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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-26 · 17 (26.4.1894) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
17 (26.4.1894)
Date
1894-04-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 344 Deflrrrrichiptze Wochenschrift Nr. 17 mit ihrem zugewiesenen Sprengel folgend constituirt: Herr Benedict Federer, MUDr., Neuern, als Cultusvorsteher; als Beiräthe die Herren: Bernhard Klein, k. k. Postmeister, Janowitz; Markus Benisch, Kaufmann, Deschenitz; Josef Stadler, Lederfabrikant, Drosau. Lemberg, 22. April. Die hiesige israel. Cultusgemeinde veranstaltet dreimal jährlich am Sukkott, Pessah und Wochenfeste einen feierlichen Militärgoftesdienst. Ein solcher Gottesdienst fand auch am 22. April nach dem allgemeinen Gottesdienste statt. In unserer großen Garnison ist die Anzahl der jüdischen Soldaten sehr beträchtlich, infolge dessen das Gotteshaus bis aufs letzte Plätzchen von Militär gefüllt war und boten die verschiedenen bunten Uniformen ein herrliches Bild. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung war ein k. k. Hauptmann delegirt. Herr Rabbiner Dr. Caro hielt an die junge Kriegerschaar eine von patriotischem Geiste durchglühte Predigt, die Hoffnung aussprechend, daß die jüdischen Soldaten jederzeit für Kaiser und Reich einstehen werden und schloß mit dem üblichen Segensspruch. Das von Obercantor Halpern in trefflicher Weise executirte Mussaffgebet, beschloß die schöne Feier und sichtlich erbaut verließen die Soldaten das Gotteshaus. Reichenberg. Der Handelsminister hat der Wiederwahl des Großindustriellen Herrn Alois Neumann zum Bicepräsidenten der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg die Bestätigung ertheilt. Hof, in Bayern, 12. April. Im benachbarten Asch wurde ein Müllermeister in Haft genommen, der. im Coupe des Egerer Zuges in einem antisemitischen Anfalle einen jüdischen Getreidehändler beinahe erdroffelt hatte. Bamberg, 3. April. Eine 5stündige antisemitische Versammlung verlief gestern Abends äußerst tumultuarisch. Ein Gegenredner mußte durch das Gangfenster den Saal verlassen und sich unter dem Schutze der Polizei aus dem Hause — Cafä Haas — entfernen. — Es wurde beschlossen, einen antisemitischen Verein zu gründen. Chicago. Frau Max Rosenthal hat 100.000 Dollars zur Verkeilung an das Hospital Michael Reese, die israelitische Handwerkerschule und das israelitische Waisenhaus in Cleveland geschenkt. Feuilleton. Der erste Client. Die Gemeinde zu L ... ist eine der ältesten in Ungarn und hält auch zähe an dem Alten bis auf den heutigen Tag trotz des ehernen Schrittes der Neuzeit durch die ganze Judenheit. In der Schule wird noch Bibel und Talmud unterrichtet, wie vor fünfzig Jahren und der Knabe, der über die Barmizwah hinaus beim Lernen bleibt, geht auf die Jeschibah, von wo aus er eine gute Partie macht und entweder Rabbiner oder mindestens ein „schöner Bal-Boit" wird. Noch niemals hatte ein L ... er eine höhere Schule besucht. Die einzigen wissenschaftlich Gebildeten der Gemeinde waren die Lehrer und der Arzt und diese sind immer Fremde gewesen. Einmal jedoch hat sich der Zeitgeist auch hieher verirrt und die moderne „Studirwuth" ein heimisches Kind erfaßt. Dieser eine Fall war aber umso auffallender, als er gerade einen Vater betraf, der der größte Eiferer für die alten Sitten in der Gemeinde war. Abraham Falk wurde als „Ille" nach Preßburg geschickt, wandte sich aber nach wenigen Jahren vom Talmudstudium ab und besuchte das Gymnasium dort. Als offener Charakter wollte er seine Eltern nicht täuschen und gestand ihnen in einem Briefe voll der Begeisterung für die weltlichen Wissenschaften seinen kühnen Schritt. Der Vater glaubte, die Schmach, die ihm sein eigen Kind zugefügt, nicht anders tilgen zu können, als durch eine unnatürliche Härte und sagte sich von dem verlornen Sohne los, die Mutter war toleranter und der Kummer um das geliebte Kind, dessen im Hause nicht mehr erwähnt werden durfte, nagte fortwährend an ihrem Herzen. So vergingen mehrere Jahre. Abraham Falk hatte als Student mit Noth und Elend zu kämpfen. Die Mutter versuchte mehrmals, ihm heimlich Unterstützung zukommen zu lassen, die er aber jedesmal als Diebstahl an seinem Vater zurückwies. Nach zurückgelegter Matura ging er nach der Hauptstadt. Er entschied sich für die Rechtsstudien und oblag denselben mit ganzer Hingebung. Sein heißester Wunsch war, als Vertheidiger in Strafsachen einst die Härten des Gesetzes mildern, Fesseln lösen und Unschuldige befreien zu können. Bei seinem fast asketischen Leben kam er in Speisehäusern mit den ärmsten Schichten des Volkes zusammen, sorgfältig aber in seiner äußeren Erscheinung, fand er auch Zutritt in den reichsten und vornehmsten Häusern, wo er jedoch mehr der Beobachter als der Mitgenießende war. Menschenkenntniß galt ihm als die oberste Bedingung zu seinem idealen Berufe, und von Natur schon mit allen Hilfsmitteln zum öffentlichen Redner ausgestattet, verwendete er noch großen Fleiß auf rhetorische Studien. So verließ er als Liebling der Professoren mit dem Doctordiplom die Universität und genoß als Concipient bei einem der ersten Advocaten bereits einen Ruf in seinem Fache, so daß er mit den besten Aussichten an die Eröffnung einer eigenen Kanzlei schreiten konnte. Einige Tage vor diesem wichtigen Abschnitte seines Lebens erhielt er einen Brief, worin ihm die gefährliche Krankheit seiner Mutter angezeigt wurde, die, seit einigen Wochen verwitwet, in den Armen des Sohnes zu sterben wünsche und Dr. Falk reiste unverzüglich in seine Heimat, die er seit fünfzehn Jahren nicht gesehen. Acht Tage darauf finden wir ihn in einem großen alteingerichteten Zimmer in seinem väterlichen Hause zu L... gebrochen. Er war soeben von dem Begräbniffe seiner Mutter zurückgekehrt. Seit seiner Ankunft war er von ihrem Krankenlager nicht gewichen. Der Vergangenheit wurde mit keinem Worte erwähnt. Das Mutterauge weidete sich an dem Anblicke des lange vermißten Kindes und er wieder wurde nicht müde, die dürren blaßen Hände zu küssen. Die einzigen Worte, die sie mehrmals des Tages wechselten, waren: „Nicht wahr, Abraham, Du wirst Deinem Vater und mir Kadisch nachsagen und unsere Jahrzeiten halten?" »Ich schwör' Dir bei Gott, ich bin ein treuer Jude und werde es bleiben." Nahe ihrem Ende bat sie ihn, ihr die letzten Gebete vorzusagen und mit dem Echad hauchte sie ihre Seele aus. Bei den Begräbnißceremonien zeigte er sich ganz als Jude, was schon theilweise die Kälte brach, womit ihm von allen Seiten begegnet wurde, und Einigen den Muth gab, ihn bis in das Trauerhaus zurückzubegleiten. Jetzt saß er da in dem Sterbezimmer allein. Er empfand einen unerträglichen Schmerz. Die Augen brannten ihn. Thränen hätten ihn erleichtert, aber er konnte nicht mehr weinen. Da hörte er draußen ein leises, unentschlossenes Räuspern vor der Thür. Er glaubte einen Tröstenden zu erwarten, den noch einige Scheu an der Schwelle zurückhalie. Es erschien aber ein Mädchen von 17 bis 18 Jahren, das an der halbgeöffneten Thüre betroffen stehen blieb und sich mehrere Male verbeugte. Dr. Falk stand auf, rückte ihr einen Sessel hin und sagte: „Nehmen Sie Platz." „Danke." Sie ging mit kleinen Schritten an den Tisch und setzte sich an eine Stuhlecke nieder. „Ich komme nicht zu dem Trauernden", sagte sie erröthend sondern zu dem jüdischen Advocaten aus der Hauptstadt." „Und womit kann ich dienen?" „Ich bitte um die Verteidigung meines unglücklichen Vaters, der unter der Anklage der körperlichen Verletzung seit drei Monaten in Untersuchungshaft ist und über welche Angelegenheit in acht Tagen die Hauptverhandlung stattfinden soll." „Und warum nehmen Sie nicht einen hiesigen Advocaten?" „Weil die ganze Affaire aus dem Antisemitismus entstanden ist und alle hiesigen Advocaten wie die Gerichtspersonen mehr oder weniger vom Antisemitismus angekränkelt sind. Nur ein jüdischer Vertheidiger kann helfen." „Erzählen Sie mir den Fall, aber so kurz tzls möglich." Und das Mädchen erzählte unter Thränen, ihr Vater ging behufs Einkassirung einer alten Schuld zu einem Wirthe. Mehrere gerade anwesende Gäste zogen gegen die Juden los mit den bekannten antisemitischen Schimpfworten, ihr Vater hatte den Muth, ihnen zu antworten, worauf sie sich anschickten, ihn thätlich anzugreifen, aber er erhob seinen Stock und versetzte dem Ersten, der auf ihn eindrang, einen solchen Hieb über's Gesicht, daß er blutüberströmt zusammenstürzte. Vom

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