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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1894-04-06 · 14 (6.4.1894) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
11 (1894)
Issue
14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 14. Wien, 6. April 1894. Tla^rj^ XI. Crntralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. K. k. Postsparrsffdn-Amt Clraringverkrhr Nr. 810.976. LedsrUon und Administration: Wien Frarrr Dofrss-Nnai Nr. 3. Telephon-Nr. 6535. - -■= - ==-=^=x .-—--— rrausgrbrr: Reichsraths-Avgeorduetrr vr. Kloch. - -M1 »K« - Erscheint jeden Freitag. - ■ ■ ■ Man abonnirt bei allen PofianstaUrn des In- und Auslandes. ^--=a Bspigxprti» für Srstrrrrirft: Halbjährig 4 fl. — 8 Str. Einzelexemplare 25 Ir. Für'» Ausland: halbjährig S fl. — 1 o Är. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltete | Petitzeile 12 fr. ’ Inhalt.* L e ij£a r ti t e I; Epilog zur jüngsten Wiener Reichsrathswahl. — Brotneid. — Budapester Briefe. — Der 4. Februar 1658. — Bon der Woche. — Bei Polnischen Inden. — Das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren. — Corres Pondenzen: Wien, Baden, Prag, Lemberg, Mannheim, Czernowitz, Coethen, Venedig. — Vermischtes: Wien, Salzburg, Paks, Podersam, Gr.- Meseritsch, Brüx, Lemberg, Grzymalow, Berlin, Hannover, Posen, Mailand, Paris, Algier. — Fürstengunst UH. — Eine wahre Theatergefchichte. — Wochenkalender — Inserate. Epilog zur jüngsten Wiener Reichsrakhstoahl. Die Reichsrathswahl in der Inneren Stadt hat Niemandem eine Ueberraschung und Niemandem eine Enttäuschung gebracht. Auch uns und unseren Glaubensgenossen nicht. Wir waren keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß die überwiegende Mehrheit der jüdischen Wählerschaft des ersten Bezirkes noch fest und treu zur liberalen Partei halte, der sie in fünfzehn Jahren des Kampfes unerschütterlich zur Seite gestanden ist, und wir haben dies auch als vollkommen gerechtfertigt befunden. Der Abgeordnete Dr. B l o ch . ist in der Vertrauensmänner-Versammlung der „Oesterreichisch-israelitischen Union" für die Candidatur Noske's aus zwei gewichtigen Gründen warm eingetreten. Zunächst darum, weil Herr Constantin Noske ein persönlich durchaus ehrenwerther Charakter, ein muthiger Mann, ein rücksichtsloser und erfolgreicher Bekämpfer der antisemitischen Hetze ist, der seine Pflicht stets nach sräften erfüllt und sich unbestreitbare Verdienste um die Vertheidigung der Rechte unserer bedrängten Glaubensgenossen erworben hat. Ja, auch die demokratischen Gegner dieser Candidatur können und konnten gegen Herrn Noske persönlich nichts einwenden. Sie führten den Kampf nicht gegen ihn, sondern gegen die Coalition überhaupt und die derzeitige politische Stellung der Vereinigten Linken. Und gerade nach dieser Richtung hat die Mehrheit der jüdischen Wähler einen klugen und besonnenen Standpunkt eingenommen, der in der erwähnten Versammlung gleichfalls von dem Abgeordneten Dr. Bloch zum Ausdruck gebracht wurde. Der Verlauf, welchen die Dinge in den fünf Monaten der Coalitionsära genommen, kann allerdings die Juden nicht befriedigen, geschweige denn begeistern. Aber diese kurze Frist von fünf Monaten gestattet auch kein endgiltiges und bestimmendes Urtheil darüber, wie sich der Einfluß der liberalen Partei im Rahmen der Coalition fernerhin gestalten wird. Man muß sich vor Uebereilungen hüten und ' vorerst noch abwarten. Die Situation ist für die führenden Männer der liberalen Partei zu neu und zu schwierig, als daß es ihnen verübelt werden könnte, wenn sie zunächst noch Lastend, prüfend und wählend den Weg nach vorwärts suchen. Das war,, wie gesagt, der Standpunkt des Abgeordneten Dr. Bloch und das war, wie sich bei der Wahl gezeigt hat, auch der Standpunkt der besonnenen jüdischen Wählerschaft, deren Stimmen Herrn Noske zum Siege verholfen haben. Trotz alledem bleibt die Candidatur Dr. Julius Ofner's und die Stimmenzahl, welche dieser hervorragende Mann auf sich vereinigte, ein ernstes Symptom, welches die liberale Partei für die Bestimmung ihres künftigen Weges nicht außer Acht lassen darf. Wir sprechen dies offen aus mit besonderer Beziehung auf jene Worte, welche dem Abgeordneten Wrabetz während des Wahlkampfes gegenüber den Juden entschlüpft sind. Herr Wrabetz erklärte, daß seine Parteigenossen es sich wohl überlegen würden, sich noch weiterhin „Judenknechte" schimpfen zu lassen, wenn die Wähler jüdischer Confession dem Candidaten der Vereinigten Linken den Rücken kehren wollten. Herr Wrabetz zählt zu jenen wenigen liberalen Abgeordneten, denen wir noch relativ am meisten Sympathie entgegenbringen, seine sonderbare Aeußerung hat gerade darum allgemeine Aufmerksamkeit erweckt. Daß die „liberale" Partei auch für die Grundsätze des Liberalismus und somit für die Rechtsgleichheit aller Bürger, ohne Rücksicht auf deren politische Parteistellung, einzutreten verpflichtet sei — daran hat Herr Wrabetz vergessen. Wenn die Juden keine Parteiheloten sein mögen, so wollen die Liberalen auch keine „Judenknechte" mehr sein. Entweder—Oder, sagen unsere „liberalen" Freunde! Um solchen Preis wollte aber auch Graf Ta affe, wollte sogar Für st Bismarck „Judenknecht" werden. Die beiden Staatsmänner waren bekanntermaßen gerne bereit, die antisemitische Hetze im Keime zu unterdrücken, wenn sich die Juden ihrerseits zu einer mehr freundlichen politischen Haltung gegen die Regierung bequemen wollten! Die „Liberalen" sind in Bezug auf die Juden „freisinnig", wenn die Juden ihnen bei den .Wahlen Heerfolge leisten, und es wird diesen selbigen Juden großmüthig dann gestattet, für die liberalen Candidaten zu stimmen. Einen weiteren Vortheil aber haben die Juden von der liberalen Partei auch bisher nicht gehabt. Die liberalen Parteiführer haben sich auch bis nun nicht besonders angestrengt, um die Juden vor öffentlichen Anfeindungen zu schützen, die liberalen Minister verfahren in Bezug auf Ernennungen gegenüber den Juden nicht anders ja noch um Vieles engherziger als die Minister des Grafen

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