß der Ausverkauf nach denselben bekannten Principien geleitet werden wird, dafür bürgt Name und Ruf der Firma. Es bietet sich somit die eminent seltene Gelegenheit, gediegene und geschmackvolle Juwelen, Goldwaaren, Silbergegenstände und Taschenuhren zu thatsächlichen Occasionspreisen zu erwerben. Giselaverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen. Die Resultate, welche dieses unter dem Allerhöchsten Protectorate der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Gisela stehende Institut im Geschäftsjahre 1893 erzielte, sind ausgezeichnete gewesen. Wenn man den Jahresbericht und Rechnungsabschluß mit kritischem Auge prüft, so gelangt man zu dem erfreulichen Schluffe, daß dieses Institut nach allen Richtungen hin der eingehendsten Kritik Stand zu halten vermag. Bedeutende Production, hohe, bei der österr.-ung. Bank deponirte Reserven, solide Anlagewerthe, mäßige Spesen ^sind die Signatur dieser Bilanz, aus welcher wir einige Ziffern hier anführen wollen. Neuproduction im Jahre 1893 11 Millionen Gulden, Schlußstand des versicherten Capitales am 31. December 1893 26 6 Millionen Gulden, reiner Zuwachs im Berichtsjahre 7°3 Millionen Gulden, Prämieneinnahmen pro 1893 12 Millionen Gulden. Trotz der großen Production, deren Kosten vollständig abgeschrieben wurden, resultirte der sehr nahmhafte Reingewinn von fl. 69.145. Neben seiner erfolgreichen geschäftlichen Thätigkeit, welche den Giselaverein an die Spitze unserer heimischen Wechselseitigkeits-Anstalten stellt, hat derselbe auch ein ersprießliches Wirken in humanitärer Beziehung entfaltet, indem er aus dem Fonde zur Ausstattung armer Mädchen im Berichtsjahre 91 mittellose Mädchen bedachte. Die am 29. April im Saale der kaiserl. Akademie der Wissenschaften unter Vorsitz des Bereinspräsidenten Hofrathes Prof. Dr. W. T. Exner stattgehabte Generalversammlung anerkannte das segensreiche Wirken der Verwaltung im verflossenen Jahre und sprach derselben ihren Dank und das vollste Vertrauen aus. Die hierauf stattgefundene Wahl ergab die einstimmige Wiederberufung der Ausschußmitglieder zu ihren bisher mnegehabten Ehrenämtern. Karlsbad! Der Gefertigte beehrt sieh ergebenst anznzeigen, dass er das Haus „Tusculum“, Parkstrasse übernommen hat. Dasselbe liegt im schönsteu und vornehmsten Theile des (Kurortes, in unmittelbarer Nähe der Heilquellen und Ladehäuser, nahe am Walde, ist von einem schönen Garten umgeben und entspricht in sanitärer Beziehung, wie auch im Comfort allen Anforderungen der Neuzeit. Grössere und kleinere Wohnungen, sowie einzelne Zimmer stehen nach Wunsch zu massigen Preisen zur Verfügung und bittet der Gefertigte die geehrten Besucher Karlsbads, von dieser Anzeige frenndlichst Notiz nehmen zu wollen. J. Teinowitz, Cantor der isr. Cultusgemeinde Karlsbad (Böhmen). 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Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstraße 46. (Telephon 3288.)

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