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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-26 · 17 (26.4.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
17 (26.4.1894)
Date
1894-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Centralorgan für die gefammtrn Interessen des Iudenthums. Nach der Confiscation Wien, 26. Axril 1894. Nr. 17 Jahrgang XI. E- R. ft. Postsparralstn-Arnl Clraringverkrhr Ar. 810.976. Rrdarlton und Administration: Wien Frank Josefs-Dual Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. Herausgeürr: Rrichsraths-Avgrordneter Dr. KLoch. Erscheint jeden Freitag. & Man abonnier bei allen Pofianstallen des In- und Auslandes. & Derugsprris für Orstrrrrirh: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare 85 kr. Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. — 19 Ar. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 fr. Inhalt: Leitartikel :-— Voltaire und Pfarrer Deckert. — Eine Anfrage. — Vom Jahrmärkte des Lebens. — Noch einmal das Künstlerhaus. — Der Kampf um die Gleichberechtigung in der hessischen Landesververtretung. — Das jüdische Reich der Chazarim. — Afghanische Juden. — Das Judenthum und die Großstädte. — Correspondenzen: Wien, Olmütz, Tirol, Drohobyc;, Berlin. — Vermischtes: Wien, Budapest, Ung.-Brod, Prag, Teplitz, Rumburg, Proßnitz, Beraun, Lubenz, Deschenitz, Lemberg, Reichenberg, Hof, Bamberg, Chicago. — Feuilleton: Der erste Client — Cesare Lombroso über den Llntisemitismus. — Briefkasten. — Inserate. -Konfiszirt.- Ein Wort der Abwehr. Der Pfarrer Deckert von Weinhaus hat seiner ersten Hetzpredigt gegen die Juden noch sieben weitere folgen lassen. Die ganze Woche vor dem Beginn des jüdischen Passah-Festes war ausgesüllt von diesen Aeußerungen eines wilden, fanatischen Hasses, von diesen Wiederholungen tausendfach entkräfteter, gerichtlich als Ausgeburten einer wahnwitzigen Phantasie oder einer teuflischen Bosheit erwiesener Anklagen und Verleumdungen. In der Kirche von Weinhaus ist in diesen Tagen das Mittelalter mit seinem schrecklichsten Aberglauben und seinen blutigsten Jrrthümern wieder erstanden. Die Sprache, welche der Pfarrer Deckert führte, zeigt jene Verwilderung und Entsittlichung, welchezur Zeit der Hexeuprocesse und Landsknechte auch die Empfindungen weiblicher Schamhaftigkeit nicht schonte. Und welchen Gedanken lieh diese Sprache Ausdruck! Jede einzelne dieser Reden überbot die vorhergegangene an Lüge, Haß und Bosheit, an Ausbrüchen blutgieriger Verfolgungswuth. Man muß sich vergegenwärtigen, daß Pfarrer Deckert seine aufgelesenen Zoten und seine aufgeblasene Unwissenheit einem tiefgläubigen und zugleich geistig beschränkten Auditorium bot, dem das Wort des Priesters der Inbegriff der Wahrheit und Heiligkeit ist; man muß sich die unmittelbare Gewalt des lebendigen Wortes auf diese Gemüther vergegenwärtigen, um zu begreifen, welche unermeßliche Wirkung diese Hetzpredigten üben, zu welch' unberechenbaren Consequenzen sie führen können. Die Staatsbehörde hat das Juden-Vaterunser des Pfarrers Deckert-(Konfiszirt.)- (Konfiszirt.)-—-Das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Nationalitäten, Confefsionen und Gesellschaftsclassenist ein eminentes Interesse des Staates und ist durch das Strafgesetz geschützt. Konfiszirt. Konfiszirt. Das ist die Frage, die wir an die weltliche Behörde zu richten haben. Aber größer und schwerer vielleicht noch ist die Verantwortlichkeit der kirchlichen Oberbehörde. Wir sprechen nicht von der Blasphemie, die in der Entstellung des „Vaterunser" zu agitatorischen Zwecken gelegen ist. Aber der Pfarrer Deckert hat das alte Testament, welches die Grundlage der christlichen Lehre bildet, einer Wirthshaus-Kritik unterzogen, welche einer Besudelung dieses dem Christenthum wie dem Judenthum gleich heiligen Schriftschatzes gleichkommt. Er hat die patriarchalischen Gestalten des alten Testamentes, welche auch die katholische Kirche als Heilige verehrt, als wahre Konfiszirt —-geschildert. Das alte Testament hat dadurch an seiner Größe und Erhabenheit nichts eingebüßt, aber die kirchliche Behörde muß sich doch wohl fragen, ob durch solche frevelhafte Antastung dessen, was auch von der katholischen Kirche als göttliche Offenbarung anerkannt wird, nicht das Christenthum selbst in seinen tiefsten Wurzeln Schaden leidet? Der Pfarrer Deckert hat den Begriff der Nächstenliebe seinen Gläubigen in einem Sinne erläutert, welcher dem evangelischen Geiste direct widerstreitet und dem apostolischen Berufe der Kirche geradezu Hohn spricht. Ist all'.das noch nicht ausreichend, um das erzbischöfliche Consistorium zum Einschreiten zu veranlassen? Man sollte doch meinen, daß die ganze bisherige Thätigkeit des Pfarrers Deckert und das Urtheil, welches in- und außerhalb des Gerichtssaales über ihn gesprochen wurde, in der kirchlichen Behörde wohl einige Bedenken darüber hätte wecken sollen, ob dieser Mann der Ehre des Priesterstandes und dem Ansehen der katholischen Kirche förderlich sei! Und es ist noch ein Unterschied, ob Herr Deckert seine Lügen und Verleumdungen in einer Broschüre, oder ob er sie von der Kanzel herab in die Welt streut. Das Wort, das von der Kanzel verkündet wird, soll unanfechtbar sein, wie die Lehre der heiligen Schrift selber. Wer sich auf der Kanzel dem Widerspruche aussetzt, setzt damit den Glauben, dessen Diener er ist, dem Widerspruche aus. Es ist kaum zu begreifen, daß den Vorgesetzten des Pfarrers Deckert diese Wahrheit nicht schon längst zum Bewußtsein gekommen ist. Dieser Mann befleckt das Kleid, das er trägt, und entweiht den heiligen Ort, an welchen er im Dienste der reinen Gottesidee wirken soll. Und zu alledem schweigt die kirchliche Behörde? -:-Konfiszirt- Die kirchlichen Oberbehörden müssen sich doch vergegenwärtigen, daß die so schmählich und ungerecht Angegriffenen sich doch auch zu einem Worte der Abwehr gedrängt fühlen

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